Vom Kennenlernritual über die ersten Schritte vor dem eigentlichen Akt zum letztendlichen Vollzug schaffte es unsere Kolumnistin Sophie Andresky scheinbar mühelos. Doch die eigentliche Prüfung und damit die größte Herausforderung bei jedem One Night Stand steht ihr erst noch bevor ...
Der Morgen danach oder Mief im Mund und draußen nur Kännchen.
Da ist es am Morgen danach, dieses Gefühl, unangenehm wie der pelzige, abgestandene Mief im Mund, das "Bist du immer noch da?"-Gefühl. Da gibt es nichts: Das muss man(n) kaschieren. Darin sind Frauen meist gut. Und ein richtiger Mann kann das auch. Charmant, freundlich und souverän. Separates the boys from the men.

Manchmal hat man Pech, dann wacht man mitten in der Rocky-Horror-Show auf. Der Easy Rider vom Vorabend entpuppt sich als lazy Couchpotato, und statt sich mit den ersten Sonnenstrahlen auf sein Bike zu schwingen und lässig grüßend zum nächsten Highway zu brettern, hängt er gegen Mittag immer noch selig schnarchend in den Federn und speichelt auf mein Kopfkissen.
Ich hatte mal einen, der begrüßte mich, noch während ich versuchte mich zu erinnern, ob er jetzt Mike oder Mick oder Miles hieß, mit dem Satz "Was machen wir heute, mein Schatz?" Da stellen sich mir die Nackenhaare auf, denn Frauen, die sich von fremden Männern die Muschi lecken, den Finger in den Po stecken oder beim Ficken in der tibetanischen Schubkarre positionieren lassen, wissen genau, was sie tun. Und sie sind sich darüber im Klaren: Das Leben ist kein Ponyhof und ein One-Night-Stand kein Heiratsmarkt. Eindringen ja. Gern. Aber nicht einziehen.
Man kann diesem Fremdsprachenunkundigen jetzt natürlich sachlich erklären, was das "one" in dem Wort "One-Night-Stand" bedeutet, aber meist helfen gegen die echten Klettverschlusstypen nur besondere Strategien.

So war es beim pupsenden Peter zum Beispiel sehr wirkungsvoll, verwirrt aus dem Bett zu springen und zu murmeln "oh Gott, ich hätte doch um zehn zurück auf Station sein müssen, jetzt erhöhen die wieder meine Dosis", um sich daraufhin unter heftigen Selbstgesprächen ins Bad zu verziehen. Prompt war der Typ verschwunden wie eine Halluzination.
Auch lustig fand ich die Variante bei dem Überbleibsel einer Singelparty ("Ü30", leider wusste ich am Vorabend nicht, dass das "bei dreißig Versuchen übrig geblieben" heißt): "Theklas Terrarium ist offen, so’n Mist. Falls du irgendwo meine Vogelspinne siehst, erschreck sie nicht!"
Und ebenfalls gerne denke ich zurück an das gefakete Telefongespräch mit der besten Freundin, mit dem ich mich für einen lausigen Cunnilingus rächte. Für diese Nummer muss man allerdings den Moment abpassen, in dem der Mann schon mithört, aber noch nicht wirklich wach ist. Hämisches Gekicher begleitet in diesem Einakter ein mitleidiges in den Hörer gewispertes "furchtbar! Ich sag dir, ganz ganz schlimm, ich dachte, ich hab Kermit im Bett, wobei Krötenlecken noch schärfer gewesen wäre, ich erzähl’s dir gleich ganz genau".

Wer nicht gern so dick aufträgt, dem empfehle ich einen beherzten Griff in den Schritt und die fürsorgliche Frage "Juckts bei dir eigentlich auch so?" Das kann man kombinieren mit muschisaftbenetzten Fingern und einem "Riech mal, damit geh ich besser zum Arzt, oder?"
Aber nicht alle Männer sind ja das personifizierte Morgengrauen. Einige sind durchaus nett und süß.
Nur müssen sie eben weg, bevor sich diese Meinung ändert.
Wenn ein gemeinsames Frühstück nicht zu vermeiden ist, geht das am besten kurz und schmerzlos im Café um die Ecke, auch wenn es da nur Kännchen gibt. Da kann man sehr einfach zu viel Intimität vermeiden. Gemeinsam aus einem Nutellaglas zu löffeln, erweckt nur den Eindruck einer wunderbaren Freundschaft.

Genau wie beim letzten Gespräch vor dem Ficken ist es auch mit dem ersten danach: unbedingt unmissverständlich sein. Keine Versprechungen. Keine Andeutungen. Und es sollte auch nicht in eine gegenseitige Bewertung wie beim Eiskunstlauf ausarten. Ich hatte nämlich mal einen Exfreund, der dachte immer, er müsse nach dem Beischlaf den Sportkommentator geben, nervig! So à la "Vorspiel eine durchschnittliche Fünf, das Rammelprogramm Sechs Komma fünf, die Vibratoren-Kür am Schluss eine überraschende Acht. Insgesamt eine ordentliche Leistung, aber nicht medaillenverdächtig."
Viel schöner ist es, wenn stattdessen beide nur noch mal kurz sagen, wie viel Spaß es gemacht hat und dass der andere wirklich wahnsinnige Brüste/Grübchen, whatever hat. Wenn er bei Tageslicht wirklich nichts Tolles hat, lobt seinen Hintern, das glauben Männer immer.
Der letzte Kuss bitte brüderlich bzw. schwesterlich auf die Stirn oder auf die Wange. Und dann adios.
Für spätere Begegnungen gilt: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Einmal beim Vögeln und einmal auf dem Weg ins Bad. Natürlich grüßt man sich nett und freundlich, wenn man sich später zufällig wieder trifft. Wem Sex peinlich ist, der sollte es gleich lassen. Enthaltsamkeit kann ja bisweilen auch sehr aufschlussreich sein.
Was man tun kann, wenn es mal längere Zeit keinen Sex gibt, dazu mehr in der nächsten Kolumne.




