Magische Geschichten

Drachenflug

I

„Blöde Spülmaschine! Wieder kaputt!“
Ich stehe an der Spüle und schrubbe enerviert das verkrustete Geschirr.
„Hätte es ja gestern Abend spülen können!“ Hab ich aber nicht!
Also ist heute Schrubben angesagt.
Gottseidank ist mein Mann ein paar Tage auf Geschäftsreise.
Ach, was ging der mir die letzten Tage auf den Geist!
Die Kinder sind in der Schule und kommen heute beide erst am Nachmittag wieder nach Hause.
So, jetzt erst mal den Spülkram vom Vorabend erledigen, die Wäsche sich in der Waschmaschine sauberturnen lassen und dann ab in die Wanne und ein entspannendes Bad nehmen. Aber erst noch schrubben!

Ach, wenn doch MAL in meinem Leben irgendetwas außergewöhnliches passieren würde!

Die Spüle ist unter dem Fenster, das zum Garten rausgeht.
Während ich langsam den Kampf gegen die Lasagne vom Vorabend gewinne, wandert mein flüchtiger Blick auf die Pfingstrosen im Garten.

Aber: was ist das denn?

Wo mein Blick die Blumen erhaschen sollte, sitzt ein Drache und zwinkert mir zu!
Ein Drache? Ein Drache! Whow, das letzte Glas Wein gestern, das war wohl nicht gut!
Ich konzentriere mich auf die Auflaufform. Alles muss sauber sein! Was macht ein Drache in meinem Blumenbeet?

Blöde Phantastereien!
Ich guck nochmal hin.

Er blinzelt mir zu. Herrgottnochmal! Hab ich zu viel von den Antidepressiva geschluckt?
Nein, nicht gestern!

Da spreizt der Drache seine Klaue! Er scheint mir zuzuwinken! Wo ist die Telefonnummer meines Arztes? Mein Gott, die bringen mich direkt in die geschlossene Abteilung!

Ich schrubbe weiter nichtvorhandene Lasagne von der Auflaufform. Nein, nein, nein, nein, nein! Da sitzt kein Drache in meinem Blumenbeet!
Ein Blick durchs Fenster sagt mir was anderes!

Der Drache hat es sich inzwischen auf den Erdbeeren gemütlich gemacht. Noch immer schaut er zu meinem Küchenfenster hin. Schaut mich wissend an…

Himmel, ich bin total banane!
Aber jetzt geh ich trotzdem durch die Hintertür raus. Ich MUSS erfahren, ob ich krank bin, oder einfach nur gaga! Ich gehe den Gartenweg entlang in Richtung Erdbeerbeet (oder dessen, was davon übrig ist). Puh! Was stinkt es hier! Der Drache räkelt sich mittlerweile nicht nur auf den Erdbeeren sondern hat auch Salat und Kräuterbeet niedergewalzt. Als er meine Schritte hört, wendet er mir seinen Kopf zu und schaut mich verschmitzt an: „Kleiner Flug gefällig?“ fragt er in tiefem aber leicht schnurrendem Ton. Mir bleibt das Wort im Halse stecken. Vielleicht, weil es kein Wort gibt. Es ist alles so unwirklich. Mir zittern die Knie. Da liegt ein Drache in meinen Erdbeeren! Und ich Idiot hab natürlich keinen Fotoapparat!
„Steig auf, Kleines, das hast Du dir doch immer schon gewünscht!“
Ich sehe ihn an und plötzlich weiß ich, dass es nichts anderes gibt, was ich mir sehnlicher gewünscht habe. Zitternd klettere ich auf seinen mächtigen, schuppigen Rücken. Ein Vibrieren geht durch den Drachen, das mich zunächst erschreckt. Doch dann merke ich, dass er lacht. Sein Lachen macht mich glücklich. Macht mich frei. Und er erhebt sich und schwingt sich in die Lüfte, mit mir auf seinem Rücken…


„Ihre Frau wird sich bald wieder erholen. Sie braucht jetzt viel Fürsorge!“
„Wie konnte es denn nur dazu kommen, Herr Doktor?“
„Oh, das ist nicht so ungewöhnlich. Wir haben hier oft Frauen, die Probleme mit der Menopause haben.“

II

Seit meinem Klinikaufenthalt sind mittlerweile einige Wochen vergangen.
Mein Mann und die Kinder waren sehr liebevoll und aufmerksam. Mindestens zwei Wochen lang. Mein Mann versprach sogar, nicht mehr so viele Geschäftsreisen zu unternehmen. Doch! Er meinte es tatsächlich ehrlich, als er es versprach. Aber ich verstehe schon, dass er nicht immer so kann, wie er will. Schließlich sorgt er für unser aller Wohlergehen und ich biete ihm dafür ein schönes Heim, in dem er sich wohl fühlen kann, wenn er wieder nach Hause kommt.

