Am Sonntag ist es wieder soweit! Valentinstag steht vor der Tür und die Blumenverkäufer reiben sich die Hände. Nicht umsonst haben die meisten Floristen diese Woche sogar am Sonntag geöffnet! Doch warum immer so fantasielos? Blumen, Pralinen, Frühstück ans Bett. Das hatten wir doch im letzten Jahr schon und sollte eigentlich nicht nur auf den Tag der Liebenden beschränkt sein. Stattdessen könnt ihr doch mal die Website des örtlichen Kinos abgrasen und für euch und eure Lieben einen Kuschelsitz vorbestellen!
In diesem Zusammenhang möchten wir euch einmal ganz unverbindlich ein kleines Filmjuwel ans Herz legen und noch ein paar weitere geeignete, aktuell im Kino laufende Datefilme vorstellen. Beginnen wir mit einem Film für das denkende Publikum, veredelt durch Frauenschwarm George Clooney.
Up in the Air
Originaltitel: Up in the Air
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2009
Regie: Jason Reitman
Darsteller:
George Clooney,
Vera Farmiga,
Jason Bateman,
Anna Kendrick,
J.K. Simmons,
Melanie Lynskey,
Danny McBride,
Tamala Jones,
Chris Lowell,
Adam Rose,
Dave Engfer,
James Anthony,
Sarah Arend u.a.
Der Trailer zum Film
Die Story
Ryan Bingham hat einen schrecklichen Job, der aktuell Hochkonjunktur hat. Immer wenn ein Arbeitgeber zu feige ist, seine Angestellten zu feuern, kann er Ryan rufen. Dieser ist darauf spezialisiert, den Menschen möglichst schonend den Verlust ihres Arbeitsplatzes beizubringen und sie auf die dadurch entstehenden Chancen aufmerksam zu machen. Mit viel Einfühlungsvermögen und grenzenloser Geduld geht Ryan seinem Job nach und liebt ihn wirklich.
Beziehungsweise liebt er, was mit seinem Job für Annehmlichkeiten verbunden sind. Als da wären: ein fettes Spesenkonto und das Sammeln von Bonusmeilen. Zehn Millionen will er sammeln und er steht kurz davor dies zu schaffen. Mit seinem Nomadenleben ist auch eine sehr konsequente Einstellung zum Thema Beziehungen verbunden. Sie sind für ihn ein No Go. Sie bremsen ihn, binden ihn an einen Ort, sind verbunden mit Kompromissen und haben seiner Meinung nach so gar nichts Positives.
Doch sein perfekt auf den Job ausgerichtetes Leben gerät in Gefahr, als eine neue Angestellte zu Ryans Entlassungsfirma stößt. Natalie ist ein junges Ding, voller Ideale und Ziele und hochgradig auf Effizienz ausgerichtet. So möchte sie die Entlassungen automatisieren und per Webcam durchführen lassen. Ryan sieht bereits sein bisheriges Leben in Trümmern, weshalb er zum Angriff bläst und Natalies Pläne als unmenschlich bezeichnet.
Daraufhin empfiehlt ihm sein Chef, Natalie in seinen beruflichen Alltag einzuführen und ihr "Kundennähe" beizubringen. Ryan willigt ein und begibt sich mit Natalie auf eine beklemmende Odyssee durch ein gebeuteltes Land, bei der die junge Frau mehrfach an ihre Grenzen stößt. Doch auch Ryan wird diese Reise verändern, denn er trifft irgendwann unverhofft auf die wundervolle Alex, die ihn vom ersten Augenblick an fasziniert und fesselt …
Kritik
Oberflächlich betrachtet ist "Up in the Air" die Geschichte eines Mannes, der sich in sein Leben eingeigelt hat. Er lebt nach klaren Regeln, Termine und Abflugzeiten bestimmen seinen Tagesablauf, Automatismen in seinem Handeln lassen ihn fast roboterhaft wirken und laut eigener Aussage denkt er sogar in Schubladen, weil das einfach schneller ginge. Auch sein liebstes Hobby mutet seltsam ein. Fast schon fanatisch sammelt er Bonusmeilen. In diesem straff durchorganisierten Leben ist kein Platz für andere.
Beziehungen sind Ryan ein Graus. Er hält sogar Seminare ab, in denen er seinen Zuhörern vermittelt, wie sehr sie doch durch Beziehungen eingeschränkt werden. Deshalb ist er selbst auch immer in Bewegung, ist dadurch nicht greifbar und kann immer fliehen. Auch hilft ihm diese "Flucht", seine Einsamkeit zu überspielen. Er sei doch immer unter Menschen, beschwichtigt er einmal seine Schwester, die ihn für den einsamsten Menschen der Welt hält.
