
Mächtig ragt der prächtige, an der Spitze leicht verdickte Phallus empor und dringt fordernd in den Berliner Luftraum ein. Wovon ich rede? Klar, vom Berliner Fernsehturm, in dessen Schatten das mittlerweile 3. Pornfilmfestival Berlin (eine Vorstellung des Events gab es unlängst auf diesen Seiten) stattfand. Dessen vorrangiges Ziel war bei Weitem nicht die Generierung von ähnlich phallischen Prachtgebilden in den Beinkleidern der Besucher.
Vielmehr ging es bei dem Festival darum, Filme zu präsentieren, die in erster Linie um Sexualität kreisten oder um die Bedingungen, unter denen Pornos entstehen. Den landläufigen Porno, den man in seiner teilweise schwer ermüdenden Rammelausrichtung aus den Videotheken oder den Weiten des Internets kennt, fand man hier zwar auch (hier wird wohl Sponsor Blue Movie ein kräftiges Wörtchen mitgeredet haben), ABER extrem selten.

Eher dominierten softe Erotik, Dokumentationen, experimentelle Filme und Avantgardepornos; Freunde der expliziten Darstellung von Sexualität kamen aber dennoch auf ihre Kosten.
Dabei war das Programm so vielfältig, dass es schwer war, alle angebotenen Themenbereiche auch nur ansatzweise zu erfassen. Darum solltet ihr bei dem nun folgenden Bericht bedenken, dass dieser nur einen von meinen Präferenzen stark subjektiv gefärbten Ausschnitt des Festivals darstellt und darstellen kann …
Der Weg ins Nackedeifilmparadies
Alles begann am Donnerstag, den 16.10.08, als mir aus Arbeitgeberrichtung angetragen (befohlen?) wurde, meine Vorliebe für das bewegte Bild auf der großen Leinwand (ich leite nicht umsonst unsere Kinogruppe
) mit der Pornoliebe diverser JOYclub-Mitglieder zu kombinieren und einfach einmal am 3. Pornfilmfestival in Berlin teilzunehmen. Und wer wäre ich, wenn ich da nein sagen würde? Alleine der Name! Pornfilmfestival. Hmmm.
Ich überschlug einmal, was ich rein vom Titel ausgehend erwarten würde und stellte fest, dass ich kaum wusste, welche Pornos ich eigentlich mag. Ich wusste nur, was ich nicht mag. Diese ewig gleichen Knattereien, eingeleitet durch ein „Hallo! Ficken?“ und beendet mit einem Cumshot in ein "beglücktes" Gesicht, sind mir ein Graus.
Auch die aktuellen Handlungspornos a la "Pirates" und Co. empfand und empfinde ich als schlichtweg langweilig. Selbst dem ach so ästhetischen Frauenporno neuerer Prägung kann ich nicht viel abgewinnen. Dementsprechend sondierte ich einmal das Programm des Festivals und was ich da las, klang sehr verlockend. Asiaschwerpunkt, Jugend und ihr Verhältnis zur Pornographie, Splatterporn usw.
Voller Vorfreude wurde alles Organisatorische abgewickelt und die Reisevorbereitungen getroffen. Am Donnerstag, den 23.10.08, begann die Reise ins Pornoschlaraffenland. Nach einer angenehmen Zugfahrt bezog ich schnell das ziemlich miese, dafür recht zentral gelegene Hotel und machte mich mit den Örtlichkeiten vertraut, in denen ich die nächsten Tage hauptsächlich verbringen würde.
Das waren die Kinos "Moviemento" und "Eiszeit". Beides Arthouse Kinos durch und durch, die vor allem von außen derart abgerissen aussahen, dass man am liebsten auf den Fersen Kehrt gemacht hätte. Doch die Innenräume waren urgemütlich und technisch auf einem sehr guten Stand. Insbesondere das vielfach verwinkelte Moviemento hatte einen wirklich unbestreitbaren Charme.
Hier verbrachte ich die meiste Zeit des Festivals, wurde doch im Moviemento das Gros des Festivalprogramms gespielt. Zudem begegnete man in dem Kino durchgehend Filmschaffenden, die sich gerne mit ihrem Publikum austauschten. Auch das Stöbern in den vor Ort angebotenen Sexstreifen eines ansässigen Erotikshops half spielend, die Pausen zwischen den Filmen zu überbrücken.
Nachdem ich mir die Kinos genauer angeschaut hatte, versorgte ich mir umgehend die Akkreditierung als Berichterstatter vom Festival und stürzte mich umgehend in das Abenteuer Porno. Und schon sind wir bei dem ersten Schwerpunkt meines Berichtes:
Avantgardeporno = guter Porno?
Meinen Einstieg in das eigentliche Festival stellte der Streifen "The Lost Door" dar. Eine französische Produktion mit englischen Untertiteln. Im weiteren Verlauf traf ich häufig auf Kinogäste, die von diesem Umstand nicht sonderlich angetan waren. Handlungspornos und dann noch in einer Fremdsprache? Ein Unding! Der große Teil des Publikums arrangierte sich aber schnell mit diesem Umstand. Eine Umstellung für das synchronisationsverwöhnte Ohr war es aber dennoch.

"The Lost Door" stammt von Roy Stuart, einem amerikanischen Aktfotografen und Regisseur, der in Frankreich lebt und bevorzugt arbeitet. "The Lost Door" ist sein erster Langfilm und wurde von den Festivalbetreibern als wohl ambitioniertestes Filmprojekt des gesamten Festivals angekündigt. Ein Terminus, der bei dem Cineasten in mir die Alarmglocken schrillen ließ, denn bei Filmfans steht der Begriff "ambitioniert" zumeist für den weit treffenderen Begriff "langweilig". Und ich lag leider nicht falsch.
