29.01.2010

Erika Lust

Die Lustmacherin - Frauen erobern die Männerdomäne Porno

Frauen und Männer leben Sexualität anders. An dieser Stelle widmen wir uns einem die Eingangsthese bestätigenden Themenkomplex: Dem PorYES, dem Porno von und für Frauen! Zum Einstieg in dieses Thema stellen wir euch heute zwei Arbeiten von [b]Erika Lust und sie selbst - in einem kleinen Interview - vor.

Erika Lust im Interview

Erika Lust wurde 1977 in Stockholm geboren und studierte Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Menschenrecht und Feminismus. Derzeit lebt und arbeitet sie in Barcelona, wo sie 2004 die Filmproduktionsfirma Lust Films 2004 gründete. Der Durchbruch als Pornoproduzentin gelang Erika Lust mit dem Film "Five Hot Stories for Her", den wir euch in diesem Artikel noch eingehender vorstellen werden.

Mit diesem Film gewann Erika Lust zahlreiche internationale Auszeichnungen wie den Preis für das "Beste Drehbuch" beim Barcelona Erotikfilmfestival 2007, den Preis "Bester Film für Frauen" bei den Erotic E-Line Awards in Berlin oder die Auszeichnung "Bester Film des Jahres" bei den Feministischen Pornofilm Awards in Toronto 2008. Während sie ihre Karriere als Pornoproduzentin weiter vorantrieb, erschien im September 2009 im Heyne Verlag ihr Buch "X - PORNO FÜR FRAUEN".

Standardporno? Nein, Danke!

Erika Lust
Erika Lust

Die bezaubernde Erika Lust stellte sich den Fragen der JOYclub Redaktion und erlaubte uns einen Einblick in ihr Leben und Schaffen.

  • JOYclub: Bitte stelle dich den JOYclub-Usern kurz vor. Weshalb ist es dir wichtig, Pornofilme für Frauen zu produzieren?

Ich wurde 1977 in Stockholm geboren. Bereits als Teenager liebte ich das Reisen. 1997 verschlug es mich nach Barcelona, um Spanisch zu studieren. Ich verliebte mich sofort in diese wunderschöne Stadt und so lebe und arbeite ich hier seit 2000.

Als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Porno sah, reagierte ich darauf, wie wahrscheinlich viele Frauen es tun: Mit einem zwiespältigem Gefühl. Sicher, es gab Szenen, die mich erregten und mir gefielen. Allerdings war recht viel wiederum ganz schrecklich und regte mich auf. Ich konnte mich kein Stück mit dem Film identifizieren. Das war nicht meine Art zu leben, meine Werte und meine Sexualität kamen einfach nicht in dem Streifen vor! Mein erstes Aufeinandertreffen mit dem Genre hatte also nichts mit Liebe auf den ersten Blick zu tun!

Die Frauen in dem Film hatten offenbar nur eines zu tun: Den Mann befriedigen. Wo aber blieb ihr Spaß, ihre Genugtuung bei der Sache? Die Szenen wirkten auf mich lächerlich und basierten auf klischeebehafteten Männerfantasien.

Außerdem hat es mich in audiovisueller Hinsicht fast umgehauen: Ich, wie viele meiner Generation mit MTV aufgewachsen, fand die Szenen absolut inakzeptabel: billige Kulissen, fürchterliches Styling und Make-up, kaum Musik (und wenn, dann schlechte), Schauspielkunst unterster Schublade, amateurhafte Aufnahmen... Alles in allem ein Produkt, das nahezu an allem zu wünschen übrig ließ.

Eine Zumutung für jede emanzipierte Frau sind darüber hinaus diese typischen Rollenmuster, die uns die Pornoindustrie seit zwanzig Jahren aufbrummt. Ich habe diese lüsternen Lolitas, die versauten Mädels und frustrierten Hausfrauen, die heißen Krankenschwestern, nymphomanischen Nutten und Gangbang-Heldinnen so satt! Auch wenn dies durchaus Objekte der sexuellen Begierde des Mannes sein mögen - meines Erachtens sind sie so weit weg von der Realität wie eben die Kerle in den Filmen: Mafiatypen, Drogendealer, Zuhälter, Multimillionäre oder bestens bestückte Sexmaschinen - wollen sich Männer etwa so sehen?! Mich lässt so etwas kalt.