Und diese Welt gerät durch eine zufällige Begegnung ins Wanken. Aus einem Flirt an einer Hotelbar und anschließendem unverbindlichen Sex wird mehr. Liebe gar, so scheint es. Ryan blüht auf, genießt das Leben und sieht seine unverhoffte Chance auf ein glücklicheres Leben. Jeder andere Film wäre an genau diesem Punkt zu Ende. Nicht so "Up in the Air". Dieser ist einfach zu sehr in der Realität verankert und zu erwachsen, um dem Zuschauer vorzugaukeln, alles müsse zwingend immer in ein Happy End münden.
Und diese Realitätsverbundenheit ist es dann auch, die einen tiefer graben lässt. Denn unter der Oberfläche von "Up in the Air" findet man noch so viel mehr. Beziehungsmodelle werden hinterfragt, Geschlechterklischees charmant gebrochen, "Generationenkonflikte" bzw. die Veränderung von Lebenszielen bei unterschiedlichen Altersgruppen witzig abgehandelt und offene Kapitalismuskritik geübt.
Gerade der letzte Punkt sorgt immer wieder für enorm beklemmende Momente in dem Film, der ansonsten schon um einen leichteren Grundton bemüht ist. Dabei sind vor allem die Kündigungsgespräche starker, brillant geschriebener und diverse Klischees weiträumig umschiffender Tobak. Man könnte somit "Up in the Air" mühelos als DEN Film zur Weltwirtschaftskrise bezeichnen. Bitter im Ton, aber dennoch mit leicht hoffnungsvollen Tendenzen.
Im Großen und Ganzen geht es in "Up in the Air" aber um Beziehungen in unserer schnelllebigen Zeit. Dabei sind aber nicht nur Beziehungen zu Liebespartnern gemeint. Auch Beziehungen zur Familie, zu Freunden, gar zu lieb gewonnenen Gegenständen und zu Arbeitskollegen, die in unserer Zeit mehr und mehr zu einer Art zweiten Familie zu mutieren scheinen.
Diese Beziehungen werden zunehmend fragiler. Flugzeuge, Züge und Autos ermöglichen eine schnelle Flucht. Handys und Telefone gaukeln uns Nähe vor, wo keine ist. Dies mündet in Charaktere wie Ryan, die schlichtweg Angst vor Beziehungen haben und sich hinter Ersatzhandlungen verstecken, um keine Verbindlichkeiten eingehen oder sich mit anderen Menschen auseinandersetzen zu müssen. All das blendet "Up in the Air" niemals aus und lässt einem auch hier mehrfach das Lachen im Halse stecken bleiben. Denn Ryans Kommentare zu Beziehungen sind kleine Meisterwerke der Dialogkunst, die Gesinnung dahinter aber ist letztlich sehr traurig …
Getragen wird "Up in the Air" von einem hervorragenden George Clooney, der hier alle Nase lang sein Womanizerimage und das des ewigen Junggesellen aufbrechen darf und dies auch mit sichtbarer Wonne macht. Dabei liefert er seine bisher beste schauspielerische Leistung ab. Egal ob komische Momente, in denen er sein grandioses komödiantisches Timing beweist, oder dramatische Einlagen, Clooney spielt auf den Punkt und bringt auch seine typischen Clooneymanierismen (das seitliche Neigen seines Kopfes, das unvermittelte Augenzucken oder die Momente, in denen er scheinbar etwas sagen will, es dann aber lässt und nur zu Boden schaut oder sich durch die Haare fährt) absolut gewinnbringend in den Film ein. Kurzum: Seine Fans werden ihn für diesen Film lieben, lässt er doch eine ganze Breitseite an Charmeattacken auf das Publikum los.
Flankiert wird Clooney von zwei großartigen Damen. Als junge, idealistische Natalie überzeugt die sympathisch aufspielende Anna Kendrick, die bisher vor allem durch ihr Mitwirken in "Twilight" aufgefallen ist, da aber weniger aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten. Diese beweist sie hier durchgehend. Beherzt spielt sie gegen den Charmebolzen Clooney an und schafft es sogar wirklich, gegen ihn zu bestehen. Und trotz der etwas direkten Art ihrer Figur erobert sie die Zuschauer unversehens im Sturm. Als Alex darf Vera Farmiga (Running Scared) den Love Interest von Clooney geben und man hat aufgrund ihres Auftretens und ihrer Spielkünste zu keinem Moment auch nur den Hauch eines Zweifels, dass jeder Mann ihr stante pede verfallen würde. Großartig und absolut makellos gibt sich auch der Rest der Darsteller in "Up in the Air".