"The Lost Door" erzählt von Christina. Diese sitzt wegen des Mordes an gleich zwei Männern in einer psychiatrischen Anstalt ein und wird von der Psychologin Catherine verhört. Diese will erfahren, warum Christina die Männer umgebracht hat. Obwohl Christina zunächst ziemlich wirre Berichte zu Protokoll gibt, in denen sie von Eroberern fabuliert, die ihr befohlen hätten, die beiden Männer zu töten, kommt Catherine allmählich hinter die wahren Gründe für das brutale Verbrechen …
Der Streifen wäre gerne ein Vexierspiel zwischen Wahn und Wirklichkeit und versucht auch immer wieder gerne, den Zuschauer zu verwirren. Doch der bleibt davon weitgehend unberührt. Zu zäh mäandert der Streifen vor sich hin und türmt sich sinnentleerter Dialog auf sinnentleerten Dialog. Das Hauptproblem war schlicht und ergreifend, dass das Ende des Filmes von Anfang an klar abzusehen war und eigentlich der Weg dahin das interessante Element des Filmes bilden sollte. Doch das misslingt Roy Stuart eindrucksvoll. Das Ergebnis: Der zu Beginn wirklich volle Kinosaal war am Ende auf sechs Zuschauer ausgedünnt.
Seine stärksten Momente hatte der Film immer dann, wenn der Regisseur sich auf sein fotografiegeschultes Auge verließ und einfach nur seine Bilder wirken ließ, ohne sich in endlosen Labertiraden zu ergehen. Genau in diesen Momenten gelangen ihm grandiose Bildkompositionen, die mit der durchweg hervorragenden Musik eine eindrucksvolle Symbiose eingingen. Ein weiterer Pluspunkt war die (bis auf die unsympathische und wirklich hässliche Hauptdarstellerin) wirklich wunderschöne Besetzung, die Roy Stuart in immerhin zwei Szenen zum Ablegen ihrer Kleidung bewegen konnte.
Beide Szenen haben durchaus Hardcorelemente, sind aber recht stilvoll inszeniert und wirken daher nicht einmal ansatzweise obszön. Einzig die Tatsache, dass die erste Szene eine uninspirierte und für den Film vollkommen sinnlose Vergewaltigung war, störte den positiven Gesamteindruck in Sachen Erotik. Wie als Ausgleich ist dann die große Sexszene gegen Ende ein echter ästhetischer Hochgenuss! Doch selbst diese Szene rechtfertigt nicht die quälend langweiligen 105 Minuten an Handlungsvorlauf … Kurz: Der Einstieg in das Festival gestaltete sich eher suboptimal.
Spectrum Asia

Doch Aufgeben ist nicht und die nächste Veranstaltung versprach sehr interessant zu werden. Es handelte sich dabei um den Vortrag "Pinku eiga, Roman porno & Ero guro - Anmerkungen zum Japanischen Sexfilm" von Marcus Stiglegger aus Mainz. Der sehr lebendige, hochinteressante und vor allem witzige Vortrag gewährte auch anhand kleiner Clips aus diversen Filmen einen Einblick in die Geschichte der Pink Filme, also der Sexfilme japanischer Prägung.
Man erfuhr, dass diese Pink Filme irgendwo zwischen Erotik- und Kunstfilm verortet werden und vor allem in Japan fast schon kultisch verehrt werden. Hier kommen diese Filme sogar noch ins Kino und sind damit so ziemlich die einzige Softsexfilmausprägung weltweit, die die Hardcorepornowelle unbeschadet überstanden hat und nicht in der Versenkung verschwand.
Dabei machte das Genre bis heute viele Veränderungen durch. So waren die 60er Jahre geprägt durch Tagtraumfilme, die sich zunehmend mit Thriller- und Horrorelementen vermischten. In den 70ern kamen politische Themen hinzu und selbst die großen Filmstudios begannen in dem vormals von Independentfilmemachern bedienten Markt zu agieren.
Die 80er waren geprägt durch das Aufkommen des Pornos. Die großen Studios zogen sich aus dem Pink Film Bereich zurück und die jetzt Aktiven legten wieder mehr Wert auf eine Rückbesinnung auf die Anfänge des Genres. Was man sich bis heute erhalten hat.
Die Stars dieser Filme werden in Japan genauso verehrt, wie ihre Regisseure. Manche inzwischen auch international bekannte Regisseure wie Hideo Nakata (Regisseur der Ringfilme aus Japan) haben sich ihre Sporen in diesem Genre verdient und selbst große Popstars verirren sich immer wieder in neuere Pink Filmproduktionen.
Nebenbei erfuhr man auch allerhand witzige Fakten, wie die Tatsache, dass sich die Laufzeit von maximal 60 Minuten pro Pink Film darüber erklärte, dass die Mittagspausen der Geschäftsleute meist nicht länger als 60 Minuten waren und diese gerne die freie Zeit mit den neuesten Pink Filmen zubrachten. In Deutschland wird die Nische der Pink Filme leider eher stiefmütterlich behandelt. Einzig der Verleih Rapid Eye Movie veröffentlicht in loser Folge einige Beiträge …
Tears of Ecstasy

Mein in dem Vortrag erworbenes Wissen wollte ich bei dem Pink Film "Tears of Ecstasy" anwenden und erlebte im Grunde eine filmische Zerlegung des Pink Filmes an sich. In 60 jeweils 60 Sekunden langen Einstellungen reiht der japanische Regisseur Oki Hiroyuki Einzelszene an Einzelszene und unterstreicht den im Pink Film Genre verankerten Anspruch, weniger über die Darstellung diverser Akte zu punkten, als vielmehr eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, durchaus auch zu provozieren und den künstlerischen Anspruch in den Vordergrund zu rücken.
