Ihr Herz schlägt bis zum Hals, als er ihr den seidenen Schal über die Augen führt und an ihrem Hinterkopf verknotet. Es ist, als würden Teile der Welt um sie herum versinken. Für einen Moment fühlt sie sich allein. Ihr ist kalt. Sie sitzt nackt auf dem Bett, in kniender Position. Jetzt schwindelt ihr, denn ihre Augen können sich nirgendwo festhalten. Wo ist er? Eben noch fühlte sie seinen Atem in ihrem Nacken, jetzt… scheint er fort zu sein. Ihr eigener Atem, flach und unregelmäßig, ist plötzlich so laut in ihren Ohren. Sogar ihr Blut fühlt sie im Rhythmus ihres raschen Herzschlags in ihren Schläfen pochen.
Ein Sinn völlig ausgeschaltet...

Dann spürt sie, wie sich die Matratze leicht bewegt. Eine kleine Erschütterung nur. Er ist noch da. Ein wenig ist sie erleichtert, ein wenig wächst ihre Nervosität. Es irritiert sie. Ein Sinn völlig ausgeschaltet und plötzlich scheinen alle übrigen Wahrnehmungen umso intensiver. Sie scheinen förmlich auf sie einzustürzen. Die kalte Luft auf ihrer nackten Haut, jedes Knacken des Dielenfußbodens, jeder Hauch einer Bewegung.
Endlich, kurzer Schrecken und Erlösung gleichermaßen, seine Stimme ganz dicht an ihrem Ohr: "Ich bin noch hier. Spürst Du mich?"
"Ja", haucht sie mit zittriger Stimme. Beim Klang seiner Worte haben sich sämtliche Härchen auf ihren Unterarmen aufgerichtet.
Er kniet nun neben ihr. Hinter ihr? Sie kann es gar nicht genau sagen. Sie spürt, wie ein wenig seiner Körperwärme zu ihr hinüberströmt. Sie will in seine Arme! Sie will seinen Halt. Sie hat irgendwie das Gefühl, rechts und links direkt neben ihr geht es direkt ins Bodenlose hinab. Er ist ihr einziger Bezugspunkt und sie will aufgefangen werden. Aber er hat nichts dergleichen vor. Noch nicht. Es bleibt ihr nur seine Stimme als einzige Orientierung.
"Du siehst wunderschön aus", raunt er dicht neben ihr und sie muss ihm glauben. Denn sie hat ja nicht nur ihn aus den Augen verloren, das Bett, das Zimmer, sondern auch sich selbst. "Ich möchte Dich anfassen… überall", fügt er hinzu.
Alles war er tut ist eine komplette Überraschung
Allein durch diese Worte ist sie wie elektrisiert. Wo wird er sie berühren, wie wird er sie berühren? Dann sind seine Hände auf ihr und sie hört sich stöhnen. Er hat nur ihre Arme berührt, dann ihren Rücken, mit leichter, zärtlicher Hand. Und doch glaubt sie, nie eine intensivere Berührung gespürt zu haben. Denn nichts war da, das ihrem Hirn vorab hätte melden können "Jetzt hebt er die Hand um dir über den Arm zu streichen". Nein. Alles, was er tut, ist eine komplette Überraschung.

Er streichelt sie. Mal sanft, mal mit festeren Strichen und sie stöhnt immer wieder auf. Noch spart er mit Absicht ihre erogensten Zonen aus, aber sie fühlt, wie gerade die nach seiner Berührung rufen. Ihre Nippel sind längst hart wie kleine Kieselsteine und sie spürt sich feucht werden. Sie fühlt wirklich regelrecht, wie sich die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen sammelt. Doch er hat offenbar nicht vor, sofort so direkt zu werden. Seine Hände lösen sich von ihr und sie möchte rufen "Nein! Geh nicht!", aber schon ist da etwas Neues. Sie hört ihn kurz hantieren, dann ein Luftzug, dann etwas weiches, feines, fast unangenehm zartes auf ihrem Oberschenkel.