Die Kinder sind viel unterwegs. Sie brauchen ihr eigenes Leben. Da ist eine verrückte Mutter nur ein Klotz am Bein. Ich darf sie nicht mit mir belasten. Muss sie loslassen.

Ab und zu ertappe ich mich noch dabei, wenn ich aus dem Küchenfenster blicke, dass ich mir vorstelle, wie der Drache dort liegt. Aber ich blinzele diese Hirngespinste dann schnell weg. Nur nicht nachdenken!

Vielleicht sollte ich einen Tantra-Yoga-Bauchtanzkurs belegen. Oder mich mal wieder bei den Weight-Watchers blicken lassen. Oder die Inneneinrichtung unseres Hauses mal wieder überdenken. Ob rote Vorhänge sich im Wohnzimmer gut machen würden? Nein, mein Mann wird das nicht mögen. Er bevorzugt kühle Sachlichkeit. Blau und Stahl und Glas. So, wie er selbst auch ist. Aber im Garten darf ich mich mit bunten Farben austoben. Ja, ich gehe in den Garten. Dort krieg ich auch wieder Luft, dort ist alles ein wenig leichter, wenn die Kletterrose vor lauter Hummeln summt. Dort kann ich sitzen und träumen, ohne mir nutzlos vorzukommen. Heute trau ich mich wieder in den Garten! Ganz bestimmt!

Mein Lieblingsplatz ist die kleine Bank aus Teakholz unter dem Rosenbogen. Jetzt in der Mittagssonne duftet die Rose herrlich. Das Summen und Brummen lullt mich ein wenig ein.
„Da bist du ja wieder. Ich dachte schon, du kommst nicht mehr zu mir.“ Höre ich eine schnurrende tiefe Stimme neben mir sagen. Ich schrecke auf. Nein! Ich nehme doch meine Medikamente und trinke auch kaum noch Alkohol! Weg mit den irren Gedanken!
Ich schüttele den Kopf, will das Bild von mir abschütteln. Doch es gelingt mir nicht. Der Drache ist tatsächlich da. Er sieht irgendwie ganz tief in mich hinein und wirkt ein wenig traurig.
„Lass uns wieder fliegen, Kleines!“ sagt er ganz sanft und beugt seine Schultern.
Ich will weglaufen. Weglaufen vor diesem Bild, das doch nur in meinem Kopf besteht. Weglaufen vor mir und meinen Spinnereien. Doch wie gelähmt sitze ich auf meiner Bank, atme den Duft der Rosen, höre die Insekten, starre auf den Drachen, der wie selbstverständlich in meinem Garten liegt.
„Hab keine Angst, Kleines, bei mir kann dir nichts passieren. Ich werde ganz behutsam sein, diesmal.“
Ich kann meinem Traumbild nicht widerstehen. Langsam und mit zittrigen Knien erhebe ich mich von der Bank. Wie eine alte Frau. Aber das werde ich ja auch bald sein. Ich trete auf den Drachen zu. Er senkt seine Schultern so weit, dass ich hinaufklettern kann. Und kaum dass ich auf ihm sitze, durchströmt mich ein Glücksgefühl, das mit nichts zu vergleichen ist.
„Ja, lass uns fliegen!“ Der Drache lacht sein merkwürdiges, vibrierendes, warmes Lachen und breitet seine Schwingen aus. Mit ein paar wenigen mächtigen Flügelschlägen schwingt er sich in die Luft und mir stockt für einen Moment der Atem.
„Mach deine Augen auf, Kleines!“ Ich gehorche und sehe die schwindelnde Höhe in der wir uns bereits befinden.
„Wohin fliegen wir?“
„Brauchen wir ein Ziel, Kleines?“
Nein, eigentlich brauchen wir das nicht. Eigentlich will ich einfach nur mit ihm fliegen und dieses atemberaubende Glücksgefühl genießen. Ziele sind etwas für die Welt da unten, deren Leere mit irgendwas angefüllt sein will. Hier oben mit dem Drachen brauche ich das nicht. Hier will ich einfach nur sein. Hier fühle ich mich jung und alt zugleich. Übermütig und doch wissend.

Nach einer Weile, ich habe inzwischen jedes Zeitgefühl verloren, fliegt der Drache einen Bogen und verliert allmählich an Höhe. Ganz sanft landet er wieder in meinem Garten, diesmal ohne meine Blumenbeete zu verwüsten. Ein wenig traurig klettere ich von seinem warmen Rücken und streiche dabei noch einmal über seine schuppige Haut.
„Werden wir wieder fliegen?“
„Wenn deine Seele mich braucht, werde ich wieder hier sein, Kleines!“

Und ich weiß, er wird sein Versprechen halten.

