Ca. zwei Quadratmeter und bis zu zehn Kilo schwer hält sie uns im wahrsten Sinne des Wortes zusammen. Sie zittert, bebt, kocht und bildet kleine Hautgänse. Sie wird gecremt, gesonnt, gewaschen, geleckt, gestreichelt, mit Kerzenwachs begossen, gepeitscht und beschnuppert. Herberge individueller Muttermale, Narben und in einer Vielzahl Farben vertreten, ist sie die unausziehbare begehrte Hülle, die uns allen vergönnt ist. Wirft sie in späteren Jahren auch einige Falten, prägen diese doch entscheidend unsere Einzigartigkeit.
Die Rede ist von IHR, der Haut. Am eigenen Partner kennt man jede der oben beschriebenen Merkmale sehr genau und liebt es, sie zu verwöhnen. Aber da gibt es noch die andere. Die fremde Haut. Und dann kommt sie, die Lust. Schleichend leise oder leidenschaftlich wild stellt sie sich ein. Wir haben uns gefragt: Woher kommt die Lust an fremder Haut? Wie entsteht sie? Muss man ihr folgen? Wer tut es wie oft und vor allem: Was sind die Folgen, gibt man ihr nach?
Die meisten unter uns haben sich sicherlich schon einmal gefragt, was für einen Grund es haben kann, dass selbst treuste Gesellen sich in ihrer Phantasie ab und an einmal einen Fremden dazu denken, ihn gedanklich beliebig oft austauschen, oder warum der ein oder andere sich sogar dazu hinreißen lässt, diesen Wunsch nach fremder Haut wahr werden zu lassen.
Was macht fremde Haut so unglaublich reizend? Der Eroberungstrieb? Der andersartige Duft? Das Ego? Die Langeweile im heimischen Bett? Warum gehen Männer und Frauen fremd und beschuldigen das jeweils andere Geschlecht, die schlimmeren Fremdgeher zu sein? Was treibt Paare zum Swingen oder zur Triole?
Die zehn Fragezeichen in den oberen Sätzen lassen tief blicken. Fragen über Fragen. Die Wissenschaft streitet sich und in der Bevölkerung ist es wie im Verein. Auf jedes Mitglied kommen zwei Meinungen. Nämlich die eine, wenn man selbst zum "Opfer" wurde und die andere, wenn man "Täter" wurde. Hier nächtigt die Doppelmoral bei der Lust. Schmiegt sich warm und verschwommen für einige Stunden an ihren mächtigen Busen, um am nächsten Morgen mit dem mehr oder minder schlechten Gewissen einen inneren Dialog zu führen.
Die Bandbreite der Entschuldigungen reuiger Täter reicht vom schlichten: "Ich war besoffen und dachte das warst Du" bis hin zum taktischen: "Du kannst mir nicht mehr geben, was ich brauche." Ist auf der Opferseite ein Partner mit Verlustängsten, wird er auf die flammende "Ich könnte Dich verlassen" -Rede seiner erwischten Liebe mit schnellem Verzeihen reagieren und sich damit sogar in eine noch viel tiefere Opferrolle stellen als gewünscht. Wer dem trunkenen Schützenfesthelden und seiner Verwechslungsstrategie Glauben schenkt, wird sich dann auch als Blondine in jeder Rothaarigen, Brünetten und Schwarzgelockten wieder sehen müssen.
Immer noch liegt das Fremdgehen mächtig und schmerzhaft als häufigster Trennungsgrund auf den Ehen der Neuzeit. Statistiken zeichnen ein trübes Bild. Jeder zweite Mann tut es einmal in einer Beziehung und jede zweite Frau einmal in ihrem Leben. Mindestens. Verlieren will dabei kaum einer seinen Partner. Emotional geleitetes Fremdgehen ist vergleichsweise selten anzutreffen. Die wahren Gründe für das Hörnen des geliebten Menschen sind hingegen so verschieden wie die Menschen selbst. Leidenschaftsfrust, sexuelle Langeweile, Selbstbewusstseinskrisen, mit spanischer Fliege getränkte Schmetterlinge im Bauch, Reiz am Verbotenen, simpler "Druck" auf Geschäftsreisen und so weiter.
Paare, die allerdings mit extremen Beziehungsproblemen kämpfen und sich schon emotional voneinander entfernt haben, haben selten einfach nur einen bedeutungslosen One Night Stand. Sie suchen oftmals mehr die Zuwendung und Nähe, die sie in ihrer Beziehung nicht mehr erfahren.
Anders verhält es sich in den Swingerbeziehungen. Hier sind sich die Partner einig, gemeinsames Verlangen nach fremder Haut gemeinsam zu stillen. Auch die Beweggründe sind andere. Da wird der Wunsch nach Abwechslung, der Kitzel und einfach der fremde Duft zur stillbaren Lust. Das kleine Fremdgehen nennen es einige Szenegänger nicht ohne Grund. Eine Spielart des Sexes ist es unumstritten. Denn hier hat Eifersucht draußen zu bleiben, wie Fiffi vorm Fleischerladen. Nicht heimlich zelebriert und ohne Verlustängste ist es auf das reduziert, was es wirklich ist. Eine Vorliebe. Die Liebe wird davon nicht berührt.
