Das Wartezimmer des Tierarztes als Kuppellocation? Was verrät der Umgang mit den eigenen Tieren über das Sexualleben der Halter? Und was sagt ein Tier eigentlich über das Herrchen aus? All diesen Fragen ging unsere Kolumnistin Sophie Andresky einmal tiefer auf den Grund.
Den Mops im Angesicht
Singlepartys, Kuppelshows, Essen bei Freunden oder Kontaktanzeigen - alles Quatsch. Wer wirklich wissen will, was nach der Partnerwahl später auf ihn zukommt, der muss zum Tierarzt. Die Praxis meines übrigens sehr attraktiven Docs ist die perfekte Spielwiese zum Anbandeln und Abchecken. Nebenbei stelle ich ihn mir gerne als Akteur in einem Extrem-Porno vor.
Wenn er da so mit seiner grünen Metzgerschürze durch die Praxis stapft und seinen blutjungen Helferinnen Anweisungen mit dem Charme eines S/M-Kerkermeisters erteilt - da habe ich oft die Vision einer angejahrten Klistierfetischistin mit schwarzer Gummimaske, die breitbeinig an seinen Bürostuhl gebunden klagende Laute ausstößt wie ein Kätzchen bei der Ohrenkontrolle.
Allerdings glaube ich, dass meine Phantasien nur deshalb derartig mit mir durchgehen, weil ich beim Tierarzt immer so gestresst bin. Wenn man nämlich mal wirklich darüber nachdenkt und die Praxis-Öffnungszeiten und vor allem die Gerüche berücksichtigt, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass mein Doc überhaupt kein Sexualleben hat.
Aber zurück zum Verkupplungs-Areal des Wartezimmers.
Erstens kann man in der emotional aufgeladenen Stimmung eines zweistündigen Wartemarathons problemlos Gespräche anknüpfen und auch herausfinden, ob der potenzielle Kandidat solo ist und wie er mit Stress umgeht. Und beim gegenseitigen Durchkraulen des Haustiers lässt sich schon einiges über seine Feinmotorik vermuten. Wer Katzen bei jedem Streichler erstmal auf den Kopf patscht und dann ihr Fell zurückzieht, bis das Oberlid das Augenweiß freigibt, den würde ich nie zu meiner Muschi vorlassen.
Zweitens offenbart das mitgebrachte Haustier direkt, was der anvisierte Mann so für einer ist. Was will man anderes als emotionale Distanz von jemandem erwarten, der zusammen mit einem Leguan auf dem Schoß seine mitgebrachte Swingerzeitschrift durchblättert, ihn mit Dr. Klöbner anspricht und außerdem siezt? Oder der mit seinem Fisch Nummer 4 im Plastikbeutel flüsternd die Erinnerungen an die letzte Kopulation diskutiert, die Nummer 4 ja genau mitangesehen hat, weil Nummer 4 ja, wie wir anderen alle mithören können, ein heimlicher Spanner ist und immer so geil am Glas saugt, wenn das Herrchen eine Frau leckt?
Auch Skorpione, Schlangen, Spinnen oder Amphibien weisen auf den geborenen Single-Mann hin. Wer gerne in acht Augen gleichzeitig sieht, der hat es nicht so mit trauter Zweisamkeit. Und jemand, der mehr als vier Beine bei einem Tier schön findet und Geschöpfe mag, die sich abseilen, häuten oder nach der Paarung auffressen, der steht auch auf Bukkake-Gangbang, Body-Modification und andere Grenzerfahrungen wie das Einführen eines Prinzenzepters in die Harnröhre (schon der große Sexforscher Kinsey schob sich ja gern schon mal eine Zahnbürste in die Harnröhre) oder die Verwendung eines Kniefickgurtes in der Öffentlichkeit, aber sicher nicht auf Kuschelstunden vor dem Kamin.
Meerschweinchenhalter, die Godzilla oder Mussolini zum Impfen tragen, kann man dagegen probieren. Entweder sind sie witzig oder einfach nur irre. Sobald sie einem erklären, die Meerschweinchen würden eines Tages die Weltherrschaft an sich reißen, sollte man das Weite suchen.
Bei Miez und Mops scheiden sich die Geister. Ich glaube ja, dass binationale oder ökumenische Partnerschaften mit viel Toleranz funktionieren können - aber eine Katzenfrau mit einem Hundemann? Niemals. Kampfhundhalter scheiden natürlich sofort aus, und auch Hunde mit einem Kampfgewicht über 80 Kilo: fellgewordene, sabbernde Verkörperungen eines winzig kleinen, zitternden Herrchen-Egos.
Normalgroße puschelige Hunde mit Knopfaugen, Schlappohren und Dauergrinsen verweisen immerhin auf Humor. Solche Typen sind unkompliziert. Sie wissen zwar nicht, mit wie vielen l’s man Cunnilingus buchstabiert, aber man kann sie dazu dressieren. Allerdings sind Hundehalter generell eher führungsorientiert.
Anders gesagt: Die wollen dominieren oder dominiert werden. Wer sich freiwillig ein Haustier zulegt, das auf Kommando Bällchen bringt, die Füße unter dem Esstisch leckt und sich auf den Rücken rollt, wenn jemand größer ist oder lauter knurrt, der will das Prinzip Master & Servant.
Ganz anders die Katzenhalter. Sie schätzen Eleganz und Geheimnisse. Außerdem wissen sie, was Demut heißt. Wer Katzen hält, ist geduldig wie ein Kaktus und ans Verlieren gewöhnt. Zickig sind in diesen Haushalten nur die Bewohner mit vier Füßen, das Herrchen selbst meckert nicht bei Schnurrhaaren in der Butter, Katzenstreukrümeln in der Badewanne oder zerfetzten Möbeln.
So ein Mann weiß Geschenke zu würdigen und angefressene Mäuse im Flur zu entsorgen. Bei dem kann man Wärme und Zuwendung erwarten. Allerdings kommt ein Katzen-Mann manchmal etwas langsam in die Puschen. Wer regelmäßig zwanzig Minuten darauf wartet, dass Medusa es durch die Tür in die Wohnung schafft, der verliert schnell das Maß für Action und Zeit.
Bleibt die Frage, wen davon ich nun angebaggert habe beim letzten Zahnstein-Termin von Kater Ulysses. Ist doch klar: den falschen, weil Männer-Kategorisierungen alle Quatsch sind und man sie probeficken muss, um herauszufinden, ob sie eine Partnerin wollen oder nur ein weiteres Haustier.
Aber dazu mehr in der nächsten Kolumne.










