Die Gruppe Missbrauch richtet sich an die Opfer und Angehörigen von Missbrauchs- oder Misshandlungsübergriffen. Jenen soll die Gruppe Mut und Halt geben und ihnen vermitteln, dass sie nicht alleine sind. Mittels der folgenden Worte von einem Mitglied der Missbrauchgruppe wollen wir die Gruppe und ihr wichtiges Anliegen in den Fokus der JOYclub Aufmerksamkeit rücken.
- Inhaltsverzeichnis
- Missbrauch
- Du bist nicht allein!
- Die Gruppe im JOYclub
- Kommentare
Missbrauch
Obwohl Missbrauch tagtäglich um uns herum zu finden ist, ist das Thema immer noch ein Tabu. Man liest und hört es fast täglich in den Medien, jedoch sind es meist nur oberflächliche oder zu betont sachliche Informationen, die man erhält. Die Gefühlsebene, der Umgang mit solchen Tatbeständen und der Umgang mit der Verarbeitung werden sehr oft außen vor gelassen.
Viele Tatbestände von Missbrauch gelangen niemals ans Tageslicht, weil sie oft von den Opfern als "normal" angesehen werden.
Bei dem Wort Missbrauch denken die meisten erstmal an "sexuellen Missbrauch" da dies die wohl am meisten publizierte Art des Missbrauches ist. Aber Missbrauch hat viele Gesichter. Ob ich nun jemanden missbrauche oder misshandle bzw. missbraucht oder misshandelt werde, macht für den jeweils Betroffenen nicht wirklich einen Unterschied. Denn das Präfix „miss“ steht für böse, falsch, schlecht. Also handelt jemand falsch, böse oder schlecht oder gebraucht etwas falsch, böse oder schlecht.
Vor Gericht oder in den Büchern der Rechtsanwälte mag dies vielleicht differenzierter dargestellt und auf unterschiedliche Weise strafrechtlich verfolgt werden. So unterscheidet man beispielsweise sexuellen Missbrauch, sexuelle Misshandlung, seelischen Missbrauch, Misshandlung in Form von Psychoterror, physischen Missbrauch und Misshandlung in Form von Schlägen. Aber jemand, der selbst Opfer von Missbrauch/Misshandlungen ist/wurde, der wird nicht wirklich einen Unterschied machen. Schlimm sind alle Tatbestände des Missbrauches bzw. der Misshandlung und jeder geht unterschiedlich damit um.
Jeder der das Gefühl hat, Opfer eines Missbrauches oder einer Misshandlung zu sein, sollte nicht schweigen, sondern sich an entsprechende Stellen wenden und der Sache auf den Grund gehen. Aber wohin gehe ich? An wen wende ich mich? Wer kann mir helfen?
Es gibt viele Möglichkeiten, über die sich die Allgemeinheit gar nicht im Klaren ist. Die wohl anonymste Form der Information bietet das Internet. Eine sehr ausführliche Seite ist die Präsenz www.missbrauch-opfer.info. Ein weiteres Beispiel wäre diese Site: www.weisser-ring.de. Des Weiteren gibt es Sorgentelefone, die ebenfalls anonym sind. Es gibt für Frauen auch die Möglichkeit, ein nahe gelegenes Frauenhaus aufzusuchen oder ihren Frauenarzt. Generell nehmen sich auch Ärzte des Vertrauens und Familienberatungsstellen des Themas an.
Eine professionelle Betreuung in Form einer Psychotherapie ist meist unumgänglich. Auch wenn man glaubt, der selbst erlebte Missbrauch sei harmlos im Vergleich zu dem, was andere in der "gleichen Situation" erleben mussten. Man sollte sich immer vor Augen halten, dass jeder Mensch ein Individuum ist und jeder alles anders aufnimmt und verarbeitet.
Und irgendwann, wenn man vielleicht gar nicht mehr daran denkt, weil man es immer "verdrängt" hat, kommen die Erinnerungen wieder …
Du bist nicht allein!
Meine Kindheit war bescheiden, mein Vater megastreng, meine Mutter zeitweise Alkoholikerin. Als ich 18 Jahre alt war, bin ich von zwei Männern vergewaltigt worden, wobei ich einen von den Beiden kannte. Die Männer kannten sich untereinander nicht! Der andere Typ kam irgendwie einfach mit dazu und hat dem mir Bekannten geholfen. Ein Jahr später hab ich mich (naiv wie ich war) bei einer Drückerkolonne angemeldet. Der Chef davon hatte mich schnell in seiner "Gewalt" und wir waren irgendwie zusammen.
Er hat mich dann - wissentlich gegen meinen Willen - drei Monate lang schwer misshandelt. So trieb er Nadeln durch meine Brustwarzen und Schamlippen und brannte mehrfach seine Initialen auf meiner Brust ein. Je mehr er gemerkt hat, dass ich Schmerzen habe, umso geiler hat es ihn gemacht. Bis ich dann endlich die Chance hatte, abzuhauen.
Dieser Auszug aus einem Thread kam mir vor knapp vier Jahren unter die Augen. Ich war entsetzt, schockiert, die Tränen liefen mir über die Wangen, ich musste schlucken und bekam kein Wort heraus. Das Einzige, was ich denken konnte, war:
Du bist nicht allein!
Nachdem ich das Ganze auf mich wirken hatte lassen, ging es mir besser. Ich konnte wieder einen klaren Gedanken fassen. Ich war froh, dies gelesen zu haben. Nicht froh darüber, was dieser Frau widerfahren war, sondern froh darüber, dass ich kein Einzelfall bin.
