14.04.2010

Auslaufmodell Kavalier?

Wie viel Kavalier darf es heute noch sein?

Sie halten der Frau die Türe auf, helfen ihr in die Jacke und sind allgemein immer um das Wohl der holden Weiblichkeit bemüht. Doch in Zeiten, in denen die Damenwelt immer mehr den Bad Boy Rollentypus zu bevorzugen scheint und zuviel Hilfe als einen Unselbstständigkeitsvorwurf wertet, hat der Kavalier anscheinend ausgedient. Doch ist dem wirklich so?

Auslaufmodell Kavalier?

Wie viel Kavalier darf es heute noch sein?

Die Zeiten für Kavaliere waren schon einfacher: Damals, in der Ära vor Alice Schwarzer, als man den Fräulein noch selbstverständlich aus dem Wagen und in den Mantel half und sie es mit einem Lächeln quittierten. Heute bekommt manch verhinderter Gentleman ein barsches "das kann ich selbst" entgegen gezischt. Andere Frauen dagegen schmelzen dahin. Zurück bleiben verunsicherte Männer, die sich fragen: Wie viel Kavalier darf es nun sein?

So viel wie möglich, sagen Experten unisono. "Im Prinzip ist alles immer noch gern gesehen", schildert Imme Vogelsang von Etikette Trainer International in Hamburg ihre Erfahrung. Schließlich zeige höfliches Verhalten nur, dass man Mitmenschen wertschätzt. Gerade bei jungen Menschen stellt Vogelsang in ihren Seminaren eine Rückbesinnung auf traditionelle Formen der Höflichkeit fest. Die Teilnehmer seien begierig, gute Manieren zu lernen. Und Flirttrainerin Nina Deißler aus Hamburg erzählt, die Teilnehmerinnen ihrer Seminare schätzten "alles, was auf eine gute Kinderstube schließen lässt".

Frauen mögen es also noch immer, umsorgt, verwöhnt und galant behandelt zu werden. Auch Frauen wie Lena Knappert, 27 Jahre alt, Doktorandin der Wirtschaftswissenschaften, selbstbewusst und selbstständig, ein Musterbeispiel der Emanzipation. Sie schätzt es,
wenn ein Mann ihr die Tür aufhält oder Blumen schenkt, und sogar einen Handkuss zum Abschied verschmäht sie nicht. "Ich finde sämtliche höflichen Umgangsformen gut", sagt sie, "bis zu dem Punkt, an dem ich mich bevormundet fühle."

Das Idealbild des Kavaliers ...
Das Idealbild des Kavaliers ...

Damit ist sie nicht allein. Der Stiltrainer Jan Schaumann aus Berlin warnt Männer deshalb davor, einer Frau ohne Nachfrage den Mantel oder die Einkaufstasche abzunehmen. Zuvor sollten sie immer um Erlaubnis fragen.

An diesem Leitfaden können sich Männer auch im verminten Gelände des Bezahlens in Bar und Restaurant entlanghangeln. Frauen verdienen heute ihr eigenes Geld, nicht selten mehr als ihr Verehrer, und "wollen sich nicht kaufen oder mieten lassen", sagt Deißler. Deshalb komme eine früher gängige Galanterie heute "bei 99 Prozent der Frauen gar nicht mehr gut an": einer Dame in der Bar ein Getränk bringen zu lassen. Die Geste übe Druck auf die Frau aus und mache den Mann dadurch unsympathisch.

Grundsätzlich sollten Männer sorgfältig abwägen, wann sie eine Frau auf einen Drink einladen. Als Einstieg beim Ansprechen komme das meist nicht so gut an, sagt Deißler - siehe Käuflichkeit. "Aus der Situation heraus, zum Beispiel nach dem Tanzen, finden es aber die meisten nett und großzügig."

Zu zurückhaltend sollte der Mann aber auch nicht sein - besonders bei der vielleicht heikelsten Situation: Der Kellner tritt an den Tisch und fragt "getrennt oder zusammen"? Nun gelte es, beherzt "zusammen" zu sagen, rät Deißler. "Die Frau fragend anzugucken, ist das blödeste, was man machen kann." Dann habe sie keine andere Wahl, als "getrennt" zu sagen. Und wenn das Date bis dahin nur mittelprächtig verlief, sei es spätestens in diesem Moment gescheitert.

Am elegantesten löst der Mann die klemmige Bezahlfrage, wenn er die Frau um ihr Einverständnis bittet: "Mach mir die Freude, ich würde Dich gern einladen." Und als Krönung empfiehlt Deißler, "das nächste Mal darfst du" hinterherzuschieben. So zeige er ihr gleich, dass er sie wiedersehen will. Und sie fühlt sich auf Augenhöhe.

