![]() | ERWACHEN Langsam kehrte sein Bewusstsein zurück…… wieso war er wieder da? Er bewegte seine Arme und Beine, es war alles da. Aber wieso war er wieder da? Irgendwie fühlte er sich komisch an, so weich und flauschig. Was war hier los? Seine Augen öffneten sich und er versuchte sich umzusehen, da war nichts. Nur Dunkelheit. Beim vorantasten fühlte er die Wände einer Kiste, nein eines Kartons. Wieso lag er in einem Karton? Beim versuch aufzustehen stieß er sich den Kopf. Der Karton war zu eng, er konnte sich nicht aufrichten also beschloss er erst einmal liegen zubleiben. Da begann der Boden zu beben und der Karton bewegte sich. Er wurde hin und her geschleudert, stieß sich mehrfach an den Wänden seines engen Gefängnisses und dann war wieder alles still. Als er sich wieder etwas gefangen hatte und gerade wieder anfangen wollte sich aus seinem Gefängnis zu befreien, ertönte ein lautes Brummen und der Karton setzte sich wieder in Bewegung. Wieder wurde er hin und her geschleudert, dann ging es ruhig geradeaus immer weiter. Das beruhigende Brummen machte ihn schläfrig und dann schlief er ein. Während er schlief, kamen die Träume. Verworrene Träume. Eine Alte Frau Ein kleiner Raum Ein kleiner Tisch mit brennenden Kerzen Ein Teddybär Ein Bild von einem kleinen Jungen Immer wieder tauchten die Bilder vor seinen Augen auf, eine sich ständig wiederholende Bilderfolge. Wieder und wieder. Was hatte das zu bedeuten? Irgendetwas daran kam ihm bekannt vor. Aber was? Wenn er alles zusammen sah wurde ihm ganz warm ums Herz. Aber warum? Kannte er die Frau? Wem gehörte der Bär? Und wer war der Junge? Der Traum sagte es ihm nicht. Es wurde eine lange und unruhige Fahrt. Irgendwann schlief er erschöpft und endlich traumlos. Er wurde wach als sich sein Karton bewegte. Stimmen waren zu hören, irgendwer trug den Karton umher. Wo war er? “Sortier die neue Ware ins Regal ein” Er konnte die Stimmen verstehen. “Stell sie nach hinten zu den Plüschtieren” “Hast du sie schon gesehen?” “Nein, mach doch mal die Kartons auf!” Ein reisendes Geräusch ertönte, dann wurde sein Behältnis hochgehoben und ein kurzes Stück getragen. Schließlich wurde er abgestellt. Abermals ertönte ein reisendes Geräusch und endlich öffnete sich der Deckel seines Gefängnisses. Eine junge Frau beugte sich über ihn und holte ihn aus dem Karton heraus. Und endlich konnte er sich sehen. Er, war eine Maus. Eine Plüschmaus mit einem gelben Käseumhang. Wieso war er eine Plüschmaus? Wieso konnte er überhaupt über so etwas nachdenken? Spielzeuge denken doch nicht, oder? Normalerweise nicht. Aber was ist hier schon normal? Später am Abend wurde er dann zu den anderen Spielzeugen ins Regal geräumt. Zwischen den ganzen Spielzeugen sitzend wusste er das jetzt etwas ganz neues begann. Etwas neues für ihn. Etwas neues für die anderen. Er wusste nicht wie und nicht warum. Aber eins wusste er, er war da und er würde es genießen. Kapitel 1 Wünsche, Träume, Hoffnungen Eigentlich ……………………… müsste ich die Geschichte so beginnen: Ich bin eine kleine Maus mit einem lustigen Käseumhang und lebe in einer sehr berühmten Stadt namens Rothenburg. Aber, ihr wisst ja schon so viel von mir und ich weiß über mich so wenig. Also beginnen wir so. In einer kleinen mittelalterlichen Stadt in Franken, mit kleinen engen Gassen, niedlichen Häusern, vielen kleinen Läden, einer Menge Touristen einem weltbekannten Weihnachtsland und……………..direkt neben dem alten Rathaus…….. ein kleines Spielzeuggeschäft. Wochen vergingen. Wochen in denen ich über mich, mein Sein und meine Zukunft nachdachte. Schnell