04.04.2011

Die Beichte eines Seitensprungs

Den Seitensprung beichten oder verschweigen?

Der Seitensprung wird insbesondere in den Beziehungen zum Problem, in denen sexuelle Treue als Voraussetzung für die Partnerschaft angesehen wird. Treue und Vertrauen gehen hier Hand in Hand und bilden den Grundbaustein für eine erfolgreiche feste Beziehung.

Seitensprünge passieren täglich und oftmals häufig im Verlauf einer Beziehung. Dabei ist schon längst nicht mehr nur den Männern das Fremdgehen zugeordnet. Immer häufiger gehen auch Frauen fremd und probieren sich durch verschiedene Seitensprünge sexuell aus. Die Reue und das schlechte Gewissen kommen oft im direkten Anschluss. So stellen sich Fremdgeher und Fremdgeherin jedes Mal wieder die entscheidende Frage: Beichten oder lieber nicht beichten?

Der Seitensprung als Tabuthema?

Obwohl Therapeuten und Psychologen in verschiedenen Ratgebermagazinen immer wieder dazu raten, auch in einer funktionierenden Beziehung das Fremdgehen als Thema zu besprechen, fällt in vielen Beziehungen kein Wort darüber und das Thema wird zu einem Tabuthema kategorisiert. So fällt es Betroffenen gerade deshalb häufig sehr schwer, ihre Tat zu beichten.

Einen Seitensprung zu beichten, ist nicht leicht.
Einen Seitensprung zu beichten, ist nicht leicht.

Eine vorab geregelte Vereinbarung zu dem Thema "Was passiert, wenn mein Partner fremd geht?" könnte bei vielen Betroffenen den Erwartungsdruck und die entstehende Last vermindern. Darüber hinaus beugt es umfangreich einem Anlügen und Spionieren des Partners vor und kann unter Umständen sogar ein Fremdgehen verhindern.

Sind Seitensprünge genetisch verankert?

Der Seitensprung an sich ist fest in der Evolution verankert. Laut der Evolutionstheorie ist der Mann genetisch dazu beauftragt, seine Gene an so viele Frauen wie nur möglich weiter zu geben, damit die Erhaltung seiner Art gesichert ist. Demnach ist ein Seitensprung keine Reue-Tat, sondern eine Investition in die eigene Zukunft. Ähnliches gilt ebenso für die Frau. Sie hatten häufig mehrere Partner, um bei einem Todesfall des eigenen Partners einen Ersatz garantiert zu haben. Dabei dachten sie nicht nur an ihr eigenes Wohlergehen, sondern vor allem an das ihrer Kinder, die ernährt werden mussten.

Jedoch sind diese Zeiten mit den heutigen nicht mehr vereinbar. Sexualität hat schon lang nicht mehr die alleinige Rolle der Fortpflanzung, sondern dient im 20. Jahrhundert vor allem als eine Funktion sozialer Kommunikation sowie Bedürfnisbefriedigung.

Was ist eigentlich eine Beichte?

Um das Für und Wider einer Seitensprung-Beichte abzuwägen, wollen wir zunächst klären, was eine Beichte eigentlich ist.

Ursprünglich war dies eine Form der kirchlichen Sündenvergebung. So kam es, dass ein Sündiger seine Schuld erkannte und vor einem Priester beichtete, der ihm wiederrum im Auftrag Gottes nach Bekanntgabe der Buße die Schuld vergab. Für die Priester galt immer schon eine Schweigepflicht und somit erfuhr kein anderer von der Beichte oder der begangenen Sünde. Doch keiner, der einen Seitensprung gewagt hat, erwartet vom Priester heutzutage eine Sündenfreisprechung.

Nach einem Seitensprung ist das Vertrauen des Partners meist kaputt.
Nach einem Seitensprung ist das Vertrauen des Partners meist kaputt.

Im heutigen Kontext ist die Beichte nicht mehr an die kirchliche Tradition gebunden und hat sich als eigenständige Bezeichnung für die Bekanntgabe der Sünden etabliert. Häufig wird jene Bekanntgabe entweder im kleinen Kreis oder direkt bei der durch die Sünde geschädigten Person ausgesprochen. Eine Freisprechung jedoch wird heutzutage nicht mehr getroffen, Buße jedoch schon. Dies kann beispielweise in der Vollstreckung bestimmter Sanktionen erfolgen. So ist der Partner beziehungsweise die Partnerin danach nicht imstande, dem Partner zu vertrauen. Darüber hinaus kann die Beziehung aufgelöst werden, oder die Freiheiten des Partners werden stark eingeschränkt. Durch den starken Vertrauensbruch tritt eine komplette Vergebung jedoch so gut wie nie auf.

Zunächst einer Vertrauensperson beichten

Es ist sicher, dass eine Beichte die Beziehung nicht verbessern würde, sondern im Gegenteil nur erschweren und belasten würde. Während vorher nur einer der Partner eine Last mit sich trug, sind beide nach der Beichte belastet.

Wer dennoch die Verantwortung für sein Tun verantwortungsbewusst übernehmen möchte und sich von seiner Schuld befreien will, sollte in erster Linie erst einmal eine Vertrauensperson zur Beichte aufsuchen. Das Gewissen kann hierbei erleichtert werden, und oftmals haben die Vertrauenspersonen noch einen guten Tipp oder Ratschlag auf Lager. Wichtig hierbei sollte dennoch sein, dass die Vertrauensperson das Geheimnis für sich behält.