(c) Rhabia

Drachenlied

Es war vollbracht.
Ich begrub meine Lieben nach der Tradition meiner Ahninnen. Jeder der drei Leichen gab ich, zum Schutz vor bösen Geistern, ein paar Holunderzweige mit ins Grab und nachdem mein Mann und meine Kinder mit Erde bedeckt ihre letzte Ruhe gefunden hatten, pflanzte ich zum Zeichen unserer Liebe drei Rosen von verschiedenen Farben auf ihr Grab. Drei Tage und drei Nächte verbrachte ich an dieser Stätte, um ihren Seelen das letzte Geleit zu geben und als der vierte Morgen anbrach blieb mir nichts weiter zu tun, als mein schmales Bündel zu schnüren - denn nach dem großen Brand war mir auch an irdischem Hab und Gut fast nichts geblieben - und Abschied zu nehmen von diesem Platz, der mir einst Heim und Glück bedeutet hatte.

Ein Ziel hatte ich nicht. Alles, was ich wusste war, dass ich hier nicht länger bleiben konnte, denn jeder Hügel, jeder Strauch, und jeder kleine Bach erinnerte mich an mein vergangenes Glück. Die Trauer fraß sich immer tiefer in mein Herz und machte alles um mich herum stumpf und grau. Und so fing ich an zu gehen. Immer gerade dorthin, wohin mich meine Füße eben trugen. Ich aß, was ich an Beeren und Kräutern fand, schlief mal unter Bäumen, mal auf einem Hof, wo ich für Arbeit ein wenig Brot und Käse erhielt. Die Menschen, die ich traf, waren meist freundlich zu mir, respektierten, dass ich nicht mit ihnen sprach, und atmeten auf, wenn ich sie bald wieder verließ, denn in meiner großen Trauer war ich ihnen wohl ein wenig unheimlich.

Mein Weg führte mich in immer unwirtlicheres, bergiges Gelände. Meinen Durst stillte ich an kleinen Quellen oder lustig dahinplätschernden Bächen. Doch fand ich immer weniger Nahrung. Einen Hof hatte ich schon lange nirgends mehr gesehen.

Eines Abends zog ein Gewitter auf. Mit einem Mal war es fast Nacht und in der Dunkelheit suchte ich Schutz unter einem Felsvorsprung. Völlig durchnässt und mit klappernden Zähnen zog ich mich weiter zurück, um dem Regen zu entgehen, der erbarmungslos, wie Hagelschlag an die Felswand trommelte. Blind in der Dunkelheit tastete ich mich an den Felsen entlang. Ein Spalt tat sich vor mir auf und ich kroch auf Händen und Knien immer tiefer in den Berg.
Von Hunger, Kälte und Überanstrengung geschwächt trieb mich nur der Überlebenswille voran, bis ich irgendwann einfach liegen blieb.

Es mussten einige Stunden vergangen sein, bis ich erwachte. Zunächst wusste ich nicht, wo ich mich befand, denn Dunkelheit umgab mich. Mit einem Mal drang das rote Licht der aufgehenden Sonne durch den Felsspalt, durch den ich in der Nacht gekrochen war und zeigte mir eine Höhle. Und einen Drachen, der mich irgendwie merkwürdig musterte. Der Drache hatte goldene Schuppen, die im Morgenrot schimmerten, wie Blut. Er war riesig. Jedenfalls der Teil des Drachens, den ich von meinem Blickwinkel aus, nämlich zwischen seinen Vorderbeinen, sehen konnte. Der Drache blickte mich an, mit Augen, die aussahen, wie Opale. Alle Farben der Welt schimmerten in ihnen mit einer sanften Glut. Und mit einem Mal war ich erfüllt von einer melodischen Stimme: „Eigentlich würde ich dich jetzt einfach auffressen, denn du bist hier eingedrungen, in mein Reich. Aber irgendetwas ist anders an dir.
Du hast keine Angst vor mir.“
Und er fixierte mich mit einem langen Blick. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging, bis er wieder zu sprechen anfing.
„Du bist so voller Trauer, dass in dir für kein anderes Gefühl mehr ein Platz ist. Nicht einmal für die Angst vor Drachen. Das ist bemerkenswert. Aber es rührt mich auch an. So will ich dich am Leben lassen, wenn du mir deine Geschichte erzählst.“

Und so erzählte ich dem Drachen mit krächzender Stimme, da ich ja seit meine Lieben von mir gegangen waren, nicht mehr gesprochen hatte. Die Geschichte von mir und von Raimund, meinem Gatten. Von unserem Leben miteinander, von unserer Liebe zueinander und von Birger, unserem Erstgeborenen und Brit, unserem kleinen Sonnenschein.
Und ich erzählte Philo, so hieß der Drache - wie ich später erfuhr -, von dem Brand, dem unser Haus, mein geliebter Gatte, mein Sohn und meine Tochter zum Opfer gefallen waren. Und ich konnte nichts fühlen, als Trauer und Verlust. Eine Leere, die mit nichts mehr wieder anzufüllen wäre.

Da erhob sich mit einem Mal ein Rauschen, ein Summen, ein Dröhnen, dass ich die Hände auf die Ohren pressen musste. Und als ich zu Philo aufsah, erkannte ich, dass er den Kopf erhoben hatte und begonnen hatte, zu singen.

