Romantik in Pornos beschränkt sich meist darauf, dass in grell ausgeleuchteten Settings eine Kerze steht, die immer mal mitgefilmt wird, während zwei oder mehr Pornostars übereinander herfallen. "Heart Strings" versucht nun andere Pfade zu beschreiten: Der Paarporno präsentiert eine Hollywoodromanzentaugliche Geschichte und kreuzt sie mit wirklich ästhetisch und schön anzuschauenden Sexszenen, die mit manch ungeschriebener Pornoregel brechen und von sehr feiner Countrymusik untermalt werden. Wir stellen euch den Streifen genauer vor ...
- Inhaltsverzeichnis
- "Heart Strings" oder Romantik pur im Countrygewand
- Von einem, der auszog, die Liebe zu lernen
- Gängige Romantikfilmklischees bestimmen "Heart Strings"
- Der Pärchenporno bietet Kontrastprogramm zu 0815 Pornoszenen
- Die Sexszenen des Pornos sind atmosphärisch in Szene gesetzt
- Gelungener, aber nicht fehlerfreier Pärchenporno
- Die DVD von "Heart Strings"
- Kommentare
"Heart Strings" oder Romantik pur im Countrygewand
Originaltitel: Heart Strings
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2011
Regie: Stormy Daniels
Darsteller: Bill Bailey, Brooklyn Lee, Carolyn Reese, Gracie Glam, India Summer, Michael Vegas, Rocco Reed, Seth Gamble
Freigabe: XXX
Laufzeit: 87 Minuten
Bild: 16:9 (anamorph)
Ton: Englisch
Format: NTSC
Ländercode: 0 (Codefree)
Extras: Behind the scenes, Fotogalerie, Trailer, 2 Extrasexszenen
Wird am Ende geheiratet? Nope
Verpackung: Pappverpackung
Studio: Wicked Pictures
Von einem, der auszog, die Liebe zu lernen
Tommy Tucker, seines Zeichens Amerikas bekanntester Countrystar, hat gerade den begehrtesten Preis der Branche abgeräumt, als ihm seine Managerin nach einem gemeinsamen Feiernümmerchen eröffnet, dass die sehr kräftezehrende Tournee der vorhergehenden Monate nahtlos fortgesetzt werde.
Doch Tommy ist am Ende seiner Kräfte und weigert sich, den Plänen seiner Managerin Folge zu leisten. Heimlich, still und leise setzt er sich ab und informiert nur seinen Bruder, der ein Instrument in Tommys Band spielt, über seine Fluchtpläne, die ihn irgendwo aufs Land führen sollen, wo er endlich einmal ausspannen möchte.
Auf seiner Reise bleibt dann allerdings sein Auto defekt liegen. Glücklicherweise nimmt ihn eine junge Dame namens Claire mit. Ihr Freund sei Mechaniker. Doch dieser hat keine guten Nachrichten für Tommy. Eine Woche dauere die Reparatur mindestens. Die zuvorkommende Claire bietet Tommy daraufhin an, bei ihr und ihrer Schwester Emma auf der gemeinsamen Farm zu bleiben.
Tommy willigt schnell ein und verdingt sich als Arbeitshilfe auf der Farm ... und kommt dabei der soeben von ihrem langjährigen Freund verlassenen Emma immer näher. Kaum wähnt er sich im Liebesparadies, zumal Emma ihn offenkundig mag, ohne zu wissen, dass er ein reicher Superstar ist, taucht seine megaintrigante Managerin auf und lügt Emma gegenüber das Blaue vom Himmel. Die hat daraufhin so gar keine Lust mehr auf Tommy…
Gängige Romantikfilmklischees bestimmen "Heart Strings"
Es kommt selten genug vor, aber bei diesem Porno macht schon der Vorspann Lust auf mehr. Stark mit Farbfiltern bearbeitete Bilder von einem bluesige Riffe abfeuernden Gitarristen werden mit einer erotischen Sexszene gegengeschnitten, die, für einen Porno ziemlich ungewöhnlich, sämtliche expliziten Details ausblendet und stattdessen - verstärkt durch die großartige Musik - auf eine eher leidenschaftliche Atmosphäre setzt.
So auf die kommenden Ereignisse eingestimmt nimmt die Geschichte von "Heart Strings" allmählich Fahrt auf. Diese entspricht den gängigen Romanzenmustern. Ein Star, von allen geliebt, trifft auf eine Dorfschönheit, die sich ihm vollkommen unbefangen nähert, da sie von seinem Ruhm nichts ahnt. Er fühlt sich das erste Mal in seinem Leben wirklich geliebt und würde am liebsten sein Leben nur noch mit dieser Frau verbringen.
