Rotlichtviertel Amsterdam

Weniger Huren und Hasch zugunsten von Boutiquen und Edelrestaurants

Das weltberühmte Rotlichtviertel Amsterdams wird erheblich verkleinert. Mehr als die Hälfte der zurzeit noch knapp 500 berühmt-berüchtigten Huren-Schaufenster sowie der mehr als 80 Haschisch-Kneipen müssen der Modernisierung der so genannten "Walletjes" in der historischen Altstadt weichen. Prostitution und Cannabis-Konsum sollen nicht generell abgeschafft, aber auf einen Kernbereich des heutigen Rotlichtviertels konzentriert werden.

Einige so genannte Hurenfenster
Einige so genannte Hurenfenster

De Walletjes oder auch De Wallen

Die Geschichte des Rotlichtviertels "de Walletjes" ("Kleine Wälle") reicht weit zurück und ist eng mit der Entstehung des Amsterdamer Hafens im 13. Jahrhundert verbunden. Heute gelten "de Walletjes" als einer der ersten Bereiche weltweit, in denen Prostituierte legal arbeiten dürfen und sogar organisiert sind. Gelegen in einem der ältesten Teile Amsterdams bildet "de Walletjes" mit dem "Singelgebied" und der "Ruysdaelkade" die so genannte "Rosse Buurt" ("Rotlichtviertel") der holländischen Hauptstadt.

Besonders bekannt ist in diesem Zusammenhang die "raamprostitutie" (Fensterprostitution), bei der sich Prostituierte kleine Kammern mit einem Schaufenster (Koberfenster) zur Straßenseite hin mieten und sich dort wohlfeil bieten. Mit den Freiern wird dann bei geöffneter Fenstertür der Preis verhandelt und sobald man sich einig wird, zieht die Prostituierte einen Vorhang vor das Fenster und der Freier kann in dem angeschlossenen Raum seine gezahlte Leistung einfordern.

Dabei obliegt es in den Niederlanden den Gemeinden, ob sie für diese Form des Gewerbes eine Genehmigungen erteilen, wurde doch 2000 das Verbot für Bordelle und Zuhälterei aufgehoben und die Prostitution offiziell als Gewerbe anerkannt. Mit dieser Novellierung bestehender Gesetze erhofften sich die niederländischen Behörden eine bessere Kontrolle der Szene. Vor allem wollte man damit aber dem in der Szene grassierenden Menschenhandel und der Zwangsprostitution einen Riegel vorschieben. Doch das Ganze ließ sich bei Weitem nicht so erfolgreich an, wie erhofft. Das Ergebnis:

Die Legalisierung der Prostitution (und des Cannabis-Konsums) lockte Kriminelle an, die in der Szene Geld waschen. Zudem hat der Frauenhandel zu- und nicht abgenommen. Die Sex- und Drogengeschäfte müssten reduziert werden, "weil sonst das kriminelle Umfeld völlig außer Kontrolle gerät", so der Amsterdamer Bürgermeister. Die einzig logische Reaktion:

Rotlichtviertel Amsterdams wird verkleinert

"Heineken, Hasch und Huren" - der heimliche Slogan vieler Amsterdam-Touristen stört die Stadtväter der Grachtenmetropole schon lange. Nun macht Bürgermeister Job Cohen ernst: "de Walletjes" - das wohl berühmteste Rotlicht- und Marihuana-Viertel der Welt - werden einer Schönheitsoperation unterzogen. Die Zahl der Huren-Schaufenster und Cannabis-Cafés, die Besucher aus aller Herren Länder in die Gegend rings um die ehrwürdige Oude Kerk (Alte Kirche) locken, soll innerhalb von zehn Jahren halbiert werden.

Das Herz von Amsterdam

In Zukunft soll weniger Rotlicht die Amsterdamer Altstadt bei Nacht erleuchten.
In Zukunft soll weniger Rotlicht die Amsterdamer Altstadt bei Nacht erleuchten.

