15.03.2011

Seitensprung - Lust oder Frust?

Die verschiedenen Facetten von Seitensprung und Fremdgehen

Das Thema Seitensprung ist in vielen Beziehungen immer wieder ein Thema. Ob aus Sicht des Fremdgehers oder des Betrogenen: Die Facetten, die ein Seitensprung beinhaltet, sind vielfältig. Der Reiz des Neuen, der Wunsch nach Individualität und Freiraum, Eifersucht und Selbstzweifel sind dabei nur einige der möglichen Empfindungen von Betroffenen.

Wir wollen uns der Seitensprung-Problematik genauer widmen und berichten im Folgenden "Von der Lust und dem Frust mit dem Fremdgehen".

Seitensprung - ja oder nein? © Leoncool
Seitensprung - ja oder nein? © Leoncool

Der Seitensprung: Nahezu jeder macht es

Jochen tut es. Klaus tut es. Manfred tut es. Jörg auch. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Susanne, Tine, Inge und Sonja tun es natürlich auch. Nicht dass uns nachher einer kommt und meint, wir würden behaupten, nur Männer würden es tun…

Mit dem Fremdgehen ist es ein wenig wie mit einem Burger-Restaurant: Alle finden es schrecklich und geschmacklos, keiner will je dort gewesen sein, aber Zahlen beweisen, dass sich trotzdem irgendwie jeder den Stoff gibt. Es gibt zumindest statistisch gesehen kaum einen, der nicht schon wenigstens einmal im Leben einen Fleischklops zwischen zwei labberigen Brötchenhälften verdrückt hat. Von den Dunkelziffern fangen wir mal gar nicht erst an.

Und ebenso wie fettiges, ungesundes Essen ist auch Fremdgehen eine reine Genusssache. Und ebenso wie fettiges, ungesundes Essen verursacht Fremdgehen hinterher ein übel schlechtes Gewissen.

So, nun aber Schluss mit dem Vergleich.

Gründe fürs Fremdgehen

Neulich stellte im Forum jemand die Frage "Wieso gehen Menschen fremd?"

Im Grunde ist die Antwort darauf nicht weiter kompliziert:
Menschen gehen fremd, weil sie die Lust dazu verspüren und weil sich ihnen die Gelegenheit bietet. Und weil sie eben just in dem Augenblick dann auch noch bereit sind, heimlich Grenzen zu übertreten, die eigentlich tabu sind.

Der Frust des Seitensprungs © Leoncool
Der Frust des Seitensprungs © Leoncool

Wobei: Sollten wir "Fremdgehen" erst noch definieren müssen? Für diese kleine Abhandlung gehen wir von der Definition aus, das "fremdgehen" gleichzusetzen ist mit "betrügen". Streng genommen könnte man einwenden, dass "fremdgehen" ja nur bedeutet "zu jemand Fremdem gehen" und das wäre ja auch in einer offenen Beziehung der Fall, in der diese Dinge mit Einwilligung des Partners passieren. Wir behaupten jedoch für diesen Text einfach mal, dass "fremdgehen" per se negativ konnotiert ist, also impliziert, dass das Schlafen mit einem fremden Menschen ohne Einwilligung des Partners geschieht. Wir schreiben hier also "fremdgehen", meinen aber "betrügen", also Sex mit anderen hinterm Rücken und ohne Wissen des Partners.

Wo waren wir? Ach ja. Man geht also fremd, man betrügt also, weil sich eine Lust darauf einstellt, oft ausgelöst durch die Begegnung mit einem Menschen, den man sehr anziehend findet. Anziehend auf eine Weise, der man sich nicht zu entziehen vermag.

Der Seitensprung mit und ohne Grund

Nun gibt es – mal einfach ausgedrückt – zwei Kategorien von Fremdgehern: Die einen brauchen einen Grund, die anderen nicht. Die, die einen Grund brauchen, die tun sich ohne den Grund oft sehr schwer damit, mit ihrem schlechten Gewissen klar zu kommen. Da hilft es dann einfach, sich selbst und den vielleicht vorhandenen Eingeweihten sagen zu können: "Naja, zu Hause läuft einfach schon ewig nichts! Ich kann reden, ich kann mich bemühen, ich kann schimpfen, ich kann betteln. Zu Hause bekomm ich nichts und ich bin noch nicht achtzig, ich will noch Sex! Also lässt er/sie mir ja keine andere Wahl!"