Doch wie das so ist, ist da immer wer, der einem das Glück nicht gönnt. Diesmal ist das eine sehr intrigante Managerin, die den Hauptcharakter als Geldquelle betrachtet und ihn ab und an auch mal mit flotten Nümmerchen bei Laune hält. Diese Figur torpediert das Liebesglück und der Zuschauer bangt um die beiden Helden. Glauben zumindest die Drehbuchautoren, die uns immer und immer wieder derart mit Klischees überfrachtete Streifen als neu verkaufen.
Von den Klischeefiguren ganz zu schweigen. Gut ist gut, böse ist böse. Kurzum: Innovativ ist an der Handlung von "Heart Strings" gar nichts. ABER man muss freilich unumwunden zugeben, dass "Heart Strings" zumindest eine Handlung hat und diese auch recht treffend umsetzt. Wie das Ganze ausgeht, weiß man zwar schon von Beginn an, der Weg dahin ist aber durchaus recht sympathisch geraten.
Der Pärchenporno bietet Kontrastprogramm zu 0815 Pornoszenen
Die eigentlichen Stärken dieses Pornos liegen aber in anderen Bereichen. Sonst wäre es ja auch kein Porno
. Und in diesem pornösen Bereich gibt es sogar einige Überraschungen zu vermelden. Dazu muss man wissen, dass "Heart Strings" ein Film aus der "Wicked Passions" Reihe von dem amerikanischen Pornolabel "Wicked Pictures" ist. Wer das Label "Wicked Pictures" kennt, weiß, dass alle Sexszenen mit Gummi absolviert werden und wer "Passions" ins Deutsche übersetzen kann, der wird vielleicht zunächst ungläubig schauen, denn Leidenschaft und Porno? Geht das?
Augenscheinlich ja! Denn "Heart Strings" ist ein Film, der laut aller Beteiligter versuche, nicht auf das allzeit bereite, stellungsintensive und überfreizügige Standardpornogerammel zu fokussieren, sondern Sex zeige, wie er wohl in Wirklichkeit stattfinden könne. Und man kann nur attestieren, dass dieses Vorhaben durchaus gelungen umgesetzt wurde.
Das beginnt schon bei dem Vorspiel. Dieses sieht ja in Pornos normalerweise wie folgt aus: Zwei gerade noch angezogene Menschen sind urplötzlich nackt und stimulieren die Geschlechtsteile des jeweils anderen. Nicht so in "Heart Strings"! Genießerisch werden die Partner aus den Klamotten geschält, derweil wird sich umarmt und geküsst - immer und immer wieder. Sind beide irgendwann nackt, lässt man sich Zeit, den Körper des anderen zu erkunden. Dieser wird geküsst, gestreichelt, mit der Zunge erforscht ... und tatsächlich, die Darsteller küssen sich währenddessen erneut. Nicht dieses "Huch, unsere Lippen haben sich berührt, bück dich schnell zu meinem Schwanz, dann merkt es keiner!" Pornoküssen, sondern mindestens dieses Romantikfilm-Küssen, bei dem schon eine gewisse Form von Intimität transportiert wird.
Irgendwann widmet man sich dann auch den jeweiligen primären Geschlechtsteilen, ohne dass Regisseurin Stormy Daniels (auch als Darstellerin tätig, wie The Wicked beweist) minutenlang darauf fokussieren würde. Es wirkt einfach natürlicher, wie hier die Übergänge zwischen den Phasen des Beischlafes dargestellt werden. Was aber nicht bedeutet, dass letztendlich nicht gefickt werden würde. Mitnichten.
Und auch diese offensiveren Szenen machen richtig Spaß und wirken nicht so, als sei die wichtigste Vorgabe gewesen, möglichst immer freie Sicht auf die Geschlechtsteile zu haben. Es wirkt alles weniger artistisch und gestellt und macht trotzdem auch genug Druck, um nicht zu langweilen.
Die Sexszenen des Pornos sind atmosphärisch in Szene gesetzt
Auch die optische Umsetzung der Sexszenen weiß absolut zu gefallen. Offensichtlich verzichtete man auf grell ausleuchtende Scheinwerfer und drehte vorwiegend mit vor Ort verfügbarem Licht. Das sorgt für weiche, sehr angenehme Bilder, die sich auch ein Spiel mit Licht und Schatten erlauben. Die Bebilderung ist unaufgeregt und bodenständig, die Schnittzahl sehr niedrig und häufiger arbeitet die Regisseurin mit Überblenden, was die Szenen noch fließender und vom Tempo her unaufgeregter macht.
