Die Narbe

Dies ist die Geschichte einer jungen Frau, deren Leben sich von einer Sekunde auf die Andere drastisch verändert hat!

Es war ein Tag wie jeder andere.
Er begann mit Sonnenschein und Kinderlachen.
Nie hätte sie gedacht das dieser Tag zum schlimmsten Tag ihres bisherigen Lebens werden würde.
Aber er wurde es. In einer Situation wie schon hunderte Male zuvor, passierte das Unglück.
Niemand konnte damit rechnen und sie war ganz alleine.
Doch es kam Hilfe. Es dauerte lange, aber es kam Hilfe.

Im Krankenhaus dann die Diagnose: Gott sei dank nichts Schlimmes passiert, nur eine Rippe gebrochen, sah alles weitaus schlimmer aus, als es ist.
Doch dann, ein paar Stunden später, der siebste Sinn eines Arztes veranlasste ihn zu einer erneuten Untersuchung.

Blut im Bauch - Panik - Hektik - Not-OP.

Man sagte ihr man würde nur einen kleinen Schnitt von 10cm unterhalb des Bauchnabels machen um die Blutung zu finden und zu stoppen.
Was hatte sie für eine Wahl?
Ausserdem ist so eine winzige Narbe ja auch Nichts im Vergleich zum Tod.

Als sie morgens aus der Narkose aufwachte, traute sie ihren Augen nicht.
Ein Pflaster, das unter dem Bauchnabel begann und bis zwischen ihre Brüste reichte, "zierte" ihren gesamten Oberkörper.
Unsicherheit, Angst, Panik und Wut machten sich in ihr breit und liessen ihr die Tränen in die Augen steigen.
Was war passiert?
Man hatte ihr Leben gerettet, aber zu welchem Preis?
Sie wollte nicht wahr haben was passiert war.

Verdrängung ist eine gute Taktik, aber nur so lange, bis einen das Geschehene wieder einholt.
Zu Hause wurden alle Spiegel verhängt. Der Kleiderschrank wurde ausgemistet und alles, was auch nur einen winzigen Blick auf diese "Grausamkeit" freigegeben hätte, wurde entsorgt.
Ihr Mann durfte sie im hellen nicht mehr nackt sehen und das Badezimmer wurde abgeschlossen, wenn sie sich darin aufhielt.

Sie hatte die Hoffnung es würde besser. Sie glaubte wenn die Narbe und die seelischen Wunden verheilt waren, würde sie wieder ein normales Leben führen können.
Aber da irrte sie sich!
Die Narbe verheilte nicht ordentlich und es bildete sich ein Narbentumor (Keloid). Die Narbe sieht sehr unschön aus und ist immer noch schmerzempfindlich, auch nach so langer Zeit.
Bis heute sind die seelischen Wunden nicht verheilt.

Sie versucht ihr Leben so normal wie möglich zu leben, alleine schon für ihren Mann und ihre Kinder. Aber den Schmerz ihrer Seele, den kann ihr niemand nehmen.

Sie versucht das Beste aus der Situation zu machen. Mit dem Hobby als Model vor der Kamera zu stehen überspielt sie ihre Verzweiflung selbstbewußt.

Aber es gibt Tage, da holt sie alles wieder ein. Dann fließen Tränen. Tränen der Wut, der Trauer, der Enttäuschung. Tränen die beweisen, das man so etwas nie ganz hinter sich lassen kann, wenn man jeden Tag vor dem Spiegel daran erinnert wird.

Trotzdem möchte sie anderen Mut machen! Mut sich nicht zu verstecken!
So etwas verändert einen Menschen, aber macht ihn nicht zu einem schlechteren als andere!

01021
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