Die Wollust

Ein Gefühl im Wandel der Zeit und Kultur

Die Wollust beschreibt die Steigerung der persönlichen Lust und des Verlangens mittels Phantasien. Sie ist auch das Synonym für starkes sexuelle Verlangen oder sexueller Begierde als Empfindung.

Sucht man unter der Definition des Wortes so findet man Assoziationen wie Wohlgefallen, Freude, Genuss. Doch die Interpretationen sind auch frevelhaft, sündig, verrucht, lüstern und vieles andere. Auch wenn es immer wieder Negativ gesehen wird, ist die Wortfindung eindeutig Positiv. Es setzt sich auch den Worten „wohl“ und „Lust“, oder wie im Niederländischen (welches unserem Mittelhochdeutch sehr ähnlich ist) „wellust“ und damit „gut“ und „Lust“ zusammen. Doch nicht immer wird Wollust nur auf den Geist beschränkt, eine andere Definition die ich gefunden hatte schrieb: „ ...,nach üblichem Verständnis ausschweifendes Verhalten sexueller Art (Sexualität, Orgie)“.

Auch wenn dieses erst mal ein rein persönliches empfinden ist, kann sie jedoch auch geteilt werden mit dem Partner oder eine Gruppe. Nicht zuletzt wird die Wollust dabei nochmal gesteigert. Als Beispiel könnte man hier den Dirty Talk nennen oder den Telefonsex. Wir verleihen unseren Phantasien mittels Sprache einen Ausdruck und steigern gleichzeitig das sexuelle verlangen. Das ganze funktioniert nicht nur auf Verbaler ebene sondern auch auf Visueller oder bei der Olfaktorischen Wahrnehmung.

Der Umgang mit der Wollust spiegelt sich nicht selten in der Kunst und Literatur der einzelnen Epochen wieder.

„Ursprung und Wurzel alles Guten ist die Lust des Bauches, denn auch das Weise und
Subtile bezieht sich darauf“
Epikur, griechischer Philosoph

Jedoch nicht nur bei den Grichen sondern auch bei den Römern oder anderen Kulturen finden wir zahlreiche belege über den offenen Umgang mit der Lust. Dieses finden wir in den Zahlreichen Fresken, Statuen oder Bildern auf Vasen und Tellern. Dort sind immer wieder Darstellungen von sexuellen Handlungen, eregierten Penissen oder andere phallische Abbildungen. Diese Darstellungen regten nicht zuletzt die Phantasien an und somit auch die Wollust der Betrachter.

Im Mittelalter, nicht zuletzt durch die Kirche, wurde Wollust zunehmend etwas Böses oder Sündiges. Ende des 4 Jahrhunderts wurde es zu einem Laster und im Laufe der folgenden Jahrhunderte zur Hauptsünde erklärt. Häretischen bzw. Andersgläubigen Gruppen wurden meist pauschal Wollust, Sittenlosigkeit und Unmoralischer Lebenswandel unterstellt. Später auch ein üblicher Anklagepunkt der Inquisition bei Ketzer und vermeintlichen Hexen.

Da insbesondere die Wollust als Sünde uns noch bis Heute beschäftigt, sei an der Stelle mal genauer darauf eingegangen.

Nimmt man es genau und so gibt es im eigentlichen sinne keine „7 Todsünden“. Die Kirche spricht von 7 Hauptsünden oder Hauptlaster. Die immer mal wieder geändert wurden und auch aktuell wieder zur Debatte stehen. Geächtet waren im Prinzip auch nicht die Wollust selber sondern die folgen der Wollust. Die Inquisition unterstellte Wollust und hatte damit gleichzeitig das Motiv für eine Teufelsbuhlschaft oder die Teilnahme einer Orgie bei einem Hexensabbat. Und der Pöbel glaubt einer Unterstellung eher, wenn ein Motiv vorliegt - so ist es auch bis heute.

Schaut man sich die Entstehung der Hauptsünden an, so ist es relativ ob es überhaupt Sünden sind. Ursprünglich schuf Euagrios Pontikos gegen ende des 4 Jahrhunderts die acht negativen Eigenschaften von denen die Mönchen heimgesucht werden konnten. Schaut man sich so mal das leben im Kloster an, dann sind Wollust und Enthaltsamkeit in der Tat recht entgegengesetzt.

Doch leider übernahm der Klerus diese Richtlinie bzw. Laster und nannte sie in Hauptsünden um oder auch wie manchmal formuliert Wurzelsünden. Da nicht die Wollust selbst unbedingt eine Sünde ist sondern das was wir im Stande sind zu tun.