Diese Gattung Fremdgeher kann zumeist wenigstens auf einen Mitleidsbonus hoffen. Nur die ganz krassen moralischen Hardliner sagen da noch "Na, dann trenn Dich eben von ihm/ihr anstatt heimlich Sex woanders zu haben!" Das ist natürlich nichts weiter als eine Plattitüde, denn die sexuell Frustrierten, die sind eben nur sexuell frustriert. Eine langjährige Beziehung wird ja von sehr viel mehr zusammengehalten als von Sex. Und das alles gleich über Bord zu werfen nur weil man gern mal wieder einen wegstecken möchte? Wohl kaum.

Aber es gab ja noch die zweite Gattung Fremdgeher. Die, die keinen Grund brauchen. Die, die über sich wissen: Ich kann nicht treu sein und im Grund will ich auch nicht treu sein. Ich brauche ab und an den Kick der Eroberung, den Reiz des Neuen und ja, auch das Verbotene bereitet mir besondere Lust. Man könnte sie auch als die überzeugten Fremdgeher bezeichnen, wohingegen die erste Gattung eher die Fremdgeher wider Willen sind.

Nun sind da wieder die moralischen Fingerzeiger, die sagen "Tja, wenn jemand das schon so genau weiß über sich, wieso gaukelt er dann allen vor, er würde glücklich in einer monogamen Beziehung leben? Soll er doch ehrlich sein und die Öffnung der Beziehung verlangen! Und wenn der Partner das nicht will, soll er sich trennen und sich jemanden suchen, der das mitmacht!"

Sicher doch. Nur wurde ja bereits erwähnt, dass ein großer Reiz bei der Fremdgeherei eben auch im Verbotenen liegt. Was kann man nicht für herrliche Sehnsüchte und Begierden entwickeln, wenn man sich nur in unregelmäßigen Abständen sehen kann, wenn es sich ein wenig so anfühlt wie bei den Königskindern, die nicht beieinander sein können. Sehnsucht und Heimlichkeit lassen das Herz klopfen und wirken wie Spiritus auf die Flamme der Leidenschaft, die bei einer Affäre entfacht wird.

Der Seitensprung als Reiz des Verbotenen?

Gerade das Verbotene ist an einem Seitensprung oft reizvoll.
Gerade das Verbotene ist an einem Seitensprung oft reizvoll.

Im Grunde seines Herzens ist der Mensch ein Kind, auch der nach Lebensalter erwachsene Mensch: Was verboten ist, übt einen besonderen Reiz aus. Wie die Gummibärchen, die Mama so sorgsam weggeschlossen hat oben im Schrank. Und, und auch das ist entscheidend bei der Beantwortung der Frage wieso jemand fremdgeht: Der Mensch begehrt nicht mehr, was er schon hat.

Das mag ein sehr archaischer Impuls sein, aber er ist auch in heutigen Beziehungen mehr als präsent: Man liebt an seinem Partner die Innigkeit, die Liebe, die tiefe Verbindung, die über Jahre geschaffen wurde, aber die Begierde, die bleibt irgendwann auf der Strecke. Man ist sich einander sicher. Das ist auf der einen Seite absolut wünschenswert, denn eine dauernde Angst vor dem Verlust des festen Partners würde eine Beziehung sicher sehr negativ belasten.

Aber auf der anderen Seite ist es halt nicht sonderlich sexy, sich sicher zu sein. Und so hat denn auch die große anfängliche Leidenschaft in festen Beziehungen eine statistische Halbwertszeit von 3-4 Jahren. Danach nimmt die Lust auf den Partner ab. Das ist gar nicht böse gemeint, es ist einfach eine Tatsache, die wohl jeder schon einmal erlebt und festgestellt hat. Der Sex "schleift ein". Die Frequenz nimmt ab, die Wildheit auch. Es wird gemütlicher. Dadurch steigt allerdings dann auch die Innigkeit, die Verbundenheit, die Harmonie. Dinge, die eine langjährige Partnerschaft oft unschlagbar machen.

Dennoch: Die Aufregung fehlt einfach. Nun gibt es eben Menschen, die finden sich damit ab, genießen es, wie es ist und vermissen auch nichts. Andere Menschen bekommen aber irgendwann Hummeln im Hintern, werden unruhig, schauen sich wieder nach Anderen um, wagen einen Flirt hier und da. Und noch andere Menschen belassen es eben nicht bei einem Flirt. Die überschreiten – einmalig oder mehrfach – die Grenze zum Betrug des Partners, indem sie Sex mit anderen haben und dem Partner davon nichts erzählen.

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Kommentare

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*geschlossen*


Wir möchten uns an dieser Stelle für die rege Beteiligung bedanken.

Ja, hab ich und dem ist auch so.

