Unser Leben wird immer hektischer, Stress im Alltag und Beruf verfolgen uns bis in unsere Träume. Nebenbei sollen wir uns gesund ernähren und möglichst viel Sport treiben, um schlank, gesund, schön und sportlich zu bleiben oder zu werden. Kein Wunder, dass wir auf der Suche nach einem Ruhepol und seelischer Ausgeglichenheit sind. Dabei spricht man heute immer mehr von Wellnesssportarten.
Dieses kunterbunte Gemisch von Trainingsmethoden aus aller Welt ist Ausdruck des Wellness- und Gesundheitsbewusstseins, das sich parallel zu einem gesteigerten Körper- und Schönheitsbewusstsein in unserer Gesellschaft entwickelt hat. Grund genug, sich einmal näher mit Yoga, Pilates und Freunden zu beschäftigen und einzutauchen in eine Welt jenseits von Druckern und Hausaufgabenbetreuung.
Yoga – das Frauenphänomen

In Deutschland betreiben etwa drei Millionen Menschen Yoga, und ganze 80% davon sind Frauen. Nicht mal in seinem Ursprungsland Indien ist der Frauenanteil so hoch. Nach Europa kam die Yoga-Methode um 1930 und wird seitdem immer beliebter. In indischen Texten tauchte Yoga, übersetzt "Verbindung", bereits vor 3500 Jahren auf. Yoga besagt, dass der Mensch nur seine "Selbstverwirklichung" erreichen kann, wenn er es schafft, seine Sinne zu bündeln und zu kontrollieren.
Die Methode schließt Körperübungen (Hatha-Yoga) genauso ein, wie Atem- und Entspannungsübungen. Die Bewegungsübungen sollen hierbei nur der Auslöser für die gewünschten im Körper ablaufenden Prozesse sein. Wer sich auf Yoga-Suche begibt, wird dabei auf viele unterschiedliche Richtungen stoßen. Zu den bekanntesten gehören:
- Kundalini-Yoga: beinhaltet nicht nur körperliche Bewegung – hier wird auch meditiert; Heiltechniken, Massagen und eine Kampfkunstart werden gelehrt.
- Astanga-Yoga: ist vor allem als "Power-Yoga" bekannt. Hier werden die Übungen viel dynamischer ausgeführt. Daher ist es besonders für Leute geeignet, die sich ein bisschen auspowern wollen.

Durch das Halten bestimmter Stellungen (Asanas) werden Muskelstärke, Flexibilität und Körperbewusstsein entwickelt, dadurch werden nicht nur die Gliedmaßen aktiviert, sondern auch eine bessere Durchblutung der Organe erreicht und das Immunsystem gestärkt.
Durch die Atemübungen soll wieder Energie aufgebaut werden und der Körper verstärkt mit Sauerstoff versorgt werden – Stress und Ängste können sozusagen "weggeatmet" werden. Durch die Tiefenentspannung am Ende der Yoga-Übung sollen Stresshormone abgebaut werden. Dies bringt soviel Erholung wie eineinhalb Stunden Schlaf.
Tai Chi Chuan- Kampfkunst nach Yin und Yang

Hierbei handelt es sich um ein jahrhundertealtes chinesisches meditatives Bewegungssystem, das die Gesundheit fördern soll. Es eignet sich für alle Menschen, egal welchen Alters oder Fitnesszustandes.
Tai Chi Chuan wird auch als "chinesisches Schattenboxen" bezeichnet und ist eine Kampfkunst, die im Kaiserreich China entwickelt wurde und mittlerweile in den chinesischen Stadtparks als Volkssport betrieben wird. Neben dem Kampfkunstaspekt wird Tai Chi Chuan als allgemeines System der Bewegungslehre bezeichnet, was sowohl der Gesundheit zugute kommt, als auch der Persönlichkeitsentwicklung und Meditation dient.
Im Tai Chi Chuan werden Übungen des Qi Gong (=Arbeit mit der Lebensenergie) verwendet, die langsam, konzentriert und weich fließend ausgeführt werden und so Muskelverspannungen lösen, die Körperhaltung verbessern und Energieströme im Körper anregen und in Balance bringen.

Durch die Bewegungen soll der Mensch lernen, das Qi (=Energie) wahrzunehmen und auch lenken zu können. Für Tai Chi gibt es übrigens keine gültige deutsche Übersetzung, es wird symbolisiert durch das Yin- und Yang-Symbol für das harmonische Wechselspiel der Kräfte Yin und Yang.
Pilates – das "Powerhouse" im Blickpunkt

Das Besondere bei Pilates liegt in der Zentrierung der Kraft auf das so genannte "Powerhouse", damit ist die Muskulatur in der Körpermitte rund um die Wirbelsäule gemeint. Pilates wurde von dem Möchengladbacher Joseph Hubert Pilates entwickelt und wurde zunächst meist von Tänzern, Sportlern und Stars aus der Showbranche ausgeübt.
In den letzten Jahren wurde es jedoch immer mehr zum Wellnesstrend. Die Pilates-Methode ist ein systematisches Körpertraining zur Stärkung der Muskulatur, Verbesserung der Kondition und Bewegungskoordination und damit zu einer Verbesserung der Körperhaltung. Die wichtigsten Elemente bei Pilates sind:
- Vom Geist kontrollierte Ausführung der Bewegungen
- Bewusste Atmung gegen Verspannungen
- Zentrierung auf das Powerhouse
- Bewusste Entspannung gegen Verspannungen mithilfe von Körperspannung
- Fließende Bewegungen ohne längere Unterbrechungen
Liu He Ba Fa – nie gehört? Jetzt schon

Liu He Ba Fa heißt auch "Wasserboxen" und soll der Legende nach von einem hohen chinesischen General erträumt worden sein.
Dieser ist über 900 Jahre alt und versinnbildlicht die drei möglichen Aggregatzustände des Wassers:
- Die schnellen und explosiven Bewegungen stehen für das starre und fest geformte Eis
- Die weichen fließenden Bewegungen stehen für das weiche und fließende ungefrorene Wasser
- Die schnell kreisenden, wirbelnden und schlangenartigen Bewegungen stehen für den flüchtigen, durchsichtigen und nahezu formlosen Wasserdampf
Die Bewegungsformen dieser Kampfkunst sind besonders schön anzusehen und ein Highlight bei Kampfkunstdemos.
Feldenkrais – ohne Anstrengung zum Erfolg
Sie ist eine körperorientierte Lernmethode, die nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais benannt wurde. Zentral hierbei sind die alltäglichen Bewegungsmuster des Menschen. Durch die Methode sollen Möglichkeiten gefunden werden diese angemessen zu verändern. Negative Bewegungsmuster werden zurückgedrängt und neue leichtere Alternativen erlernt.
Bestehen körperliche Beschwerden, können diese bis zu den "schuldigen" Bewegungsmustern zurückverfolgt und gelöst werden. Bewegung ist für Feldenkrais der Ausdruck des Menschen und der Ansatzpunkt, um Verbesserungen zu erreichen, indem die menschliche Fähigkeit zu lernen genutzt wird. Ziel ist, dass diese neuerlernten Bewegungen auch spontan und unbewusst benutzt werden und somit effektiv den Alltag erleichtern.
Und, wie fühlst Du dich? Einfach mal tief ein- und ausatmen und schon sieht die Welt viel besser aus!