merkte ich auf was es als Plüschtier so ankam. Niedlich sollte man aussehen und ansprechend für Kinder, und manchmal auch für Erwachsenenherzen. Man sollte versuchen gekauft zu werden und ein neues Heim zu bekommen. Und da ich nun mal ein Plüschtier war würde ich genau das tun. Immerhin sah ich recht niedlich aus und ich saß in dem kleinen Spielzeugladen inmitten der alten ehrwürdigen Stadt, war voller guter Laune und wartete darauf das jemand kam und mich kaufte.Was sollte da schon schief gehen? Meine Träume kamen ab und zu wieder aber ich konnte sie nicht deuten und lebte damit. Was sollte ich auch sonst tun? Viele Menschen schauten in dem Laden vorbei, nahmen mich aus dem Regal, sahen mich an und setzten mich dann aber doch wieder auf meinen Platz zurück und gingen weiter. Kinder zerrten an mir herum, ließen mich fallen. Dann kam die Verkäuferin, hob mich auf und setzte mich wieder ins Regal zurück. Langsam verließ mich der Mut. War ich denn nicht süß? Was stimmte denn mit mir nicht? Ich wollte endlich hier raus. Wollte etwas sehen. Ich wollte doch auch in eine Familie, vielleicht mit Kindern und einer gemütlichen Sofaecke ……. wo ich mich breit machen kann, jeder mit mir kuschelt und mir das geben würde wonach ich mich am meisten sehnte! Liebe und Zuneigung! Und eventuell Hilfe zu Verstehen! Schnief……….. Die Tage vergingen schnell und langsam gewöhnte ich mich an den immer gleichen Trott. Unsere Verkäuferin hatte viel zu tun. Tagsüber mit den Kunden und abends noch eine ganze Weile mit uns. Den ganzen vielen Plüschteddys, Mäusen, Schildkröten, Pferden und den Glückspilzen. Die ja, so sagt man hier, was ganz besonderes sein sollen. Na ja, ich gebe zu, sie wurden ja auch fleißig verkauft. Und warum kauft mich niemand? Manchmal saß ich in meiner Regalecke und lauschte den Gesprächen die oft nicht verstehen konnte. Viele sprachen so anders als unsere Verkäuferin und sahen auch anders aus. Andere wiederum sprachen zwar anders wie die Verkäuferin aber irgendwie weckten diese Sprachen Erinnerungen in mir. Der Nebel in meinem Kopf lichtete sich jedoch nicht. Die Stimme unserer Verkäuferin war uns allen hier sehr vertraut. Sie war sehr lieb zu uns. Abends als alle Kunden gegangen waren und sie das Licht im Laden schummrig stellte, holte sie jeden einzelnen von uns zu sich, bürstete ihn ab, zupfte seine Kleider zurecht und flüsterte ihm noch einige liebe Worte zu bevor er wieder ins Regal gestellt wurde. Sie mochte Ihre Arbeit wirklich gern und uns auch. So langsam fand ich mich damit ab, noch eine ganze Weile hier zu sitzen und versuchte Freundschaften aufzubauen. Immer wenn der Schlüssel im Schloss klimperte, es langsam dunkel wurde, die Kinder in ihrem Betten längst schliefen und nur die alte Straßenlaterne mit ihrem schummrigen Licht in den Laden schien, dann begann unsere Zeit. Eigentlich darf ich dass ja niemanden erzählen! Aber die meisten Menschen haben ihre Kinderträume schon verloren, glauben nicht mehr an ihre kleinen Phantasien die sie hatten als sie im Mondschein in ihren Himmelbettchen lagen und sich an ihre Kuscheltiere drückten. Ich finde das sehr schade. Diese Welt wird beherrscht von Arbeit, Stress, Hektik, Hass und Angst. Eigentlich gar kein Platz mehr für Mäuse und Bären wie uns. Aber …… viele halten es für Kinderträume ……… es geschieht wirklich. Wenn draußen alles schläft und der Mond am Zenit steht dann erwachen wir. Wir lachen und tanzen, spielen mit den großen Puppenhäuschen hinten im Regal. Schaukeln auf den riesigen Schaukelpferdchen bis uns schwummrig wurde……………. Und erzählen