Das Thema Seitensprung ist in vielen Beziehungen immer wieder ein Thema. Ob aus Sicht des Fremdgehers oder des Betrogenen: Die Facetten, die ein Seitensprung beinhaltet, sind vielfältig. Der Reiz des Neuen, der Wunsch nach Individualität und Freiraum, Eifersucht und Selbstzweifel sind dabei nur einige der möglichen Empfindungen von Betroffenen.
Wir wollen uns der Seitensprung-Problematik genauer widmen und berichten im Folgenden "Von der Lust und dem Frust mit dem Fremdgehen".

Seitensprung - Lust oder Frust?
- Der Seitensprung: Nahezu jeder macht es
- Gründe fürs Fremdgehen
- Der Seitensprung mit und ohne Grund
- Der Seitensprung als Reiz des Verbotenen?
Wie wirkt sich ein Seitensprung auf die Beziehung aus?
- Den Seitensprung beichten?
- Der Seitensprung für den Beziehungserhalt?
- Der Seitensprung zur Schaffung von Freiräumen?
Das Buch über den Seitensprung
- "Wenn Liebe fremdgeht"
- Kommentare
Der Seitensprung: Nahezu jeder macht es
Jochen tut es. Klaus tut es. Manfred tut es. Jörg auch. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Susanne, Tine, Inge und Sonja tun es natürlich auch. Nicht dass uns nachher einer kommt und meint, wir würden behaupten, nur Männer würden es tun…
Mit dem Fremdgehen ist es ein wenig wie mit einem Burger-Restaurant: Alle finden es schrecklich und geschmacklos, keiner will je dort gewesen sein, aber Zahlen beweisen, dass sich trotzdem irgendwie jeder den Stoff gibt. Es gibt zumindest statistisch gesehen kaum einen, der nicht schon wenigstens einmal im Leben einen Fleischklops zwischen zwei labberigen Brötchenhälften verdrückt hat. Von den Dunkelziffern fangen wir mal gar nicht erst an.
Und ebenso wie fettiges, ungesundes Essen ist auch Fremdgehen eine reine Genusssache. Und ebenso wie fettiges, ungesundes Essen verursacht Fremdgehen hinterher ein übel schlechtes Gewissen.
So, nun aber Schluss mit dem Vergleich.
Gründe fürs Fremdgehen
Neulich stellte im Forum jemand die Frage "Wieso gehen Menschen fremd?"
Im Grunde ist die Antwort darauf nicht weiter kompliziert:
Menschen gehen fremd, weil sie die Lust dazu verspüren und weil sich ihnen die Gelegenheit bietet. Und weil sie eben just in dem Augenblick dann auch noch bereit sind, heimlich Grenzen zu übertreten, die eigentlich tabu sind.

