In der amerikanischen Hitserie "True Blood" leben Vampire offiziell unter uns Menschen und beide Gruppierungen bemühen sich um ein friedliches Miteinander. Nicht immer erfolgreich. In dieser unruhigen Zeit verliebt sich die Kleinstadtkellnerin Sookie Stackhouse in den Vampir Bill Compton und wird im Zuge dessen in eine blutige Mordserie verwickelt ... Wir stellen die erste Staffel der erotischen wie blutigen Serie genauer vor, die ab 16. März endlich auch im deutschen Free TV gezeigt wird (immer mittwochs um 22:05 Uhr auf RTL II)!

- Inhaltsverzeichnis
- Vampire existieren doch!
- Brilliante Seriencharaktere von einem Oscarpreisträger
- True Blood macht Vampire wieder erotisch
- True Blood und der Sex
- Unter der Oberfläche wird es richtig interessant
- Anna Paquin und Stephen Moyer lassen die Funken fliegen
- True Blood: Frisches Blut im Serienkosmos
- True Blood auf DVD
- Kommentare
Vampire existieren doch!
Im winzigen Städtchen Bon Temps, das im US Bundesstaat Louisiana liegt, lässt sich der Alligator die Abendsonne auf den Bauch scheinen, während sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und das Opossum auf seinem Banjo eine Weise dazu spielt. Kurzum: In der beschaulichen Südstaatengemeinde ist wirklich gar nichts los! Das ändert sich schlagartig, als das kleine Nest von der Wirklichkeit eingeholt wird.
Diese kehrt in Gestalt des geheimnisvollen Bill Compton in das Städtchen ein. Ein ehemaliger Einwohner von Bon Temps, der sich dafür, dass man ihn seit fast 100 Jahren für tot hält, erstaunlich gut gehalten hat. Doch Bills Geheimnis seiner ewigen Jugend ist schon lange keines mehr. Denn genau zwei Jahre vor seiner Heimkehr sind die bisher im Verborgenen lebenden Vampire an die Weltöffentlichkeit getreten und haben sich bereit erklärt, fortan mit den Menschen friedlich zu koexistieren und sie nicht als Nahrungsquelle zu missbrauchen.
Ein wichtiger Schritt dahin war die Kreation eines synthetischen Blutersatzes, der auf den Namen Tru Blood hört, von den emsigen Japanern stammt und in verschiedenen Blutgruppenvarianten angeboten wird. Aktuell sind die Vampire bestrebt, diverse Gleichstellungsgesetze auf den Weg zu bringen und ihr Image kräftig aufzupolieren. Dies fällt allerdings schwer, da die jahrelange Fehde zwischen den Wesen der Nacht und der Menschheit sowie die gegenseitige Angst voreinander die Fronten teils unüberbrückbar verhärten ließen.
Und so wird auch Bill eher verhalten in seiner Heimat willkommen geheißen. Eigentlich traut sich nur eine Person wirklich in seine Nähe. Ihr Name ist Sookie Stackhouse und sie ist sofort von Bills düsterer Aura verzaubert. Zudem fasziniert sie der Außenseiter insofern, weil auch sie nicht gewöhnlich ist. Denn die Südstaatenschönheit, die sich ihr Salär mittels Kellnern in der städtischen Bar "Merlotte’s" verdient, kann die Gedanken ihrer Mitmenschen lesen, weswegen sie von vielen ihrer Mitmenschen misstrauisch beäugt wird. Zwischen ihr und dem Vampir entflammen tiefe und innige Gefühle und auch die Gemeinde scheint sich zunehmend an Bills Gegenwart zu gewöhnen.
Doch mit Bill hält auch der Tod Einzug in Bon Temps, denn mit seinem Auftauchen steigt die Sterblichkeitsrate in dem Kaff sprunghaft an. Und auch wenn Bill aufgrund der seltsamen Todesumstände nicht sofort als Verdächtiger herhalten muss, rückt er in der Liste der vermeintlichen Täter mit jedem weiteren Todesopfer immer weiter nach oben und hat bald große Mühe, seine Unschuld glaubwürdig zu beteuern. Sookie und Bill müssen sich notgedrungen daran machen, die Todesserie aufzuklären …
Brilliante Seriencharaktere von einem Oscarpreisträger
Oberflächlich betrachtet ist "True Blood" somit eine simple Whodunit Krimiserie mit vermehrt aufkommenden fantastischen Elementen wie Vampiren, Telepathen und Gestaltwandlern. Angereichert wird dies mit einer Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern. Dabei steht im Laufe der ersten Staffel der Serie vor allem die Annäherung und zunehmende Liebe zwischen Sookie und Bill im Mittelpunkt, die mehr und mehr die eh etwas stiefmütterlich behandelte Krimihandlung in den Hintergrund drängt, sie ab und an gar recht belanglos wirken lässt.