Sein Lied hatte keine Worte. Jedenfalls keine Worte, die ich hätte verstehen können. Aber ich hörte die Winterstürme, das Tirili der Lärchen auf dem Felde, das Dröhnen der Gletscher, wenn sie ins Meer brechen, das Fiepen der Mäuse, wenn sie nach ihren Jungen rufen, das Hauchen liebender Menschen, wenn sie sich vereinigen, das Knacken der Bäume, wenn die Säfte im Frühling in ihnen aufsteigen, das Brechen der Felsen, wenn der eisige Winter in sie dringt, das Singen der Wale, wenn sie sich rufen. Und ich hörte alle Lieder dieser Welt in seinem Gesang. So gefangen war ich in diesem Lied, dass ich sogar meinen Schmerz und meine Trauer vergaß und endlich, endlich bahnten sich Tränen des Glücks ihren Weg über meine Wangen.

Als Philo sein Lied beendet hatte, fühlte ich mich noch eine Weile in das Glücksgefühl eingehüllt, wie in eine warme Decke. Doch nach und nach verließ es mich wieder und die tiefe Traurigkeit, die mich gefangen hielt, seit meine Familie, seit mein Sinn den Lebens gestorben war, kehrte zurück und ließ alle anderen Gefühle verblassen, bis sie fast zur Gänze verschwunden waren.

Philo sah mich mit einem merkwürdigen, melancholischen Blick sehr lange an. Seine Opalaugen schimmerten dunkel und er sagte:
„Ich kann dir vielleicht helfen. Aber das werde ich nur tun, wenn du auch mir hilfst.“
In seinem Blick konnte ich nichts von der List und Tücke erkennen, die man Drachen gemeinhin nachsagt und so nickte ich nur stumm.

„Wir Drachen bekommen unsere Jungen nicht lebend, wie die Menschen. Wir legen Eier. Alle hundert Jahre nur ein einziges Ei.
Da die Menschen uns nicht wirklich kennen, fürchten sie uns und trachten uns nach dem Leben. Also verstecken wir unsere Eier tief im Inneren der Berge, damit sie nicht gefunden werden.
Auch ich brachte mein Ei in den tiefsten Winkel meiner Höhle. Jedoch zu meinem Entsetzen tat sich eine Spalte auf und das Ei rutschte hinunter in den Schlund der Erde. Und ich kann nicht hinunter, um es zurückzuholen, denn ich bin zu groß. Bald ist die Zeit des Schlüpfens gekommen und wenn mein Junges dann nicht an meiner Seite ist, wird es dort unten elendig verderben.
Mir scheint, die große Spinnerin hat dich zu mir geführt und unser beider Schicksal miteinander verwoben. Denn du bist klein genug, um durch den Spalt zu kriechen und mir mein Ei zurückzubringen. Bring mir mein Ei zurück und ich werde dir helfen!“

Die Worte des Drachens hatten mich tief berührt, konnte ich ja die Trauer um seinen Verlust nur zu gut verstehen. Und so ließ ich mich auf den Handel ein.

Philo gab mir einen strahlenden Kristall mit auf meinen Weg in den Bauch der Erde, der mir leuchten sollte. Viele Stunden brauchte ich, um den langen, steil abfallenden Erdspalt hinunter zu kriechen. Und immer wieder machte sich Hoffnungslosigkeit in mir breit, denn mir schien, ich würde das Drachenei niemals finden.

Als mich schon beinah der Mut verließ, weitete sich der Spalt zu einer Höhle, die so hoch war, dass ich die Decke nicht einmal erahnen konnte. In der Mitte der Höhle wuchs ein mächtiger Baum, von dem nur der Stamm zu sehen war. Alles andere verschwand in der Dunkelheit, die auch von meinem Kristall nicht erleuchtet werden konnte. Am Fuße des Baums war ein mit Stein umfasster Brunnen zu sehen. In der Hoffnung, meinen inzwischen brennenden Durst löschen zu können, lief ich zu dem Brunnen und schaute hinein. Aber er war leer. Da hörte ich hinter mir die Stimme einer Frau, die ich beim Eintreten in die Höhle nicht bemerkt hatte. „Du wirst hier deinen Durst nicht löschen können, mein Kind. Die Quelle dieses Brunnens ist versiegt.“ Verzweifelt brach ich am Brunnenrand zusammen und weinte bittere Tränen der Trauer um meine Familie, um den Drachen, und um mich. Mit einem Mal spürte ich eine Hand auf meiner Schulter, die mich zu sich umdrehte. Ich erblickte eine alte Frau, die irgendwie auch jung war. Ein warmes Lächeln lag in ihren braunen, wissenden Augen und sie zog mich sanft in ihre Arme. Die Umarmung war fest und warm und zärtlich und fühlte sich an, wie im Schoß einer liebenden Mutter geborgen zu sein. Die Frau führte mich an die dicken, knorrigen Wurzeln des Baumes, wo sie mich ins weiche Moos bettete und ich fiel in einen erschöpften, tiefen Schlaf.

