Gute Pornos für Frauen und Paare gehören heutzutage zum Lifestyle. Ein interessanter neuer Vertreter feierte am 28. Januar 2011 in dem Frankfurter Erotikshop "InsideHer" seine Deutschlandpremiere. Dabei handelte es sich um den neuesten Film des spanischen Regisseurs Roberto Valtuena. Der Regisseur, dessen Vorgängerwerke The Gift, Dog World und The Resolution sich als Highlights im Pornoeinerlei erwiesen, war bei der Premiere gemeinsam mit der Produzentin Sandra Torres live vor Ort und wir ließen uns die Gelegenheit nicht entgehen, diesem Event beizuwohnen. Wir unterhielten uns mit dem Regisseur und nahmen seinen neuesten Film "Till Sex Do Us Part" genauer unter die Lupe.
Till Sex Do Us Part
- Der Erotikshop "InsideHer" als Premierenlocation
- "Thagson" – ein spanisches Qualitätspornolabel
- Der Porno geriet schnell zur Nebensache
- Roberto Valtuena über die Idee zu seinem neuen Porno
- Pornostarlet Lesly Kiss spielt die Hauptrolle
- Schritt zurück nach vorn…
- Warum dreht Roberto Valtuena Pornos?
- Pornos drehen … ein Nullsummenspiel
- Der Regisseur entpuppt sich als wahrer Filmfan
- Wege aus der Pornokrise
- Am Ende des Tages …
Robert Valtuenas neuer Pärchenporno
- Der englische Trailer von "Till Sex Do Us Part"
- Worum geht es in dem Pärchenporno?
- Der Handlungsporno verwirrt sein Publikum
- Pluspunkte der Geschichte von "Till Sex Do Us Part"
- Ohne Fehl und Tadel: die filmische Umsetzung
- Von Pornostarlets und Extrawürsten
- Was ist ein guter Porno?
- Die DVD zum Porno
- Kommentare
Der Erotikshop "InsideHer" als Premierenlocation
Als Kulisse für die Deutschlandpremiere ihres neuesten Pärchenpornos "Till Sex Do Us Part" wählten die Verantwortlichen hinter dem produzierenden spanischen Pornolabel "Thagson" und dem deutschen Vertrieb "Ulrich Esau Medienvertrieb" den Frauenerotikladen "InsideHer" im Herzen Frankfurts.
Der helle, geschmackvoll eingerichtete und sehr ansprechende Shop, der sich vornehmlich an Paare und Frauen wendet, erwies sich als nahezu ideale Location für diesen Event, entpuppten sich seine Betreiber doch als versierte Pornofans, die gerne über die Filme sprachen und mit einer ordentlichen Portion Humor an den ganzen Abend herangingen.
"Thagson" – ein spanisches Qualitätspornolabel
Ihnen gefällt der Ansatz, den das Studio "Thagson" verfolgt, ganz offensichtlich. Während die Pornobranche nämlich große Umsatzeinbußen verzeichnet und daher vor allem auf preiswert produzierte Massenware setzt, produziert das spanische Porno Label "Thagson" ausschließlich aufwändig produzierte Pornofilme für Frauen und Paare.
Die dabei entstehenden Filme unterscheiden sich deutlich von klassischen Pornofilmen. Im Vordergrund steht eine fantasievolle Story, in die sehr abwechslungsreiche Pornoszenen eingebaut werden. Der Fokus liegt dabei gleichermaßen auf der weiblichen und männlichen Erotik. Ausgefallene Locations und ein professioneller Soundtrack sind dabei für die Macher selbstverständlich.
Diese Pluspunkte aller "Thagson" Produktionen hob "InsideHer" Chefin Sandra Maravolo bei ihrer kleinen Rede vor dem Film noch einmal deutlich hervor. Während ihrer Ansprache, die mit leichter Verspätung um 21:00 Uhr den Abend eröffnete, hob sie noch einmal hervor, was Pornos für Frauen und Paare ihrer Meinung nach ausmachen sollte, und dass eben Filme mit Blümchensex nicht automatisch in diese Sparte fallen würden, würden doch Frauen ebenso gerne wie Männer raueren Sex sehen/erleben wollen. Es ginge darum, dass keiner zu etwas gezwungen werde, was er nicht machen wolle, und beide Sexpartner gleichberechtigte Partner in den Szenen sein sollten.
