| | Meine Devotion
Ich bin der Auffassung, dass jeder, der sich als dominant oder devot bezeichnet, seine eigene Interpretation dieser Begriffe spürt und lebt.
Darum spreche ich hier von meiner Devotion, nicht von DER Devotion.
Es gibt Dinge, die sind stark an mir. Mein Wille, mein Intellekt, mein Mundwerk, meine Schutzmauer.
Ich bin keine Sklavin. Ich krieche nicht im Staube. Das ist nicht meine Art und Weise.
Und doch sehne ich mich nach totaler Hingabe. Nach Verschmelzung und Auflösung. Auflösung meines Willens, meines Verstandes, meines Ichs.
Jemand, der mich auf diese Weise besitzen will, der muss von der ersten Minute an entsprechend auf mich wirken. Er muss – zurecht – sehr überzeugt von sich sein, ohne dabei eine alberne Überheblichkeit auszustrahlen. In seinen Augen müssen Kraft, männliche Überlegenheit und die liebevolle aber unbedingte Absicht, mir seinen Willen aufzuzwingen mich magisch anziehen. Und all das bitte ohne so einen Blick vorher zu Hause vor dem Spiegel geübt zu haben. So etwas funktioniert nicht. Es ist einem Mann inne. Es ist in der Art wie er geht, wie er sitzt, wie er spricht, es ist in seinem Habitus, es ist Teil seines Selbst.
Ich könnte jetzt schreiben, ich mag es nicht, im Bett beschimpft zu werden als Schlampe, Hure oder sonst etwas herablassendes. Am allerschönsten ist noch das „Luder“, da muss ich dann leider immer lachen. Ich mag das wirklich nicht, ich finde es in 99 von 100 Fällen lächerlich. Bei einem von 100 aber wird es nicht lächerlich sein. Der wird mich anschauen, mir sagen „Ich fick Dich jetzt, Du Schlampe.“ und bei dem wird es mir dann die Sprache verschlagen und ich werde wissen, genau so wird es sein.
Ich könnte jetzt schreiben, ich mag es nicht, geschlagen zu werden. Mag ich auch nicht. Ich würde so etwas innerhalb einer Beziehung niemals (!) dulden. Niemals. Und doch gibt es da Situationen, Phantasien, Vorstellungen… die diese ganz besondere Dynamik besitzen, innerhalb derer ich mir Schläge vorstellen kann. Harte, ernst gemeinte Schläge. Schläge, die meinen Willen aufbrechen. Keine Spielchen mit dem Rohrstock oder mit der Plastikpeitsche aus dem Sexshop. Das ist gar nicht meine Welt. Das ist Talmi. Für mich gibt es nur Haut auf Haut.
Ich könnte jetzt schreiben, ich mag es nicht, wenn man mich einengt oder beschränkt. Das stimmt auch. Ich bin Klaustrophobikerin und kann schon enge Räume nicht ausstehen. Und doch gibt es Situationen, in denen mir fixierte Arme oder eine starke Hand über dem Mund (kein Knebel, niemals Knebel. Haut auf Haut.) gefallen. Es gibt Momente, in denen ist meine Hingabe so groß dass ich dann die Augen schließe und denke „Mach. Was immer Du willst.“
Ich muss Kraft spüren, Willen und Dynamik. Es muss ein Kampf sein. Ein Kampf, den ich nicht gewinne und an dessen Ende meine völlige Hingabe steht. Ich mag Tränen, ich mag Striemen und blaue Flecken. Ich mag es, wenn ein Mann mir dabei hilft, mich bis in mein tiefstes Inneres zu spüren und mich dort hineinfallen zu lassen wie in ein schwarzes Loch. Dazu ist selbstverständlich bedingungsloses Vertrauen nötig. Vertrauen und Respekt. Eine Frau mit Respekt zu beschimpfen, zu schlagen und sich gefügig zu machen, das ist eine hohe Kunst, die viel verlangt. Intelligenz, Kraft und Selbstbewusstsein. Und Lust. Unbedingt Lust.
Mein inneres BDSM ist keine Theaterbühne, es ist ein Teil von mir. Deswegen halte ich nichts von Kostümierungen, einstudierten Gesten und gekauften Requisiten. Haut auf Haut, Mensch trifft Mensch. Pur. Immer.
Ich lebe meine Devotion selten. Ich suche nicht. Ich muss nicht müssen. Es gibt wenige, die mich überzeugen. Sie sind rar. Seltene Menschen, seltene Augenblicke. Ausnahmen. Kleinode, die ich sammle wie wertvolle Perlen, die an einer Schnur aufgereiht werden und mit der ich das ureigenste Selbstverständnis meiner Sexualität schmücke.
Meine Sexualität besteht nicht nur aus Devotion. Aber sie ist eine ihrer tiefsten, innigsten Facetten. |