uns alles was wir am Tag so erlebt hatten. Es war immer ein riesiger Spaß für uns. Ich vergaß sogar meinen großen Traum für ein paar Stunden. Den großen Traum bei einem kleinen Kind mit im Himmelbettchen zu sitzen, mit kleinen Spitzenkissen und vielen, vielen bunten Spielsachen ……….. ach ja. Einmal, da ging ich im Laden herum und fand einen großen zotteligen Bären mit dicker schwarzer Brille. Er sah ziemlich komisch aus wie er da allein in seiner Ecke saß, abseits von uns allen, und vor sich hin grummelte. Aber ich, ich bin ja klein und niedlich ……… mir wird er schon nichts böses tun. Also ging ich zu ihm rüber, kletterte zu ihm aufs Regal und fragte ihn warum er denn nicht mit uns spielt. Es sei doch lustig. Ich würde ihn auch meinen Freunden vorstellen und er könnte auch als erster auf das große kuschelige Schaukelpferdchen und, und, und …………. da platzte er mir ins Wort! „Nein“ sagte er „ich will in meiner Ecke bleiben und nachdenken.“ „Aber worüber denn?“ sagte ich „dafür hast du doch den ganzen Tag Zeit.“ Da wurde der Bär ganz ruhig, nahm mich in den Arm und begann zu erzählen. Ganz, ganz lange sitzt er schon hier. Zwei Winter hat er schon hier im Laden gesehen. Viele Kinder haben ihn an ihre nassen, klebrigen Sachen gedrückt und geweint, weil ihre Eltern sich den Bär nicht leisten konnten. Viele haben ihn vor Wut in die sich am Boden sammelnden Pfützen voll getautem Schnee fallen lassen. So das sein langes lockiges Fell völlig verfilzte. Der Bär schien sehr traurig. Er hatte meinen „großen Traum“ auch schon gehabt aber im laufe der Zeit hatte er ihn genau so aufgegeben wie die Menschen ihre Kinderträume. Der Bär hatte Angst, Angst davor nie gekauft zu werden, aber auch Angst davor in einem Kinderzimmer leben zu müssen in dem es stickig und unordentlich ist. Wo vielleicht viele der Kuscheltiere achtlos auf dem Boden übereinander liegen und verstauben. Immer wenn ihn unsere Verkäuferin bürstete und auf seinen Platz zurücksetzte, rutschte er noch ein Stückchen weiter nach hinten, um ja nicht gesehen zu werden. Er wusste nicht wie er mit dem Problem umgehen sollte und deshalb war es ihm lieber wenn alles so blieb wie es war. Draußen dämmerte der Morgen und dann rollte auch schon der Wagen unserer Verkäuferin langsam die Einfahrt hinauf. Also schlich ich mich ganz leise auf meinen Platz zurück. Und irgendwie ging es mir gar nicht gut. Die Worte des Bären hallten in meinem Kopf. Immer wieder musste ich daran denken. Was war plötzlich mit meinem „großen Traum“? Mich beschlichen seltsame Gefühle, wie ich sie noch gar nicht kannte. Plötzlich erschien mir alles so leer. Meine Nachbarmaus, genau so groß und niedlich wie ich, schubste mich laufend an und wollte wissen was mit mir los ist. Doch ich sagte nichts. Wollte noch ein paar Minuten allein sein mit mir und der Welt. Bevor die ganzen Leute kamen. Ich setzte mich nun auch ein Stückchen weiter nach hinten, damit ich nicht gleich gesehen werde, mir war halt nicht nach Kinderrummel. Ich wollte nur dasitzen und nachdenken. Doch im gleichen Moment wollte mich meine Nachbarmaus erneut schubsen, verfehlte mich um einige Zentimeter und plumpste zu Boden. Sie schaute so erschrocken, das ich sofort wieder lachen musste. In diesem Moment hörten wir auch schon den vertrauten Klang des Schlüssels in der Tür. Das Licht ging an und unsere „Mama“, wie wir sie hier alle nannten, stürmte zu uns rüber. Hob die Maus vom Boden auf, putzte sie , kämmte sie und setzte sie an ihren Platz zurück. Ich musste immer noch kichern. Und sobald wir ein wenig Zeit hatten und allein