Obwohl ich wahrscheinlich wie eine totale Kritikerin daherkomme, muss ich eingestehen, dass mich das, was ich sah, dennoch beeinflusste. Obwohl ich es überhaupt nicht mochte, begann ich mich genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen und stellte schnell fest, dass es doch möglich sein musste, eine andere Art Porno zu produzieren. Mir wurde recht schnell klar, dass Pornos ein kulturelles Phänomen der heutigen Zeit sind und sie aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind. Weshalb also nicht versuchen, es anders zu machen? Linda Williams und ihre Bücher "Hard Core" und "Porn Studies" inspirierten mich so sehr, dass ich nach der Lektüre beschloss, Porno-Filmproduzentin und Regisseurin zu werden, um Pornos auch und gerade für Frauen ansehnlich zu machen.

Erika Lust

Pornos sind nicht gleich Pornos

  • JOYclub: Woran glaubst du ganz fest in deinem Leben? Oder was ist dein Motto?

Ich glaube ganz fest an die Kraft, die vom Internet und den Medien ausgeht, da sie in der Lage sind, unsere Welt zu einer besseren zu machen. Das menschliche Miteinander und den Sex inbegriffen!

  • JOYclub: Was möchtest du mit deiner Arbeit bewirken? Was treibt dich dabei an?

Ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und warten, bis sich die Pornoindustrie bequemt, ihre Vorstellungen und Vorurteile über die weibliche Sexualität zu revidieren. Das wird so schnell nicht geschehen. Aber, wenn wir es nicht tun, wer dann?

Unsere Gesellschaft neigt dazu, Pornografie zu ignorieren. Pornos sind anrüchig und haben mit anderen Aspekten des Lebens nichts zu tun. Aber das ist nicht wahr! Pornos sind mehr als Filme, die für private Zwecke hinter heimischen Türen klammheimlich konsumiert werden. Pornos sind nicht gleich Pornos - sie können und sollten einen Dialog bewirken. Sie zeigen die Sicht auf Sexualität. Momentan allerdings nahezu zu 100% die männliche und oft machomäßige Variante. Es gibt kaum weibliche Stimmen, ähnlich wie es in der Wirtschaft oder der Politik bis vor kurzem kaum weibliche Vertreter in der Führungsebene gab.

Ich möchte, dass wir Frauen unsere Stimme in Sachen Porno erheben, weil wir das Recht haben, erhört zu werden. Ich möchte nicht, dass uns als einzige Sichtweise auf Sex, jene von den vielen Rocco Siffredis oder Nacho Vidals usw. aufgedrückt wird. Es gibt eine weitere Sprache der Pornografie: die Weibliche!

Erika Lusts Buch über den Frauenporno

Erika Lust
Erika Lust
  • JOYclub: Weshalb sollten Frauen dein Buch "X- PORNO FÜR FRAUEN" lesen?

Für viele Frauen ist das Wort "Porno" beschmutzt und das Thema Pornografie ein Tabuthema. Obwohl Pornografie allgegenwärtig ist, sind viele Frauen verunsichert. Was genau bedeutet Porno? Ist es okay, wenn ich Gefallen an Pornos finde? Woran erkenne ich einen guten Porno? Mein Buch "PORNO FÜR FRAUEN" ist ein universeller Guide im Dickicht des Pornos. Wie wird er definiert, welche Arten gibt es und weshalb haben Frauen und Männer unterschiedliche Vorlieben? Ich behandle Pornofilme, biete Einblick in die Pornoindustrie und rücke das Phänomen "Pornos für Frauen" in den Vordergrund. Ich räume mit dem Vorurteil, Pornos sind nur was für Männer, auf und zeige die Rolle der Frau in der Pornoindustrie: Von den weiblichen Regisseuren bis zu den Stars selbst.

Ich schreibe über den Mythos, dass es scheinbar unmöglich ist, eine Feministin zu sein UND Pornos zu mögen. Ist das so? Ich eröffne einen Einblick in die Welt des Pornos und beschreibe Wege, sich die Vorzüge eines gut gemachten Pornos zu Eigen zu machen, vor allem in Hinblick auf das Sexleben und die Partnerschaft.

Das Buch soll einen völlig neuen Blick - einen weiblichen Blick - auf Pornos werfen und einen Diskurs in Sachen Sex und Partnerschaft ins Rollen bringen.

Erika Lust über Erika Lust

  • JOYclub: Wie sieht ein typischer Tag im Leben einer Erika Lust aus?

Mein typischer Arbeitstag gleicht eigentlich eher dem eines leitenden Angestellten denn eines Regisseurs. Einmal im Jahr drehe ich, das ist dann natürlich eine ganz außergewöhnliche Zeit. Ansonsten sitze ich im Büro, manage die Kontakte und arbeite allerhand ab. Ich kümmere mich um die Website www.lustcinema.com, die verschiedensten Projekte, den Online-Store usw. Da ist wenig Hollywood-Romantik dabei.

