01.12.2009

Aids - keine Entwarnung

Wir sollten Behandelbarkeit nicht mit Heilbarkeit verwechseln …

Mittlerweile gilt die HIV-Infektion als behandelbare, wenn auch nicht heilbare chronische Krankheit. Zumindest in den reicheren Ländern dieser Welt. Wer sich heute in Deutschland mit HIV infiziert, kann mit einer wahrscheinlich annähernd normalen Lebenserwartung rechnen. Ein positives Test-Ergebnis ist dank der modernen Medikamente also kein Todesurteil mehr.

Ein Plakat aus der aktuellen Kampagne zum Welt Aids Tag. Foto: Sebastian Hänel
Ein Plakat aus der aktuellen Kampagne zum Welt Aids Tag. Foto: Sebastian Hänel

Keine Entwarnung bei Aids

Christiane Paul engagiert sich für den Weltaidstag. Foto: Sebastian Hänel
Christiane Paul engagiert sich für den Weltaidstag. Foto: Sebastian Hänel

Schauspielerin Christiane Paul (35) sieht beim Umgang mit Aids vielleicht auch deshalb eine gefährliche Sorglosigkeit. "Das Thema hat in der Öffentlichkeit an Präsenz verloren, ist fast in Vergessenheit geraten. Der Schrecken ist weg, gerade in Westeuropa." Das sei eine fatale Entwicklung, denn es gebe keinen Grund zur Entwarnung, sagte Paul, die auch promovierte Ärztin ist, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln. Seit Jahren unterstützt sie Aktionen zum Weltaidstag am 1. Dezember.

"Wir haben es mit einem globalen Problem zu tun und mit steigenden Zahlen, trotz aller Prävention", betonte die 35-Jährige. "Das Sterben geht weiter." Weltweit leben mit 33,4 Millionen infizierter Menschen mehr als je zuvor mit dem Aidserreger HIV im Blut. 2008 sind rund zwei Millionen Menschen an der Krankheit gestorben.

Auch Phillip Lahm engagiert sich für den Weltaidstag. Foto: Sebastian Hänel
Auch Phillip Lahm engagiert sich für den Weltaidstag. Foto: Sebastian Hänel

Es sei ein Trugschluss, sich wegen immer besserer Therapien in Sicherheit zu glauben: "Wir haben Zugang zu Medikamenten, die ein Leben mit HIV ermöglichen. Der Ausbruch der Aids-Krankheit wird verzögert." Vergessen werde dabei aber: "Die, die HIV-positiv sind, müssen die Medikamente ihr Leben lang einnehmen und haben mit extremem Nebenwirkungen zu kämpfen, so dass ein normales soziales Leben fast nicht möglich ist." In Deutschland liegt die Zahl der Neuinfektionen seit einigen Jahren bei etwa 3000.

Viele Betroffene leiden auch an chronischen Erkrankungen als Folge der Langzeit-Medikation. Die Infizierten tragen der ausgebildeten Chirurgin zufolge auch besondere Verantwortung dafür, dass sie andere nicht infizieren. Die Aufklärung und Prävention in Deutschland - federführend sind etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Deutsche AIDS-Hilfe - sei gut, betonte Paul, die sich auch als Botschafterin beim UN-Kinderhilfswerk UNICEF im Kampf gegen Aids engagiert.

Anni Friesinger beteiligt sich ebenfalls seit Jahren an den Weltaidstagkampagnen. Foto: Sebastian Hänel
Anni Friesinger beteiligt sich ebenfalls seit Jahren an den Weltaidstagkampagnen. Foto: Sebastian Hänel

Derzeit leben bundesweit rund 67 000 HIV-Infizierte, die größte Gruppe bilden homosexuelle Männer. Infizierte und Kranke hätten nach wie vor mit Stigmatisierung zu kämpfen, kritisierte Paul: "Es gibt immer noch Ausgrenzung. Wenn man hört, jemand hat Krebs, dann heißt es: 'O Gott'. Hört man, jemand ist HIV-positiv, heißt es: 'Selber schuld'."