Als ich erwachte und die Augen öffnete, fühlte ich mich erfrischt und munter und sah neben mir die Alte sitzen und spinnen. Sie summte ein leises Lied, das wie ein von sanftem Abendwind getragenes Wiegenlied klang. Sie bemerkte meine Bewegung, schaute zu mir herüber und sprach mich an.

„Fürchte dich nicht, mein Kind. Ich bin Jörd, die Hüterin des Baumes und der Quelle. Hier in meinem Reich kann dir kein Leid geschehen. Aber sieh, was während deines Schlafes geschah!“ Sie winkte mir, ihr zu folgen und ich erhob mich und trat mit ihr an den Rand des Brunnens. „Deine Tränen, die du geweint hast, haben die Quelle des Brunnens wieder belebt. Schau nur hinein!“
Und ich sah auf die spiegelnde Oberfläche des Wassers. Und ich sah in diesem klaren Spiegel meine Kinder und meinen Mann lachend auf Sommerwiesen herumtoben. Sah ihre glücklichen Gesichter.
„Ja, mein Kind, es geht ihnen gut, dort, wo sie jetzt sind. Und sie werden auf dich warten. Aber erst musst du dein Leben leben, bis du wieder mit ihnen vereint sein wirst.“
Ich gab mich dem Bild im Wasser noch eine Weile hin, bis ich mit einem Seufzen davon Abschied nahm und mich zu der Alten umdrehte.
„Jörd, ich habe eine Aufgabe zu vollenden, aber ich weiß nicht, wie ich das schaffen kann!“
Und ich erzählte der Frau von dem Drachen und seinem Jungen, das bald schlüpfen sollte, und dass ich das Ei nicht finden könne und auch nicht wisse, wie ich den steilen Weg zurück bewältigen solle.
„Du hast den Brunnen gefüllt, so dass ich den Weltenbaum wieder gießen kann. Also will ich dir gerne helfen. Schließe deine Augen!“
Und sie schloss mich erneut in ihre warme, vertraute Umarmung.
Als ich meine Augen wieder öffnete musste ich blinzeln, denn ein Schwindel hatte mich erfasst. Ein wenig verwirrt blickte ich um mich herum und erkannte, dass mich die Alte in Philos Höhle zurückgetragen hatte.

Der Drache lag vor mir, und seine Opalaugen glommen ein einer Farbe wie Freudenfeuer.
„Ich danke dir! Du hast mir mein Junges wieder gebracht. Und nun sollst du auch den versprochenen Lohn haben.“ Und seine Stimme klang dabei wie tausend Glöckchen.
Er holte eine Harfe hervor, die er mir in die Hände gab. Erstaunt betrachtete ich das schlichte, unverzierte, aus Eschenholz geschnitzte Instrument. Doch als meine Finger die Saiten berührten, packte mich ein unendliches Verlangen, zu spielen und zu singen.

Ich sang von Jörd, von dem Drachen, von Kinderlachen und Sommerwiesen. Und ich wurde getragen vom Klang der Harfe und von einem nie erlebten Gefühl der Zufriedenheit und des Einklangs mit mir selbst, das sich in mir und um mich herum ausbreitete, wie eine warme, violette Wolke.
Während ich, versunken in mich selbst, sang und spielte, schlüpfte der junge Drache aus seinem Ei. Er war smaragdgrün und die Augen leuchteten wie Saphire. Er lauschte meinem Lied und auch Philo fiel mit einem mal in meinen Gesang ein. So sangen wir gemeinsam das Lied des Lebens und der Neuentstehung, bis der Jungdrache wohlig schnurrend zwischen den Klauen seiner Mutter eingeschlafen war.
„Du hast ihm sein erstes Lied gegeben und deshalb sollst du meinem Kind seinen Namen geben“ sprach Philo zu mir. Eine tiefe Freude darüber erfüllte mich und ich gab dem Jungen den Namen Pandoron.

Endlich kam die Zeit des Abschieds von Philo und Pandoron. Und ich machte mich auf meinen Weg zurück in die Welt der Menschen. Nach vielen Tagen kam ich an das Grab meiner Lieben und sah, dass die Rosenstöcke in voller Blüte standen. Dankbar brach ich von jeder Rose eine Blüte ab, die ich von da an immer auf dem Herzen trug. Und ich ging meinen Weg in die Welt und brachte den Menschen Lieder von Drachen und vom Leben und wohin ich auch kam, hatten die Leute ein Lächeln in den Augen, wenn ich sang.