  • JOYclub: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich möchte gern LUST FILMS AND PULICTIONS (mehr Bücher und mehr Filme) weiter vorantreiben. Und wer weiß, vielleicht bin ich irgendwann Besitzerin einer Erotik-Boutique im trendigen Borne (dem Soho von Barcelona) - Das wäre mein Traum!

  • JOYclub: Was macht Erika Lust, wenn sie nicht arbeitet? Hast du Hobbies?

Jede freie Minute verbringe ich mit meiner kleinen Tochter Lara, die 2007 auf die Welt kam.

  • JOYclub: Gibt es noch etwas, was du den JOYclub-Membern auf den Weg geben möchtest?

Unsere loyalsten und treuesten Fans haben wir in Deutschland. Ich hoffe, dass mich die JOYclub Mitglieder durch das Interview etwas besser kennenlernen konnten und ich meine Arbeit und mein Anliegen etwas ausführlicher darlegen konnte.

  • JOYclub: Muchas Gracias!

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Kommentare

Toll...

...finde ich den Film von Erika Lust auch!!!

Habt Ihr Tipps für mich, suche nämlich noch mehr solcher schönen Pornos!

Gerne könnt Ihr mich auch direkt anschreiben

Lieber Gruß

Vielleicht ists auch ein von der Pornoindustrie geprägtes Vorurteil über männliche Lust - immerhin ists billig, langweilige Massenproduktionen im immer selben Muster rauszuwerfen.
Natürlich macht es mich an, den Körper einer Frau auch sehr offen zu sehen, Sex von leiser Verführung bis zum Fallen jeglicher Tabus ebenso.
Aber viele von Erika Lust im Interview angesprochenen Dinge nerven mich an der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Pornos genauso.
Die Lust der Frau ... es ist für mich als Mann erst dann wirklich gut, wenn auch Frau völlig in Lust zerfließt - wenn ich Sex habe, brauche ich das auf jeden Fall und wenn ich einen Porno sehe, ist er nur dann für mich gut.
Billiges Rudelbumsen in immer gleichen Szenen am Pool oder Mafiabossmilieus, in denen stets dieselbe Reihenfolge aus blasen, paar Stellungen und dann der Frau ins Gesicht spritzen besteht und sich alle dabei die Seele aus dem Leib brüllen ... nee ... mehr als langweilig, idiotisch.
Aber wenn er wirklich Lust vermittelt oder wahre, ideenreiche Verführung oder absolute Geilheit (die sich nicht in immerwiederkehrende Äußerlichkeiten mit gelangweilten Darstellern ausdrückt), dann ists Genuss.
Ich kann mir denken, dass es kaum möglich ist, Lust oder echte Geilheit oder knisternde Verführung zu vermitteln, wenn man so ziemlich täglich Pornos dreht und über Gebühr unter Zeitdruck und absoluter Kostenminimierungsvorgabe steht.

ah kenn ich vom Namen nicht.
Muss ich direkt erforschen, danke!
Da haben wir sie doch mal alle ...

... in einem Satz:

Erika Lust steht für mich auf einer stufe mit Petra Joy und Ovidie,

Super! *top*

Ich würde vielleicht noch Maria Beatty hinzunehmen. *zwinker*
In flammen

Nachdem ich hier den Beitrag gelesen hatte musste ich mit dieses Buch kaufen, ganz klar.
Erika Lust steht für mich auf einer stufe mit Petra Joy und Ovidie, und schon die Trailer auf der Homepage verraten das die Frau weiss was sie da tut.
Also Buch und 5hot storys im Amazon vorteilspack für 25(?) euro gekauft und gewartet...
Als ich das Buch in den Händen hatte war sein schicksal besiegelt.

Auf den ersten paar Seiten ist viel bla bla, was aufgeklärte Frau eh schon weiss, allerdings auch neue Methoden sich Pornografie zu nähern.

Dann geht es über zu Fundiertem wissen über die Porno Brance und deren Geschichte seit den anfängen.
Eine Aufzählung von Künstlern, Labeln und Filmen welche zu empfehlen sind folgt.
Im anhang findet sich Material um sein eigenes verhältnis zum Porno zu entwicheln(zb ein Fragebogen und eine pro und contra liste).

Alles in allem war ich überrascht wie wenig altbackener Feminismus ausgepackt wurde, nämlich kein bischen.

Das Buch ist kein wissenschaftliches Sachbuch. Es ist, für mich, viel mehr ein Leitfaden und ausgezeichnetes Nachschlagewerkt,welches Informationen kompriemirt anbietet.

Diese Buch ist eine Bereicherung für meine nicht all zu kleine Sex-kram Bibliothek!
angekommen!