So bleibt der Film über weite Strecken dem Pink Film Regelwerk treu: Er zeigt keine Hardcoreszenen, die Akte sind simuliert und bis auf die Brüste und Hintern schöner Japanerinnen gibt es nichts zu sehen. Gleichzeitig bricht er mit dem Grundkonzept der 60 mal 60 Sekunden aber auch das Regelwerk auf und zerlegt den Pink Film quasi in seine Einzelteile.

Geht man nämlich davon aus, dass der "normale" Pink Film meist eine Geschichte um fünf bis sechs Sexszenen packte, was ohnehin meist eine sehr episodische Grundstruktur zur Folge hat, verfolgt man hier eben gleich 60 Episoden. Diese folgen zwar keiner wahren narrativen Struktur und machen es vor allem zu Beginn schwer, zu verstehen, worauf der Film hinauslaufen soll, doch mit zunehmender Laufzeit entstehen echte Zusammenhänge und versteht man auch zunehmend, worauf der Regisseur hinaus will.
Das Ganze ist sorgfältig inszeniert, gut gespielt und mit einem sehr eigenwilligen Soundtrack unterlegt und darf ruhig als eine Art Geheimtipp angesehen werden … allerdings als ein sehr experimenteller …
Sex Brain Melody
"Sex Brain Melody (Episode 2) On The Japanese Doll Complex lief im Verbund mit "Tears of Ecstasy" und widmete sich dem vor allem im asiatischen Kulturkreis grassierenden "Puppenfetisch". In der kurzen Dokumentation stellte die Regisseurin Katrien Jacobs verschiedene Spielarten dieses "Fetisches" vor. Zum Beispiel ein junges Pärchen, das vollkommen bar jeglicher erotischer Interessen diverse Puppen sammelte und sich damit eine Art Ersatzfamilie aufbaute!
Auch das so genannte Kigurumi kam zur Sprache und ist eine Spielart des Cosplays, bei dem sich Menschen mittels Masken und Kostümen wirklich originalgetreu in Puppen verwandeln.

Besonders hervorgehoben wurden auch die vor allem in China immer beliebter werdenden Boylove Animestreifen wie "Rose of Versailles", in denen sich die männlichen Figuren voneinander angezogen fühlen, ohne sich jemals offensiv ihren Neigungen hinzugeben. Gerade viele junge Mädchen in China sind fasziniert von diesen Geschichten und leben mit Puppen und mittels diversen Blogseiten ihre Fantasien zum Thema ausgiebig aus. In China, wo man bis 2001 Homosexualität als Geisteskrankheit abstempelte, nach wie vor ein heikles Thema. Vor allem für die chinesischen Jugendschutzbehören, die in diesen Filmen die "Gefahr" sehen, dass sie der "natürlichen" Entwicklung der chinesischen Jugendlichen gefährlich werden könnten!
Kurzum: Sex Brain Melody war ein leider viel zu kurzer, mit zunehmender Laufzeit immer interessanter werdender Festivalbeitrag und leider mein letzter Beitrag zum Thema Asiasexfilm. Mehr habe ich nicht geschafft. Dafür gelang es mir vom gleich folgenden, wirklich sehr interessanten, wenn auch nicht unumstrittenen Themengebiet ein weitaus umfangreicheres Bild zu machen.
Splatterporn
Jetzt mal ehrlich, wer kennt sie nicht? "Die Monstermösen von Outer Space", "Die monströsen Spalten", "Den Monstergangbang", "Die Monsterschwänze" oder "Die Rieseneuter"? Titel, die bereits andeuten, dass man Porno sehr wohl mit Splatter / Horror verbinden kann. Im Sinne der soeben genannten "Titel" vor allem auf der verbalen Ebene, doch das Festival bewies, dass es auch – obwohl sehr wenige – auf Film gebannte Vermengungen dieser beiden Genres gibt.
Science of Horror - Wenn die Kettensäge zum Penis wird
Den Aufhänger für dieses Thema lieferte die Dokumentation "Science of Horror", die interessante Analogien zwischen Pornostreifen und Splatterstreifen zog. Beide zelebrieren ihr "Spezialgebiet". Sei es der Akt des Sexes oder der des Folterns von Opfern. Am Ende stehen bei beiden Körperflüssigkeiten, die sich im so genannten Money Shot (Der Cumshot im einen, der Todesschlag im anderen Filmuniversum.) über den Zuschauer ergießen.
Als Hauptunterschiede arbeitete man heraus, dass es in dem einen Genre um Vergnügen und in dem anderen um Schmerz bis zum Tode geht und das eben die Frauen im Porno normalerweise nicht bestraft werden, wenn sie Sex hatten. Im Horrorfilm sieht dies dann schon ganz anders aus. Auch kam man zu dem interessanten Schluss, dass gerade der Horrorfilm neuerer Prägung a la "SAW" einem Porno in Sachen Handlungsablauf und Figurenentwicklung fast 1:1 entspräche.
Gerade für Neulinge in beiden Genres war diese Abhandlung zum Thema Sex und Horror bzw. zur Rolle der Geschlechter in dem jeweiligen Genre sicherlich sehr interessant und auch nett aufgemacht. Mir persönlich hat die Dokumentation aber nicht sonderlich zugesagt. Dies lag vor allem an ihrem Aufbau. Man spürte überdeutlich, dass die Doku eine bewegte Entstehungsgeschichte hatte.