Das am Wochenende vorgelegte "Projekt 1012: Das Herz von Amsterdam" - 1012 ist die Postleitzahl des Viertels - löste bei einigen bittere Kommentare aus. "Wem nach einem legalen Quickie ist, der muss sich beeilen", empfiehlt das Stadtmagazin "Time Out Amsterdam" in seiner Weihnachtsausgabe. Bürgermeister Cohen rät zur Gelassenheit: "Auch in zehn Jahren werden Menschen Amsterdam ebenso wegen seiner wundervollen Museen besuchen, wie auch wegen seines Rotlichtviertels. Nur dass dies halt kleiner sein wird", sagte er der dpa.

Am Ende der Altstadtsanierung soll es - konzentriert am Oudezijds Achterburgwal und seinen Seitengassen - immerhin noch 240 der derzeit rund 500 Hurenfenster und 40 der heute noch fast 80 "Coffeeshops" geben, in denen Haschisch und Marihuana konsumiert werden dürfen. Ringsum soll das "Herz Amsterdams" durch eine umfangreiche Modernisierung "zu einem der spannendsten, abwechslungsreichsten und interessantesten" Szene-Viertel Europas werden.

Rund 50 Millionen Euro will die Stadt ausgeben, um Besitzern von malerischen alten Grachtenhäuser, die an Betreiber von Bordellen, Peep- und Porno-Live-Shows sowie an Fenster-Huren vermietet werden, ihre Immobilien abzukaufen. Statt Sex und Cannabis sollen Boutiquen, Edelrestaurants und Kunstgalerien Besucher anlocken.

Hauptziel: Bekämpfung der Kriminalität

Als ein Hauptziel nennt Cohen den Kampf gegen die organisierte Kriminalität. "Der Missbrauch von Frauen und der Handel mit Frauen ist nicht länger hinnehmbar. Wir müssen das Viertel einfach sicherer machen." Dafür - so argumentiert die Polizei - müsse die Zahl der Sex- und Cannabis-Unternehmen verringert werden. Nur dann seien sie noch zu überwachen und nur dann könne verhindert werden, dass Banden auf den Wallen Geld waschen und junge Mädchen zur Prostitution zwingen.

Das Vorhaben stößt nicht nur auf Fürsprecher

Längst nicht alle stimmen dem zu. Mariska Majoor, die einst selbst ihren Lebensunterhalt als Fensterhure verdiente und seit 15 Jahren die Hilfsorganisation Prostitutie Informatie Centrum (PIC) betreibt, wirft den Stadtoberen vor, die "Gentrifizierung" der Wallen zu betreiben. Der Fachbegriff steht für die Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile aus potenziell attraktiven Stadtgebieten, in die dann wohlhabende Mieter und Immobilienkäufer einziehen.

Zwangsprostitution sei auf den "Walletjes" eher selten. Viele Frauen, die sich dort bislang legal als Huren verdingen, würden nun in die Illegalität abdrängt, befürchtet Majoor. "Das wird es noch schwieriger machen, für ihre Rechte zu kämpfen." Ganz einfach dürfte das "Projekt 1012" allerdings auch deshalb nicht durchzusetzen sein, weil manche Hausbesitzer durchaus nicht verkaufen, sondern weiter an Huren und Bordellbetreiber vermieten wollen.

Reaktion der Prostituierten

Die geplante Verkleinerung des Rotlichtviertels wird von den Amsterdamer "Sexarbeiterinnen" als scheinheilig kritisiert. Dass es dabei um die Bekämpfung der Kriminalität gehe, sei unglaubwürdig, erklärte der Interessenverband für Prostituierte "De Rode Draad". "Wenn die freiwillige Prostitution verbannt wird, verschwinden damit nicht Menschenhändler, sondern sie tauchen nur in unsichtbare Bereiche ab." Den Frauen, die zumeist völlig freiwillig in Huren-Schaufenstern in der historischen Amsterdamer Altstadt ihr Geld verdienen, werde damit kein Dienst erwiesen.

Weitere Entwicklungen?

Offene Zukunft?
Offene Zukunft?

Wie es mit "de Walletjes" weitergehen wird, muss sich erst noch zeigen, dass sich nämlich der niederländische Staat nicht immer durchsetzen kann, machte gerade erst der Oberste Gerichtshof der Niederlande deutlich. Er gab dem Betreiber einer Peepshow auf den "Walletjes" Recht, der darauf bestand, statt 19 Prozent Mehrwertsteuer nur den Satz von sechs Prozent für kulturelle Einrichtungen zu bezahlen. Genau wie bei einem Theater - so befand das Gericht - gebe es "bei Peepshows eine Bühne, es wird eine Vorstellung geboten und Menschen zahlen Eintritt".

