Die Geschichte des Mannes ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Vor allem für die Frauen. Dabei funktionieren die Herren der Schöpfung doch sogar vollkommen ohne blaue Ersatzflüssigkeit. Dennoch stellt unsere Kolumnistin Sophie Andresky - stellvertretend für eine vermutlich nicht gerade kleine Menge von Frauen - viele wichtige Fragen ... Ob jemand geantwortet hat und wie Sophies Erkenntnisse aussehen, präsentieren wir fortfolgend …
Wer schläft, sündigt nicht … von Denken ganz zu schweigen

Dass Männer nach dem Sex immer direkt einschlafen, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich schlafen Männer nämlich immer direkt ein, sobald sie flach liegen und einmal seufzen. Egal ob sie vorher schweißtreibend gevögelt oder nur ihrem Schwanz vor dem Schlafzimmerspiegel mit Kennermiene gehuldigt haben. Der männliche Hinterkopf berührt das Kissen, drückt sich hinein, der Tiefschlafimpuls wird von irgendeiner Drüse ausgestoßen, noch ein Schnauben, Rüsseln, Schmatzen oder Räuspern ... hinüber ist er. Aus meinen Armen direkt an Morpheus' narkotisierende Brust.
Es gibt wenig auf dieser Welt, das mich derartig neidisch werden lässt.
Wie macht ein Mann das? Was passiert mit den Gedanken in seinem Kopf? Stellt er die einfach ab? Zwischen meinen Ohren tuschelt und salbadert es ununterbrochen wie früher das Küchenradio meiner Oma, den ganzen Tag – und erst recht im Dunkeln, wenn mein Gehirn sich gerade mal nicht mit Schreiben, Internetsurfen oder dem Öffnen von Katzenfutterdosen beschäftigt.
Es schwatzt, kommentiert, flüstert, mault und schäkert ohne Ende. In meinem Kopf herrscht Lärm, und je dunkler es vor meiner Stirn ist, umso lauter wird es dahinter. Gegen dieses interne Geplapper wirkt das große Opening der Muppet Show wie ein karmelitisches Schweigekloster.
Sex schaltet überflüssige Gedanken ab

Vielleicht schätze ich Sex deshalb so sehr. Wenn das Gegurre und Gekicher vorbei ist, man sich die lieben Sachen des Tages gesagt und die neuesten Anekdoten erzählt hat, wenn die Pausen zwischen den Sätzen länger werden und das Stöhnen lauter, wenn sich die Lust erst zwischen den Beinen und dann im gesamten Körper ausbreitet, wenn sich alles konzentriert auf das Ziehen im Bauch und das Geräusch des Atems, auf das Gefühl der fremden, warmen Haut, der Feuchtigkeit, auf den Moment, wenn der Schwanz in meine Möse eindringt und ich mich meinem Körper überlasse, der schon weiß, was jetzt zu tun ist, wie er sich zu drehen hat, wann er sich anspannen muss und wann er wieder ganz weich wird.
Wenn das alles passiert und im Kopf nur ein paar Worte stehen bleiben, gar nicht mal hörbar gedacht, sondern eher wie ein Echo, direkt zurückgeworfen von den Bildern hinter der Stirn, Bildern von vögelnden Menschen, Mösen und Schwänzen, leckenden Zungen und Fingern, die in Körperöffnungen eindringen, dann wird dieser Moment der Stille möglich, der einen Orgasmus so einzigartig macht. Fuck the thoughts away. Herrlich. Magisch. Fast transzendent.
Woran denkst du beim Sex?
Und bei Männern? Macht man sich mal den Spaß und fragt einen Mann so etwas wie "Woran denkst du beim Orgasmus?" oder "Denkst du beim Sex weniger als sonst?" oder "Findest du, dass Sex bei aller Geilheit nicht auch irgendwie spirituelle Momente hat?", dann sieht er einen an, als wäre er beim Ficken zu fest mit dem Schädel an den Bettpfosten gerummst. Und wenn er dann einschläft, ist es keine Müdigkeit, sondern die nackte Panik vor einem Beziehungsgespräch, bei dem er nicht die geringste Ahnung hat, wie es zustande kam, bei dem er aber am Ende auf jeden Fall schuld sein wird, egal an was.
Männer und Frauen sind eben doch unterschiedlich. Und wenn ich auch nur ungefähr wüsste, was in euch Jungs vorgeht, würdet ihr mich wahrscheinlich gar nicht so obsessiv beschäftigen.
Das Mysterium Mann
Warum zum Beispiel könnt ihr euch den Sicherheitscode des Autoradios merken, den man normalerweise ein einziges Mal einstellt, aber nicht die Namen der Serienheldinnen, die ihr jede Woche mit uns ansehen müsst? Wer von euch ist auf die Idee gekommen, dass sich zwischenmenschliche Probleme durch Weggehen, Schweigen oder Ignorieren lösen lassen?
Ab welchem magischen Moment hieltet ihr euch für ein Geschenk an die Menschheit, das selbstverständlich mehr Geld verdienen und öfter Recht haben soll als jede Frau? Wie kann man eine tiefe Freundschaft fühlen mit jemandem, mit dem man stundenlang wortlos über einem Glas Bier sitzt oder Squash spielt, ohne jemals einen tiefergehenden Satz zu teilen als "Alles klar, Alter"?