Der Porno geriet schnell zur Nebensache
Dann startete Regisseur Roberto Valtuena höchstselbst seinen Film und stürzte sich mitten ins Publikum, um den anwesenden Pornofans Rede und Antwort zu stehen. Erschienen waren etwa 70 Zuschauer, wobei das Geschlechterverhältnis ungefähr ausgewogen war, die Frauen sogar leicht in der Überzahl wirkten. Gestärkt durch vom "InsideHer" gereichten Knabberkram und dem einen oder anderen Sektchen wandte man sich dem Film zu.
Mehr und mehr geriet dabei das gesellige Miteinander in den Vordergrund. Es wurde viel geredet, gelacht und ab und an mit einem Blick auf den gerade präsentierten Film diskutiert, was denn nun eigentlich gute Pornos seien. Ich selbst nutzte die Zeit der Filmvorführung für einen längeren Plausch mit Regisseur Roberto Valtuena, der sich zu meiner Freude wirklich als der Filmfan entpuppte, den ich hinter dem Macher der unglaublich filmischen Pornos "The Gift" oder "Dog World" immer vermutet hatte. Und zu meinem Glück erwies er sich als sehr eloquenter Gesprächspartner, der, wie seine Produzentin schmunzelnd anmerkte, einmal im Redefluss, kaum noch aufzuhalten sei.
Roberto Valtuena über die Idee zu seinem neuen Porno
Zunächst offenbarte er, dass sein aktueller Film "Till Sex Do Us Part" in weiten Teilen auf seine vielen Gespräche mit den verschiedensten Pornodarstellerinnen zurückgeht, mit denen er schon gearbeitet hat. Die Figur der Helena ist dementsprechend ein Destillat aus all diesen Pronostarlets, die letztlich alle von recht ähnlichen Problemen zu berichten wussten: Eine Umwelt, die sie nicht akzeptierte, die Doppelmoral in den Medien und der Öffentlichkeit und immer und immer wieder auch Probleme mit den Lebensabschnittsgefährten, die sie entweder nicht ernst nahmen oder sich sogar für den Beruf der Freundin schämten.
Das Grundgerüst für seinen neuen Film war recht schnell erstellt, doch es fehlte eine zündende Idee, die alles zusammenhalten würde. Da sah Roberto den Film "Alfie" mit Jude Law, in dem der Hauptdarsteller immer wieder die so genannte 4. Mauer durchbrach. Das heißt, er blickte direkt in die Kamera und sprach zum Publikum. Roberto überzeugte dieser Kniff und er beschloss, seinen Film ähnlich aufzuziehen und Helena zum Publikum sprechen zu lassen.
Pornostarlet Lesly Kiss spielt die Hauptrolle
Für die Helena seines Filmes kam für ihn nur die junge spanische Darstellerin Lesly Kiss infrage. Er hatte bereits in "Dog World" mit ihr gearbeitet und war sehr angetan von ihrer Art und Weise, sich durchzukämpfen und ihre Ziele zu erreichen. Auch ihr persönliches Schicksal - rund um den frühen Tod ihrer Eltern und Zwangsprostitution - bewegte ihn und zeigte ihm, was für eine starke Persönlichkeit in der jungen Frau steckt. Mit ihr drehte er im Umfeld von "Dog World" und "Till Sex Do Us Part" auch Werbefilme für das spanische Fernsehen, bei denen rundweg die darstellerische Leistung Leslys gelobt wurde und man kaum glauben wollte, dass es sich bei ihr "nur" um eine Pornodarstellerin handelte.
Das größte Lob erhielt sie, als bei der spanischen Premiere gefragt wurde, wie Roberto denn die Schauspieler dazu gebracht habe, miteinander zu vögeln. Soll heißen, Lesly wurde aufgrund ihrer darstellerischen Leistung nicht mehr als Pornostar begriffen und manche reagierten sogar verblüfft, als sie von ihrer wahren Profession erfuhren. Vielleicht wird auch dank dieses Filmes der Weg frei für die von Lesly angestrebte Karriere im "normalen" Filmbusiness?