Polyamorös veranlagte Menschen, die eine offene Beziehung führen, gehen hier noch einen Schritt weiter und leben diese Art des Sex getrennt aus, um sich anschließend wieder dem gemeinsamen Leben zu widmen. Wissend von den Aktionen des jeweils anderen.
Ist fremde Haut für Männer begehrenswerter als für Frauen? Wie sieht es das älteste Gewerbe der Welt? Wir haben eine Prostituierte zu diesem Thema befragt. Sie nennt sich Candy und lässt für ein mehr oder weniger hohes Taschengeld die Hüften auf einsamen Männerlenden kreisen. Candy macht ihren Job seit rund acht Jahren und hat einige Erfahrung sammeln können. Sie bezeichnet sich dem PO Magazin gegenüber als kleine Körper-Psychologin der Nacht.
Wir treffen uns an diesem heißen Nachmittag in einer Eisdiele einer mittleren Kleinstadt und schon Candys Auftritt, wenn auch in ziviler Straßenkleidung, erregt einiges an Aufsehen.
Candy: Ja. Egal ob man übers Internet Kontakte knüpft oder im Laden steht. Einen Künstlernamen brauchen und haben alle meine Kolleginnen.
Candy: Aber ja! Wir sind doch Künstler. Schauspieler und Entertainer in einem. Wir verkaufen Zeitträume und befriedigen Triebe. Wir geben das, was gewollt ist.
Candy: Unterschiedlich würde ich sagen. Sicher ist der Großteil am schnellen Sex interessiert. Aber es gibt auch die Typen, die Aufmerksamkeit, Bestätigung und manchmal auch die Liebe suchen. Wir haben zum Beispiel einen Freier bei uns im Laden, der sich in ein Mädchen verliebt hat und der sogar eifersüchtig reagiert, wenn sie grade mit jemandem oben ist. Der hat regelrechte Besitzansprüche. Dabei ist der verheiratet und nach außen wohl auch recht glücklich.
Candy: Also ehrlich. Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen unglücklich zusammenleben, weil die Gesellschaft es ihnen aufdrückt. Frauen gehen halt nicht ins Bordell. Die machen was mit ihren Arbeitskollegen, einer Disco Bekanntschaft oder was weiß ich. Neuerdings ja auch mit Internetkontakten. Die treffen sich zum Schäferstündchen auf einem Parkplatz oder mieten sich ein Hotelzimmer.
Candy: Naja, wohl auch nicht alle *lacht*. Da hätten wir aber goldene Zeiten. Nein, für einige Männer ist das nichts. Aber wir haben in den letzten Jahren einen neuen Trend erkannt. Es gibt immer mehr Paare, die zu uns kommen.
Candy: Sie bezahlen sie für ihre Dienste, ja. Kaufen gefällt mir nicht so.
Candy: Die meisten schon. Aber das liegt an der Einzelnen. Macht ja auch nicht jede zum Beispiel Griechisch.
Candy: Puh, schwere Frage. Ich bin nicht so der Typ, der sich ständig im Internet tummelt. Aber man merkt schon, dass Swingen kein so großes Tabu mehr ist, wie es einmal war und dass die Frauen insbesondere ihre Position fordern.
Candy: *lacht* Ja, das evtl. auch. Die Frauen haben einfach diese altbackene Einstellung von sich geschüttelt. Ich glaube die Medien haben dazu beigetragen. Heute wollen die Frauen nicht mehr hinter den Männern zurückstehen. Auf der anderen Seite ist aber kein merklicher Rückgang der Männer zu sehen, die zur puren Triebbefriedigung zu uns kommen. Aber das passt ja, die Frauen wollen ihren Spaß und fordern ihn auch laut. Ist ja in Ordnung. Aber ein wenig mehr Offenheit und Mut auch mal Neues zu testen, was er so vorschlägt, würde ihnen gut tun. Sie verpassen unter Umständen ja auch was.
Candy: Wo Licht, da Schatten. In diesem Fall keine Erleichterung für die Männer. Mal von den Swingern abgesehen. Diese Frauen sind häufig offener für z.B. Rollenspiele.
Candy: Wir haben da ein Paar, das zu uns kommt, um allein, also ohne Mädchen, seinen Spaß zu haben. Die mieten im Grunde nur ein Zimmer bei uns. Sie sitzt dann wie eine von uns an der Theke mit Strapsen und blankem Busen. Raucht genüsslich Zigarre und trinkt Piccolos. Er sitzt mindestens zwei Stunden in einer Ecke und beobachtet sie dabei. Auch wie sie von Kunden angebaggert wird. Sie flirtet, unterhält sich und ist unglaublich charmant und sexy. Nach einer Weile kommt ihr Mann dann dazu und nimmt ihre "Dienste" in Anspruch.