waren, erzählte ich ihr was ich in dieser Nacht erlebt hatte und was der große Zottelbär zu mir sagte. Und schon beschlich mich wieder dieses mulmige Gefühl im Bauch. Mir gefiel das nicht, weil ich ja eigentlich schon eine sehr lustige und fröhliche kleine Maus bin. Die kleine Maus neben mir sagte, das ich nicht traurig sein soll denn wir hätten ja eigentlich großes Glück. Weil wir in einem Spielzeugladen in Rothenburg sitzen, einer Stadt in die viele Menschen aus der ganzen Welt kommen um sie sich anzusehen. Und es ist so ein guter Brauch, sich aus jedem Urlaub immer ein Andenken mitzunehmen. „Ja, und?“ fragte ich Mit Andenken geht man immer ganz sorgfältig um. Hätte sie mal von einer älteren Frau gehört. Die wohl schimpfte, weil ihr Enkel an ihrer Handtasche zog Weil er einen Plüschhasen nicht bekommen durfte. Andenken bekommen immer einen guten Platz reserviert, in einer Wohnung. Auf sie wird stets geachtet. Und außerdem wäre hier alles ziemlich teuer. Was noch ein guter Grund wäre auf uns zu Hause gut aufzupassen. Ich holte tief Luft und beobachtete unsere „Mama“ wie sie Geld zum Wechseln in die Kasse legte. Na ja …………… so schlimm wird es schon nicht werden. Und wenn es mir in meinem neuen Heim nicht gefallen sollte, dann, dann kann ich Nachts immer noch ausreisen. Ganz leise. Und mich irgendwo vor ein schönes kleines Haus legen, hoffen das in dem Haus ein kleines Kind lebt mich findet und mit zu sich nach Hause nimmt. Vielleicht ist es da ja dann besser. Genau so wollte ich es machen. Und in der nächsten langen Nacht, wollte ich zum großen zotteligen Bären gehen und ihm erzählen was mir die Maus neben mir gesagt hatte. Damit er auch mal lacht und aufhört so grüblerisch in der Ecke zu sitzen, wenn wir anderen spielen. Während ich überlegte was ich nachts so alles tun könnte, sah ich draußen eine kleine Familie vorbei laufen. Alle schauten zum Schaufenster herein und lachten über die großen dicken Glückspilze. Das kleine Mädchen war recht niedlich. Sie gefiel mir von Anfang an. Obwohl sie ziemlich geschafft aussah, sicher vom langen Stadtbummel oder vom Einkaufsstress, schien sie fröhlich und glücklich zu sein. Ich hörte wie sie ihre Eltern fragte, wieso die Pilze denn Glückspilze heißen. Und wenn sie sich einen ganz großen kaufen würde, hätte sie dann ganz viel Glück? Sie hockte sich nieder und kuschelte ganz verträumt mit zwei der Glückspilze, die in einem alten Handwagen vor der Ladentür saßen. So innig und lieb, voller Vorsicht den Pilzen nicht weh zu tun, ja richtig verträumt sah das Kind aus. Sie hatte lange blonde Haare und beim Anblick der Pilze im Handwagen bekam sie große, strahlende, verträumte Augen. Der Papa war groß, schlank und hatte auch langes Haar, was ich bei einem Mann bisher überhaupt noch nicht gesehen hatte, und wollte gerade zu der kleinen was sagen da holte ihre Mutter sie vom Schaufenster weg. Sie wollte erst noch in ein Museum und versprach dem Kind anschließend noch einmal wiederzukommen um ihm einen Glückspilz zu kaufen. Die Mutti knuffte den Pilz und dann gingen sie. Und ich…….. Ich spürte es! Das war die Familie zu der ich wollte. In diesem Kinderzimmer wollte ich kuscheln. Ich war so aufgeregt und hätte platzen können, vor Spannung. Sie würden wiederkommen und sich, im Laden, richtig umsehen. Da war ich mir sicher. Dann würden sie mich sehen und mich kaufen. Ich war fest davon überzeugt. Also rutschte ich ein Stück weiter nach vorn, zupfte meinen Umhang zurecht, stellte meine Ohren auf und wartete vergnügt auf meinen großen Auftritt. Und irgendwie war mir völlig klar, das