Warum haben Männer solche Angst vor Schwulsein oder Schwulwerden? Wenn man dreißig Jahre lang nicht von Ashton Kutchers Rimming-Rinne geträumt hat, tut man es doch nicht plötzlich, nur weil man mal die Handtasche der Freundin hält (mit zwei spitzen Fingern und einen halben Meter vom Körper entfernt). Warum findet ihr es nicht witzig, aus Spaß mit einem Kumpel rumzuflirten? Warum seid ihr nicht neugierig, ob ein Mann nicht doch besser bläst als eine Frau, und wieso lehnt ihr tantrische Prostatamassagen ab und kneift die Rosette zusammen, obwohl ihr euch sonst für jeden Saukram begeistert?
Seid ihr euch eurer eigenen Sexualität so unsicher?
Oder ein anderes großes Mysterium: Wieso memmen Männer immer rum, sie würden nicht verstehen, was Frauen wollen. Dabei ist es in Wahrheit sehr wohl zu verstehen, ihr wollt nur das, was ihr da hört, nicht tun. Für alle, die behaupten, sie hätten keine Ahnung, hier mal ein paar Anregungen, was Frauen gefällt:
Was Frauen wollen …
Frauen mögen Männer, die tanzen, Lieder im Auto mitsingen, Briefe schreiben, Komplimente machen, begeistert küssen, in der Öffentlichkeit mit uns Händchen halten, sich die Ohren reinigen und die Fingernägel maniküren. Wir schätzen es, wenn ihr beim Überholen nicht bis zur nächsten Stoßstange auffahrt und vor einem Date keinen Fischburger oder Knobidöner esst.

Es wäre schön, wenn ihr beim Sex mal Körperteile anfassen würdet, die schon länger nicht mehr im Gespräch waren, wenn ihr uns wirklich erst dann penetriert, wenn die Muschi richtig klitschnass seimig überfließend ist und wenn der Hinweis auf ein Kondom nicht jedes Mal von uns kommen müsste. Geradezu liebreizend finden wir es, wenn ihr beim A-tergo-Ficken die Knie zusammennehmt, damit die breitbeinige Haltung bei der knienden Frau nicht in ein schmerzhaftes Oberschenkel-Workout ausartet, und ja, verdammt, wir stehen zu Klischees: ab und an mal Blumen, Pralinen, ein selbst gekochtes Essen oder eine Fußmassage wären schon schön!
Aber werden diese Hinweise etwas nutzen und Armeen von neuen Traummännern hervorbringen? Nein. Die Hälfte der Männer hat diesen Abschnitt nur überflogen, bis es wieder ums Ficken ging, denn der Rest war Frauenzeugs, also uninteressant. Und die andere Hälfte glaubt, dass sie sowieso besser weiß, was Frauen wollen als irgend so eine dahergelaufene Autorenmieze.
Beratungsresistenz ist beim Mann gerne inbegriffen
Beratungsresistenz nennt man das wohl. Und die zieht sich durchs gesamte Mannsein. Wenn Männer nicht wissen, was sie anziehen sollen, sei es zu einem bestimmten Anlass oder generell, habe ich dafür Verständnis. Mode ist kompliziert. Was ich aber nicht verstehe: Wenn sie selbst kein kleiner Lagerfeld sind, warum suchen sie sich dann nicht einen kompetenten Profi, statt weiterhin karierte Krawatten zu gestreiften Hemden zu tragen? Eine Sitzung bei der Farbberaterin und eine weitere bei einem guten Herrenausstatter, und schon wäre diese Hürde für alle Zeiten genommen.
Ein einziger Freund von mir hat ein Date mit einem Stilberater hinter sich und geht regelmäßig zur Kosmetikerin, alle anderen finden das tuntig, überflüssig oder peinlich. Erstaunlicherweise ist dieser Freund aber auch derjenige, der von allen am erfolgreichsten ist. Übrigens nicht nur im Beruf.

Etwas mehr Beratungsbereitschaft wäre auch in sexueller Hinsicht eine gute Idee. Da muss man gar keine Kurse zur Vermeidung vorzeitiger Ejakulation bei einer Hure belegen (in manchen Bordellen gibt es regelrechte Workshops zu diesem und anderen Problemen), nein, jede Frau, die ihr im Bett habt, ist eine potentielle Auskunftsquelle. Spielt einfach mal Herrin und Jungmann und lässt euch anleiten. Dabei kommen beide auf ihre Kosten, und hinterher seid ihr wieder ein Stück näher dran am Traummann.
Falls euch übrigens diese Kolumne von einer Frau weitergemailt wurde, dann seid nicht gleich beleidigt, denn das heißt nicht, dass sie euch ärgern will. Wahrscheinlich möchte sie einfach nur mal mit euch darüber sprechen. Denn in ihrem Kopf fragen seit Ewigkeiten die immergleichen Stimmen: Was geht in diesem Mann vor? Was denkt der sich dabei? Schläft er gleich wieder?
Nach so viel Kritik wird es Zeit für ein echtes Jungsding, für den Klassiker der männlichen Sehnsüchte: den Blow Job. Wieso ein Langnese-Eis unser erster Liebhaber war und wieso Saugen im Bett erheblich mehr Spaß macht als im Haushalt, dazu mehr in der nächsten Folge.