Eine Feder! Oh nein, das mag sie nicht, das ist ZU zart. Sie windet sich. "Nein," sagt sie, versucht, sich ihm zu entziehen, aber die Feder folgt ihr. Sie wagt auch keine zu großen Bewegungen, sie hat noch immer das Gefühl, mitten im dunklen Universum auf einem dünnen Holzpfahl zu hocken, um sie herum nur Abgrund. Er führt die Feder an den Innenflächen ihrer Arme entlang, über ihre Wangen, dann über die Innenseiten ihrer Schenkel. Sie zappelt, sie stöhnt, sie versucht, sich zu finden, irgendwo zwischen Erregung und Ablehnung.
Er malt Bilder auf ihr
Dann hört sie ihn leise lachen und die Feder verschwindet. Wieder Hantieren… dann ein Schmerz! Kurz, spitz, stechend. Sie schreit nicht, sie zieht nur hörbar die Luft ein, tastet mit den Händen und ist erstaunt. Ein Eiswürfel. Kein Schmerz, nur Kälte. Kälte, die sich auf ihrer Haut in feuchte Wärme verwandelt. Er malt Bilder auf ihr. Ihren Hals entlang, zwischen ihren Brüsten hinab, über ihren Bauch, wieder zurück. Sie zittert. Tropfen von Schmelzwasser rinnen ihr in kleinen Bächen über den Körper, versickern in ihrem Schoß.
"Beweg dich nicht. Ich will dich ansehen. Genau so." hört sie ihn sagen. Seine Stimme ist so ruhig, so kontrolliert, so tief und voll. So hört sie sie sonst nicht, obwohl sie ihren Klang seit einigen Jahren kennt.

Dann fühlt sie, wie er sich hinter sie hockt. Er ist nackt! Wann hat er sich ausgezogen? Die Wärme seines Körpers, sein Geruch, seine fühlbare Stärke… überwältigen sie. In ihrem Rücken fühlt sie seine Erektion. Die Spitze seines Schwanzes touchiert sie, ganz kurz nur, und sie glaubt fast zu zerspringen. Er streicht ihr mit den Händen über die Arme, hinauf und wieder hinunter. Rauh fühlen sich seine Finger an. Nur ganz wenig, nicht unangenehm, aber rauh. Seine Wärme tut so gut. Dann drückt er ihr eine Hand in den Nacken.
"Beug dich nach vorne, stütz dich mit den Armen ab." Sie kniet auf dem Bett, abgestützt auf ihren Ellenbogen, den Po in die Luft gestreckt, und fühlt sich… so nackt wie noch nie in ihrem Leben. Gleichzeitig kann sie es kaum erwarten, seine Finger und seinen Schwanz in sich zu spüren. Er massiert ihre Pobacken, seine Finger wandern weiter und endlich, ENDLICH...
Ungeahnte Gefühle und Reize
Viele Frauen und auch Männer beschreiben, ähnlich wie es unsere Protagonistin hier empfindet, ungeahnte Gefühle und Reize, sobald man ihnen die Augen verbindet. Alle anderen Sinne würden förmlich explodieren, heißt es. Die Empfindlichkeit, die Erregbarkeit, alles wäre enorm potenziert. Besonders die Frauen genießen anscheinend dieses Gefühl, sich ganz und gar fallen lassen zu können in die Situation, in das Vertrauen zum Partner. Vertrauen, so heißt es, sei ohnehin das allerwichtigste bei dieser Spielart. Deshalb kommt es für die Mehrheit derer, die sie schon ausprobiert haben, auch nicht in Frage, sie bei einem One-Night-Stand einzusetzen oder zu erlauben, dass man sie an ihnen einsetzt.