ich derjenige war der gekauft wurde……… und nicht die Maus neben mir die aussah wie ich. Es kam mir vor als leuchtete mein gelber Umhang heller als sonst und zufrieden harrte ich der Dinge die da kommen würden. Hoffentlich ich. Bitte!!!!!!!!!!!! Kapitel 2 Große Erwartungen Es dauerte ewig bis die Familie wiederkam. Ich musste mir die Zeit vertreiben. Aber wie? Keine Menschen besuchten unseren Laden. Die Verkäuferin stand an der Kasse und las ein Buch. Es war viel zu still bei uns. Richtig unheimlich! So als würde im nächsten Moment etwas ganz Großes passieren ……. ja …….. als würde im nächsten Augenblick ein Sturm losbrechen und durch den Laden fegen. Unheimlich!So ein Gefühl hatte ich schon einmal. Vor langer Zeit. Wie kam ich nur darauf? Vor langer Zeit! Wie lange gab es mich denn schon? Plötzlich sah ich ein rosa T-Shirt in der Eingangstür. Das kannte ich! Es war wirklich „meine“ Familie. Ziellos rannte das kleine Mädchen durch den Laden. Es wollte am liebsten alles auf einmal anschauen. Lachend stolperte es über am Boden sitzende Plüschtiere. Stumm schaute ich dem Treiben zu. Doch während ich völlig abgelenkt vom Treiben des Mädchens war, merkte ich gar nicht wie der große Mann mich plötzlich auf den Arm nahm. Erschrocken rutschte ich zusammen. Aber er schien sehr nett zu sein. Er lächelte mich an, streichelte sacht über meine Ohren, zupfte meinen Umhang zurecht ……. und?????? Und setzt mich wieder zurück. Lächelte mich noch einmal kurz an. Und verschwand in eine andere Abteilung unseres Ladens. In diesem Moment wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Er setzte mich wieder hin ……….. er hat mich wieder zurückgesetzt ………… Genau wie viele andere Leute vor ihm, die mich nur kurz betrachteten. Und ich war mir doch so sicher gewesen, das ich zu dieser Familie komme. Völlig regungslos saß ich in meiner Ecke, konnte gar nicht richtig ausdrücken wie ich mich fühlte. Ich schaute zu dem alten Bären der im Regal gegenüber saß und sein Blick sagte mir: „Ich hab es dir doch gesagt!!!!!!!!!!!!“ Das kleine Mädchen wühlte inzwischen in einer ganz anderen Ecke des Ladens herum. Sie würde mich, in meiner Regalecke, nicht finden. Meine Nachbarmaus schenkte mir einen kurzen tröstenden Blick. Da kam der Mann wieder. An der Hand hielt er die Mutter des Mädchens. Sie kamen in meine Richtung. Er beugte sich zu ihr hinunter und sagte: „Ich muss dir was zeigen, mein Schatz! Komm doch mal mit!“ Und mit großen Schritten kamen sie beide direkt auf mich zu. Wieder wurde ich aus dem Regal genommen und der jungen Frau in den Arm gedrückt. Sie war sofort begeistert von mir und gleich entschlossen mich mitzunehmen. Sie nahmen mich ……… Juhu …….. Mich …… und nicht meine Nachbarmaus. Mich!!!!!!!!! Irgendwie hatte ich es gewusst. Das kleine Mädchen kam auch sofort herbei gerannt. Und auch sie fand was sie suchte. Die kleine Maus eine Etage unter mir, mit der großen Blume im Arm. Sie freute sich sehr. Ihre großen blauen Augen glitzerten wie ein Feuerwerk und eh ich mich richtig freuen und darüber nachdenken konnte waren wir auf dem Weg zur Kasse. Da saß ich nun. Wie lang hatte ich darauf gewartet. Und nun da es soweit war, so endgültig, viel es mir schwer Abschied zu nehmen. Ich würde meinen Laden nie wieder sehen. Niemals! Ich zwinkerte meiner Nachbarmaus noch ein letztes Mal zu. Hoffentlich hatte es niemand gesehen. