Sexualität hat unzählige Facetten und wirft jede Menge Fragen auf. Sie ist Gegenstand verschiedenster Fachdisziplinen; jeder hat seinen eigenen Zugang, seinen eigenen Blick auf die Sexualität. Sie ist Thema in Kunst und Medien und verschiedene Kulturen und Subkulturen eröffnen weitere Blickwinkel...
Mit diesem unglaublich weiten Themenfeld befasst sich das im Oktober 2010 in Dresden eröffnete, bundesweit erste Zentrum für sexuelle Bildung. Die hier angebotenen Workshops und Seminare sollen interdisziplinär Wissen zur Sexualität vermitteln. Denn die Gründer sind der Meinung, dass Sexualität durchaus erlernt werden kann. Und genau dafür sollte eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wobei jeder sein Bildungsziel selbst bestimmen können sollte.
Dies ist in dem Zentrum für sexuelle Bildung nun möglich, dessen Arbeit weit über die Aufklärung biologischer Zusammenhänge oder Schwangerschafts- und Krankheitsprävention hinausgeht. Wir stellen euch das Zentrum näher vor und suchen Tester, die einen Workshop in dem Zentrum besuchen wollen.
Sinnlichkeit, Massage und Sexualität: Sinnes-art
Beginnen wollen wir mit dem Begriff "Sinnes-art". Unter diesem Begriff - oder auch gemeinsamen Markennamen - werden verschiedene Projekte zusammengefasst, die sich um Sinnlichkeit, Massage und Sexualität drehen. Derzeit gehören zu "Sinnes-art" drei Dresdner Massagestudios für ganzheitliche und sinnliche Massagen, ein Ausbildungsbereich für sinnlich-erotische Massagen und seit neuestem das Zentrum für sexuelle Bildung.
Die Idee hinter dem Zentrum für sexuelle Bildung hat dank "Sinnes-art" also schon eine längere Geschichte. Genau genommen begann diese 2005, als zwei Massagestudios unter der Dachmarke "Sinnes-art" ihr Wissen in Seminaren vor allem zum Thema "Sinnliche Massage" weitergaben. 2008 gründete man aus Kapazitätsgründen ein weiteres Studio und weitete fortan das Angebot konsequent aus - sowohl was die Anzahl der Seminare betraf als auch die Themenvielfalt.
Dabei fiel schnell auf, dass vor allem jene Seminare besonders gut besucht wurden, die einen Bezug zum Thema Sinnlichkeit und Sexualität hatten. Außerdem zeichnete sich ab, dass die Teilnehmer auch aus Gründen kamen, die weniger spezifisch mit Massage oder dem jeweiligen Seminarthema zusammenhingen, als vielmehr mit einem generellen Wunsch nach Kenntnissen und Erfahrungsmöglichkeiten rund um Sexualität und Sinnlichkeit.
Für ihren unbefangenen und wertschätzenden Umgang mit dem Thema Sexualität wurden die Verantwortlichen hinter "Sinnes-art" von den Seminarteilnehmern und Massagegästen mehrfach gelobt. Dieses positive Feedback und die bei dem Projekt "Sinnes-art" gesammelten Erfahrungen führten dazu, dass man Mitte 2010 die Idee entwickelte, die Sexualität zum Kernthema der Seminarangebote zu machen.
Sexualität ist erlernbar
Dabei wollte man schon am Namen erkennbar machen, dass es um Aspekte sexueller Bildung gehen würde. Daraufhin warf man das bereits geplante Seminarprogramm 2011 noch einmal über den Haufen und richtete alles auf das neue Konzept hin aus – versuchte es so vielfältig wie möglich auszugestalten und ihm einen klaren Bezug zum Thema Sexualität zu geben. Der Institution, die aus diesen Entwicklungen heraus entstand, gab man dann folgerichtig den Namen: Zentrum für sexuelle Bildung …
Die Idee eines solchen Zentrums für sexuelle Bildung entwickelte, einmal in den Raum geworfen, ziemlich schnell ein intensives Eigenleben. Das Team des Zentrums für sexuelle Bildung überschneidet sich zwar mit dem Massageteam von "Sinnes-art", ist mit diesem aber nicht identisch. Dies begründet sich vor allem darin, dass die Zielgruppen in weiten Teilen unterschiedlich sind. Der gemeinsame Nenner beider Projekte ist ein entschiedenes Ja zu Sinnlichkeit und Sexualität auf Grundlage von gegenseitigem Respekt, Würde und Lust.