In den Armen eines vertrauten Partners aber scheint der Sex mit verbundenen Augen eine schöne und aufregende Besonderheit zu sein. Dieses Nichtwissen dessen, was als nächstes geschieht, dieser Wechsel aus Stimulanz und dem Gefühl, ganz allein gelassen zu werden, diese Mischung aus Erregung und einer gewissen Ängstlichkeit, all das scheint ein besonderes Aphrodisiakum zu sein.
Besonderes Vertrauen verlangt eine Variante der Spielart, bei der eine dritte Person ins Spiel kommt. Ein Partner bekommt die Aufgabe, demjenigen mit verbundenen Augen eine dritte Person zuzuführen. Der ganz besondere Reiz ist hierbei, dass die momentan "erblindete" Person nichts über diesen Fremden weiß und ihn noch nie gesehen hat. Dem Partner so zu vertrauen, dass er eine gute Wahl trifft, ist bemerkenswert, die völlige Unkenntnis des dritten Fremden ein ganz besonderer Kick. Manche betonen sogar, dass es für sie NUR so funktioniert. Dass der eigene Partner als Spielpartner ausscheidet, weil man den ja schon zu gut kenne und dass die Möglichkeit, den fremden Partner selbst auszusuchen, auch ausscheide, weil man den ja dann quasi auch schon kenne. In dem Fall führt also nur die tatsächliche Fremdheit zu den erhofften Höhenflügen.
Im Darkroom in die Körperlosigkeit abtauchen

Eine weitere Variante des Spiels ist der Besuch eines Darkrooms. Solche Räume finden sich oft in Swingerclubs. Sie sind mehr oder weniger stark abgedunkelt und sollen so den Besuchern die Umsetzung der Phantasie ermöglichen, ihres Augenlichts beraubt und somit auf die verstärkte Wahrnehmung durch die übrigen Sinne zurückgeworfen zu sein. Den Darkroom-Liebhaber reizt es, in die dunkle Gesichts- und Körperlosigkeit abzutauchen und die reine, anonyme Berührung zu genießen. Alt oder jung, Männlein oder Weiblein, attraktiv oder eher durchschnittlich, all das spielt bei der Auslebung dieser Phantasie keine Rolle.
Es geht nur um die Berührung, das Sich-fallen-lassen in Arme, das Gestreichelt-werden von Händen. Skeptiker können sich schwer vorstellen, dass es unwichtig sein kann, zu wem die Arme gehören oder ob die Hände frisch gewaschen oder manikürt sind oder nicht und ob ihre Besitzer alt oder jung, hässlich oder hübsch sind. Sie möchten zuvor betrachten und selbst entscheiden dürfen, wer sie berührt. Beide Ansichten haben natürlich ihre Berechtigung. Es verhält sich mit der Darkroom-Phantasie eben wie mit vielen anderen Phantasien auch. Für die, die sie haben, sind sie erstrebens- und umsetzenswert, für die, die sie nicht haben, haben sie keinerlei erotischen Reiz und sind schwer nachzuvollziehen.
Ob man nun die Variante bevorzugt, sich vom vertrauten Partner kurzzeitig das Augenlicht nehmen zu lassen und ihn so ganz neu zu erleben oder ob man sich ganz bewusst dem Fremden ausliefert, in welcher Form auch immer, das ist eine persönliche Entscheidungsfrage. Es ist in jedem Fall die Mischung aus absolutem Vertrauen in die Situation und gleichzeitiger Fremdheit und Neuheit des Erlebens, die den besonderen Reiz der Spielart ausmacht. Wer sich dafür entscheidet, fremde Menschen in seine Phantasie mit einzubeziehen, der sollte nur eines bedenken: blind ist ja nicht gleich blöd oder gar lebensmüde. Und ob ein Kondom getragen wird, das kann man nicht nur sehen, das kann man auch fühlen…
In diesem Sinne: habt Spaß!
SinasTraum
Alle Fotos by: Leoncool