In solchen Gesprächen kann man außerdem nach dem Grund für das Fremdgehen forschen. Laut verschiedener Studien sind die häufigsten Gründe des Fremdgehens, die Neugierde das Gewohnte für eine Nacht abzulegen und etwas Neues mit einer fremden Person zu entdecken. Darüber hinaus steht auch der Reiz, etwas Verbotenes und Gefährliches zu tun, sehr hoch auf der Liste der Gründe. Ein weiterer Grund kann auch das Verlangen nach Bestätigung sein, was man vielleicht in der eigenen Beziehung nicht mehr wahrnimmt. Die Bestätigung noch immer begehrenswert zu sein, befriedigt den Fremdgehenden oftmals sogar mehr als der sexuelle Akt an sich. Zu den weiteren Gründen gehören auch eine allgemeine Unzufriedenheit in der Beziehung sowie ein langweiliges Sexualleben mit dem Partner oder der Partnerin.

Bei Letzterem ist es daher sinnvoll, nicht nur mit der Vertrauensperson darüber zu reden, sondern vor allem auch mit dem Partner über die Probleme in der Beziehung zu reden und eine Lösung zu finden. Oftmals kann man hier bereits einem weiteren Seitensprung präventiv vorbeugen, in dem man beispielsweise in das Sexualleben wieder ein bisschen Würze bringt.

Den Seitensprung verschweigen

Oft wird der Seitensprung einfach verschwiegen.
Oft wird der Seitensprung einfach verschwiegen.

Um den Partner nicht zu verletzen, verschweigen viele ihre Seitensprünge. Dies kann mitunter eine kluge Entscheidung sein, besonders wenn es sich bei dem Seitensprung lediglich um eine einmalige Aktion handelt und keine weiteren dieser Art in Aussicht stehen. Damit ist auch gemeint, dass bei dem Seitensprung umfassend verhütet wurde und somit keine gesundheitlichen oder sozialen Risiken folgen können. Ein Kontakt mit dem One-Night-Stand sollte für die Zukunft komplett vermieden werden.

Der Vorteil hierbei ist, dass die Beziehung mit dem Partner wie gewohnt weitergeführt werden kann und der Partner keiner Belastung ausgesetzt wird. Obwohl diese Methode für viele "feige" klingt, empfinden sie andere eher rücksichtsvoll. Schließlich wäre nach der Beichte zwar der Fremdgehende erleichtert, der Partner oder Partnerin jedoch doppelt belastet. Man schiebt gewissermaßen die Verantwortung in dem Moment durch die Beichte auf den Partner, der die Situation dann alleine verarbeiten muss, so die Argumentation.

Das schlechte Gewissen – Den Seitensprung beichten

Wenn das schlechte Gewissen kommt, möchte man am liebsten das Geständnis so schnell wie möglich loswerden. Hierbei sollte man jedoch vorsichtig sein. Der Partner sollte nicht dafür benutzt werden, durch die eigene Beichte mit Schuldgefühlen oder Belastungen beladen zu werden. Eine Beichte führt darüber hinaus auch oftmals zu einem sofortigen Beziehungsaus mit viel Streit und Ärger.

Bei dieser Situation ist es daher eher sinnvoll, das Problem bei der Wurzel zu greifen und sich die Frage zu stellen, warum man fremdgegangen ist. Die Gründe können oftmals durch ein Gespräch mit dem Partner bzw. der Partnerin gelöst werden. Ebenso ist es hier ratsam, eine Vertrauensperson aufzusuchen, um sich selbst erst einmal von dem Gewissen zu befreien und mit einem klaren Kopf an die Problemlage heranzugehen. Besonders gut können Therapeuten und Psychologen in solchen Situationen helfen und gute Tipps geben.

"Du darfst auch fremdgehen, wenn du willst!"

Einen Seitensprung im Nachhinein zu rechtfertigen ist eine Methode, dem schlechten Gewissen aus dem Weg zu gehen. Oftmals werden nach einer Beichte beim Partner Floskeln wie beispielsweise: "Du darfst auch fremdgehen. Ich würde dir das verzeihen, wenn du mir jetzt verzeihst" benutzt, um das eigene Gewissen zu beruhigen und den Partner unter Druck zu setzen.

Ein Seitensprung kann auch das Beziehungsaus bedeuten.
Ein Seitensprung kann auch das Beziehungsaus bedeuten.

Doch wirklich sinnvoll ist diese Floskel nur dann, wenn sie bereits vor dem Seitensprung häufiger gefallen ist und man sich bereits über das Thema Fremdgehen unterhalten hat. Ist dies nicht der Fall, so dient die Floskel lediglich als Erpressungs- und Druckmittel. Dem Partner wird hiermit nämlich jede Möglichkeit abgetan, sich als Opfer verletzt oder traurig zu fühlen. Die Folgen eines solchen Geständnisses und dessen nachfolgende harmlose Legitimation können eine Beziehung schneller zum Ende führen, als das Fremdgehen an sich.

Reden, reden, reden

Für welche Variante sich der Fremdgehende nun entscheidet, wird meist vom Bauchgefühl abhängig gemacht. Man sollte bedenken, dass kein Mensch perfekt ist und jeder unter bestimmten Umständen mal Schwäche zeigen kann. Wichtig ist, dass beide Partner bereit sein müssen, über ihre Probleme zu sprechen und oftmals unbequeme Wahrheiten auszutauschen.

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