Wobei: Sollten wir "Fremdgehen" erst noch definieren müssen? Für diese kleine Abhandlung gehen wir von der Definition aus, das "fremdgehen" gleichzusetzen ist mit "betrügen". Streng genommen könnte man einwenden, dass "fremdgehen" ja nur bedeutet "zu jemand Fremdem gehen" und das wäre ja auch in einer offenen Beziehung der Fall, in der diese Dinge mit Einwilligung des Partners passieren. Wir behaupten jedoch für diesen Text einfach mal, dass "fremdgehen" per se negativ konnotiert ist, also impliziert, dass das Schlafen mit einem fremden Menschen ohne Einwilligung des Partners geschieht. Wir schreiben hier also "fremdgehen", meinen aber "betrügen", also Sex mit anderen hinterm Rücken und ohne Wissen des Partners.
Wo waren wir? Ach ja. Man geht also fremd, man betrügt also, weil sich eine Lust darauf einstellt, oft ausgelöst durch die Begegnung mit einem Menschen, den man sehr anziehend findet. Anziehend auf eine Weise, der man sich nicht zu entziehen vermag.
Der Seitensprung mit und ohne Grund
Nun gibt es – mal einfach ausgedrückt – zwei Kategorien von Fremdgehern: Die einen brauchen einen Grund, die anderen nicht. Die, die einen Grund brauchen, die tun sich ohne den Grund oft sehr schwer damit, mit ihrem schlechten Gewissen klar zu kommen. Da hilft es dann einfach, sich selbst und den vielleicht vorhandenen Eingeweihten sagen zu können: "Naja, zu Hause läuft einfach schon ewig nichts! Ich kann reden, ich kann mich bemühen, ich kann schimpfen, ich kann betteln. Zu Hause bekomm ich nichts und ich bin noch nicht achtzig, ich will noch Sex! Also lässt er/sie mir ja keine andere Wahl!"
Diese Gattung Fremdgeher kann zumeist wenigstens auf einen Mitleidsbonus hoffen. Nur die ganz krassen moralischen Hardliner sagen da noch "Na, dann trenn Dich eben von ihm/ihr anstatt heimlich Sex woanders zu haben!" Das ist natürlich nichts weiter als eine Plattitüde, denn die sexuell Frustrierten, die sind eben nur sexuell frustriert. Eine langjährige Beziehung wird ja von sehr viel mehr zusammengehalten als von Sex. Und das alles gleich über Bord zu werfen nur weil man gern mal wieder einen wegstecken möchte? Wohl kaum.
Aber es gab ja noch die zweite Gattung Fremdgeher. Die, die keinen Grund brauchen. Die, die über sich wissen: Ich kann nicht treu sein und im Grund will ich auch nicht treu sein. Ich brauche ab und an den Kick der Eroberung, den Reiz des Neuen und ja, auch das Verbotene bereitet mir besondere Lust. Man könnte sie auch als die überzeugten Fremdgeher bezeichnen, wohingegen die erste Gattung eher die Fremdgeher wider Willen sind.
Nun sind da wieder die moralischen Fingerzeiger, die sagen "Tja, wenn jemand das schon so genau weiß über sich, wieso gaukelt er dann allen vor, er würde glücklich in einer monogamen Beziehung leben? Soll er doch ehrlich sein und die Öffnung der Beziehung verlangen! Und wenn der Partner das nicht will, soll er sich trennen und sich jemanden suchen, der das mitmacht!"
Sicher doch. Nur wurde ja bereits erwähnt, dass ein großer Reiz bei der Fremdgeherei eben auch im Verbotenen liegt. Was kann man nicht für herrliche Sehnsüchte und Begierden entwickeln, wenn man sich nur in unregelmäßigen Abständen sehen kann, wenn es sich ein wenig so anfühlt wie bei den Königskindern, die nicht beieinander sein können. Sehnsucht und Heimlichkeit lassen das Herz klopfen und wirken wie Spiritus auf die Flamme der Leidenschaft, die bei einer Affäre entfacht wird.
Der Seitensprung als Reiz des Verbotenen?

Im Grunde seines Herzens ist der Mensch ein Kind, auch der nach Lebensalter erwachsene Mensch: Was verboten ist, übt einen besonderen Reiz aus. Wie die Gummibärchen, die Mama so sorgsam weggeschlossen hat oben im Schrank. Und, und auch das ist entscheidend bei der Beantwortung der Frage wieso jemand fremdgeht: Der Mensch begehrt nicht mehr, was er schon hat.
Das mag ein sehr archaischer Impuls sein, aber er ist auch in heutigen Beziehungen mehr als präsent: Man liebt an seinem Partner die Innigkeit, die Liebe, die tiefe Verbindung, die über Jahre geschaffen wurde, aber die Begierde, die bleibt irgendwann auf der Strecke. Man ist sich einander sicher. Das ist auf der einen Seite absolut wünschenswert, denn eine dauernde Angst vor dem Verlust des festen Partners würde eine Beziehung sicher sehr negativ belasten.
Aber auf der anderen Seite ist es halt nicht sonderlich sexy, sich sicher zu sein. Und so hat denn auch die große anfängliche Leidenschaft in festen Beziehungen eine statistische Halbwertszeit von 3-4 Jahren. Danach nimmt die Lust auf den Partner ab. Das ist gar nicht böse gemeint, es ist einfach eine Tatsache, die wohl jeder schon einmal erlebt und festgestellt hat. Der Sex "schleift ein". Die Frequenz nimmt ab, die Wildheit auch. Es wird gemütlicher. Dadurch steigt allerdings dann auch die Innigkeit, die Verbundenheit, die Harmonie. Dinge, die eine langjährige Partnerschaft oft unschlagbar machen.
Dennoch: Die Aufregung fehlt einfach. Nun gibt es eben Menschen, die finden sich damit ab, genießen es, wie es ist und vermissen auch nichts. Andere Menschen bekommen aber irgendwann Hummeln im Hintern, werden unruhig, schauen sich wieder nach Anderen um, wagen einen Flirt hier und da. Und noch andere Menschen belassen es eben nicht bei einem Flirt. Die überschreiten – einmalig oder mehrfach – die Grenze zum Betrug des Partners, indem sie Sex mit anderen haben und dem Partner davon nichts erzählen.
- 1. Teil: Seitensprung - Lust oder Frust?
- 2. Teil: Wie wirkt sich ein Seitensprung auf die Beziehung aus?
- 3. Teil: Das Buch über den Seitensprung