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Der große Bär!!!!!!! Ich wollte ihm doch noch so viel erzählen, ihn so viel fragen und ihm Mut machen. Der Bär sah dem Treiben an der Kasse aus seiner Ecke heraus zu, schickte mir noch einen letzten Gruß und ein Zwinkern herüber und dann verschwand ich zusammen mit der kleinen Blumenmaus in einer großen bunten Plastiktüte. Die Leute verabschiedeten sich noch freundlich, dann verließen wir den Laden. Es dauerte aber gar nicht lange da holte mich die Mutti wieder aus der Tüte, knuffte mich in die Nase und trug mich auf dem Arm durch die Stadt. Was ich da alles sah. Es war ja so aufregend. Noch nie hatte ich so viele Menschen auf einmal gesehen. Große, kleine, Kinder und Erwachsene wuselten, in den engen Gassen der alten Stadt durcheinander. So viele kleine Läden mit bunten Schaufenstern, Läden aus denen es lecker duftete. Aus einer Seitenstrasse kamen richtige Pferde mit einem Wagen gelaufen. Wie groß die in Wirklichkeit waren, unfassbar. Am liebsten wäre ich hingelaufen und hätte den Pferden erzählt das ich schon mal auf einem Schaukelpferd gesessen habe. In unserem Laden! Ach wenn ich die Pferde doch mitnehmen könnte, zum Laden um sie allen zu zeigen. Richtig Stolz fühlte ich mich, das alles erleben zu dürfen. Ich sah Autos, Bäume, duftende Blumen. Ich glaube jetzt lebe ich wirklich. So viel passierte um mich herum, da hatte ich gar keine Zeit zuzuhören was meine neue Familie so erzählte. Ich war einfach zu sehr mit meiner Umwelt beschäftigt. Die vielen Eindrücke die auf mich einströmten, so fremd und neu und doch so vertraut. Ich versuchte alles zu Verarbeiten aber irgendwie klappte das nicht so recht. Da gingen wir in ein großes Gebäude. Bezahlten Eintritt für ein Museum, was sich altes Kloster nannte. Die Frau an der Kasse sah ziemlich streng aus und sagte zu meinem Menschen das sie ihr Gepäck ruhig am Einlass stehen lassen könnten. Ihr Gepäck???????? Das war ich ja! So eine niedliche kleine Plüschmaus wie ich nur Gepäck? Wie ein alter Koffer mit Schmarren von den vielen Urlaubsausflügen. Diese Worte trafen mich wie ein Stein. Aber meine Menschen Lehnten dankend ab und nahmen mich mit. Im Arm der Mutti fühlte ich mich richtig wohl und sicher. Ja, das war die richtige Entscheidung. Und so nach und nach fiel mir auf das ich wahrscheinlich gar nicht in ein Kinderzimmer einziehen werde. Denn nur die zwei Erwachsenen trugen mich herum und bei den Großen ist es ja meistens ordentlich und sauber. Alles hat seinen Platz. Und ich werde meinen Wahrscheinlich auch bekommen. Das Museum war ziemlich langweilig für mich und für die Kleine auch, obwohl sie tapfer aushielt. Überall große Statuen, Scherben, ne Küche von früher und lauter so ein Zeugs. Später erklärte die junge Frau ihrer Tochter noch ein Paar Kräuter im Garten des Klosters. Da war auch viel Giftiges dabei und sie sagte Ihr das sie sich davon fernhalten solle. Der Mann hieß übrigens Matthias und machte meine ersten Ausflugsfotos. MAUS ON TOUR Ach war ich stolz. Es war wunderschönes Wetter, die Sonne strahlte und in den Armen der jungen Frau war es wunderbar warm. Die Fahrt in mein neues Heim war dann auch recht langweilig. Alles flog viel zu schnell an den Scheiben des Autos vorbei und man konnte sich gar nichts in Ruhe anschauen. Aber ich saß mit vorn im Auto, bei Matthias auf dem Schoß. Aus dem Gesprächen erfuhr ich das die junge Frau eigentlich Jeannette und das kleine Kind Anne-Kathrin hieß. Matthias knuddelte mich, richtete meinen Umhang, sah mich an und meinte nachdenklich: „Eigentlich müsste unser neues Familienmitglied ja auch einen Namen bekommen!