Von meiner Warte ausMeine TourIn meinem Leben blättere ich nach vorn, denn ich geh nicht gern retour, dabei nehm ich mich aufs Korn: Richter sucht nach einer Schnur. Diese Richtschnur heißt: Prozesse! Was steht vor mir? – Ausprobieren? Treibt die Zukunft gern Exzesse? Gedächtnis hilft mir kaum studieren! Was bevorsteht: Tausend Seiten? Leere Blätter füll’n das Buch, Gedankenspiele auszubreiten: Ketzerzweifel? – Lust? – und Fluch? Schreib ich mit an meiner Runde, die das Licht mich gehen läßt? Ist mein Weg nur eine Wunde: Bin ich in den Sand gepreßt? Doch ich denk, ich möchte blättern und ich drehe an der Uhr, steige in die Welt auf Brettern und ich spiele: Meine Tour! * Prinzipien Daß wir unter wilden Tieren leben habe ich schon gehört. Brauchen wir Leithammel oder Vorbilder? Was muß ich tun um mündig zu werden? Arbeiten, etwas anhäufen, dienen, oder ( mit- ) denken? Vielleicht brauche ich nur der Stärkere zu sein, der Gerissenere in zwischenmenschlichen Beziehungen. Oder sind das bereits wieder Gedanken, die eines kultivierten Menschen nicht würdig sind und bestenfalls der Wildnis entspringen können? Aber die Lösung habe ich ja längst gefunden: Ich warte bis ich älter werde, dann tritt die Reife von selber ein – Menschlichkeit und Geist. * Auf der Stelle ( Ein Selbstgespräch ) Von der Stelle dieser Schwelle kommt ein süßer Aasgeruch, doch bevor ich mich jetzt quäle höre ich den Richterspruch: Wehe, wehe, ungelogen, machst du deine Ängste fett, holst dich nachts aus deinem Bett, hast dich in der Zeit verflogen – bist du nur noch auf der Welt um den Körper zu bewegen, aufzusteh’n, dich hinzulegen? Ist der rechte Weg verfehlt, armer Esel, der du bist? Du hast die Jahre nicht gezählt! Und was man dir hier gewährte war dir meistens viel zu trist. In dem Raum, der sich dir klärte sahst du immer eine Chance – großes Kind in tiefer Trance. Du bist eben dumm gewesen und du bist es leider noch. Zwischen Lebenszeilen lesen und daraus noch etwas lernen? Kleiner Geist, der Lunte roch, willst du dich jetzt leis’ entfernen, dich ganz sacht von dannen stehlen, daß nichts mehr mit dir geschieht? Ja, du möchtest einfach fehlen und beachtest nicht: Wer flieht kann auch nichts für sich gewinnen! Möchtest du denn jemand sein? Dann erzeuge einen Schein! Doch du bist dir niemals recht, siehst du dich, dann wird dir schlecht – auch die andern sind dir schal, können selten Freude wecken: Tageszeit als Stundenqual? Soll dahinter etwas stecken? Du wirkst sichtlich mitgenommen, willst nichts mehr so recht begreifen, kannst du nicht mehr weiterreifen? Scheinst dir selber leicht verschwommen, magst dir wenig Achtung schenken, siehst dein Bild dir fremd geworden und der Tanz zu den Akkorden den die Grauen Zellen denken läßt dich weiße Fahnen schwenken. Möchtest du denn anders handeln? Ja! Wenn ich nur wüßte wie? Du verstehst es nie! Mußt du nichts als kindisch sandeln? Treibt es dich denn außer Landes? Fürchtest du dich in der Stadt? Du bist weitab des Verbandes, der dich längst verlassen hat – trotzdem bist du jemand treu: Du brauchst deinen Heimatboden, unabhängig aller Moden, unabhängig aller Scheu! Hier bist du nun mal geboren ( und das ist dir eine Last? ), bist in Raum und Zeit verloren, ganz egal, ob dir das paßt! Und ein Mensch, der etwas will – der seine Umwelt kritisiert – wendet sich nicht einfach still, weil er gänzlich angeschmiert. Was soll dein Entschluß bedeuten? Willst du Totenglocken läuten? Schlangenhaft im Grau verschlissen trabst du mitten durch den Dunst, bist bisweilen auch gerissen und berauschst dich an der Gunst, du läßt diese Meute walten, du bist leidlich tolerant – siehst dich selbst als relevant – doch mitunter Schreckgestalten, die dich weithin überragen ( große Mäuler im Gesicht ). Bist du eigentlich noch dicht? Mit scharfen Waffen um sich schlagen und mit brachialen Beilen rigoros die Torte Teilen, die dir auch ganz gut gefiel, kannst du gar nicht recht vertragen. Solltest du an Listen feilen, damit deine Wunden heilen? – Oder bleibst du einfach kühl? Tu, was immer auch vonnöten, was dir wahr und gut erscheint - was dir Glück und Zufall böten und bedenk’ wie es gemeint: Wenn du dich einfach hier einreihst bist du lediglich ein Teilchen – Kameradenschwein am Seilchen – dem du kein Gewicht verleihst. Sei dir selber eine