Dehalb hab ich ja dennoch die Erfahrung, selbst betrogen worden zu sein und auch einige Lehren daraus gezogen. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Die Moral steht ja auf einem anderen Blatt

Zum anderen tut sich auch die Frage auf, wann man soetwas nachverhandeln kann. Muß man evtl. erst seinen Partner "betrügen", um sich selbst sicher sein zu können, dass es so ist?

Ich bin heute an einem Punkt, an dem mir die Ehrlichkeit nicht nur wichtig ist, sie mir in sexueller Sicht auch Spass macht. Und aus meiner Erfahrung heraus haben wir auch das Thema offene Beziehung mehr als nur einmal angesprochen. Einiges ist in der Tat sehr reizvoll und das sieht mein Partner auch so. Zum teilen bzw. gönnen sind wir noch nicht bereit.

@SonneFinsternis: Wo ich die Beiträge von dir so lese, frag ich mich was. Hattest du nicht vor wenigen Tagen in einem anderen Thread geschrieben du hättest eine Affäre mit einem gebundenen Mann, der seine Frau auch nicht verlassen würde ?!

@womaninblack

Der Unterschied liegt m.E. aber darin, daß es ja nicht, wie im Titel um einen Seitensprung geht, sondern um die Abkehr von Rahmenbedinungen, denen man selbst einmal zugestimmt hat



Eine Frage die sich mir auch stellt ist, ab wann ist es ein Nachverhanden? Gibt es einen Unterschied zwischen Neu- und Nachverhandeln? Ist das Nach- bzw. Neuverhandeln nicht auch ein Teil in einer Beziehung? Um es mal krass zu sagen: Hat man nicht ein Recht auf`s Nachverhandeln?

Nur mal als Beispiel:

Man einigt sich auf eine Wandfarbe im Wohnzimmer. Ein paar Jahren fühlt man sich darin wohl und irgendwann mag ich dieses schlichte weiß nicht mehr - möchte etwas Farbe, etwas frisches/neues. Nach langem hin und her, weil es unter anderem auch mit Arbeit und Zeit zu tun hat, einigt man sich. Auch mit dem Wissen, dass der Mann diese Farbe nicht sonderlich mag und sich meinetwegen darauf einläßt. Soweit so gut ---> alles noch harmlose Verhandlungen.

Es geht in sofern weiter, dass man, lange bevor man geheiratet hat doch in der Tat mit ihm ein ganz anderes Sexleben hatte. Man hatte fast täglich Sex, war weitaus kreativer, in meinem Fall haben wir uns sogar an fremde Haut herangetastet, ich fühlte mich ganz anders zu ihm hingezogen und wußte, er war der richtige und gab sich schließlich das Ja-Wort. ---> Sind das nun die Rahmenbedingungen?

Es folgten dann klassisch die Kids und statt ca 1 mal am Tag, gabs höchstens nur noch 1 mal die Woche nach 10 Jahren Ehe. Desweiteren "mußte er sich" meine Zeit und Aufmerksamkeit mit seinen Kids teilen. Nun, das nimmt der Mann relativ gerne hin - sind ja schließlich auch seine - und auch mir fehlt etwas von seiner Zeit. ---> Die Rahmenbedingunen haben sich schleichend verändert.

Wir sind also unter ganz anderen Voraussetzungen in diese Ehe gegangen. Ist es hier nicht auch ein Recht, wenn sich anfängliche Bedingungen ändern, zumindest den Urzustand wieder herstellen zu wollen? Den Urzustand, der auch wohl immer eine gewisse Neugier und Zugänglichkeit dem anderern gegenüber beinhaltete.

Ich bin immer mit einer monogamen Einstellung in eine Beziehung gegangen. Nicht, weil es "normal" ist, weil es ein gesellschaftliches Diktat ist - es ist einfach meine ganz persönliche Einstellung dazu. Ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich in 10 Jahren vielleicht mal Lust auf einen anderen bekomme. An dieser Einstellung wird sich wahrscheinlich auch so schnell nichts ändern.

Zum anderen tut sich auch die Frage auf, wann man soetwas nachverhandeln kann. Muß man evtl. erst seinen Partner "betrügen", um sich selbst sicher sein zu können, dass es so ist? Wird man da in einen ONS schliddern und sich allein darüber Gedanken machen? Oder sitz man morgens am Frühstückstisch und sagt: Schatz, mir wäre gestern Abend beinahe etwas passiert ... ich glaube, ich hab Lust auf fremde Haut?"

