![]() | Es war der Sommer, da die Mücken nicht aufhörten uns zu stechen. Beißende rote Flecken zierten meinen Körper, sie hörten nicht auf zu jucken, und manchmal glaube ich, sie haben nur auf uns gewartet, so süß war unser Blut. Unstillbares Verlangen muss so verlockend geschmeckt haben, das, was wir versuchten zu verbergen quoll süß aus unseren Poren. Hungrig fielen wir übereinander her, irgendwo im Wald, an einem See, und mussten vergessen, dass kein Mittel dieser Welt uns die Mücken vom Leibe gehalten hätte. Es gab zu dieser Zeit keinen anderen Platz sich zu sehen. Wir trugen die Suche und das Geheimnis in uns, um wie zwei aufgeladene Gewitterschichten uns zu entladen. Hungrig an den Lippen des anderen. Ich wollte dich berühren, berauscht von deinem Geruch und dem winzigen Fleck Sojasauce eines Abends in deinem Mundwinkel. Wegküssen wollte ich ihn, diesen Fleck. Meine Zunge wollte jeden Winkel erkunden. An manchen Tagen stellte ich mir vor, dich von oben bis unten abzulecken. Zwei Welten, die sich auf einer verborgenen Ebene trafen. Begierig am Leben des anderen teilzuhaben und so weit von einander getrennt. Ich wusste um keinen Weg, diese Brücke in den Alltag zu finden. Sie wäre da gestanden, wartend, wie eine Einladung und hätte ins Nichts geführt. Unsere Körper spielten mit einander und irgendwie waren wir beide auch dabei. Dabei sein, damit meine ich, wir konnten reden, lachen uns zuhören, während du in mir warst, mein Körper sich quietschend vor Freude dir entgegen stemmte. Unsere Körper waren wie die Kinder, die wir zum Spielen raus schickten, damit die Erwachsenen sich unterhalten konnten. In der ersten Nacht hast du mich festgehalten, mich gefragt, wo ich so lange gewesen bin. Ich war immer hier. Ich bin es noch. Ich habe mich keinen Millimeter weit bewegt. Er traf mich mitten ins Herz dieser Satz. Ich wollte gefunden werden und so wurde ich es. Wir gaben uns große Mühe darin, unsere Gemeinsamkeiten zu entdecken. Gemeinsamkeiten abseits davon, dass wir besessen davon waren, uns in einander zu verkeilen. Unsere Bewegungen begannen zu fließen und aus deinen Augen sprang die pure Freude über das, was uns immer ruheloser werden ließ. Es fühlte sich gut an, denn nie gab es einem Moment, wo ich meine Lust und Gefühle zusammenpacken musste, sie unters Bett kehren, schamvoll den Blicken entziehen. Wir kamen nicht aus der gleichen Stadt, wir kamen nicht aus den gleichen Kreisen. Eigentlich umgab uns nichts, was ähnlich gewesen wäre. Und trotzdem gaben wir uns so viel Mühe, zumindest möchte ich glauben dass wir uns Mühe gegeben haben. Vielleicht gaben wir uns auch nicht wirklich Mühe, denn uns wurde bewusst, dass es keinen Alltag geben konnte. Das nur das Wenige, was so unglaublich viel war und uns an einander hängen ließ. Und das Wenige war die Sehnsucht, die Vorfreude, das Entdecken. Selbst als es den Alltag mit einer Anderen in deinem Leben gab, konnten wir nicht von einander lassen. So wenig wie die Mücken von unseren Säften. Mit dem gleichem Hunger wie das Mückenweibchen sich auf uns Warmblüter stürzte, stürzten wir uns wieder und wieder in den Dunkelheit, verborgen vor möglichen Blicken auf uns. Einzig das mahnende Blinken des Telefons brachte uns zur Vernunft. Du warst so viel, und warst niemals genug. In jedem Kuss, jeder Hingabe, jedem Stoß, den ich sehnsüchtig erwartete lag der bittere Geschmack, dass du nicht der warst, der du hättest sein sollen. Hinter so viel Freude lauerte sie, diese Leere, dieser ständige Vorwurf. Ich wusste nie genau, an wen ich ihn eigentlich richten sollte, diesen stummen Vorwurf, denn weder mich noch dich traf die Schuld. Die Zärtlichkeit fand einen Hafen und doch wollte sie zurück auf die See. Zurück dahin, wo der Alltag lauerte, wohin wir nicht gemeinsam gehen konnten. Es tat mir weh, dich gehen zu lassen. Es tat uns beiden weh. Zu sicher wussten wir, dass wir uns so gut kannten, hatten wir doch keinerlei Geheimnisse. Unsere Wünsche, jedes Begehren, alles lag vor uns und wurde aufgedeckt. Bis die Worte uns wieder einholten. Die Worte des Alltags, der Vorwurf, der nicht leiser werden wollte. Unsere Gegensätze aneinander prallten und uns in stummer Wut zurückließen. Ich sehne mich nach den roten beißenden Flecken, nach dem Lachen, dem Hunger. Wir haben nie wieder von einander gehört. Manchmal würde ich gerne in dein Leben schauen, von außen, ungesehen. Möchte sehen, wie du die Erinnerung bewahrst. Und manchmal würde ich dir dann gern davon erzählen, wie schön es war. | |