Mastermind hinter dem Film ist Jason Reitman, der Sohn des "Ghostbusters" Schöpfers Ivan Reitman, der seinen Sohn als Produzent von "Up in the Air" nach Kräften unterstützte. Nicht dass dieser dies nötig gehabt hätte. Jasons grandiose Regiearbeiten "Juno" und "Thank you for Smoking" haben das unbestreitbare Talent des jungen Regisseurs schon weithin verkündet. Als Regisseur von "Up in the Air", zu dem er auch das brillante Drehbuch schrieb, beherrscht Jason die unvermittelten Wechsel von emotional anrührenden und heiteren Momenten überragend, legt seinen Figuren erstklassige Dialogzeilen in den Mund, inszeniert ruhig und entschleunigt, ohne zu langweilen (auch wenn sich unbestreitbar kleinere Längen in den Film geschlichen haben!), und lässt unter seinen eher kühlen Bildern einen feinen, independentlastigen und stimmungsvollen Soundtrack ertönen.
Fazit
"Up in the Air" entlässt den Zuschauer nachdenklich in den Alltag. Wie menschlich ist die heutige Arbeitswelt? Wie kann es sein, dass Menschen inzwischen mehr Angst vor dem Arbeitsverlust als vor Krieg und Tod haben? Inwiefern kann man bei Arbeit heute noch von Selbstverwirklichung sprechen? Und wie ist es eigentlich um eine Gesellschaft bestellt, in der Beziehungen wegen Nichtigkeiten aufgegeben und eventuell sogar per SMS in die Mülltonne getreten werden? Kurzum: Was für Zivilisationskrüppel sind wir eigentlich inzwischen geworden und wie viel kann der Einzelne noch ertragen?
Und dennoch macht der intelligente, unterhaltsame, clevere, genial gespielte und geschriebene "Up in the Air" auch Mut. Alles was wir lernen müssen, ist, Glücksmomente festzuhalten und sie zu genießen, egal wie flüchtig sie auch sein mögen. Und wenn es uns im Alltag mal wieder umhaut, geht es darum, derartige Niederlagen mit Würde hinzunehmen und aus unseren Fehlern zu lernen bzw. das Beste daraus zu machen. Wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche ... direkt Up in the Air!
Oder kurz: Ein stilles Meisterwerk!
Weitere Tipps
Wem dieser Film für ein Date zum Valentinstag eventuell etwas zu schwer vorkommt (Was er nicht ist!), für den haben wir auch noch ein paar "leichtere" Tipps.
Wenn Liebe so einfach wäre
Originaltitel: It's Complicated
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2009
Regie: Nancy Meyers
Darsteller: Meryl Streep, John Krasinski, Alec Baldwin, Steve Martin, Daryl Sabara, Rita Wilson, Hunter Parrish, Lake Bell, Alexandra Wentworth, Molly Culver u.a.
Die Bäckereibesitzerin Jane (Meryl Streep) lebt seit über zehn Jahren in Trennung von ihrem Ex-Mann Jake (Alec Baldwin), mit dem sie drei, inzwischen erwachsene Kinder hat. Mit Jake verbindet sie aber nach wie vor eine freundschaftliche Beziehung, auch wenn sie dessen Lebenswandel bzw. seine doch sehr junge neue Freundin nicht gut heißen kann und will. Doch eines Tages flammen die alten Gefühle wieder auf und Jake und Jane landen wieder im Bett! Fortan pflegen sie eine heiße und heimliche Affäre, die Jane förmlich aufblühen und Jake seine Ex-Frau wieder entdecken lässt. Und als wäre das nicht schon genug Trubel für Jane, taucht auch noch der geschiedene, liebenswerte Innenarchitekt Adam (Steve Martin) auf und gerät mit seinen Avancen mitten ins Kreuzfeuer der neu entfachten Jane und Jake Romanze...
It’s Complicated ist eine hochamüsante Best Ager Romantic Comedy, die nur dann etwas an Verve verliert, wenn sie sich an einen jugendlichen Humorlevel anbiedert, was aber glücklicherweise nur selten passiert. Ansonsten gibt es hier teils brüllkomische Comedyeinlagen, bei denen vor allem Alec Baldwin mit fantastischem Wortwitz heraus sticht.
Meryl Streep ist ebenfalls mit extrem viel Spielwitz bei der Sache und die Nebenrollen machen alles richtig, um den Humorpegel auf einem durchweg hohen Niveau zu halten. Einzig Steve Martin wurde für den Film leider viel zu passiv aufgestellt, was man vor allem dann schmerzlich merkt, wenn er zweimal richtig aufdrehen darf und ganz nebenbei geniale Lacher produziert. Hier hätte man den starken Alec Baldwin durchaus ein wenig zugunsten von Martin zurücknehmen können.