Ich bin heute an einem Punkt, an dem mir die Ehrlichkeit nicht nur wichtig ist, sie mir in sexueller Sicht auch Spass macht. Und aus meiner Erfahrung heraus haben wir auch das Thema offene Beziehung mehr als nur einmal angesprochen. Einiges ist in der Tat sehr reizvoll und das sieht mein Partner auch so. Zum teilen bzw. gönnen sind wir noch nicht bereit. Wir sehen es einfach nicht für uns. Mag sein, dass es thematisiert wurde, weil ich betogen wurde. Jedoch war in den Gesprächen nicht mein damaliger Schmerz Mittelpunkt, sondern tatsächlich der Lustgewinn, den ein anderer uns geben könnte.

Ein Nachverhandel scheint mir in einer von Anfang an sehr offenen/ehrlichen Beziehung durchaus zu gegeben. Wenn beide Partner die Erfahrung mitbringen, was passieren kann, wenn ein Partner nicht zugänglich ist, wenn man seine Wünsche nicht äußern kann. Unter diesem Gesichtspunkt ist mir Vertrauen und Treue sehr wichtig. Auch die Treue zu sich selbst. Mir selbst treu zu bleiben und ehrlich zu sein.

@evian

Der Unterschied liegt m.E. aber darin, daß es ja nicht, wie im Titel um einen Seitensprung geht, sondern um die Abkehr von Rahmenbedinungen, denen man selbst einmal zugestimmt hat und damit eine ganz andere Lebenseinstellung leben will und auf diese eben auch nicht verzichten will.

WiB

Irgendwie wünschte ich mir, dass dieser Thread weiterläuft. Der ja nun insbesondere von den "freimütigen" Beiträgen von Bronze15 befruchtet wird.

Sicher "lebte" dieser Thread im Wesentlichen durch die Beiträge von @Bronze15 und den Diskutanten. Und mal einer der wenigen in der kein Mod sich einmischen musste, außer jetzt gleich am Ende mit seinem Täfelchen *geschlossen*

Aber es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass dieser Thread nicht der Letzte seiner Art sein wird mit dieser Thematik.
@Bronze15

Also ich möchte die Öffnung sehr gerne nacherhandeln, aber dafür ist im Moment ganz eindeutig kein JA zu erwarten. D.h. Das Verhandeln würde auf ein Ende der Beziehung hinauslaufen. -
Irgendwie wünschte ich mir, dass dieser Thread weiterläuft. Der ja nun insbesondere von den "freimütigen" Beiträgen von Bronze15 befruchtet wird.
Ich selbst habe derzeit nun z.B. überhaupt nicht das Bedürfnis nach "fremder Haut", einerseits, weil ich die "beste Liebhaberin von allen" an meiner Seite habe, - andererseits zugegebener Maßen wohl auch, weil ich davor mal ein bunte "Dating-Phase" hatte.
Aber kann ich sicher sein, dass die "beste Liebhaberin von allen" es ähnlich sieht? Vielleicht möchte sie ja "nachverhandeln", aber traut sich nicht, wer weiss?
Bronze15, einige Dinge bleiben mir unklar.
a) Kann ich nicht ganz nachvollziehen, wo der "Benefit" für dich liegt, Sex in einem Bordell zu haben. Auch bei Verdrängung aller Umstände bleibt doch klar, dass die "Damen" dort nicht geil "auf Dich und Deinen Schwanz", sondern auf Dein Portemonnaie sind.
b) Ist mir nicht klar, weswegen du dir sicher bist, dass eine "Nachverhandlung" zwingend auf ein Beziehungsende hinauslaufen muss. Was sagt denn Deine Partnerin dazu, mit der du "hochempathisch verbunden" bist, dass Du mit dem Sex, so wie er mit ihr abläuft, nicht glücklich bist.
c) Du bist doch ein differenzierter Kerl. Kannst Du beschreiben, welchen psychologischen Hintergrund es hat, dass Du Dich als "nicht monogam" empfindest?
Nur so Gedanken
Freimut

@mutabor65

Der Unterschied liegt eben auch daran, ob man im Alleingang entscheidet oder ob man zu sich selbst steht und sich daran hält, was man in der Vergangenheit zugesagt hat.
Es gibt ja auch eine Menge Paare die gemeinsam swingen und das auch eine Abänderung der mal getroffenen 1. Rahmenbedinung ist.

WiB

Der Mensch, der für sich seine Rahmenbedingungen festlegt, wird diese je nach seinen Erfahrungen abändern und das nach seinen Vorstellungen.
Der Mensch, der sich mit einem anderen zusammengetan hat, kann das m.E. eben einfach nicht mehr. Er kann hoffen, daß eine Abänderung der Rahmenbedingungen mit getragen wird oder das man gemeinsam einen Weg findet sich diesem anzunähern.

und was sagt uns nun dies das...???

*fiesgrins*


wenn man sich dessen bewusst wird, und man diesem umstand kennt!!!

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