Selbst bestimmen, ob ein Erotikfilm oder Porno wirklich gedreht wird? Das hatten wir unlängst bei dem Projekt "Hotel Desire", wo das Publikum im Vorfeld mittels der Finanzierungsmethode Crowdfunding entscheiden konnte, ob es dem Unterfangen eine Chance geben will. Es wollte. Das Ergebnis überzeugte vielleicht nicht jeden, eine Bereicherung im Genre des Erotikfilmes war die ganze Unternehmung dennoch.
Mit "häppchenweise" möchten wir euch ein ähnliches Projekt vorstellen. Zwar stehen diesmal keine großen Namen hinter dem Projekt, das macht es aber nicht weniger reizvoll. Es wird, so das Projekt zustande kommt, um sechs Menschen gehen, die sich eines Abends zu einer verschärften Variante des Flaschendrehens treffen. Wie weit sie dabei gehen werden, wird "häppchenweise" für euch offenbaren. Wir baten die Initiatorin des Projektes zum Interview. Sie erklärt euch alles, was man über "häppchenweise" wissen muss, und vielleicht könnt ihr euch im Anschluss ja dazu durchringen, die Macher zu unterstützen …

- Inhaltsverzeichnis
- Ein kleines Update zu "häppchenweise"
- Ein Trailer zum "häppchenweise" Pornoprojekt
- Die Initiatorin von "häppchenweise" im Interview
- Pornografie sollte Sexualität ehrlich und vielfältig darstellen
- "häppchenweise" - das postpornografische Filmprojekt
- Die Darsteller bestimmen selbst, wie weit sie gehen
- Was steckt hinter dem Begriff Postpornografie?
- Finanzierung eines Pornos über Crowdfunding
- Warum lohnt es sich, in "häppchenweise" zu investieren?
- Einige aktuelle Ergänzungen
- Kommentare
Ein kleines Update zu "häppchenweise"
Die Hälfte ist geschafft und über 5000 EUR sind für das Projekt zusammen gekommen. Doch allmählich läuft den Initiatoren ein wenig die Zeit weg und "häppchenweise" läuft Gefahr, nicht realisiert zu werden. Also vielleicht finden sich ja doch noch mutige Investoren ...
Zur Crowdfundingseite von Häppchenweise
Des Weiteren haben die Macher zwei neue Clips von neuen Darstellern für "häppchenweise" erstellt.
Und die Macherin bitte noch einmal um euren Support:
Maike Brochhaus über Häppchenweise
Wir drücken dem Projekt weiterhin alle Daumen!
Ein Trailer zum "häppchenweise" Pornoprojekt
Man begab sich für "häppchenweise" natürlich auch schon auf die Suche nach Menschen, die bei "häppchenweise" vor der Kamera agieren wollen. Mit jenen drehte man diesen ersten Trailer, in dem sie darüber sprechen, was sie von dem Film erwarten. Auch wie der Film optisch aussehen könnte, wird hier schon über die stilvolle Kameraarbeit angedeutet.
Im Übrigen suchen die Macher noch Mitwirkende!
Dabei sind die Männerrollen alle besetzt, was noch gesucht wird, ist eine Dame, die lesbisch oder bi ist.
Die Initiatorin von "häppchenweise" im Interview
- Wer bist du? Was treibt dich um und an?

Ich bin Maike Brochhaus, 27 Jahre alt. Ich habe einen Lehrauftrag an der Universität als Dozentin der Kunstwissenschaft. Dort gebe ich Seminare zum Thema des Pornografischen im Kunstkontext und schreibe an meiner Doktorarbeit über pornografische Kunst am Beispiel des Filmkünstlers Bruce LaBruce. Was treibt mich um und an? Was für eine schön formulierte Frage! Mich treibt alles um und an, was im Bereich der visuellen Darstellung von Körperlichkeit und Sexualität passiert, vor allem an den Grenzen zwischen Populärkultur, Pornografie und Kunst.
- Welche Rolle spielt Pornografie in deinem Leben?