Ziele des Zentrums für sexuelle Bildung
Lena Morgenroth, Leiterin des Zentrums, umreist dessen Ziele wie folgt: "Wir wollen praktische, brauchbare, lebensnahe, vielseitige Angebote an alle Menschen machen, die sich näher mit Sexualität beschäftigen wollen - und zwar überregional, Sex ist schließlich überall Thema. Wir finden, es sollte einen Ort geben, an dem es möglich ist, ganz praktisch etwas über den sexuellen Umgang mit sich selbst und anderen zu lernen. Jeder Kunstform eine Schule - Sex sollte da keine unrühmliche Ausnahme bilden. *schmunzelt*
Wirklich neu und deutschlandweit einzigartig ist die Breite unseres geplanten Veranstaltungs- und Seminarangebotes. Wir wollen dabei das Rad nicht neu erfinden - es gibt ja schon jede Menge Angebote und jede Menge Wissen zum Thema Sexualität. Wir bauen da auf unsere eigene Erfahrung und die Vorarbeit in verschiedenen Fachdisziplinen, Subkulturen und Szenen. Deren Ergebnisse, Ansätze, Workshopangebote, die oftmals vor allem in den eigenen Kreisen bekannt sind, wollen wir einer jeweils breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.
Dadurch können wir Interessierten eine breite Palette an Zugängen zu den verschiedensten Aspekten der Sexualität bieten. Außerdem fördern wir den Austausch der Disziplinen und Szenen untereinander, und wollen dadurch ganz neue, innovative Angebote auf den Weg bringen.
Was haben die Sexualpädagogen den Tantrikern zu sagen? Oder die Tantriker den Swingern? Die Swinger den Antropologen? Die Anthropologen der queeren Community? Die queere Szene den Medizinern? Die Mediziner den Pädagogen? - Wir wissen es auch nicht, sind aber gespannt darauf, es rauszukriegen. So sicher wir uns bei jedem einzelnen unserer Angebote sind - insgesamt ist das Projekt ein Experiment, auf dessen Ausgang wir selbst neugierig sind."
Im Zentrum behandelte Themenfelder der Sexualität
Die im Zentrum für sexuelle Bildung behandelten Themenfelder sind so vielfältig wie die Sexualität selbst. Man wird sich mit Fragen beschäftigen, die sich um Sexualität & Profession drehen (z.B.: Wie gehen ÄrztInnen, PädagogInnen, TherapeutInnen, Betreuungs- und Pflegepersonal mit dem Thema Sexualität um?), um Sexualität & Gesundheit (z.B.: Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen Sexualität und unserer körperlichen, psychischen, seelischen Gesundheit?), um Sexualität & Identität (z.B.: Wer bist du als sexuelles Wesen? Frau, Mann, von beidem etwas, etwas ganz anderes?), um Sexualität & Beziehung (z.B.: Geht Sexualität ohne Beziehung? Beziehung ohne Sex?), um das Spannungsfeld Sexualität & Kultur (z.B.: Welche Werte übernehmen wir unbewusst im Zuge der Sozialisation und wie stark sind davon unsere sexuellen Ausdrucksformen und Gefühle geprägt? Welchen Niederschlag findet das in unserer Umgebung, in Design und Kunst, in der Sprache und in Tabus, in Wissenschaft und Wirtschaft?), um Sexuelle Spielarten & Techniken (z.B.: Welche Spielarten und Techniken können den Sex abwechslungsreicher und prickelnder machen?) und auch Sexualität & Spiritualität (z.B.: Welche Rolle spielt Sexualität in verschiedenen spirituellen Traditionen und Religionen?) wird natürlich eine Rolle spielen.
Des Weiteren betrachtet man in Seminaren und Workshops Wissenschaften, die sich in Teilgebieten mit Aspekten der Sexualität oder mit grundsätzlichen sexuellen Fragen beschäftigen und die Auswirkungen oder Anwendungsgebiete im Bereich der Sexualität haben. Auch die Künste klammert man nicht aus, denn es gibt wohl so gut wie keine Kunstform, in der Sexualität nicht thematisiert worden wäre.