Nach Ansicht des Aids-Seelsorger der Evangelischen Landeskirche Württemberg, Eckhard Ulrich, wird die Immunschwäche heute wieder stärker tabuisiert als noch vor einigen Jahren. Aids drohe wieder in einer "Schmuddelecke" zu versinken, sagte Ulrich der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart. "Vielleicht weil es heute mehr zum Alltag gehört und lebbarer ist, wird nicht mehr so viel darüber geredet." Er habe den Eindruck, die Infektion verschwinde aus dem Blickfeld, seit die Betroffenen nicht mehr so offensiv für ihre Rechte kämpfen müssten.

Gespräche: Yuriko Wahl und Wenke Böhm
Quelle: dpa und www.welt-aids-tag.de

Weitere Themen

Weltaidskonferenz 2010
In Wien sind neue Strategien für den Kampf gegen Aids ebenso The- ma wie neue Vorsorgemaßnahmen.

Jugend vernachlässigt Verhütung
Jugendliche verzichten einer internationalen Studie zufolge beim Sex immer häufiger auf Verhütung und nennen als Grund u.a. fehlende Verhütungsmittel.

Eine Betroffene erzählt
Noch immer gilt es die Ausgrenzung und Stigmatisierung von Aidskranken zu bekämpfen.

Kommentare

Pressemeldungen und Wahrscheinlichkeiten

Pressemeldungen

Diese Pressemeldung habe ich gestern auch gelesen. Nun, es wird sicherlich noch eine Zeit dauern, bis auf diese Entdeckung eine Medikation folgen wird.

Wahrscheinlichkeiten

Es stößt bei mir immer wieder auf Unverständnis, dass bezüglich der Infektionsrisiken mit Wahrscheinlichkeiten jongliert wird. Mathematisch gesehen mögen diese Rechnungen ja korrekt sein. Aber beim konventionellen Sex besteht immer eine 1:1-Relation. Und wenn es dich dann erwischt hat, wirst du jede Wahrsdheinlichkeit verfluchen. Denn, auch wenn es beim jetzigen Stand der Medizin möglich ist, die Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze zu halten, bleibt als Fakt stehen, dass du den Virus in dir trägst. Und nach dem heutigen Stand wird dies dein Zustand sein bis zu deinem Lebensende. Und auch, wenn ein Impstoff entwickelt wird, bedeutet dies erst einmal nur Schutz für diejenigen, die keinen HI-Virus in sich tragen.

In diesem Sinne: Ein Kondom ist wirksamer als jede Wahrscheinlichkeitsrechnung!
Pressemeldung ...

Proteine konnten im Labor mehr als 90 Prozent aller bekannten HIV-Stämme stoppen

Washington - Ein amerikanisches Forscherteam hat zwei menschliche Antikörper entdeckt, die im Labor mehr als 90 Prozent aller bekannten HIV-Stämme stoppen können. Die Proteine mit den Bezeichnungen VRC01 und VRC02 neutralisieren damit mehr Aids-Erreger-Varianten als alle anderen bisher bekannten Antikörper, wie die Wissenschafter um John Mascola von den US-Gesundheitsforschungsinstituten (NIH) im Fachjournal "Science" berichten.

Links nur für Mitglieder
unverantwortlich

gerade auf einer plattform wie der diesen hier, halte ich "dumme sprüche" wie diesen hier:

Squirting: Hällöle
"...Tja, wenn man Alzheimer und HIV auf einmal hat, kann das schon mal passieren..."