Schritt zurück nach vorn…
"Till Sex Do Us Part" begreift Roberto selbst als Schritt zurück nach vorn. Der Schritt zurück bezieht sich darauf, dass sich "Till Sex Do Us Part" mehr wie sein Langfilmdebüt "The Gift" anfühlt und weniger wie die storytechnisch eher heftigen Nachfolger "Dog World" und "The Resolution". Den Schritt nach vorn machte er, indem er all die Erfahrungen, die er seit "The Gift" gemacht hat, in seinen neuesten Film einbrachte und sich dieser vor allem technisch deutlich gereifter präsentiert.
Warum dreht Roberto Valtuena Pornos?
Warum er Pornos macht, beantwortete er damit, dass er irgendwann einfach spürte, endlich einmal etwas anderes machen zu müssen. Er befand sich in einer Art Midlife Crisis und suchte nach neuen Beschäftigungsfeldern.
Zum Weg Robertos muss man wissen, dass Roberto, der 1959 in Barcelona geboren wurde, danach eine Weile in Deutschland lebte, um dann nach Australien zu gehen, schon immer Regie studieren wollte. Doch wie so oft kam es anders. Stattdessen studierte er in Australien Tontechnik und beschloss die Ausbildung als Toningenieur. Als solcher arbeitete er in Australien zunächst für einen Radiosender, dann für einen TV Sender und letztendlich für ein Filmstudio, wo er in die Postproduktion und Schaffung der Filmmusik eingebunden war.
Daraufhin kehrte er 1989 nach Barcelona zurück, wo er sein eigenes Studio errichtete, das sich der Kreation neuer Soundwelten und Filmsoundtracks verschrieb und bald zur Referenzgröße aufstieg. Diverse Preise waren die Folge. Doch der eigentliche Prozess des Filmeschaffens ließ ihn nie los. Und so war es 2005 an der Zeit, seinen unbedingten Willen, sich immer weiter zu entwickeln, ohne dabei Qualitätsabstriche machen zu müssen, auf den Film zu übertragen. Er drehte den Kurzfilm "The Mirror" (auf der "The Resolution" DVD als Extra enthalten) und war … wie er selbst sagt … angefixt. Das Filmen wurde zu einer Droge ...
Pornos drehen … ein Nullsummenspiel
Das bedeute bei "Till Sex Do Us Part" durchaus eine ganze Menge Arbeit, denn Roberto drehte überdurchschnittlich lange an dem Film, was den verschiedenen Schauplätzen und diversen Außendrehs geschuldet war. An diese Dreharbeiten schloss sich fast ein Jahr an Nachbearbeitung an. Hier tüftelte Roberto am Schnitt und dem richtigen Tempo seiner Geschichte.
Allerdings war nicht das ganze Jahr seinem Film gewidmet, denn Roberto kann noch nicht von seinen Regiearbeiten leben. Für ihn ist das Ganze aktuell noch eine Nullsummenrechnung, doch mit "Till Sex Do Us Part" könnte sich das endlich ändern, denn erstmals zeigt sich auch der amerikanische Markt interessiert an seiner Arbeit. Dann muss er vielleicht nicht mehr nebenbei an Dokumentationen arbeiten, die er für diverse Auftraggeber herstellt.
Der Regisseur entpuppt sich als wahrer Filmfan
Für seine Filme setzt Roberto im Übrigen auf HD Kameras der Marke Panasonic und weniger auf den Marktführer Sony. Der simple wie nachvollziehbare Grund: Die Panasonic Kameras erzeugen einen deutlich filmähnlicheren Look …
Genau das richtige Werkzeug für Roberto, der eben nicht nur das Filmemachen liebt, sondern auch und vor allem Filme. Als einen seiner Lieblingsfilme benennt er den "Blade Runner", seine Lieblingsregisseure in Stilfragen sind Ridley Scott, Quentin Tarantino und Guy Ritchie, die wie er einen direkten, schnellen, optisch frischen Ansatz verfolgen.
Erzählerisch gibt er Clint Eastwood den Vorzug, nennt aber auch hier Ridley Scott mit seinen zeitlosen Meisterwerken "Alien", "Blade Runner" oder "Gladiator". Und weil er Filme so liebt, will er den Begriff "Film" auch wieder mehr in dem Begriff "Pornofilm" verankern. Denn er selbst möchte gerne Filme sehen, die ihn storytechnisch packen, ohne dabei das Sexuelle auszuklammern. Als wichtige Schritte im Mainstreamkino erwähnt er "Short Bus", "9 Songs" oder "Brown Bunny".
