Ménage à trois

Im Sommer 2010 ergab es sich, dass eine ca. 5 Wochen alte Mischlingskatze bei mir landete. Viel zu früh von der Mutter getrennt und noch nicht entwöhnt wuselte sie auf meinem Sofa herum und staunte mich mit grossen baby-blauen Augen an.
Ich hab' es nicht über's Herz gebracht, das kleine Vieh irgendwo im Tierheim oder sonstwo abzugeben und seitdem habe ich eine neue Mitbewohnerin.

Nachdem die Wohnung (und ich) in den ersten Tagen erstmal gründlichst inspiziert worden war, wurde sie für gut befunden und zum Revier erklärt. Meine Anwesenheit wurde als akzeptabel in Kauf genommen. *g*
Daran, dass Katzen sich neben/vor/hinter einem materialisieren können *schock* , habe ich mich jetzt gewöhnt. Ich brauche nur noch 300mg Lexotanil als tägliche Dosis.

Die Kleine hat sich schnell eingelebt. Das ist auch leicht zu erklären: Der Servicelevel ist recht hoch; regelmässige Mahlzeiten auf hohem Niveau; viel Platz; der Dosenöffner kann sprechen und mindestens einmal pro Woche Wellness einschliesslich BMI-Kontrolle. Ein derart ausgefülltes Katzenleben kann schon recht erschöpfend sein.

Der erste Besuch beim Tierarzt führte zu peinlichen Situationen... "Wie heisst die Kleine denn ?" ... *floet* ... "Ich sag' immer Tiger zu ihr." *betroffenausdemfensterschau*
Darauf nahm die Ärztin ihren Job mit den Worten auf: "Na komm her Mäuschen." Als in dann meinte, es wäre wohl nicht angemessen meine Katze "Mäuschen" zu nennen, guckte sie irritiert. So hatte ich mit Mühe und Not ein Remis erreicht. *stolzbin*

Ich hatte also nun die Aufgabe, einen Namen für meinen Zimmerlöwen zu finden. Die Rettung kam in Form von Gaby, dem weiblichen Teil eines befreundeten Pärchens. Als wir ein mexikanisches Essen mit ein paar Schnäpsen beendeten, meinte sie "Tequila klingt doch wie ein Frauenname." Und so heisst mein Taschenlöwe nun wie ein mexikanischer Schnaps. Die Tierärztin hat sich nicht groß gewundert... *g*

Bald war auch ein Lieblingsplatz in der Wohnung geortet: Ein Fach an meinem Schreibtisch, das eigentlich für Schreibutensilien gedacht ist, wurde zur Höhle erklärt und flugs bezogen. Katzen sind im Bereich Hausbesetzung sehr effektiv.

Allerdings gibt es mittlerweile, nach über einem Jahr, gewisse technische Inkompatibilitäten. *haumichwech*


Weil ich auf Dauer dann doch nicht als vollwertige Katze durchgehe, hatte ich beschlossen, Tequila eine Mit-Katze zu verschaffen. Bald war im Netz eine Familie gefunden, die junge Katzen abgeben wollte. Und da ich schon einen Löwen hatte, sollte es nun wirklich ein Tiger werden.

Beim Tierarzt kam natürlich hämisch lauernd die unvermeidliche Frage: "Na, wie heisst die Kleine denn ?". "Fajitas" war die souveräne Antwort. Ich finde die Logik dahinter ziemlich bestechend: Was zu Trinken und was zu Essen. Zwei zu eins für mich. *g*

Natürlich dauerte es ein Weilchen, bis die beiden sich arrangiert hatten und rein historisch bedingt, waren die Prioritäten anfangs recht klar; zumal bei Fajitas' Tigerdasein noch erhebliches Verbesserungspotential zu erkennen war.


Schon nach einigen Wochen waren allerdings die ersten Trainigserfolge erkennbar...

Im Frühjahr 2011 rief meine Nachbarin aus dem Erdgeschoß an und fragte, ob ich eine Katze vermisse.

Ein Blick vom Balkon und mit der Technik, die ich mittlerweile bei Tequila abgeguckt hatte, materialisierte ich Millisekunden später auf dem Bürgersteig vor unserem Haus. Ein blutüberströmtes Häufchen Elend names Fajitas lag dort verängstigt an die Bordsteinkante gekauert.

Sie hatte es irgendwie geschafft, aus dem Dachfenster zu klettern (das ist in 1,5 Metern Höhe über dem Boden), war auf den glasierten Dachziegeln abgerutscht und 5 Stockwerke tief auf die Strasse gestürzt. *panik*

Aber Mutter Natur hat einen ziemlich guten Job gemacht. Beim Tierarzt zeigte sich, dass sie sich keinen einzigen Knochen gebrochen hatte. Sie hatte sich nur auf die Zunge gebissen; daher das Blut. Seitdem weiss ich, dass die Autoindustrie das Konzept "Stoßdämpfer" noch nicht verstanden hat.

Allerdings dauerte es ca. 3 Wochen bis einige innere Quetschungen verheilt waren.

Mittlerweile hat Fajitas meine Studioecke zu ihrer Schlafzone erklärt. Was für meine Models beim Shooten als weiche Unterlage dient, ist wohl auch für vierbeinige Katzen akzeptabel.

Beim Tierarzt wird mir mittlerweile der rote Teppich ausgerollt.


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