(c) Rhabia

Die Frau auf dem Zaun

Man nennt mich Brigid. Ich lebe in einem Dorf, welches inmitten einer hügeligen Landschaft aus Wiesen, Feldern und Wäldern liegt. Es ist ein ruhiges und beschauliches Dorf mit ruhigen und besonnenen Bewohnern. Hier lebe ich schon immer, so wie meine Mutter und deren Mutter vor ihr. Die Leute sagen, ich hätte gute Hände. Deshalb kommen sie zu mir, wenn sie krank sind, oder verletzt, oder wenn die Kuh nicht kalben will oder ein Huhn keine Eier mehr legt. Ich helfe ihnen mit dem, was ich von meiner Mutter lernte, so wie sie von ihrer Mutter. Dafür beschenken mich die Leute aus dem Dorf mit dem, was sie entbehren können. Mal ist es ein frisch gebackener, duftender Laib Brot, mal ein paar würzige Würste oder ein paar Eier, manchmal, wenn ein Händler ins Dorf gekommen war, auch ein Stück Tuch für ein neues Kleid.

Es kommen selten Fremde in unser Dorf, da es ja am Rand liegt. Meist erfahre ich davon nur von den Dorfleuten, die es mir bei einem ihrer Besuche erzählen. Doch einmal sah ich einen Fremden, der sich auf dem Weg ins Dorf zu meinem kleinen Häuschen außerhalb verlaufen hatte. Ich erinnere mich noch gut an ihn, denn er war so anders, als die Leute hier. Er war groß. Viel größer sogar als unser Müllersknecht, der hier jeden überragt. Und er hatte weizenblondes Haar, wie es hier niemand hat. Und die Augen. Ich werde sie nie vergessen, denn sie waren hell und klar und strahlend, wie das Wasser eines Gebirgsbaches.

An dem Tag, als der Fremde ins Dorf kam, war Erntefest und auch ich ging zum Tanz. Der Fremde mit den lachenden Augen kam auf mich zu und forderte mich zum Tanz auf. Mich, mit dem mausbraunen Haar und dem schmalen, etwas schiefen Mund! Und er tanzte den ganzen Abend lang nur mit mir. Ich fühlte mich wie auf Wolkenwiesen. Doch leider nahm der Herr Pastor mich zur Seite und sagte mir, es gehöre sich nicht für eine junge Frau ohne Angehörige, mit einem Fremden zu tanzen. Also senkte ich beschämt meinen Blick und machte mich auf den Weg nach Hause, ohne auch nur den Namen des Fremden erfahren zu haben. Danach habe ich ihn nie mehr gesehen.

Ja, unser Dorf liegt am Rand. Deshalb kommen ja so selten Menschen hierher. Der Rand der Welt erschreckt die Menschen. Die Leute im Dorf sprechen nicht über den Rand. Er ist sowieso abgesperrt mit einem Zaun. Der Zaun muss uralt sein, denn er ist mit Efeuranken und Knöterich überwachsen, so dass er als Zaun kaum noch zu erkennen ist. Aber das sieht außer mir niemand, denn die Leute sehen nicht hin. Es ist fast, als gäbe es ihn gar nicht. Man verschweigt ihn und den Rand. Das nimmt wohl den Schrecken davor. Aber wenn ich sicher sein kann, dass mich niemand beobachtet, dann schaue ich verstohlen auf den Zaun. Denn ich gebe zu, ich bin neugierig, was wohl dahinter sein mag. Die Vögel haben wohl keine Angst vor dem Rand, denn sie haben viele Nester in den Zaun gebaut und ihr Zwitschern klingt fröhlich und nicht angsterfüllt.

Seit dem letzten Erntefest sind einige Monate vergangen. Jetzt ist wieder Frühling und eine merkwürdige Sehnsucht hat mich erfasst. Ich muss plötzlich immer wieder an den Fremden mit den hellen Augen denken. Ich weiß, es ziemt sich nicht für eine Frau, an fremde Männer zu denken, doch die Männer aus dem Dorf sind nicht so, dass sie mich auf andere Gedanken bringen würden, als wie ich ihren Husten besänftigen oder die Schmerzen der Gelenke ihrer von der harten Feldarbeit verbrauchten Hände und Schultern lindern kann. Außerdem würde keiner der Männer des Dorfes mich als Braut in Betracht ziehen. Nicht, weil ich nicht hübsch bin. Für die Feldarbeit, die Arbeit auf dem Hof und für’s Kinderkriegen ist es nicht wichtig, ob eine Frau hübsch ist. Aber ich bin den Männern unheimlich. Weil die Frauen zu mir kommen, wenn sie Sorgen haben. Wenn sie sich einen Sohn wünschen, um ihren Mann glücklich zu machen, oder wenn sich schon zu bald ein neues Kind einstellen könnte. Das sind Dinge, über die genauso geschwiegen wird, wie über den Rand und über den Zaun. So ist es Tradition in unserem Dorf. Aber heute, gepaart mit meiner merkwürdigen Sehnsucht, wird die Neugier immer größer. So groß, dass ich sie nicht mehr im Zaum halten kann. Und so mache ich mich auf den Weg zum Zaun. Ich will ihn ja nur kurz aus der Nähe betrachten. Ihn vielleicht einmal kurz anfassen.