Auch das deutsche Kino hat Roberto im Blick. Aufgefallen sind ihm beispielsweise "Das Leben der Anderen", "Das Experiment" oder "Die Welle", die ihn in Storyführung und Schauspielleistung restlos überzeugten. Gleichzeitig gibt er zu Papier, dass gerade das deutsche Kino in der Wahrnehmung des Auslands teils heftig zwischen grandios und richtig mies hin und herwechselt und es kaum Zwischenabstufungen zu geben scheint.
Zum Thema Deutsch hat er auch noch eine weitere wichtige Empfehlung für Fans seiner Filme: Die Erstsichtung immer auf Deutsch und danach nur noch in Spanisch. Bei der Premiere merkte er dementsprechend auch häufiger an, dass egal wie gelungen die Synchronisation auch sein möge, sie in ihrer Lebendigkeit nicht an das spanische Original herankäme und seiner Meinung nach auch deutlich an Atmosphäre einbüße.
Wege aus der Pornokrise
Zur aktuellen Krise des Pornofilmes hat Roberto ebenfalls eine Meinung, setzt allerdings mit seiner Arbeit ohnehin weithin sichtbare Ausrufezeichen gegen die Begleiterscheinungen dieser Entwicklung. Denn seine Filme heben sich in ihrer Machart doch deutlich von diversen schundigen Gonzopeinlichkeiten ab. Dennoch würde er selbst es gerne sehen, wenn Pornos einfach billiger gemacht werden würden.
Vor allem im Bereich des Onlinevertriebs. Würde man hier vernünftige Preise festsetzen, hätten seiner Meinung nach viele Pornofans gar keinen Grund mehr, auf qualitativ herunter gerechneten Müll aus diversen Tauschbörsen zurückzugreifen. Und auch die Qualität würde zurückkehren, denn was dann nicht gefällt, würde sich auch nicht durchsetzen können und weiterhin massenhaft auf den Markt geworfen werden.
So kommt dem Internet, obwohl von vielen Pornomachern aktuell als schlimmste Geißel des Qualitätspornos und des Pornos allgemein angesehen, in Robertos Argumentation eine extrem wichtige Aufgabe zu, die nur belegt, dass einige Pornomacher das Internet nicht nur als Hort von Filmpiraten begreifen.
Er selbst stellt sich der Krise mit weiteren Filmen. So wird er ab Sommer diesen Jahres einen neuen Film drehen, der sich unter anderem auch mit dem Tabuthema Sex im Alter in stilvoller Art und Weise auseinandersetzen möchte. Wir dürfen sicherlich gespannt sein …
Am Ende des Tages …
Erstaunt war ich, als ich gegen 22:00 Uhr schon feststellen musste, dass Threads aus dem JOYclub Forum, in denen gefragt wird, wie lange manche Mitglieder bei einem Porno durchhalten, bzw. ob sie Pornos in einem Rutsch bis zum Ende schauen können, gar nicht so abwegig zu sein scheinen.
Denn die Reihen hatten sich schon deutlich gelichtet. In der Folge nutzten einige noch die Gelegenheit und erwarben ein paar erotische Produkte oder ausliegende "Thagson" Pornos, strichen dann aber ebenfalls die Segel, sodass gegen 23:00 Uhr, als der Film endete, eigentlich nur noch eine Handvoll Besucher zugegen war.
Vielleicht war es auch ein wenig kontraproduktiv, dass man den Film weitgehend im Stehen hätte gucken müssen, was bei zwei Stunden Laufzeit schon recht anstrengend sein kann, eventuell war es auch Müdigkeit … ob es am Film selbst lag, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht sagen, denn von dem hatte ich so gut wie nichts mitbekommen. Glücklicherweise erhielt ich von Ulrich Esau ein Rezensionsexemplar, das ich mir von Roberto gleich signieren ließ …
Die Eindrücke zum Film findet ihr auf der nächsten Seite …
- 1. Teil: Till Sex Do Us Part
- 2. Teil: Robert Valtuenas neuer Pärchenporno