Eigentlich war sie als "simple" Doku über Horrorfilme geplant. Dieses Projekt verlief aber irgendwann im Sande. Da man die bisherigen, sehr gelungenen Interviews nicht verwerfen wollte, trug man das Projekt der jetzigen Regisseurin Katharina Klewinghaus an, die das Ganze dann etwas ungelenk auf das Thema Feminismus im Horror- und Splatterfilm umlenkte und Interviewpartner in den Film einbrachte, von denen man noch nie gehört hatte, die ihr aber ihre Thesen zum Thema durchgehend bestätigten.
Die Folge war ein sehr unhomogener Gesamteindruck und ein knapp 30minütiger Einstieg, der mit Interviews von Horrorgenreikonen wie Bruce Campbell ("Tanz der Teufel"), Wes Craven ("Scream"), Brian Yuzna ("Bride of Re-Animator"), John Carpenter ("Halloween") oder Neill Marshall ("The Descent") rein auf den Horroraspekt fokussiert war und den Vergleich mit dem Porno komplett ausblendete. Erst nach einer Stunde war dann der eigentliche Ansatz der Filmemacherin wirklich im Film angekommen und das war dann doch eher enttäuschend. Zumindest verteidigte sie ihren Film in der anschließenden Diskussion ganz ordentlich …
Forced Entry
Dieser Film stellte meinen eigentlichen Einstieg ins Thema dar, denn die Dokumentation "Science of Horror" lief erst am zweiten Tag meines Aufenthaltes, während dieser Streifen hier meinen ersten Tag beim Pornfilmfestival beendete.
In "Forced Entry" folgen wir einem Vietnamveteranen, der sich in "Nam" einen gehörigen Dachschaden weggeholt hat. Zurück in der Heimat macht er fortan die gesamte Gesellschaft für sein Leiden in Vietnam verantwortlich und hasst einfach alles und jeden … vor allem Frauen. Und bei seiner Arbeit als Tankwart lernt er viele Frauen kennen. Von ihnen lässt er sich bei Kreditkartenzahlung alle wichtigen Informationen wie den Wohnort geben und steigt ihnen fortan nach.
Irgendwann bricht er dann in die Wohnung ein (Forced Entry!), um sich gewaltsam an den Frauen zu vergehen (und noch mal ein Forced Entry!). Nach vollzogenem Akt tötet er seine Opfer und sucht sich die nächste Kandidatin. Doch irgendwann gerät auch ein Tier wie dieser Veteran einmal an den Falschen … hier zwei Hippiegirlies.

"Forced Entry" aus dem Jahr 1973 von dem Regisseur Shaun Costello ist ganz harter Tobak. Ein Rapepornostreifen mit einer knüppelharten Atmosphäre, die einem die Luft abschnürt. Dabei werden die Vergewaltigungen pornofilmtypisch zwar einen ganzen Zacken zu explizit und offensiv ausgespielt, wirklich verherrlicht oder dergleichen mehr – wie es bei Rapepornos ja häufiger mal vorkommt – wird dieser brutale Akt nie.
Vielmehr wird durch die rigide und brutale Vorgehensweise des Veteranen nur noch deutlicher, was für eine kaputte Psyche in diesem kranken Kopf steckt. Ein sexueller Kick stellt sich bei allen Sexszenen niemals ein. Vielmehr ist "Forced Entry" verdammt schwer bis zum Ende durchzuhalten, zumal der Film trotz seines Alters und des Hardcoresujets nicht ein einziges Mal in unfreiwillig humorvolle Regionen abgleitet!
Formal ist der Streifen hoch interessant. Shaun Costello, der hier als Produzent, Cutter, Regisseur, Drehbuchautor, einer der Hauptdarsteller und Effektmastermind alle wichtigen Positionen des Streifens in Personalunion ausfüllte, findet in jeder Sekunde hochinteressante Perspektiven und Einstellungen, die seinem Streifen einen wirklich ganz eigenen Look verpassen. Gerade die Sexszenen bekommen durch die Verspieltheit der Kamera förmlich einen künstlerischen Anstrich in ihrer Form/Bebilderung.
Zudem bindet Costello immer wieder grobkörnige Schwarzweißaufnahmen aus diversen Vietnamdokumentationen ein, um den mentalen Zustand seines Protagonisten noch mehr zu verdeutlichen. Da mutieren schöne Frauen schon einmal zu bedrohlich schreienden Vietnamsoldaten und das Abspritzen wird mit einem Bombenteppich auf eine vietnamesische Stadt untermalt. Irgendwann wird dann die gesamte Umgebung des Veteranen zu "Nam". Das mag zwar geschmäcklerisch sein, war aber für die Entstehungszeit, wo der Vietnamkrieg noch mehr als präsent war, höchst gewagt und mutig! Immerhin zerbricht hier ein Mann an einem der umstrittensten Kriege der USA.
Am meisten beeindruckt aber Hauptdarsteller Harry Reems, der hier als Veteran eine wahre Tour de Force des Wahnsinns abliefert. Reems, der als Star von "Deep Throat", dem bislang erfolgreichsten Porno aller Zeiten, Bekanntheit erlangte, spielt absolut genial und überzeugt mit einem beeindruckenden Minenspiel. Er distanzierte sich im Übrigen später von dieser Rolle als Brachialvergewaltiger.
Egal wie geschmäcklerisch das zugrunde liegende Thema des vergewaltigenden Menschenhassers auch sein mag, "Forced Entry" ist ein knüppelhartes und humorloses Psychogramm eines kaputten Geistes, das es zu entdecken gilt, auch wenn das Durchstehen des Filmes sehr hart ist.
Filthy

Komplett neben der Spur lief dieser Streifen. Er präsentierte zwei Mädels, die sich in einem Tunnel zunächst mit einem Teddy vergnügen und ihn sich quasi überall einführen. Danach zückt man ein Messer, sticht den armen Brummbären ab und weidet ihn aus. Seltsamerweise hat der Plüschteddy nämlich echte Innereien wie Gedärme, Leber und Milz.