Candy: Einspruch! Schon mal drüber nachgedacht, was der so phantasiert, während er dort sitzt und sie beobachtet? Es ist eine Fleisch gewordene Phantasie, die aber abgesegnet ist. Ähnlich wie bei den Swingern. Er stellt sich halt hier nur vor, seine Frau wäre eine andere. Machen manche ja auch beim Sex. Stellen sich einen Robbie Williams oder eine Pornodarstellerin vor. Was hinter den Stirnen der Welt so vor sich geht….
Candy: Fremdgehen ist das ja nicht. Das ist auch Lust auf fremde Haut.
Nach dem Gespräch mit Candy wird klar: Sexualität ist viel komplizierter, als man erahnen kann. Der von ihr erwähnte Kick im Kopf spielt auch mit fremder Haut.
Wirklich frei davon scheint kaum jemand. Aber ist das Schauen eines Pornos schon eine Art der Lust auf dieses Fremde? Viele Frauen beklagen die ungeheure sexuelle Attraktivität der Darstellerinnen und fühlen sich dann zum Ersatz degradiert und einige begründen damit sogar ihre Aversion zu Pornos. Einen visuellen Beweis zu dem Wunsch nach fremder Haut ist nicht Jedermanns (Jederfraus) Sache. Ob sich das Blatt wendet, wenn die männlichen Protagonisten heißer werden? Auf jeden Fall käme es auf einen Versuch an.
Was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Gibt es ein so genanntes Fremdgeh-Gen? Dean Hamer, ein amerikanischer Gen-Techniker, will herausgefunden haben, dass die Männer fremdgehen müssen. Ihre Lust nach fremder Haut ist also von oben abgesegnet. Ist es wirklich so? Die Studie besagt, Männer seien von jeher so ausgerichtet. Er verweist hier auch auf die homosexuellen Beziehungen und zieht sie als Vergleich heran. Demnach leben überdurchschnittlich viele homosexuelle Männer in promisken Beziehungen. Hier treffen sich zwei, die die gleichen "Dränge" haben. Allerdings ist diese Theorie nicht unbestritten.
Weiter sagen Ethnologen aus, dass in 90% aller Kulturen dem Mann die Polygamie gestattet ist. Professor Richard Dawkins, seines Zeichens Evolutionsbiologe sagt dazu dass sich im Laufe der Zeit die Gene durchgesetzt hätten, die es dem Träger erlauben, sich für seine Verbreitung durchzusetzen.
Bei Frauen sieht das ganze etwas anders aus. Hier scheint es so zu sein, dass sich die Damen mehr nach dem passenden Immunsystem umschauen. Frauen, die mit einem Mann zusammenleben, der ein ähnliches Immunsystem hat wie sie selbst, gehen häufiger fremd. Das soll ihren Kindern eine robuste Gesundheit, hohe Widerstandsfähigkeit und damit die bestmögliche Überlebenschance sichern.
Wem das alles suspekt scheint, tut wahrscheinlich gut daran, sich der Romantik zu verschreiben und im Zweifelsfall die fremde Haut lieber zu zweit genießen. Denn, lieber Leser, darin sind wir uns wohl einig: Ehrlicher ist es auf jeden Fall. Schnappen sie sich ein Fläschchen Körperöl, massieren sie ihre/n Liebst/n und reden sie drüber. Es ist noch kein Meister aus der Haut…. pardon…. vom Himmel gefallen.
(Maja Harre)
Nach dem erfolgreichen Handelsstart des vom JOYclub präsentierten PO-Magazins lädt die Redaktion zur offiziellen Presentation-Party nach Köln ein. Am Donnerstag, dem 30. April, findet diese ab 20.30 Uhr in der Tanzbar ROXY, Aachener Str. 2 in 50674 Köln (Rudolfplatz) statt.
Mit dabei sind u.a. Erotikstar Jenna Jane, Bildredakteur und Fotokünstler Leon Cool, Bondage-Master Alfons, Dom Cologne Wolfgang, Bestseller-Autorin Carla Berling (Im Netz der Meister), lokale JOYclub-Moderatoren und die leitenden Redaktions-Mitarbeiter des PO-Magazins. In einem ungewöhnlichen kultigen Lokal gibt es die Möglichkeit Künstler und Redakteure persönlich kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das PO-Magazin ist ein "Magazin zum Mitmachen" und wir freuen uns über thematische Vorschläge, Anregungen und Kritik.
Als Highlight des Abends wird es eine Bondageshow unter dem Motto "Die Disziplinierung der Jenna Jane" geben, bei der Master Alfons gekonnt zu den Seilen greifen wird.
Natürlich ist der Party-Untertitel "Lust auf fremde Haut?" auch wörtlich zu nehmen. Darum eine besonders herzliche Einladung an alle JOYclubber(innen) aus der Region Köln! - Für alle JOYclubber halten wir zudem Sticker bereit, auf denen man den Nicknamen vermerken kann und auch die neuen JOYclub-Visitenkarten können zum Einsatz kommen.
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