Das älteste Gewerbe der Welt trägt seinen Namen offenkundig nicht umsonst …

Thomas Burmeister, dpa

Zum Thema Prostitution im Forum

Kommentare

Florice22

Hmmm!


Mein geliebtes Amsterdam!
Die können mit Amsterdam machen was sie möchten. Ich werde immer wieder zurückkommen

Amsterdam ..


@hotcat 70

hee Amsterdam
ze zeggen dat je bent verandert
hee Amsterdam
je kan geen goed meer doen
maar wie dat zegt, die is geen Amsterdammer
want Amsterdam
je bent nog net als toen..


Schöner können wir es fast nicht sagen...genau so ist....Amsterdam ist Amsterdam...de stad die je voelt...ruikt..ademt.. *g*

..."Er is maar één Amsterdam" ...

LG *g*
Dutchcouple

Ich kann ...


newdesire nur absolut recht geben!
Klar ist doch auch, dass es immer Stimmen geben wird, die gegen solche Vorhaben sprechen werden!
Trotzdem glaube ich, dass eine gewisse Kontrolle dieses Viertels (und ich liebe dieses Viertel) nichts am Flair ändern wird. Vielleicht sind die geplanten Maßnahmen am Ende sogar förderlich und tragen dazu bei eine noch spannendere und abwechslungsreichere Atmosphäre zu schaffen!
Ich bin gespannt und werde beim nächsten Besuch meine eigene Erfahrung machen!
Bis bald in Amsterdam ...

Oh Amsterdam


geliebtes amsterdam - lass doch deine kultur am leben - da leben geht auch seit 1978 einsA

Ups,das e vergessen,sorry *ggg*

Nwedesire,mmmh,vielleicht hast Du recht *gruebel* !Wäre klasse!!!!!!

...sniff


da war ich gerade noch rechtzeitig in Amsterdam *g*

Zu klein wirds deswegen nicht


Wenn man sich die Ausdehnung des Rotlichtviertels in Amsterdam mal ansieht denke ich, daß man auch mit der Hälfte davon leben kann, ohne das gewisse Flair vermissen zu müßen.

Es gibt ja jetzt schon einen etwas extremeren Kernbezirk und die Ausläufer, die im Vergleich zum Kern teils etwas abgemildert wirken. Zumindest haben wir das von unserem letzten Besuch so in Erinnerung.

Wenn sich das Geschehen auf den inneren Kern konzentriert so wird dieser also keinesfalls an Reiz verlieren, evtl. wird dort die "Reizdichte" sogar noch größer. Mit Sicherheit jedenfalls werden sich nicht weniger ausgeflippte Menschen dort bewegen, auch ein Punkt, der das ganze sehenswert macht. Und der Markt regelt ja seinerseits auch noch.

Also mal keine Panik, ich denke, Amsterdam bleibt Amsterdam.

ich kann mir nicht vorstellen


dass Amsterdam sich freiwillig ins eigene fleisch schneidet.. die Touristen kommen sicherlich nicht nur wegen der Kultur nach Amsterdam...

dazu fällt mir ein lied aus meine alte heimat ein..

hee Amsterdam
ze zeggen dat je bent verandert
hee Amsterdam
je kan geen goed meer doen
maar wie dat zegt, die is geen Amsterdammer
want Amsterdam
je bent nog net als toen..

Überetzung: he Amsterdam man sagt du hättest dich geändert, he Amsterdam, du kannst nix gutes mehr tun, aber wer das behauptet ist kein Amsterdammer, weil Amsterdam du bis noch genauso wie damals..

Die die das lesen können: meldet euch mal..kenne keine andere Holländer hier in der gegend bzw bei JC

Amsterdam


Ich war erst im August für ein Wochenende dort,und es WAR??? toll,hoffe sehr die werden nicht zuuuu radikal mit den Maßnahmen sein.Ein Funke Hoffnung glüht in mir *traurig*


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