Diese Organe nimmt man her, schlägt sich damit, schmiert sich damit ein und – klar - führt sie sich ein … dazu dröhnt eine Tonspur, die nur aus elektronischen Störgeräuschen bestand und absolut verstörte. Am Ende waren beide Mädels überall mit Fleisch besudelt, pinkelten auf den armen Bären und der Schwachsinn war zu Ende. Zum Glück!
Edward Penishands
war mein persönliches Highlight des Festivals, da sich hier Porno und echter Horrortrash die Klinke in die Hand gaben. Worum ging’s: Edward mit den Penishänden lebt einsam in einer alten Fabrik, als ihn eine Vertreterin für Dildos findet. Edward besorgt es ihr mit seinen Penishänden und wird zum Dank von der Vertreterin mit Heim genommen. Hier verliebt er sich umgehend in die Tochter der Vertreterin und wird von mancher Nachbarin der Familie zum Liebesspiel entführt …

"Edward Penishands" ist eine 1:1 Verpornoisierung des Johnny Depp/Tim Burton Klassikers "Edward mit den Scherenhänden". Nur dass die Hauptfigur anstelle von Scheren zwei riesige Penisse an den Händen hatte, was alleine schon zum Schreien komisch aussah. Wenn er diese Pimmel dann auch noch essstäbchengleich nutzt, um sich Nudeln einzuverleiben, liegt man mit hysterischer Schnappatmung am Boden und lacht sich einen.
Dazu kommt ein genial kaputter Hauptdarsteller, der selbst in den Sexszenen die Manierismen von Johnny Depp originalgetreu kopiert, was neuerliche Lachstürme einleitete. Der Film selbst ist ein typischer Porno der 90er Jahre. Die Darstellerinnen wirken alle megasportlich, erste Silikonimplantate kommen auf, die Kulissen sind schäbig und die Sexnummern erschöpfen sich meist im Abhaken von jeweils drei verschiedenen Stellungen. Doch mit dem dreifach abspritzenden Edward geraten selbst diese Standardnummern zur genialen Lachorgie.
Edward war während meines Besuches des Festivals der meistbelachte Streifen überhaupt und machte auch allgemein den meisten Spaß. Logikfragen inklusive, denn mal ehrlich: Wie popelt man wohl mit Pimmeln statt Händen? Wie putzt man Zähne? Wie reibt man sich die Augen? Der arme Edward …
Vampire, Zombies, Mumien und andere Sex-Monster.
Den Abschluss meiner Eindrücke vom Splatterpornspecial bildete der Vortrag "Vampire, Zombies, Mumien und andere Sex-Monster. Über die Vermischung von Pornographie und Horrorfilm." von Stefan Höltgen, der in einer meines Erachtens zu trockenen Herangehensweise über das Thema referierte.
Wie bei einem wissenschaftlichen Aufsatz entwickelte Höltgen Theorien und Systematiken, um das prinzipiell sehr interessante Thema fassen zu können. Für mein Dafürhalten nicht die beste Herangehensweise. Einzig die wirklich wahnwitzigen Filmausschnitte (unter anderem ein Werwolf mit Bohrmaschinengenital), mit denen er seine Ausführungen untermalte, befeuerten das Interesse des Zuhörers/Zuschauers immer wieder neu. Schade, hier war deutlich mehr drin …
Geiler Scheiß?
"Geiler Scheiß - Ein Film über Jugendliche und Pornographie" war ein Projekt, das wirklich von Anfang an auf meiner "Must See Liste" stand. Hierbei handelte es sich um eine Dokumentation, in der sechs Probanten (drei Mädchen und drei Jungs) im Alter von 18 – 22 Jahren über ihren Umgang und ihr Verhältnis mit/zu der Pornographie reflektierten. Die Jugendlichen sprachen dabei ungemein sachlich und artikuliert über ihre Einstellung zur Pornographie.
Man erfuhr, dass Pornos in ihrer Fleischbeschau durchaus ein Stück weit die Aufklärung übernommen haben, wann, wo und warum die Probanten ihren ersten Kontakt mit Pornos hatten und wie sie die Vorwürfe einschätzen, dass der gängige Pornofilm in erster Linie frauenfeindlich sei. An den Antworten merkte man schnell, dass die Auffassungen und Erfahrungen der Befragten deutlich von dem aktuell in den Medien verbreiteten Horrormeldungen zur Verrohung der deutschen jugendlichen Allgemeinheit differierten.
Klar und deutlich trennten sie die Pornofilme und deren Konsum von ihrem Normalleben und vor allem von ihrem Verständnis der Realität. Pornos seien genauso wie andere Filme eben nur Filme, die vor allem in der Zeichnung der Geschlechter mit der Realität nicht viel zu tun haben.
In der anschließenden Diskussion wurde diese Dokumentation von dem Publikum sehr kritisch hinterfragt und von den anwesenden, sehr jungen Filmschaffenden eloquent verteidigt. Denn es fiel schon auf, dass die Jugendlichen sehr selbstreflexiv auftraten und kaum dem Klischee des sozialen Brennpunktkindes entsprachen. Im Zuge dieser Diskussion erfuhr man dann mehr von dem hinter dem Film stehenden Medienprojekt, was alles deutlich einsichtiger machte.

Denn das Medienprojekt Wuppertal konzipiert und realisiert seit 1992 erfolgreich Projekte aktiver Jugendfilmer zu Themen, die eben für eine jugendliche Erfahrenswelt interessant sind und die die Jugendlichen bewegen. Dabei geht und ging es nie um die Präsentation von wissenschaftlich bewiesenen Fakten oder die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse.