Auch das weite Feld der Körperarbeit mit seiner Vielzahl an Berührungs- und Bewegungstechniken, die Entspannung und körperliches Wohlbefinden steigern können, lässt man nicht außen vor, findet sich hier doch eine wahre Schatzkiste an Methoden zur Schulung von Körperwahrnehmung, Beweglichkeit, Geschick und Empathie. Denn erfüllte Sexualität fängt schon lange vor dem Sex an - unter anderem mit der Kenntnis und Annahme des eigenen Körpers.
Eine weitere große Rolle spielt die Betrachtung von Subkulturen & Szenen, wo oft unbemerkt vom Rest der Welt intensive und innovative Auseinandersetzungen über Sexualität stattfinden. Swinger und Polyamore zähmen die Eifersucht und erproben neue Beziehungsmodelle. Die queere Szene stellt Geschlechterkonzepte in Frage. In der BDSM-Szene gibt es eine rege Workshopkultur und einen ständigen Diskurs über Macht und Verantwortung sowie den bewussten Umgang mit Grenzen und negativen Gefühlen wie Angst, Schmerz, Machtlosigkeit.
Und last but not least wird in dem Zentrum für sexuelle Bildung auch ein Blick auf verschiedene Kulturen geworfen und wie diese ihre Sexualität leben oder gar verhindern.
Qualität ist das oberste Gebot
Schaut man auf der Internetseite des Zentrums vorbei, erkennt man an dem Programm des Institutes für 2011, dass noch nicht alle anvisierten Themenfelder wirklich abgedeckt werden. Doch die Verantwortlichen hinter dem noch sehr jungen Projekt bemühen sich aktuell sehr, das angestrebte und sehr vielfältige Themenrepertoire mit Leben zu füllen. Dabei ist ihnen enorm wichtig, qualitativ hochwertige Angebote machen zu können, ohne dabei in blindem Aktionismus ein alle Themen abdeckendes Angebot übers Knie zu brechen.
Lena Morgenroth ergänzt dazu: "Wir suchen noch DozentInnen und Kooperationspartner, bilden uns selbst weiter... auf Ergänzungen darf man also gespannt sein, und Anregungen und Vorschläge sind immer herzlich willkommen."
Seminare und Workshops übertragen die Theorie in die Praxis
Vorerst werden in dem Zentrum vornehmlich Seminare und Workshops angeboten. Das liegt daran, dass sich die Macher in der Praxis einfach am besten auskennen, hier ihre Erfahrungen aus jahrelanger Arbeit an "Sinnes-art" nutzen können und daher auch die meisten DozentInnen kennen. Ziel ist es, das Wissen effektiv in die Praxis zu übertragen, denn theoretische Erkenntnisse könnte man sich ja ohne weiteres auch aus dem Internet holen. Für die Zukunft will man das Programm des Zentrums gerne noch um Kulturveranstaltungen, Gruppen und Vorträge erweitern - Schritt für Schritt.
Die aktuell angebotenen Seminare laufen dabei sehr, sehr unterschiedlich ab. Je nach Thema und DozentIn - für detaillierte Infos und Preise werft bitte einen Blick auf das Seminarprogramm. Die einzelnen Seminare sind dort alle mit ausführlichen Informationen verlinkt.
Seminartestteilnahme
Gemeinsam mit dem Zentrum für sexuelle Bildung suchen wir eine/n Singleuser/in oder ein Pärchen, der/das gerne einmal einen Eintagesworkshop in dem Zentrum mitmachen möchte und anschließend für uns in einem Testbericht beschreibt, was bei dem Workshop alles geschehen ist und wie lohnend der Besuch dieser Veranstaltung war. Leider können wir die Anreise nicht tragen. Ihr solltet also vornehmlich in Dresden und Umgebung leben oder aber die Möglichkeit für einen kurzen Erholungsurlaub in Dresden nutzen.
Angeboten werden folgende zwei Workshops:
Würdevoller Sex I: Self-Love. Der Zusammenhang von Sex, Klarheit und Selbstwert
Am Samstag, den 16. April, von 10-18 Uhr
Alle Informationen zu dem Workshop
Dirty Talk oder die Kunst seiner Fantasie freien Lauf zu lassen
Am Sonntag, den 8. Mai, von 10-18 Uhr
Alle Informationen zu dem Workshop
Wer Interesse an einem der Workshops hat und darüber für uns berichten möchte, schreibt bitte eine kurze Bewerbung in den angeschlossenen Diskussionsthread und gibt bitte an, welchen Workshop er bevorzugen würde.














