Lebendige Worte (im 8-Wortespiel entstanden, doch real!)Es war ein Traum.
Der Traum, in dem ich Sie traf.
Gestern nach einem stressigen Nachtdienst, der mich erst gegen halb Zwei in die verdiente Nachtruhe entlies.
Ein Gefühl, wie Herumtollen auf einer blühenden Frühlingswiese, mit Gräsern bis zur Nasenspitze.
Ohne Heuschnupfen, ohne Allergiesandkörner in den geschwollenen Augen, ohne Atemnot.
Frei und sinnlich, leicht und ausgelassen.
Ich war in irgend einem gemütlichen Seminarhaus.
Die Sonne war schon eine ganze Weile hinter dem Dach des Nachbarhauses verschwunden. Es wurde kalt und mich fröstelte.
In dem Zimmer, das mir zugeteilt war, gab es nur ein Bett.
Darin lagen schon drei Frauen. Zwei lehnten an Sofakissen gegen die Wand, eine Dritte ihnen gegenüber.
Sie schienen es, wie ich, völlig normal zu finden, dass ich mich zu ihnen legte.
Kurz tauchte der Gedanke auf, dass das wohl in Träumen leichter zu leben war, doch ich schob ihn zu Seite und konzentrierte mich auf diese angenehme Wirklichkeit.
Sie unterhielten sich lebhaft, scherzten und lachten miteinander und sprachen mich erst an, als ich meinen Teil der Decke über mich zog.
Irgendetwas Zotiges muss ich wohl geantwortet haben.
Als Versuch, mich ihnen, ihrer Ausgelassenheit anzupassen.
Sagte sowas wie: Der Reiter fällt nicht weit vom Pferd!
Doch scheinbar kam es bei ihnen nicht so gut an, denn die Frau gegenüber verzog das Gesicht und jene neben mir, auf die ich schon, ohne weitere Absichten, ein halbes Auge geworfen hatte, verzog keine Miene.
Also rollte ich mich unter der Decke zusammen und lauschte den wohlklingenden melodiösen Stimmen der Drei.
Ob ich eingeschlafen war, weiss ich nicht mehr.
Ich kann mich nur noch an das wohlige Gefühl unter der weichen Bettdecke erinnern. Und wie überrascht ich war, dass die Füsse, die ich berührte, sich nicht zurückzogen, sondern den meinen entgegen zu wachsen schienen.
Nicht etwa die Zehen der Frau, die ich anfangs im Auge hatte, wegen der ich eine kesse Lippe riskierte.
Nein, es waren die zarten Füsse derjenigen, die bei meiner Bemerkung leicht genervt gewirkt hatte.
Ich weiss nicht, ob Zehen, ob Füsse Sehnsucht haben können, willkommen heißen, einladen - diese taten es.
Meine antworteten, ohne dass mein müdes Hirn etwas dazu tat, und das Gefühl breitete sich von da in Windeseile überall in mir aus und ich versank darin.
Ob und wie lange wir geschlafen haben, kann ich nicht sagen. Ich erinnere mich nur, dass Sie und ich, wir Beide nebeneinander, über oder durch eine Mischung aus Jahrmarkt und Hausflur, Schopf und Keller gingen. Dass wir nach einer Pfanne für unser gemeinsames Mittagessen in der Gruppe suchten.
Wortlos. Nebeneinander. Der Trubel um uns herum erreichte mich kaum.
Dass wir uns absichtslos immer öfter berührten.
Jedesmal war es mehr wie ein kleines Stück vom Paradies für mich.
Ich wurde gleichzeitig immer ruhiger, sicherer und mit jedem Kontakt sehnsüchtiger danach.
In meinen Eingeweiden wuselte es wie tausend Regenwürmer. Oder wie Achterbahn und Riesenrad gleichzeitig
Ich sehe immer noch ihre Augen vor mir, die so tief und mit einem überwältigenden Ja zu lächeln begannen, als unsere Blicke sich zum ersten Mal trafen.
Es war kein Fragen , kein Trauen, kein Suchen notwendig.
Unsere Hände fanden wie von selbst zueinander.
Es war das Wunder, das ich mir schon so lange erhofft hatte.
Nun wusste ich, was mir bei den Anderen gefehlt hatte.
Das tiefe Erkennen und die liebende Sehnsucht.
Das völlige Fehlen jeglichen Anmachspiele.
Die Leichtigkeit.
Das deutliche JAAAAAAA! Ohne Wenn und Aber.
Als sie kurz darauf neben mir im Auto sass, sagte, dass es unangenehm für sie sei, wenn ich meine Hand auf ihren Schenkel lege, nahm ich sie weg, ohne zu zögern.Ohne irritiert zu sein.
Sagte ihr, dass meine Hände sie immer spüren wollten, und sie lächelte sofort wieder und erwiderte, dass es ihr sonst überall und immer genauso ginge, nur eben dort nicht!
Unsere Hände hatten sich schon gefunden, unsere Augen konnten sich nicht mehr loslassen - währendessen fuhr ich in traumwandlerischer Sicherheit weiter durch den beginnenden Berufsverkehr - und unsere Lippen kamen sich immer näher, berührten sich ganz sanft und -
irgendein Volldepp klingelte um vier Uhr nachts an der Türe.
Wieder im warmen Bett, versuchte ich den Traum weiter zu träumen, ihre Augen, die Hände, ihren warmen Geruch, ihre Lippen zu finden, doch ich schaffte es nicht.
Ich schlief zwar bald wieder ein. Aber es wurden traumlose Stunden, bis der Wecker mich wieder zum Dienst rief.
Obwohl ich so Ähnliches schon oft geträumt, immer an der schönsten Stelle wach geworden war und mich danach mit trauriger Sehnsucht durch den Tag gequält hatte, ist es diesmal anders.
Es ist, als ob sie noch bei mir, in mir ist.
Ganz nah. Ich spüre sie ganz deutlich.
Ich ahne, dass so Wünsche sich anfühlen müssen, um wahr zu werden.
Wirklichkeit, die von ganz tief innen kommt.
Wie ein Sämchen, das in warmer feuchter Frühlingserde keimt und unaufhaltsam wächst.
Und nachdem ich schon so lange warte, weiß, dass gut Ding Weile haben will, kann ich jetzt die Geduld aufbringen, bis Sie in mein Leben tritt.
Mich berührt.
Unsere Blicke die Seele erwecken.
Unsere Zukunft leicht und spielerisch voll Lust und Freude zusammenwächst . |