Viel mehr möchte man Diskussionsgrundlagen bieten und Meinungen und Gedanken von Jugendlichen sammeln und einem möglichst großen Publikum unterbreiten. Diesem Anspruch wurde diese Dokumentation mehr als nur gerecht und geriet umgehend zum vieldiskutierten Beitrag des Festivals. Noch Stunden später kamen diverse Gespräche in der Lounge oder vor dem Kino zurück auf diesen Beitrag.
Besonders erfrischend fand ich persönlich, dass hier eben mal keine Sexperten zum Thema befragt wurden. Ein Zuschauer brachte es in der Diskussion wie folgt zum Ausdruck: "Endlich einmal gibt es eine Doku zum Thema, in der es keinen gibt, der schon alles gesehen hat und in Ledermaske oder mit verpixeltem Gesicht inklusive Mickey Mouse Stimme zum Thema fachsimpelt."
Vielmehr sah man hier sechs sehr normale Jugendliche, die offen und ehrlich über das Thema sprachen, ohne dabei zu sehr darauf bedacht zu sein, wie sie nach außen wirken könnten und ob sie mit ihren Aussagen vielleicht jemanden angriffen. Diese Absage an die so genannte soziale Erwünschtheit war einfach absolut erfrischend, hochinteressant, extrem amüsant und vor allem authentisch! Stark!
Warum war ich noch mal dort?
Achja, wegen Pornos und irgendwie stand mir dann am Ende meines dritten Tages des Festivalbesuches auch wahrlich der Sinn nach einem anspruchslosen Rammelstreifen. Quasi als Gegenentwurf zu dem bisher teilweise doch schwer anspruchsvollen Verlauf. Das Objekt meiner Begierde: "Island Fever".
Yeah, das klang nach Sex pur, ohne Handlung, einfach nur wüstes Gepoppe und damit eigentlich das, was ich gar net mag. Schon drei Minuten nach Filmstart folgte die erste, garantiert 10minütige Sexszene in allen unvermeidlichen Details und Großaufnahmen. Drei Minuten später folgte die nächste, dann noch eine und noch eine. Um was es ging? Irgendwie um einen Schriftsteller, der ein Skript für eine Show schreiben sollte …
Schon in der zweiten Sexszene (von der Handlung ganz zu schweigen) hatte ich das dringende Bedürfnis zu spulen. Doch hey … ich saß in einem Kino. Verdammt. Was machen? Durchhalten? Rausgehen? Zuschauer beobachten? Ich entschied mich für letzteres.
Allerdings funktionierte auch das nur bedingt, denn schon nach fünfzehn Minuten begann die erste Abwanderungswelle. Zunächst flüchteten vor allem die Frauen. Dann die Pärchen und wenig später schliefen auch die alten Opis in ihren weiten Mänteln selig vor sich hin. Also konzentrierte ich mich wieder auf den Film und hatte es irgendwann wirklich geschafft.
Es folgte eine hochinteressante Diskussion mit dem anwesenden Regisseur Tom Herold, der mit diesem Film vor über sechs Jahren sein "Handlungspornodebüt" bei dem großen Produzenten "Private" gab. Beherzt erwehrte er sich der bohrenden Fragen des Festivalleiters Jürgen Brüning und gewährte interessante Einblicke in die Produktionsbedingungen eines Pornos für ein großes Hardcorestudio.
Er gab offen und ehrlich zu, dass er alle Sexszenen deutlich gestrafft hätte, Analszenen niemals gedreht hätte und auch den Rhythmus des Filmes allgemein verändert hätte, doch das Studio ließ das nicht zu! Es verlangte bestimmte Szenen und Sexstellungen mit ganz bestimmten Laufzeiten und presste schlussendlich alles in ein Schema, nach dem sie bereits hunderte andere Filme zusammengestellt hatten. Das Ergebnis war die teilweise quälende Langeweile, die man nun schlussendlich bewundern durfte.
Kurz nach diesem Film sagte sich Herold wegen derartigen Erfahrungen von "Private" los und inszeniert heute in Eigenregie Filme … die vom ganzen Ansatz her deutlich interessanter klangen als diese extrem glatte, austauschbare und viel zu geleckt inszenierte Rammelkiste namens "Island Fever".
Das Begleitprogramm
Vom Porno allein kann freilich niemand leben. Und so bastelte man um das Pornfilmfestival auch ein ansprechendes Rahmenprogramm. Einige Events suchte ich freilich auch auf.
Sexclusivitäten
Laura Merritt ist die Besitzerin des ersten lesbischen Pornofilmladens in Berlin. Dieser hört auf den Namen "Sexclusivitäten" und lud im Rahmen des Pornofilmfestivals zum Besuch. Nebenher hatte man auch einen kleinen Stand im Moviemento selbst errichtet. Der eigentliche Shop befindet sich nun nicht irgendwo. Nein, er befindet sich direkt in den heiligen vier Wänden von Frau Merritt!
Kaum eingetreten fühlte man sich gleich wie daheim, zumal man auch dazu aufgefordert wurde, sich einfach mal zwanglos in der ganzen Wohnung umzuschauen. Voller Licht war die Wohnung und scheinbar offen für alles und jeden! Wie die Besitzerin selbst: Kommunikationswissenschaftlerin, Sexpertin, Lachforscherin, Workshopausrichterin, kaum eine Hochzeit, auf der die eloquente, immer gut gelaunte und herzlich offen lachende Laura nicht tanzt.
Als ich ankomme, ist die Wohnung bereits eine Art Taubenschlag. Eine handvoll junger Damen macht sich über das Angebot in Lauras Laden her. Härter müsse er sein, stärker vibrieren, aber bitte nicht zu monoton und doch bitte in einem anderen Design. Laura hört sich die Wünsche der Damen geduldig an, gibt Empfehlungen und Tipps, schlägt Alternativen vor und stürzt sich immer lächelnd in neue Dialogscharmützel. Dabei parliert sie französisch, englisch, deutsch und kommt niemals aus der Puste.