In meinem Leben zieht sich Pornografie einmal quer durch Privates und Berufliches. Ich analysiere Pornofilme, forsche zur pornografischen Kunst, lese Texte zur Pornografieforschung, spreche mit Studierenden über Pornografie und Pornokunst, bin Fan des Berliner Pornfilmfestivals, mache einen pornografischen Film und, jaaaaaaaaa, ich schalte auch gerne mal Gehirn aus und Porno an.
Ich sag ja immer ganz gerne zu meinen Studenten, dass Porno, wenn man die Definition wertfrei herunter dampft, eigentlich nur eine Form der expliziten Sexualitätsdarstellung ist, derer sich sowohl Pornofilme als auch Kunst, Spielfilme oder andere Formen der medialen Visualisierung bedienen können. Und Sexualität ist ja gerade ein Thema, das jeden Menschen etwas angeht und uns somit ja auch alle irgendwie verbindet.
Pornografie sollte Sexualität ehrlich und vielfältig darstellen
- Was magst du an (kommerzieller) Pornografie oder der Idee der Pornografie? Was magst du nicht am landläufigen Porno?
Ich mag Pornografie, die eine kreative Darstellung ehrlicher und vielfältiger Sexualität zwischen echten Menschen zeigt, deren Lust ich im Idealfall förmlich riechen kann. Das können raue Gonzos sein mit wackeliger Handkamera und gnadenlos ehrlicher Lichtsetzung, aber ebenso hochstilisierte Produktionen, die auf Dramaturgie und Erzählstruktur setzen oder einfach nur Eye Candy sind, wie z.B. Vivian Darkrooms Indietro. Mich stört, wenn ich einem Pornofilm ansehe, dass es sich um eine lieblose Produktion ohne kreativen Input, ohne Idee dahinter handelt, bei der ich mich fragen muss, ob die Darsteller Spaß haben, bei dem, was sie da tun. Sobald Sex wie eine Art Leistungsshow rüber kommt, bin ich raus. Operierte Körper mag ich auch nicht sehen, viel lieber individuelle natürliche Körper, in denen ich auch die dazugehörigen Menschen erahnen kann.
"häppchenweise" - das postpornografische Filmprojekt

- Gemeinsam mit einigen anderen Kreativen hast du das Projekt "häppchenweise" gestartet. Was hat es damit auf sich? Was steht dahinter? Was ist das Ziel der Bestrebungen?
"häppchenweise" ist ein postpornografisches Filmprojekt, das sich selbst zwischen Kunst, Spielfilm, Experiment und Pornografie positioniert. Die Grundidee dahinter ist, dass an einem Drehabend 6 junge Menschen (als sie selbst auftretend, keine Schauspieler!) im Alter zwischen 20 und 35 Jahren zu einem Essen zusammenkommen und eine Art abgewandelte Version von Flaschendrehen spielen. Die Frage- und Aktionskarten des Spiels entwerfe ich selbst und sie sind offen für Ergänzungen unserer Supporter. Der gesamte Abend wird von mehreren Kameras begleitet.
Das Ziel ist es, einen Film zu machen, der differenzierte Meinungen und Bilder zum Thema Sexualität, Beziehung, Pornografie und Geschlechteridentität zeigt. Ob dieser dann am Ende pornografische Darstellungsformen impliziert, bleibt offen. Mir geht es vor allem darum, den Druck komplett rauszunehmen und experimentell-spielerisch zu schauen, wie weit Menschen gehen, die dem Thema Pornografie prinzipiell offen gegenüberstehen, aber ohne jemanden am Set, der die Anweisung gibt: "So, und jetzt mal den Arsch in die Kamera und dann blasen bitte."
- Wie kamst du auf die Idee für häppchenweise?
Das ist eine Mischung aus ganz vielen Einflussfaktoren gewesen. Erstmal natürlich mein privates Faible für offene Sex-Darstellung und meine Forschungsarbeit. Außerdem haben mich Charlotte Roches (ich = biggest Fan ever!) Flaschendrehen, das Pornfilmfestival Berlin und Spielfilme mit pornografischen Szenen wie z.B. "Shortbus" inspiriert und vieles vieles mehr. Eine befreundete Regisseurin, der ich von meiner Idee erzählte, hat mich dann letztlich ermutigt, die Sache einfach anzugehen. Et voilá, da bin ich!