Ich denke manches mal hat die Kirche dieses getan um ihre Anhänger teilweise zu schützen. Man sieht diverse Verbote in verschiedenen Religionen die logisch keinen Sinn ergeben, jedoch im Zusammenhang mit der Region und der Zeit eher eine Prävention waren. Im Mittelalter sah es mit Verhütung nicht so gut aus. Da waren die Krankheiten wie z.B. Syphilis welche übertragen werde konnten. Auch muss man bedenken das Geschlechtsverkehr nur der Lust halber die folgen einer Schwangerschaft mit sich tragen konnten. Letzteres war gerade für die Armen Leute verheerend da noch mehr hungrige Münder zu stopfen waren. Und Hungersnöte waren waren zu der Zeit keine Seltenheit. So machte man aus der Not und Enthaltsamkeit eine Tugend und aus der Lust eine Sünde. Selbst die Freizügigsten hier im Forum würden ebenfalls wohl weniger an einer Orgie teilnehmen bei der weder Verhütet noch entsprechende Test oder Kondome vorhanden sind. Doch ungefähr so kann man sich die Umstände früher vorstellen, nur das wir heute aufgeklärter sind.

Ich könnte mir gut vorstellen das einige Kirchliche gelehrte die Wollust als kritisch ansahen, da sie nach verschiedenen Theorien bzw. Aberglauben jemanden opferbereit für die Lilith, Incubi oder Succubi und ähnliche Dämonen machte. Diese Ansicht dürfte jedoch nur dem dem Flügel geteilt werden welche sich zugleich mit der Dämnologie beschäftigt haben. Im Bereich der Magie (egal ob Schwarz oder Weiß) wird ebenfalls von manchen Magiern Enthaltsamkeit gelehrt um höhere Magische Energie zu haben.

Ich will jedoch darauf hinweise das die Theorien über die Gründe in den letzten zwei Absätzen von mir persönlich sind. Sie haben keine wissenschaftliche Basis sondern basieren auf verschiedenen Quellen und meinen persönlichen Interpretation.

Die Einstellung zur Wollust seitens der Kirche und als Hauptsünde, bzw. fälschliche Interpretation als Todsünde, hat in jedem Fall noch bis Heute tief greifende Einflüsse auf unser Denken.

Die Einstellung zur Wollust änderte sich erst wieder in der Renaissance und dem Zeitalter der Aufklärung. Zunächst über das philosophische Interesse und der Theorie das es ein unweigerliches Grundbedürfnis ist. Die Wiederkehr und der offenere Umgang kam zuerst über die Literatur, wie zum Beispiel von 1747 "La Volupte" (Die Wollust) von Julien Offray de LaMettrie oder auch den Werken von de Sade.

Doch im Mittelalter und auch in der Renaissance etablierte sich ein weiterer Widersacher der Wollust. Die Kirchlichen Vorstellungen prägten auch maßgeblich das Moralische empfinden der breiten Gesellschaft. Diese Moralvorstellungen drängten Wollust eher in ein kleines Kämmerchen. Lediglich einige wenige Adlige oder Künstler föhnten offen ihrer Wollust.

Heutzutage ist der Umgang weniger Versteckt auch wenn Moral und die „guten Sitten“ wie es im Gesetz so schön heißt, den offenen Umgang mit der Wollust immer noch in den Schatten drängen. Was im Bezug auf den Jugendenschutz sicherlich auch Sinnvoll ist. Wir finden immer mehr Sex Shops, Porno Kinos, Bordelle und Striplokale, Swinger Clubs, Frivole Pratys, Burlesque Shows und ähnliches welche unsere Wollust stimulieren. Ein Nackter Busen im Fernsehen löst schon lange keine Welle der Empörung aus. Und auch in der Fotografie kann und darf immer mehr gezeigt werden ohne das es gleich als Pornographie gilt. Hierzu braucht man nur mal den Playboy von vor 10 Jahren sich ansehen wo man vergeblich Schamlippen suchen wird.

Im Privaten Bereich haben immer mehr einen Porno in der Schublade, Sexy Wäsche im Schrank oder intime Bilder vom Partner auf dem PC oder in der Schublade welche nicht zuletzt der Wollust Nahrung geben und ihr Akzeptanz huldigen.

Doch auch die Kirche hat ihren Ton selber gemäßigt und sogar Papst Benedikt der XVI, räumte ein das die Lust auf Sex innerhalb der Ehe ein normales Bedürfnis ist.

Die Gesellschaft duldet heute Wollust meist mit den Beiworten „jeder soll nach seiner Passion glücklich werden“ oder „solange es andere nicht stört“. Diverse Moralisten geraten zwar immer noch ins Schimpfen wenn ihnen Wollüstige Gedanken zugetragen werden die sich um Analverkehr, Natursekt, Fisting und Gruppensex handeln. Doch im Grund findet sich die Gesellschaft gerade damit ab, das es so etwas gibt. Meist handelt es sich dabei auch um anerzogene Abneigungen. Ich denke dieses wird sich in den nächsten Jahrzehnten ebenfalls ändern.

Für mich ist es jedenfalls eines meiner Lieblingslaster oder Sünden *zwinker* Die ich weiterhin auch gerne mit einer Partnerin, wenn es sich ergibt, teile.

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