Ich schaue mich derweil weiter um und sehe viele Produkte, die ich selbst schon im JOYclub zum Test ausgeschrieben habe. Laura kennt diese Tests sogar und lässt sich noch einmal genau das Procedere unserer Testläufe beschreiben. Schnell kommen wir auch auf das Thema Frauenpornos. Laura umschreibt mir so manchen Beitrag, der im aktuellen Festivalprogramm läuft ("Feelin It" von Petra Joy und das "Barcelona Sex Project" von Erika Lust) und man spürt, dass hier jemand spricht, der sich auskennt und liebt, worüber er redet.
Dann beginnt sich die Gruppe nach und nach zu verabschieden. Küsschen hier, Küsschen da. Am Ende hat jede ihr Wunschprodukt und diverse Telefonnummern erhalten. Nur meine wollte keine … warum auch immer! Was hieß lesbisch noch einmal? ;-)
Ficken 3000

Am zweiten Abend des Festivals kehrte ich mit mars78, mit dem ich jeden Abend Berlin leersoff, im "Ficken 3000" ein. Eine der bekanntesten schwulen Cruising-Bars Berlins, wo die ArtPornLounge abgehalten wurde.
Leider kamen wir für dieses Event etwas zu spät, hatten aber letztendlich dennoch eine gute Zeit in dem Etablissement.
Zumal mars78 seinem persönlichen Hero of se Festival Charles Lum begegnete. Ein HIV positiver Regisseur, der voller Lebensfreude und mit aus den Augen blitzendem Schalk durch sein Leben schreitet und sich als herrlich unkompliziert und umgänglich herausstellte.
Kurz bevor wir dann das "Ficken 3000" verlassen wollten, schaltete der Besitzer doch noch einmal ein paar Bilder aus der Ausstellung auf die Monitore in der Bar, so dass wir einen ungefähren Eindruck von den garantiert nicht jugendfreien Aufnahmen bekamen …
Ausstellungen
Am Samstag trottete ich zu Fuß zu der etwas exponiert liegenden, gerade erst neu eröffneten "Exile" Galerie. Hier wurden auf zwei Ebenen Ausstellungen abgehalten. Im Erdgeschoss huldigte man mit einer wirklich beeindruckenden Collage unter dem Titel "In Cock We Trust" dem schwulen Undergroundmagazin "Straight to Hell".

Dazu vergrößerte man einzelne Seiten diverser Ausgaben auf A0 Format und tapezierte damit den Raum. Darauf platzierte man Bilder von Männern inklusive ihrem besten Stück in allen Größen und Formen. Darunter Bilder von anerkannten Künstlern, aber auch intime Polaroids und ausgedruckte Bilder von an E-Mails angehangenen JPEG Dateien, die den Kurator Billy Miller zugesandt wurden.
Ein Bild stammte von dem Künstler Al Batrop, dessen Werke Hauptbestandteil der zweiten Ausstellung, namens "Pier Photographs 1975 - 1986", waren. Diese präsentierte Bilder aus einem Projekt, bei dem sich Baltrop mit größter Akribie der Aufgabe widmete, einen Pier im Westen von Manhattan zu fotografieren. Mal mit Fokus auf die verfallenden Bauten selbst, mal mit starkem Fokus auf die Menschen, die in der Umgebung lebten.
Und diese Bilder haben es in sich: Mal frivol (schwules Pärchen hat Sex in den Ruinen des Piers), mal sehnsüchtig (Alter Mann schaut auf die Wasseroberfläche), mal liebevoll (zwei Männer küssen sich auf einer Decke liegend) und mal verstörend (Polizisten bergen eine Leiche aus dem Wasser). Das Ergebnis ist eine mehr als lohnende, immer wieder zum Verweilen einladende und intensive Werkschau, die im Grunde nur daran krankt, dass von dem angeblich gigantischen Fundus an Bildern von Baltrop zum Thema nur ca. 25 gezeigt wurden.
Auf diesem Wege noch einmal herzlichen Dank an den Organisator der Ausstellung, der mir jegliche Fragen geduldig beantwortete und in dem etwas sehr ungünstig gelegenen Gebäude weitere Ausstellungen abhalten möchte. Viel Erfolg bei diesem Vorhaben …
Fistclub
Das eigentliche Highlight des Rahmenprogramms war aber eindeutig der Besuch der Nachtbar am dritten Tag meines Festivalaufenthaltes. Die Nachtbar befand sich in dem ehemaligen Supermarktgebäude "Tek-Mer" … ein Gebäude, auf das scheinbar schon diverse Bomben gefallen sind ;-), was den Undergroundanstrich der gesamten nun folgenden Veranstaltung aber nur unterstrich.
Denn kaum hatten mars78 und ich unser Bierchen Nummer eins erstanden, fand schon die erste Performance statt. Ein kleines Persönchen namens Mouse verlieh dem Begriff "feuchtes Vergnügen" ganz neue Dimensionen.
Ob sie nun in ein Planschbecken sprang und darin herumtobte oder sich einen Wassereinlauf verpassen ließ und diesen feucht fröhlich auf die erste Zuschauerreihe ausschied. Wirklich trocken blieb hier keiner. Der Höhepunkt war aber eindeutig die mittels Spekulum vollzogene Einführung von mehreren Fischen in ihre Vagina. Mit einer Webcam filmte man dann, wie die kleinen Nemos lustig in ihr hin und her schwammen. Die dann wieder befreiten Fische verkaufte Mouse für 20 Euro an einen besorgten Clubbesucher.