Stütze! Wozu bist du wirklich nütze? Findest du dein Seelenheil in dem allgemeinen Schlamm? Scher dich über einen Kamm mit den andern Artgenossen und du findest dich erschossen! Denn wer kann schiebt seinen Keil zwischen dich und dein Revier, zieht dir kuriose Grenzen. Doch du siehst dich nicht als Tier, glaubst dich „würdig“ und „erhaben“, willst dein Wissen stets ergänzen – machst dich schwindlig, wo es geht – und wenn sich dann alles dreht suchst du hilflos nach dem Halt, der dir Trost und Hoffnung gibt in der weiblichen Gestalt, die dich munter vorwärts schiebt. Richtung Ende, Richtung Schluß – Liebe, Kunst- und Musenkuß: Reicher Inhalt, tausend Bände, eingegraben ins Gesicht, eingefurcht ins Handgelände – einer Seele Außenschicht – retten dich nicht vor der Zeit, nicht vor dem, was in ihr steht, nicht davor, daß sie vergeht. Doch sie sind Gelegenheit Filme flackernd abzuspulen. Und darin erkennst du dich, siehst dich melancholisch, buhlen, zweiflerisch und streng an sich. Deine Augen aufgeschlagen mußt du dir doch ehrlich sagen: Ich bestehe wirklich gern! Wohin geht mit mir mein Stern? - Solche Tiefen auszuspüren, auf den Stellen, vieler Schwellen, lasse ich mich oft verführen. * Das Rauschen der Zeit Ein sanft beengter Horizont zeichnet mir in gedämpften Farben auf, wie spärlich die Fluchtwege geworden sind, die ich zu beschreiten gedachte. Die Fransen am Ende des Teppichs der Jahre stehen vor meinen Fußspitzen und rufen nach den verblaßten Bildern, die mich einmal umgaben und Mauern aus fester Phantasie bildeten, um mir damit eine Heimat zu geben, auf der ich stehen konnte. Das Rauschen der Zeit öffnet versponnene Tore zu Welten, deren Fesseln, ganz leicht um meine Gedanken geschlungen, verwelken. * Gute Absichten ( An alle Erziehungsberechtigten ) Daß ihr es gut meint ist doch klar. Ihr seid so furchbar nett zu mir, wenn ihr mir sagt, ich sei ein Narr – und daß ich den Verstand verlier’. Ihr plant und sorgt euch so darum, daß aus mir etwas „Rechtes“ wird. Ihr ärgert euch mit mir herum. Dadurch bin ich ganz süß verwirrt. Für eure Einsicht zugeschneidert, bin ich wohl der richtige Mann, der selbst an dem Problem nicht scheitert, daß er auch selber etwas kann. Die beste Absicht ist die eure, das geb’ ich unumwunden zu, doch hört mich an, wenn ich beteu’re, daß ich gern etwas eigenes tu. Habt ihr einmal daran gedacht Wie viele Welten es hier gibt, wo eine über and’re lacht und sie ganz leicht beiseite schiebt? Seid ihr euch wirklich immer einig, selbst wenn ich nicht zugegen bin? Der Weg der Einigkeit ist steinig – ein Wald aus Toleranz wär’ grün! * Für wen lebe ich? Früh am Morgen lebe ich für den Wecker, bis er mich aus dem Bett befördert hat. Dann lebe ich kurz für meinen Körper, indem ich frühstücke. Vormittags und Nachmittags lebe ich für meinen jeweiligen Arbeitgeber, der meine Arbeitskraft nimmt, um sie an den Staat weiterzureichen. Am Spätnachmittag lebe ich für den Bäcker, den Metzger, den Supermarktbesitzer, für Leute, die etwas verkaufen, das ich zu benötigen glaube. Wenn die Dunkelheit hereinbricht und ich für meine Gesundheit das Nötige getan habe, versuche ich einmal für mich zu leben. Aber meine Reserven sind aufgebraucht! Zu viele Gesichter haben mich gesehen und mir mit ihren Mündern von ihren Anschauungen erzählt. So lebe ich noch ein Weilchen für die Hersteller von Fernsehern oder ganz einfach für die Vergnügungsindustrie, bevor ich mich zu Bett begebe. Dort lebe ich, ohne es richtig zu wissen. * Räucherspeck und Gänseschwarten Sonne scheint auf meine Nacht, hat mich alt und froh gemacht, läßt mich fühlen was es gibt, macht mich, Liebling, ungeliebt. Blumen sprießen aus den Tischen, Worte aus dem Mund von Fischen, alles zappelt wunderbar, wo noch eben Schatten war. Selbst mein Aug’ beginnt zu glänzen unter bunten Pfauenschwänzen, möchte mehr und mehr erleben und bleibt bei sich selber kleben. Wie bekomm’ ich diesen Garten, Räucherspeck und Gänseschwarten? Paßt das noch in mein Gefühl, oder fordere ich zuviel? * Auf einer Schwelle im Garten weidet mein Gewissen, beengt vom Mieder dieser Daseinsfrage und aufgespießt am Garn der Welt. Pure Beschäftigung quillt den steilen Bergpfad des Bewusstseins herauf, in die dröhnend angefüllten Kammern und verdrängt mich in die Wirklichkeit der Sinne. * | ||