Am Zaun angekommen bin ich ein wenig atemlos vor Aufregung. Noch nie habe ich das Tabu gebrochen. Nie habe ich mich gegen die Tradition wirklich aufgelehnt. Doch heute ist irgendwie alles anders.
Der Zaun wirkt wie eine ganz normale, dichte Hecke. Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten, die Schatten sind kühl und lang und die Amseln stimmen bereits ihr Abendlied an. Aber ich fühle keine Schrecken, hier ist nichts, was mich beängstigen könnte. Ich trete näher auf den Zaun zu und mit einem Mal überkommt mich ein großes Verlangen, ihn zu berühren. Meine Hand fühlt das kühle Laub der Blattranken. Aber keine Blitze erschlagen mich, kein Gott schmettert mich nieder. Alles, was ich fühle ist das ledrige Laub des Efeus und ein paar Spinnweben. Enttäuscht wende ich mich ab und mache mich auf den Weg nach Hause.

In dieser Nacht habe ich einen Traum. Ich träume von dem Mann mit dem weizenblonden Haar und den hellen Augen. Aber in meinem Traum lachen seine Augen nicht und sein Haar wirkt nicht mehr wie goldener Weizen, sondern sieht aus, wie altes Stroh. Ich sehe ihn vor mir, wie er sich in Schmerzen windet und ich kann seinen Schmerz fast körperlich fühlen. Menschen halten ihn fest und schlagen ihn mit Stöcken in sein schönes, klares Gesicht. Alles ist dunkel. Die Szene wird nur durch Fackelschein erleuchtet, so dass der Schweiß auf den Gesichtern der aufgebrachten Menschen blutigrot erscheint. Sie schreien und grölen, freuen sich an der Pein ihrer Beute. Der Fremde mit den eisblauen Augen schaut mich unverwandt an, als wolle er um Hilfe flehen.

Am nächsten Morgen erwache ich aus unruhigem Schlaf. Ich fühle mich matt und zerschlagen und die gute Laune, die mich sonst in den Morgenstunden begleitet, will sich nicht einstellen.
Ich beginne mein Tagewerk und gehe in die Wälder um Kräuter zu sammeln. Aber immer wieder halten mich die Bilder meines Traumes auf. Ich kann nicht verhindern, an den Mann zu denken, unter dessen strahlendem Lachen ich beim Tanz dahingeschmolzen wäre, und dessen Qual mir in meinem Traum so viel Leid gebracht hat.

Auf meiner Suche nach Beinwell für die Wunden des Holzfällers führt mir mein Weg, ohne dass ich es bemerke, näher an den Zaun. Als ich bemerke, wie Nahe ich dem Zaun inzwischen gekommen bin, schrecke ich auf. Doch wieder ziehen mich der Rand und der Zaun in ihren Bann, dem ich nicht widerstehen kann. Ich komme dem Zaun näher und näher. Und wieder berühre ich mit der Hand vorsichtig die Blätter, die sich um den Zaun ranken. Aber nichts geschieht…

Ich fasse mir ein Herz und beginne, an den fast armdicken Efeuranken empor zu klettern. Der Aufstieg ist leichter, als von unten geahnt. Mein Herz schlägt mir bis zum Halse und ich muss mehrfach innehalten, um meinen Atem wieder unter Kontrolle halten.

Nach einer geraumen Weile lichtet sich das Dickicht und ich bin oben angelangt.

Was ich sehe, verschlägt mir die Sprache.
Auf der anderen Seite sehe ich Wiesen und Wälder und Felder und ein Dorf.
Menschen gehen ihrem Tagewerk nach.
Menschen, größer, als die Menschen in meinem Dorf,
Sie haben weizenblondes Haar. Und helle Augen. Und keiner sieht auf den Zaun. Alle sind ihm abgewandt.

Die Nacht kommt herein und ich kann mich dem Anblick des Dorfes auf der anderen Seite nicht entziehen. Ich warte noch eine Zeit lang, bis es dunkel ist, dann klettere ich vom Zaun und gehe nach Hause.

In dieser Nacht träume ich wieder einen Traum.
Der Fremde mit dem weizenblonden Haar tritt auf mich zu, nimmt meine Hand und fragt mich, ob er um mich werben dürfe. Aber der Pastor meines Dorfes schlägt mich ins Gesicht und nennt mich ein liederliches Weib, das vom Teufel besessen sei. Und dass ich eine Schande sei, für das ganze Dorf.

Am nächsten Morgen fühle ich mich völlig zerschlagen.
Ich weiß nur, dass ich zum Zaun muss.
Es zieht mich dort hin, an den Rand. An das Ende der Welt.