Nach der Show rannte die kleine Dame den ganzen restlichen Abend vollkommen nackt durch den Club … was bei den teils doch recht frischen Temperaturen schlimmstes befürchten ließ.
Und dann war es Zeit für den Fistclub. Eine unglaubliche Performance, die von zwei sehr aparten jungen Damen (die eine eine französische Pornodarstellerin, die andere eine Autorin und Sexperformerin) dargeboten wurde und aufgrund der brillanten Choreographie der Künstlerin Shu Lea Cheang vor allem in den ersten 7-8 Minuten vollends zu überzeugen wusste.
Jede Bewegung der beiden Damen auf der Bühne schien geplant, folgte einem festen Ablauf und ritualisierte die einzelnen Schritt zum finalen Fisting bis ins Extrem. Zu genialer Housemusik, die alle Zuschauer zum Mitzappeln bewegte, lernten sich die beiden Damen vor unseren Augen kennen, entkleideten sich gegenseitig, legten den Handschuh für den Akt an, tauchten ihn in Gleitcreme und vollzogen letztendlich den Fistakt in verschiedenen Positionen.
Nach diesem wirklich genialen und obendrein sehr erotischen Auftakt fiel die Performance aber auseinander und mutierte zum reinen Sexshowakt. Handschuhe wurden ans Publikum verteilt, wer einen bekam, durfte auch einmal "Hand anlegen". Dann brachte die eine Dame die andere zum Abspritzen und die Show war beendet. Hier hätte ich persönlich noch mehr choreographierte Action gesehen …

Den restlichen Abend bekämpften mars78 und meiner einer mutig die Biervorräte der Bar, trafen sogar Charles Lum wieder und verbrachten die meiste Zeit mit dem beliebten Trinkerhobby des "Leute Guckens". Irgendwann gegen 4 Uhr (eigentlich 5, aber die Zeitumstellung hatte uns ja eine Stunde geschenkt) endete der Abend dann für uns …
Abreise

Eigentlich wollte ich am Sonntag noch ein oder zwei Filme des Festivals mitnehmen, doch als Kunde der Bahn darf man sich ja heutzutage mit Planungen oder der Hoffnung, pünktlich daheim anzukommen, nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen. Also brach ich lieber früh gen Bahnhof auf, was sich als gute Entscheidung entpuppte. Wer die Tage einmal Bahn gefahren ist, wird wissen, wovon ich rede … Auf jeden Fall war ich spät abends irgendwann daheim und mehr als kaputt von den letzten Tagen.
Fazit
Im Großen und Ganzen waren die Tage in Berlin hochinteressant, aber auch sehr anstrengend. Drei bis vier Filme am Tag sind schon hart, zumal, da man selten wusste, was einen erwartete (das Programm war dahingehend keine große Hilfe, kündigte es doch jeden Film als genial und bahnbrechend an) und man sich ab und an schon sehr über die Zeit quälte.
Doch die Totalausfälle hielten sich für mich in Grenzen und der Ansatz des Arthouseerotikfestivals gefiel mir durchgehend sehr gut. Trotzdem denke ich, dass dieses Festival erst so richtig durchstarten wird, wenn es eine ausgewogenere Mischung aus Anspruch und Unterhaltung findet. Mehr Trashgranaten wie "Edward Penishand" kombiniert mit mehr reinen Pornofilmen als Zuschauermagneten und als Gegengewicht zu den teils recht anspruchsvollen Kunstpornos wären meines Erachtens ein erster Schritt.
Auch in der Organisation der Abläufe des Festivals sollten allgemein ein paar Umstellungen erfolgen. Das Traurige war nämlich, dass sobald man sich für einen Film entschied, man vier andere, gleichzeitig laufende Streifen verpasste. Das tat teils ziemlich weh und machte es unmöglich, einmal in alle angebotenen Themenbereiche hineinzuschnuppern.
Auch die Verteilung des Festivals auf insgesamt drei Kinos (das Xenon Kino in Berlin Schöneberg zeigte noch eine Art Best Of des Festivals) empfand ich als etwas suboptimal, da die eng gepackten Filmpläne ein Hin- und Herswitchen zwischen den Kinos fast unmöglich machten. Inhaltlich sollten die Veranstalter noch an der Moderation arbeiten. Manche Diskussionsrunden wurden viel zu schnell abgewürgt, was auch am engen Zeitplan lag, keine Frage. Andere Veranstaltungen wurden gar nicht moderiert, wobei es gerade bei manchem verkappten Kunstgeschwurbel wie "The Lost Door" zum Ordnen der Eindrücke dringend notwendig gewesen wäre.
Diverse technische Probleme und Unpünktlichkeiten bei den Startzeiten der Filme sind von meiner Seite her geschenkt, derartige Phänomene kann man bei jedem Festival beobachten. Was gefiel, war, dass die Verantwortlichen sehr viele Filmschaffende zum lockeren Plausch geladen hatten und diese allgemein keinerlei Berührungsängste zeigten und sich frohen Mutes in diverse Gespräche stürzten. Auch die Atmosphäre vor Ort war durchgehend entspannt und geradezu familiär. Spätestens am zweiten Tag kannte man schon die meisten Besucher vom Sehen her.
Und vor allem durfte man erfahren, dass Erotik bzw. Porno eben nicht immer das gleiche, gelackte, austauschbare und monotone Gestöhne und Gerammel sein muss. Diese Erkenntnis verlieh dem Bild, das ich allgemein von Pornos habe/hatte, ein hehreres Antlitz …
Und damit vielen Dank an die Veranstalter für die tolle Zeit und viel Erfolg für zukünftig folgende Festivals ...
In diesem Sinne:
freeman

