(...und soetwas von einer joycliub-gruppengründerin/-moderatorin als eröffnungsposting für den aktuellen "neuvorstellung der mitglieder"-thread zu lesen... mitzubekommen, dass hierzu sachlich kritische stimmen in form von antwortpostings einfach kommentarlos gelöscht werden.... das macht mich fast sprachlos...)

und stammtischpolemik für mehr als nur gefährlich...

hiv/aids betrifft jede ethnische und soziale schicht und es ist sehr traurig, dass zu einem derartigen thema überhaupt noch "glaubens"-diskussionen entstehen können *snief* .


update/editierung:

nachtrag!
soeben wurde der o.g. verlinkte und zitierte beirag durch die autorin editiert, jedoch halte ich dies bzw. die inhaltliche änderung für eine nicht minder bedenkliche geschichte...

zitat alter satz:
Tja, wenn man Alzheimer und HIV auf einmal hat, kann das schon mal passieren


zitat editierter satz und hinzugefügtes p.s.:
Tja, wenn man Alzheimer und H.I.V.* auf einmal hat, kann das schon mal passieren.

PS: Und nun für alle Unwissenden, shiwawa, dich zähle ich nicht dazu.... .
* hab ich vergessen.


*kopfschüttelnde grüsse

Sogno:
Das sind die Gleichen, die statistisch gesehen nicht in der Risikogruppe sind.
(Man bemerke bitte den Sarkasmus.)
wenn....

....ich hier die diversen videos ansehe, dann erschreckt es mich doch schon sehr. da werden GB videos hochgeladen wo deutlich zu erkennen ist, dass ohne gummi ge...... wird. ich habe mir einmal erlaubt, ein video zu "bewerten" mit den worten.....
"schon etwas riskant so ganz ohne gummi".........und habe auf den beitrag Weltaidstag hier im joyclub verwiesen.
das ergebnis war, dass mein beitrag über das video sofort gelöscht wurde und ich von dem paar mit den worten angegriffen, was es mich denn wohl angeht.
da kann ich einfach nur mit dem kopf schütteln.
Immernoch Achtung!

Ihr Lieben,heute noch genug Moral.
komme aus dem Medizinischen und hab von Berufswegen viel mit HIV-positiven zu tun. Nehmt Euch in acht; wenn die Therapie nicht greift oder nicht regelmäßig (also mindestens täglich) genommen wird, gibt es auch heute noch das Vollbild AIDS, in dem man elend an unspektakulären Infektionen versterben kann. Sicher ist HIV ein wenig besser behandelbar geworden und die neuen Medikamente (Integrasehemmer, T20) bieten sicher neue Optionen, aber HIV tötet! Seid es Euch einfach wert, HAART hat genug Nebenwirkungen und wenn man sie sich ersparen kann, ist es das locker wert.
Bei Fragen gerne persönliche Mail.
Bis denn, RS

*gruebel*
Naja, spricht auch niemand was dagegen.
So und in dem Zusammenhang wie Du es jetzt postest.
Da Du das aber bis jetzt nicht getan hast, wurde es nicht nur von mir anders gelesen und verstanden.
Es lief immer auf eine Verharmlosung heraus.
Einigen wir uns doch auf folgendes:

Eine Gefahr ist immer da, egal von welcher Seite, aber wir rechnen nicht mit dem Schlimmsten.
Vorallem aber, vergessen wir nicht, dass es diese Krankheit durch alle Bevölkerungsschichten gibt.

Ok?

Jeder Arzt, der Dir ins Gesicht sagt, es gibt kein Risiko, der lügt Dir in die Augen.

DAS wird dir auch kein Arzt sagen!

Aber jeder VERANTWORTUNGSBEWUSSTE und UNPARTEIISCHE Arzt wird dir ins Gesicht sagen das es sehr viel wahrscheinlicher sein wird das du an den Folgen eines Verkehrsunfall sterben wirst denn an HIV/AIDS ...... das sind nicht von der Hand zu weisende Fakten.

Noch sehr viel wahrscheinlicher wird es sein das du eines Tages einem Herzinfarkt erliegen wirst ..... oder ganz einfach an Altersschwäche stirbst. Auch das sind Fakten die durch reale Zahlen belegbar sind.