Darunter tönt aufgrund des Sujets vor allem Countrymusik. Diese ist durchweg gelungen und verstärkt die intime und leidenschaftliche Atmosphäre der Sexszenen vortrefflich. Auch die im Verlauf des Filmes präsentierten Songs von Tommy und seiner Band machen richtig Laune und passen inhaltlich sogar zur eigentlichen Handlung des Filmes!
Gelungener, aber nicht fehlerfreier Pärchenporno
Kurzum: "Heart Strings" begeistert an vielen Fronten! Der Paarporno ist im Übrigen auch in den Handlungsszenen wunderbar bodenständig und erdig inszeniert. "Heart Strings" wirkt dadurch richtig schön authentisch und diverse Details wie die passende Kleidung, die gelungen ausgesuchten Schauplätze, die Musik und die gecasteten Darsteller lassen einen wirklich glauben, hier einen etwas deftigeren Romantikstreifen aus den ursprünglicheren Breiten der USA zu sehen.
Die Sexszenen überraschen dann genauso und wirken beinahe ein wenig, als habe man versucht, vieles von dem umzusetzen, was sich andere Pornos nicht trauen. Die Partner sind gleichberechtigt, es wird nicht in Gesichter abgespritzt, die Kamera fokussiert nicht ständig auf die Geschlechtsteile, es gibt kein Dominanzgehabe und ENDLICH sieht man mal keinen triebgesteuerten Fickmaschinen zu, die einfach nur einen wegstecken wollen. Stattdessen hat man das Gefühl, dass sich hier wirkliche Menschen vergnügen, die auch am Körper des anderen Spaß haben. Von den für Pornoverhältnisse fast schon "verstörend" vielen Küssen während des Aktes ganz zu schweigen.
Und dennoch gibt es auch zu mäkeln. Die Darsteller sehen zwar rundweg sehr lecker aus (und sind auf Frauenseite vollkommen silikonfrei), wirken allerdings, wie man es vom Porno leider gewohnt ist, abseits der Sexszenen recht steif. Auch die Dialoge wirken in ihrer Betonung nicht immer authentisch. Der gemeine Pornodarsteller weiß halt, warum er letztlich "nur" Pornostar geworden ist.
Die Geschichte ist freilich auch nicht der Kracher, da sie viel zu klischeehaft dargeboten wird. Hier und da setzt es auch ziemlich üble Fremdschämmomente, etwa bei der lachhaften, in Zeitlupe dargebotenen "Wir sind verliebt" Schaukelszene. Und warum Pärchenporno in den USA meist gleichzusetzen ist mit ausschließlich vaginalem Sex, konnte mir auch noch niemand so wirklich plausibel erklären. Ein wenig Varianz hätte den wirklich schön anzuschauenden Pornoszenen nicht geschadet.
Dennoch kann man den Streifen den Romantikern (soll es wirklich geben) unter den Pornofans durchaus ans Herz legen. Und wer hier einen Zuckerschock sondergleichen erwartet: Nein, es wird nicht geheiratet! Zumindest da bleibt "Heart Strings" dem Genre treu. ;-)
Die DVD von "Heart Strings"
"Heart Strings" kommt von dem amerikanischen Label "Wicked Pictures" auf DVD in sehr guter Bild- und Tonqualität (leider nur in englischer Sprache). Für eine weitere Beschäftigung mit "Heart Strings" über den Genuss des Filmes hinaus stehen ein paar nette Extras zur Verfügung.
Den Bonusfan erwartet die Einstiegssexszene in einer deutlich verlängerten und dann deutlich zeigefreudigeren Version, ein Trailer zum Film, eine Fotogalerie, eine Sexszene aus einer weiteren Produktion der "Wicked Passion" Linie, die auf den Titel "Getting away from it all" hört, und ein Promotrailer in Sachen "Wicked Passions". Herzstück ist allerdings ein 20minütiges Making Of zu "Heart Strings", in dem auch die Intentionen der Macher ausführlich dargelegt werden.
Heart Strings im Orgazmik Shop bestellen.
In diesem Sinne:
freeman