Ich habe in dem Begleittext zu meiner Bestellung auf englisch und auf spanisch gebeten, die Ware nicht als Einschreiben zu schicken. Und sie haben's getan!

So konnte ich gestern, Freitag Abend, nach zwei Einsätzen fern von der Heimat die Sendung aus meinem prall gefüllten Briefkasten fischen.


WELCH EIN UNTERSCHIED!

erst jetzt kann auch ich bestätigen, was schon Andere geschrieben haben, dass die FSK 16 Version ein Machwerk ist. Es ist ein sinnentstellendes Flickwerk!

Erst die Vollversion führt mir vor Augen, wie Pornos, von Frauen und für Frauen gemacht aussehen können, und ich bin begeistert.

Welch raffinierte Verführung, die Spannung aufbaut bevor es zur Sache geht, Welche Leidenschaft in den Sexszenen! Wie viel schöner ist doch Sex, wenn er auf Initiative der Frau geschieht! Ist das nicht auch bei den Königen der Tieren, bei den Löwen der Fall?

Wie erleichternd, dass Geschlechtsteile nicht tabu sind, für Frauen!

Sogar für den in allen Pornos so unumgänglichen "facial shot" findet Karin Lust eine Wende, die Weiblichkeit nicht zur Zielscheibe männlichen Abspritzdrangs degradiert.

Nicht so richtig verstanden habe ich die BDSM Passage.
Ich habe gelernt, dass viele BDSM Fanatiker ihre Neigung als eine Art "Sex für Fortgeschrittene" sehen. Ähnlich kommt es auch da rüber: Ein Ehepaar, in dem SIE voll eingespannt ist in Kindererziehung und Haushalt (ER ermahnt sie lediglich, nicht die Milch zu seinem Frühstück zu vergessen ). Sie wirkt viel zu gestresst um SEINEN Annäherungen zu folgen (was für mich in den gezeigten Szenen sehr glaubfähig dargestellt wird).
Erst als es ihr gelingt, eine Babysitterin zu organisieren, und sich das Paar dann in einem BD/SM Studio trifft und er als maskierter Master auftritt kann sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen.
Sex für Fortgeschrittene?
nach jahrelanger Ehe?
"Du gehst zum Weib? ... vergiss die Peitsche nicht??"

'Mal sehen, wie Karin Lust dieses Thema in ihren künftigen Filmen angeht.


Die FSK 16 Version führt vor Augen, dass es nicht genügt, alle "bedenklichen" Szenen aus einem Film zu schneiden. Der Film leidet ungemein und wirkt fürchterlich fahrig. Man müßte eigentlich einen neuen Film drehen



BFlat
Onlinevideotheken...

...sind eine gute Alternative.
Die großen haben einen guten Sortiment, da findet man auch die guten Erotik- und Pornofilme. Und die Suchfunktion hilft, schnell herauszufinden, ob sie das haben, vorausgesetzt, man hat schon nachgewiesen, dass man es ausleihen darf!
Kreditkarten sind da nicht mehr nötig.

Ich bin bei Videobuster, hatte einmal eine kostenfreie Identitätsprüfung hinter mir und kann so die FSK 18 Videos ohne Aufschlag ausleihen.

Sollten die einmal nicht den gewünschten Film im Programm haben, dann kann man es vorschlagen. Sie versuchen es dann es zu besorgen und ins Programm zu nehmen.

Sie haben den besagten Film von der Frau Lust in ungeschnittener Version im Programm!

LG laifme
@BFlat

Auch ich war, wie so oft unter der Woche, nicht daheim. Es war allerdings kein Problem das Einschreiben dann bei der örtlichen Post-Agentur Freitagnachmittag (oder auch Samstagmorgen) gegen Vorlage des Personalausweises abzuholen.
@nightdream

Auch ich bedanke mich für Deine nützlichen Infos!

*top*
weia..

per Einschreiben!

Wäre ich doch ein ganz stinknormaler Spießbürger, so wie es mein Finanzamt und meine Versicherungen vermuten und würde von Acht bis Fünf malochen, ab 20 Uhr vor dem Fernseher einschlafen und immer Donnerstags meine Frau betrügen!

Nun bin ich aber Free Lancer und praktisch nie zuhause. Meine Frau ist mit Kind und Klavier schon lange einvernehmlich ausgezogen. Da erleben Einschreiben eine Odyssee!

Danke für die neuerliche Warnung, Nightdream!
Ich bin aber zuversichtlich, bald meine Zugangscodes bei Paypal zu finden und der quirligen Norwegerin in Barcelona einen ZwanzigEuroschein hinüberwachsen zu lassen.




BFlat

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