Die Darsteller bestimmen selbst, wie weit sie gehen

- Habt ihr schon alle Darsteller zusammen?
Wir haben bisher vier von 6 Leuten fest im Boot. Da ich (vielleicht ein bisschen übertrieben) wählerisch bin, was die Zusammenstellung, aber auch die Einzelpersonen angeht, sind wir nun immer noch auf der Suche nach den letzten beiden Protagonisten. Das ist echt keine einfache Aufgabe, die richtigen Leute zu finden, denn mit ihnen steht und fällt ja die Qualität des Films, gerade weil es keine Rollen gibt, sondern alle als sie selbst auftreten. Zudem muss es ja auch noch zusammenpassen, die Leute sollten sich gegenseitig reizvoll finden und von der sexuellen Orientierung her gemischt sein.
- Wie freizügig wird "häppchenweise" werden und inwieweit sind die Darsteller darauf vorbereitet?
Es gibt ein Darsteller-Briefing, in dem genau festgelegt ist, wie wenig festgelegt ist.
Da steht z.B. drin, dass jeder zu jeder Zeit den Raum verlassen kann und jeder jederzeit sagen kann (und auch soll!) was ihn/sie stört, was nicht gefällt oder wo die eigene Grenze liegt. Ich achte allerdings bei meiner Auswahl der Leute darauf, dass diese eine prinzipielle Offenheit mitbringen und setze auf den prickelnden Moment. Wenn am Ende pornografische Szenen entstehen, dann ist garantiert, dass kein Zwang dahinter steckt und erst das finde ich richtig heiß und befreiend.
Was steckt hinter dem Begriff Postpornografie?
- Ihr nutzt zur Beschreibung von "häppchenweise" häufiger den Begriff des PostPornProjektes. Was versteht ihr darunter bzw. was kann sich euer Zuschauer darunter vorstellen?

Postpornografie ist eine Bewegung, die ursprünglich aus dem Queer-, Transgender- und Intersex-Bereich kommt, aber mittlerweile eher ein Überbegriff für innovative Formate ist, die den Bereich sexueller Darstellungen subversiv angehen. Gemeinsam ist ihnen allen die Vorstellung von Sexualität und Geschlecht als eine konstruierte statt angeborene Größe. Deswegen können auch pornografische Darstellungsformen unsere Vorstellung und Beurteilung von Sexualität mit konstruieren. PostPorn kann die unterschiedlichsten Formen annehmen und sowohl in der Kunst als auch im Porno- oder Spielfilm verortet sein.
Das was PostPorn neu und anders macht, kann ganz unterschiedlicher Natur sein. Bei uns geht es z.B. darum, sich auf keine Kategorie festzulegen (wie Kunst oder Porno, homo- oder heterosexuell) und unsere Protagonisten bewusst nicht zu bezahlen, sondern Leute zu suchen, die ein Statement setzen wollen, die die Idee gut finden und deswegen mitmachen und ihre Rolle darin nicht als Job begreifen. Zudem möchte ich Authentizität reinbringen, aber trotzdem (anders als im überwiegenden Teil der Amateurpornos) eine ästhetische Idee umsetzen und ein Experiment mit offenem Ausgang wagen.
Finanzierung eines Pornos über Crowdfunding
- Ihr wollt "häppchenweise" über sogenanntes Crowdfunding finanzieren. Kannst du kurz umreißen, wie diese Finanzierungsmethode funktioniert? Wieviel Geld benötigt ihr für die Fertigstellung des Projektes? Was bekommen die Leute, die mitfinanzieren, als Gegenleistung?
Ja genau, wir sind eine ganz freie, unabhängige Produktion, die sich ausschließlich über Spenden finanzieren soll. Das ganze Team arbeitet ohne Bezahlung, allerdings fallen Produktionskosten an und genau die wollen wir über Crowdfunding rein bekommen.