Die WAHNSINNIGE und UNÜBERSCHAUBARE Gefahr HIV/AIDS gibt es nur in den Köpfen einiger Vorstandsvorsitzender von Pharmakonzernen und anderen Organisationen die damit ihr Geld verdienen oder ihre Existenz darüber rechtfertigen.
NEIN, ich bestreite nicht das es HIV/AIDS gibt! NEIN, ich bestreite nicht das es eine mathematische Wahrscheinlichkeit, sogar eine reale Möglichkeit gibt sich mit HIV/AIDS zu infizieren!
ABER, diese Möglichkeit liegt weit weit weit hinter hunderten anderer Gefährdungs- und Todesmöglichkeiten ........ und darum geht es mir!

Hättest Du lieber Erwin psychologische Aspekte, die Handeln beeinflussen eher angebracht, dann hätten wir uns 95% dieses Themas sparen können.
Nur wehre ich mich entschieden gegen mathematische Wahrscheinlichkeiten die man sich auf Grund irgendwelcher Untersuchungen ausrechnet.
Juli hat in dem Bereich Aufklärung, Sexualerziehung zu tun. Wieso muß es dann solche Menschen wie sie geben, wenn alles erklärbar ist?
Rechenbeispiele hat Hetaere auch schon versucht zu bringen.
Ja, wenn ich den durchschnitts Bürger in einer durchschnittlichen deutschen (österreichischen) wo auch immer Stadt nehme, davon 50 befrage, bekomme ich harmonisierungswürdige Ergebnisse.
Diese werden dann zu bunten Bildern und Zahlen.
Auch Amtsärzte sind nur Menschen die interpretieren.
Jeder Arzt, der Dir ins Gesicht sagt, es gibt kein Risiko, der lügt Dir in die Augen.
Aber bitte.
Vielleicht muß wirklich erst etwas passieren. Sein es ein gepflegter Tripper, Pilze, Syphillies oder HIV.
Allerspätestens dann fragt keiner mehr, wer mal was wann erzählt hat.
Denn auch dieses Risiko gibt es in überwachten Clubs.
Oder mein bester Freund Herpes. Google den mal.
Gibt herrliche Bilder von dem. Auch diesen wirst Du in Clubs finden.
Obwohl alle Kondom benutzen, gesund sind, und Amtsärzte diese überwachen.
@gizmo - ja und ...

Swinger, Prostituierte= gefährdeter als monogam lebende Partner.
dieser Aussage schließe ich mich zu 100% an !

Was aber nichts damit zu tun hat, daß HIV/AIDS (und um genau dies geht es ja ?!) im (legalen und zumindest in Ö wöchentlich vorgeschriebenen med. untersuchten) Bereich überhaupt ein statistisch (!) gesehenes enormes Gefährdungspotential darstellt. Das ist schlichtwegs falsch !

Wie es im nicht kontrollierten Zwangs-/Beschaffungs-/Drogen-/Strassen-Prostitutionsbereich aussieht weiß ich nicht, aber vermutlich gefährlicher.

Nach zB. Aussagen der zuständigen Amtsärztin für den steirischen Bereich, ist HIV/AIDS im Bereich der kontrollierten Clubs/Bars überhaupt keine relevante Gefährdung, im Gegensatz zu anderen STD's, aber selbst diese liegen nicht signifikant über dem statistischen Bevölkerungsdurchschnitt.

Deshalb entspringen irgendwelche "logisch, klarerweise Hochrisiko-Aussagen" für mich einer durchaus psychologisch begründbaren "gefühlten Angst", die realen Fakten zuwider läuft.

Würde sich unser Empfinden nach statistischen Zahlen richten würde zB. niemand Lotto spielen und beim Autofahren würde so jemand in wesentlich grösseren Angstzuständen sein, als beim (sogar hypothetisch ungeschützten) GV mit einer Prostituierten.

Wie und dass uns "die Psychologie" bei solchen Gefahren oder "gefühlten Wahrheiten" ganz schön "überlistet", ist auch recht gut untersucht - lies zB. mal Watzlawick o.ä.

Und das hat nichts mit Verharmlosung oder der Unterstellung, man wäre gegen Kondome, zu tun - aber auch das habe ich schon mehrmals geschrieben *roll*

Erwin
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