Grundsätzlich gelten heute dieselben Höflichkeitsregeln für alle. "Emanzipation heißt nichts anderes, als dass sich beide in den Mantel helfen", sagt Vogelsang. Besonders im Berufsleben sollten Männer darauf achten, Frauen nicht bevorzugt zu behandeln. Denn in manchen Unternehmen werde die Gleichstellung so strikt eingehalten, dass galantes Verhalten als diskriminierend ausgelegt werden könnte.

Aber auch im Privatleben gilt manchmal: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. So wirke es heute übertrieben, wenn der Mann um das Auto spurtet, um der Beifahrerin die Tür zu öffnen. "Bis dahin sind wir schon an der Restauranttür", sagt Vogelsang. Diese Sitte sei ein Relikt aus der Zeit, als Frauen unbequeme Kleidung trugen und darin etwas hilflos waren. Beim Einsteigen zu helfen, werde dagegen weiter gern gesehen - besonders von jungen Frauen, die es nicht mehr gewohnt sind.

Der Grat zwischen charmant und albern ist oft schmal. Doch Schaumann rät, sich nicht entmutigen zu lassen. Im Zweifelsfall würde er eher riskieren, sich durch galantes Benehmen zum Affen zu machen. Denn in den meisten Fällen falle die Reaktion positiv aus.

dpa, Florian Sanktjohanser

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Kommentare

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Wir möchten uns an dieser Stelle für die rege Beteiligung bedanken.
Nur wer sich an nichts hält wird auch nicht gehalten.

- ich denke, da hat auch vieles seinen Ursprung. Regeln (auch Benimm-) machen sicher (er), sofern man daran glaubt. Je unselbstständiger, desto eher reglementiert man oder lässt sich reglementieren. Eigentlich Blödsinn, aber sicher argumentativ zu untermauern. Wer diesen Regeln folgt unterwirft sich damit andere Menschen, die sich dem anpassen (müssen oder wollen).

Habe ich auch so verstanden..lächel...

lach danke.
wie gesagt ich habe nicht vor mich zu ändern, sondern nur meine Meinung und Gedanken dazu kundgetan.

Kabaluga, ich weiss ja nicht,was du beruflich machst und wo du im Leben noch hin willst ,aber lass dir sagen dass gute Umgangsformen noch nie geschadet haben.
Kniggeregeln haben durchaus auch heute noch ihre Gültigkeit und es kann nie schaden,wenn man sich auf jedem Parkett bewegen kann.

Ja das auf jeden Fall, von daher halte ich ja auch von diesen ganzen Kniggeregeln auch nichts. Aber auch wenn ich mich jetzt vieleicht weit aus dem Fenster lehne, aber es gibt tatsächlich Frauen die sich in ihrer "Emanzipation" anscheinend angegriffen fühlen, wenn man(n) ihnen die Tür aufhält, oder mit dem Mantel behilflich sein will, oder ihnen der Vortritt lässt, usw. Wobei man als Mann ja eigentlich immer voraus geht laut Knigge, aber das ist wieder ein anderes Thema.

hm,ohne Frauen an sich angreifen zu wollen ,aber viele denken dass kann ich selber , merkt der das nicht ? Sie wollen eigenständig sein und zeigen das in dieser Form . Ist glaube ich so ein Spiegel der Zeit und ob richtig oder falsch muss jeder selber beurteilen.

Das sehe ich genauso.
Nur wenn ich diese Erfahrungen mache, stelle ich mir natürlich schon die Frage, bin ich einfach nur zu gut erzogen? Aber ich denke auch nicht, dass das etwas schlechtes ist, sondern die Damen, denen ich begegne es, wie schon erwähnt, einfach nicht verstehen, was es heisst.
Jeder wie er will und es ihm gefällt, auch wenn ich persönlich verwundert bin =)

Hm ...ich höre es des öfteren von Männern,dass Frauen ihre Höflichkeit oder nenn es wie du willst nicht zu schätzen wissen.
Lass dich aber nicht davon beirren.
Gute Manieren zahlen sich immer aus, dass wirst du noch merken .Vor allem im Berufsleben und irgendwann triffst du auch mal auf eine Frau,die das zu schätzen weiss.

Sonnige Grüße
Eowyn
schön zu sehen...

das es einige Frauen doch noch zu schätzen wissen, wenn ein Mann noch höflich ist.
Ich würde mich selbst als einen höflichen Menschen und Kavalier bezeichnen. Damit meine ich jetzt nicht a la Knigge sondern nur die einfachsten Formen der Höflichkeit. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen das nicht mochten, bzw auch als nicht-Männlich empfanden.
Aber wie gesagt, schön zu sehen, dass es noch Frauen gibt, die das noch zu schätzen wissen und auch wissen, dass dieses Verhalten eher ein Statement ist, dass man als Mann abgibt.
  • Neu hier? Kein Problem!