Crowdfunding funktioniert so: Wir stellen das Projekt bei Startnext, einer entsprechenden Plattform, vor. Dort können sich die Leute informieren und wenn sie die Idee gut finden und möchten, dass sie umgesetzt wird, einen Betrag ihrer Wahl spenden. Je nach Höhe des Betrags erhalten sie verschiedene Dankeschöns, wie z.B. den kostenlosen Download, ein "häppchenweise"-Höschen oder eine namentliche Nennung im Abspann und vieles mehr. Das Ganze ist zeitlich auf drei Monate begrenzt, wenn wir bis dahin unseren Betrag (10.000 EUR) nicht zusammen bekommen, erhalten alle Supporter ihr Geld zurück.
Deswegen brauchen wir eine möglichst breite Öffentlichkeit und hoffen, auch bei der JOYclub Community auf offene Gemüter zu stoßen, die einen Film wie "häppchenweise" sehen wollen und unterstützenswert finden.
Zur Crowdfundingseite von häppchenweise
- Die Frage für den Fall, der hoffentlich nicht eintreten wird: Was passiert mit dem Projekt, FALLS das Geld nicht zusammenkommt?
In dem Fall erhalten alle Supporter ihr Geld zurück und wir nichts davon. Ich werde diesen Film aber umsetzen, zur Not muss ich einen anderen Weg der Finanzierung finden, was aber schwierig wird und mit Sicherheit auf Kosten der Qualität des Endprodukts geht. Am aller aller besten wäre der Weg übers Crowdfunding. Das finde ich auch von der Grundaussage her schön, weil es zeigt, dass viele Leute involviert sind und gemeinsam in der Lage sind, durch ihre vielen kleinen Beiträge eine Idee umzusetzen.
Warum lohnt es sich, in "häppchenweise" zu investieren?
- Wo wird der fertige Film zu sehen, wie zu erwerben sein?

Es wird eine Premiere in Köln geben und wir werden den Film auf Festivals einreichen. Wenn Bedarf besteht, können wir auch mehrere Screenings in Köln organisieren und eines speziell für die Supporter, bei dem auch die Protagonisten und das Team anwesend sind. Ansonsten wird der Film als Download im Internet zu erwerben sein. Ein Angebot für eine DVD Produktion ist auch schon bei uns eingegangen......mal schauen, mal schauen.
- Warum lohnt es sich für die JOYclubber, in euren Film zu investieren?
Ihr solltest spenden wenn ihr...
- ... wollt, dass der Film auch wirklich umgesetzt wird und ihr ihn sehen möchtet.
- ... unabhängige, originelle und mit Herzblut produzierte Pornografie ermöglichen wollt.
- ... ein Statement für pornografische Kunst und somit Kunstfreiheit setzen möchtet.
- ... helfen wollt, ein positives, authentisches Bild von Sexualität zu erschaffen.
- ... euch dem Pro-Sex-Feminismus verbunden fühlt.
- ... eines unserer Dankeschöns haben möchtet, wie z.B. in den Credits erwähnt werden oder eine an euch persönlich gerichtete Video-Danksagung auf unserer Seite gepostet bekommen oder wenn ihr einen heißen Slip mit "häppchenweise"-Schriftzug auf eurem Popo tragen möchtet oder den Verlauf des Abends durch euren Vorschlag einer der Flaschendreh-Fragen mitbestimmen wollt oder ein Unikat-Poster mit Signatur in eurer Wohnung aufhängen oder sogar eine Einladung zur Premiere bekommen möchtet. Schaut mal hier, was es alles Feines gibt: Zur Crowdfundingseite des Projektes
Noch einige Informationen mehr zum Projekt "häppchenweise" findet ihr auf der offiziellen Projekthomepage!
Einige aktuelle Ergänzungen
Die Liebe hat dem Projekt "häppchenweise" dazwischengefunkt! Protagonistin Anja (die hübsche Rothaarige aus der Badewanne) hat sich frisch verliebt und lebt nun in einer Beziehung, weshalb sie nicht mehr am Projekt teilnehmen möchte. Im Trailer bleibt sie aber noch drin. Zum Glück konnte man den Ausfall recht schnell kompensieren und hat nun drei neue feste Protagonisten ausgewählt. Im Grunde fehlt nur noch eine Dame, bevorzugt sollte sie lesbisch oder bi sein.