Die Stimmung im Film ist herrlich relaxt, der Score von Hans Zimmer wunderbar leicht und die Kameraabeit von John Toll gelungen. Leider vergeigt Regisseurin Nancy Meyers den Schluss und präsentiert eine nicht enden wollende Folge von immer neuen Enden ... Was dann leider für empfindliche und überflüssige Längen sorgt. Dennoch ist diese Romanze der älteren Jahrgänge eine uneingeschränkte Empfehlung wert.
Hier einmal der Trailer
Valentinstag
Originaltitel: Valentine's Day
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2010
Regie: Garry Marshall
Darsteller: Taylor Lautner, Bradley Cooper, Ashton Kutcher, Anne Hathaway, Jessica Biel, Jessica Alba, Taylor Swift, Julia Roberts u.a.
Mit einem wirklich unglaublichen Starauftrieb inszenierte der Regisseur von "Pretty Woman" seine Version des Valentinstages. Dabei präsentiert er den Tag der Liebenden aus der Sicht der verschiedensten Hauptfiguren, die den unterschiedlichsten Altersgruppen angehören. Hierbei sind verschiedenste Beziehungsstadien Thema: das erste Date, langjährige Beziehungen, junge Verliebte und alte Flammen, ewige Singles und unerwiderte Liebe.
Die daraus resultierenden Geschichten sind eng miteinander verwoben und versammeln eines der größten Staraufgebote überhaupt in einem einzigen Film. Jessica Alba, Jessica Biel, Julia Roberts, Anne Hathaway, Kathy Bates, Bradley Cooper, Eric Dane, Patrick Dempsey, Jamie Foxx, Jennifer Garner, Topher Grace, Ashton Kutcher und Shirley MacLaine geben sich in dem Liebesreigen die Klinke in die Hand. Was soll da noch groß schief gehen? Ab Donnerstag, den 11. Februar 2010, wissen wir mehr, denn dann kommt Valentinstag ein klein wenig zu früh ins Kino.
Hier einmal der Trailer zum Film
Natürlich kann man auch den unverwüstlich und unverändert erfolgreichen Zweiohrkücken anschauen. Da macht man auch nicht viel verkehrt. Doch wenn es mal rauer sein soll oder SIE mal IHM eine Freude machen möchte, dann sei als Alternative zu dem oben aufgeführten Liebesgeschwurbel eine Neuverfilmung eines uralten Mythos erwähnt. Und keine Angst, auch jene hat düster romantische Ansätze …
Wolfman
Originaltitel: Wolfman, The
Herstellungsland: Großbritannien, USA
Erscheinungsjahr: 2010
Regie: Joe Johnston
Darsteller: Benicio Del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt, Hugo Weaving, Geraldine Chaplin, Kiran Shah, Art Malik u.a.
Um bei der Suche nach seinem vermissten Bruder zu helfen, kehrt Lawrence Talbot (Benicio Del Toro) in seine Heimat Blackmoor im viktorianischen England zurück, wo eine mysteriöse Serie blutiger Todesfälle die Menschen in Atem hält. Es kommt zum Wiedersehen mit seinem von ihm entfremdeten Vater (Anthony Hopkins). Zusammen mit der Verlobten seines Bruders (Emily Blunt) begibt sich Talbot auf eine Spurensuche, die ihn tief in seine eigene, längst verdrängte Vergangenheit führt. Doch nachdem er selbst von einer Bestie gebissen wird, muss er am eigenen Leibe erfahren, dass die Gerüchte von einem uralten Fluch, der einen Menschen bei Vollmond in ein mörderisches Wolfswesen verwandelt, blutige Realität sind. Um dem Morden ein Ende zu bereiten und seine neue Liebe zu retten, muss er die teuflische Kreatur in den Wäldern Blackmoors jagen und sich dem wilden Biest stellen, das in ihm selbst lauert.
Man ahnt es, der Werwolf steht im Mittelpunkt dieses sehr atmosphärisch angehauchten Horrorstreifens, der die Oscarpreisträger Benicio Del Toro (Traffic) und Anthony Hopkins (Hannibal) vor der Kamera von Joe Johnston (Jurassic Park III) zusammenführte. Die schon im Trailer beeindruckend daherkommenden Werwolfeffekte besorgte der sechsmal mit einem Oscar geehrte Make-up-Designer Rick Baker. Der Verleiher verspricht einen nachtschwarzen Suspense-Thriller von schicksalhafter Größe und ein wildes Kinoereignis voll ungezügelter Kraft. Da darf man(n) doch gespannt sein ;-)
Auch hier, ihr ahnt es sicher, der Trailer.
In diesem Sinne:
freeman
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