Es ist noch früh am Morgen. Die Nebel haben sich noch nicht von den Wiesen entfernt. Ich verschließe mein Haus, wandere zum Zaun und klettere hinauf. Ich weiß nicht, was mich treibt, und welcher Teufel mich reitet, aber als ich oben ankomme, springe ich auf die andere Seite, ohne über die Folgen nachzudenken. Ich laufe den kleinen, fast nicht zu erkennenden Pfad entlang, der sich mir zu erkennen gibt und der mich zu dem Dorf auf der anderen Seite führt.

Inmitten des Dorfes, unweit des Brunnens stehen drei Pfeiler im Dreieck, die mit Querbalken verbunden sind. An einem dieser Querbalken ist der Fremde festgebunden. Ich laufe zu ihm hin, sein Gesicht ist grün und blau geschlagen. Er scheint nicht bei Bewusstsein. Aus dem Brunnen schöpfe ich Wasser um seine ausgetrockneten Lippen zu benetzen. Als er die Augen aufschlägt, stammelt er: „Mein Name ist Rasmus und ich habe nach dir gesucht!“ Ich binde ihn los und gemeinsam fliehen wir ins Dickicht des Zauns.

In meinem Dorf nannten sie mich Brigid. Aber ich heiße Hagazussa. Ich bin die Zaunreiterin. Und von meinem Platz auf dem Zaun aus sehe ich beide Welten…


(c) Rhabia

Was hat Weihnachten mit Socken zu tun?

Es war einmal ein Apfelbaum, der war zwar noch jung und recht unerfahren, aber in jenem Jahr, in dem sich die Geschichte zutrug, hatte er zum ersten Mal Früchte an seinen Zweigen wachsen lassen. Rotbackige, knackige, glänzende Äpfel hatte er getragen und er war sehr stolz auf das Ergebnis seiner sommerlangen Arbeit. Er nahm sich vor, seine Äpfel dem Christkind zu schenken, wenn es auf die Erde kommen würde.

Zur Erntezeit kamen die Menschen und pflückten die Äpfel, was den Apfelbaum sehr traurig machte. Viele Apfelbaumtränen rannen, von den Menschen unbemerkt, an seiner Rinde herab.

Als der Herbst kam und die Bäume begannen, ihre Säfte aus den Blättern zurückzuziehen, sagte der Apfelbaum: „Ich werde dieses Jahr mein Laub nicht abwerfen. Wenn ich schon meine Äpfel hergeben muss, so will ich doch wenigstens mein grünes Kleid behalten! Wenn das Christkind kommt, soll es nicht nur tote, kahle Bäume sehen. Es soll uns so sehen, wie wir im Sommer sind!“ Die älteren Bäume schüttelten ihre Laubkronen und warnten ihn, er würde erfrieren, wenn er nicht seine Blätter opfern würde. Aber der Apfelbaum, ein bisschen stur, wie Apfelbäume nun mal sind, hörte nicht auf die anderen. Er wollte dem Christkind doch so gerne eine Freude machen.

Der Herbst ging vorüber und schon standen die Bäume, die Zweige schwarz und kahl in den Himmel gereckt, auf der Wiese. Nur der Apfelbaum hatte noch all seine Blätter.

„Wirf deine Blätter ab, bevor der Frost kommt und es zu spät ist! Die Kälte wird sonst deine Adern sprengen und du wirst erfrieren!“ So warnten ihn die anderen. Aber der Apfelbaum hörte nicht auf sie.

Voller froher Erwartung aufs Chriskind harrte er aus, auch als in der heiligen Nacht der erste große Frost kam. Bitterkalt wurde es und seine Zweige zitterten. Zuerst hatte er große Schmerzen, doch bald schon verlor er das Gefühl in den Blättern. Aber noch immer hielt er stand und wartete. Als die Kälte unerträglich wurde und begann, in seinen Stamm zu strömen, dachte er: „Wenn ich schon sterben muss, so hat das Christkind wenigstens einmal einen grünen Baum gesehen!“

Mit einem Mal öffnete sich das Himmelstor und die Wiese und die Bäume waren wie in goldenes Licht getaucht. Ein Rauschen erfüllte die Luft, wie von Engelsflügeln. Von dem Licht geblendet hatte der Apfelbaum seine Augen geschlossen und als er sie wieder öffnete, stand, mit einem sanften Lächeln im Gesicht das Christkind vor ihm und sprach: „Du hast dein Leben riskiert, um mir eine Freude zu machen. Und so bin ich zu dir gekommen, um auch dir ein Geschenk zu bringen.“ Das Christkind machte eine ausladende Bewegung mit der Hand und ein Glitzern, wie Sternenstaub erfüllte die Luft. Und als der Apfelbaum an sich herabsah, waren alle seine Blätter in bunte, kleine Söckchen gehüllt, damit sie vor dem Frost geschützt waren.

Seit dieser Zeit hängen die Menschen an Weihnachten Socken auf, um Geschenke darin zu finden.


(c) Rhabia 12/2009

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