Zwölf Jahre waren seitdem vergangen. Zwölf Jahre, in denen ich mich immer wieder fragte: "Warum? War es meine Schuld? Bestimmt. Ich habe ihn ja provoziert, ihn gereizt." Zwölf Jahre, in denen ich versuchte, das Geschehene zu verdrängen. Zwölf Jahre, in denen ich versuchte, all das Erlebte mit mir selbst auszumachen. Jemandem davon zu erzählen, war für mich nicht denkbar. Ich schämte mich für das, was passiert war.
“Naja, war es wirklich so schlimm? Schau doch mal ... DU hast mit ihm geflirtet. Immerhin wart ihr ja mal ein Pärchen. Rumknutschen, Händchenhalten... Es gab doch auch schöne Zeiten. Und Deine Unschuld hattest DU bereits vor ein paar Monaten verloren. Zwar nicht durch ihn, aber DU hattest sie bereits verloren. Was war schon dabei, als er anfing, Dich zu befummeln … immerhin hast DU mit ihm geflirtet.
Was war schon dabei, dass er Dich küsste? Das hattet ihr damals ja auch gemacht. Und dann, als er Dich in den Keller hinunterzerrte, Dich auf den Boden schmiss, Dir seine Hand in die Hose steckte und stöhnte ... ach, er wird schon von Dir ablassen. Denn ein "Nein" kann ja nicht falsch verstanden werden. Oder doch? Warum hast Du nicht geschrieen? Warum hast Du Dich nicht gewehrt, als er über Dich herfiel, seine Lust ausstöhnte, als er in Dich eindrang?
Warum hast DU geschwiegen, als ihr von einem Nachbarn aus dem Haus "erwischt" wurdet, als er gerade "fertig" war?"
Die Scham war es. Die Scham davor, all dies öffentlich breittreten zu müssen. Die Angst davor, dass ich die Schuldige war, denn immerhin habe ich ja mit ihm geflirtet. Die Angst davor, zu hören zu bekommen: "Da bist Du doch selbst Schuld, warum hast Du ihn auch verlassen!?"
Zwölf Jahre brauchte ich, um das erste Mal darüber zu reden. Ich vertraute mich bis zu diesem Zeitpunkt niemandem an, nicht einmal meiner Mutter. Und dann plötzlich tat ich es … einer mir damals noch vollkommen unbekannten Frau. Vielleicht deswegen, weil sie vollkommen unbekannt war. "Was will sie mir denn schon? Du wirst sie wahrscheinlich niemals kennen lernen. Und wenn Du nicht mehr darüber reden willst, dann schreibst Du ihr einfach nicht mehr."
Doch ich redete weiter darüber. Mit ihr und einer weiteren Frau, die ich im Netz kennen gelernt hatte. Und vor 1,5 Jahren sogar mit meiner Therapeutin.
Es tat gut, wahnsinnig gut, zu wissen: Du bist nicht allein!
In meinen bisher vier Jahren im JOYclub habe ich viele Frauen kennen gelernt, die ähnliches erlebt haben. Einige kommen mittlerweile sehr gut damit zu Recht, andere haben noch keinen Weg gefunden, wie sie darüber reden können. Was man aber sehr oft hört, ist, dass sich Betroffene leichter "fremden" Menschen anvertrauen können als der eigenen Familie. Die Angst, verurteilt zu werden, ist immer noch viel zu groß und die Scham des Erlebten macht einen total fertig. Man macht sich selbst Vorwürfe, dass man es ja provoziert haben könnte. Dazu kommt eine Unmenge an Fragen, die einen niemand wirklich beantworten kann.
Die Gruppe im JOYclub
Die Gruppe Missbrauch soll ein Anlaufpunkt für Opfer und deren Angehöre sein. Sie soll die Möglichkeit für erste Schritte in Richtung Aufarbeitung des Erlebten sein und den Mitgliedern die Möglichkeit offerieren, zu sehen, wie andere Opfer mit ihrer "Geschichte" umgehen. Sie sollen so den Mut fassen, selbst aus sich herauszugehen und sich anderen Menschen mitzuteilen. Doch auch Angehörige von Missbrauchsopfern, die nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen, sollen hier ebenso eine Heimat finden wie jene Angehörige, die zu berichten wissen, wie sie ihre "Erlebnisse" gemeistert haben.
Uns von der Gruppe Missbrauch ist klar, dass wir keine professionelle Hilfe ersetzen können. Uns ist bewusst, dass dies wohl das heikelste und sensibelste Thema ist, das es hier im Joyclub gibt. Und uns ist auch klar, dass vieles, was erlebt wurde, wieder ans Tageslicht kommt. Aber, es kann auch für viele andere ein erster Schritt sein, so wie es einer für mich war. Ein erster Schritt, das Erlebte wieder "hoch zu holen", darüber zu reden und einen Weg zu finden, es zu verarbeiten. Einen Ort in einer erotischen Community zu haben, in der ich mich mitteilen kann und mich unter Gleichgesinnten bewegen kann, ohne Angst haben zu müssen, für irgendetwas verurteilt zu werden.
Einen Ort, an dem ich Verständnis bekomme, ohne Angst haben zu müssen, nur noch mit Samthandschuhen angefasst zu werden oder von Mitleidsblicken erdrückt zu werden.


