“ Ich hielt den Atem an. Einen Namen…… einen eigenen Namen, nur für mich. Nicht nur Maus wo es noch tausende andere gibt. Nein einen eigenen Namen für mich. Jetzt war ich glücklich. Ich war angekommen und hätte die ganze Welt umarmt, wenn meine Arme dazu nicht etwas zu kurz wären. Angekommen in einer Familie die mich lieb hat. Eine Familie die auch die kleinen Dinge im Leben noch zu schätzen weiß. Und dann kam er, mein Name. Nach langen Diskussionen fiel die Wahl auf …….. LOUIS! Der Name war nicht schlecht und irgendwie klang er auch vertraut, so vertraut. Aber ich wusste nicht wieso? Warum ausgerechnet LOUIS? Egal! LOUIS gefiel mir gut. Als wir zuhause ankamen war es schon dunkel und im Laden spielten sicher schon alle. Schaukelten auf den Pferden oder hüpften und tanzten zur Musik aus den Spieluhren im Laden herum. Wieder musste ich an den alte zotteligen Bären denken. Hoffentlich hat er auch einmal das Glück so geliebt zu werden. Sanft wurde ich auf das Sofa zwischen die vielen weichen Kissen gesetzt. Viele andere Plüschtiere saßen um mich herum, jeder auf seinem eigenen Platz. Ich konnte es gar nicht abwarten bis meine neuen Eltern schlafen gingen um alles zu erkunden. Ein großer Hund lebte auch hier, sie hört auf den Namen Daisy. Ziemlich verfressen, sie liebt Kekse über alles, und zählte zum Abendessen meinen Menschen jeden Bissen in den Mund. Von mir wollte sie, Gott sei dank, nichts wissen. Sie war richtig rüpelhaft. Vielleicht liegt es an der Rasse. Wer weiß. Ich werde sie mir schon noch erziehen. Entweder schläft sie, frisst oder rennt alles um was ihr im Weg steht. Manchmal rauft sie auch mit Jeannette, was lustig anzusehen ist. Es dauert ewig bis endlich Ruhe einkehrt. Anne ist im Bett und Jeannette und Matthias sind auch schlafen gegangen. Daisy streunt noch eine Weile durch die Räume, dann ist es ruhig. Und ich kann mich auf den Weg machen alles zu erkunden. Ich sprang vom Sofa und flüsterte den anderen leise zu sie sollten doch mitkommen und mir alles zeigen. Die Hörnchen und Fledermäuse waren aber mit sich selbst beschäftigt, nur ein alte Bär mit vielen Flicken im Fell kletterte Behäbig vom Sofa herab und führte mich herum. Ich wollte alles sehen. Das Spielzeug, das Kinderzimmer das Zimmer wo meine neuen Eltern schliefen. Ich platzte fast vor Neugier. Ganz langsam und behäbig kam der Bär auf mich zu. Er erzählte mir das er schon alt sei und nicht mehr so schnell könne, und wir müssten sehr leise sein damit Daisy nicht aufwacht. Er zeigte mir alles, öffnete eine Tür nach der nächsten und ich staunte wie ordentlich es überall war, sogar das Kinderzimmer war aufgeräumt( ein Zufall wie ich später noch erfahren sollte).Ich erzählte dem Bären alles. Ich war so aufgeregt das die Worte nur so aus mir heraussprudelten. Erzählte von meiner Reise hier her, dem alte Zottelbären im Laden und dem ganzen anderen Spielzeug dort. Die Nacht war viel zu kurz für all die Eindrücke und Gefühle die ich an diesem Tag hatte. Doch mein neuer Freund war sehr geduldig und hörte mir aufmerksam zu. Draußen wurde es schon langsam wieder hell als der Bär mich anschupste. „Pscht!!!!!!!“ sagte er „sei leise dann zeig ich dir noch etwas. Aber bitte keinen Ton, damit wir Daisy nicht aufwecken!“ Der Bär schaute mich an und schob eine letzte Tür auf. Mir war es sofort unheimlich. Überall standen Kerzen, eine Wand war schwarz gemustert ein großes dunkles Bett mit schwarzem Betthimmel, sehr altertümlichen Möbeln und einer großen grauen Spinnwebe über einer alten Kommode in der Ecke. Das war ja gruselig, dachte ich mir. Nahm die Beine in die Hand und rannte auf mein helles freundliches Sofa zurück wo ich mich in die Sofakissen kuschelte und sofort einschlief. | |