Denn zwischen Sookie und Bill fliegen die Funken und die zwischen den beiden Figuren vorherrschende Anziehungskraft überträgt sich unmittelbar auf den Zuschauer, der auch aufgrund der beiden hervorragenden Hauptdarsteller grandios in die Liebesgeschichte involviert wird. Umso mehr, da beide Figuren die unverkennbare Handschrift des Serienschöpfers Alan Ball tragen. Der brillante Autor, der schon mit "American Beauty" ein garstig pervertiertes Spiegelbild unser Gesellschaft entwarf und mit der Serie "Six Feet Under" ein Musterbeispiel für einen funkelnden Seriendiamanten schuf, erweist sich auch bei "True Blood" als Meister hochkomplexer Charakterzeichnungen, bei denen eine Figur selten das ist, was sie vorzugeben scheint.
Als Beispiel sei Sookie genannt. Optisch ist sie ein fleischgewordener Männertraum: blondes gelocktes Haar, ein anmutiges Äußeres - welches immer in die knappsten Klamotten gekleidet ist, die aufgrund des schwülen Klimas in Louisiana beständig hochdekorativ und verschwitzt an Sookies Körper kleben - und dazu genau dieses Quäntchen Naivität, das wir Männer so lieben. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine toughe junge Frau, die anpackt, sich nichts sagen lässt und selbst weiß, was gut für sie ist. Und wenn sie mit dem Dummchenimage etwas mehr Trinkgeld abgreifen kann, warum sollte sie es nicht bedienen?
Leider geht Ball diese Feinzeichnung der Charaktere in den Nebenrollen diesmal ziemlich ab. So manche Nebenfigur wirkt zumindest in der ersten Staffel noch chronisch unterentwickelt, woraus sich beispielsweise im Falle von Sookies bester Freundin Tara und deren Mutter ziemliches Nervpotential entwickelt, zumal die Nebenhandlung, die sie zu bestreiten haben, im Verlauf der ersten Staffel ziemlich abstruse Wege geht.
True Blood macht Vampire wieder erotisch
Dafür punktet Ball bei den Vampiren. Auf Grundlage der Sookie-Stackhouse-Buchreihe von Charlaine Harris gibt er den Vampiren viel von dem wieder, was man dank diverser Twilight Teeniefantasien schon für immer verloren glaubte. In "True Blood" sind die Vampire endlich wieder echte Vampire! Zwar bricht er die mythischen Figuren auch auf und verbannt bekannte Elemente wie die Angst vor christlichen Symbolen, Knoblauch oder Weihwasser aus "seiner" Vampirmythologie, aber im Großen und Ganzen fühlen sich die "True Blood" Vampire einfach wieder richtig gut an, geben diese sich doch sinister, düster, böse, unnahbar, lasterhaft und so sexy, wie man es sich nur vorstellen kann. Apropos …
True Blood und der Sex
Allgemein spielt Sex in "True Blood" eine wichtige Rolle. Aufgrund der Annäherung der beiden Hauptfiguren liegt er förmlich immer in der Luft und wird im Entjungferungsakt von Sookie durch Bill zur Staffelhalbzeit ausgiebig zelebriert (die Szenen rasten aufgrund der Beliebtheit der Hauptdarstellerin Anna Paquin stande pede im Internet um die Welt!). Und da "True Blood" von dem Pay TV Sender "HBO" produziert wird, braucht man hier auch nicht die übliche amerikanische Prüderie zu erwarten. In "True Blood" wird gefickt. Mal romantisch, mal animalisch, mal auf Droge, immer nackt.
Von dieser offensiven Sexualität abgesehen schwingen aber noch mehr sexuelle Subtexte in "True Blood" mit. So hat das Blut der Vampire eine aphrodisierende Wirkung auf Menschen, die der von Viagra nicht unähnlich ist und für einen der Hauptcharaktere eindrückliche Folgen hat. Sogar als Droge kann das Vampirblut missbraucht werden, was von Alan Ball auch ausgiebig zelebriert wird.
Unter der Oberfläche wird es richtig interessant
Doch auch unter der Oberfläche von "True Blood" brodelt es. Die Vampir-Integrationsthematik nutzt Alan Ball für Seitenhiebe in Richtung Angst unserer Gesellschaft vor allem Fremden und einige Rassismusanspielungen. Seine Vampire fungieren hier als Latinos, Chinesen oder Schwarze, die den aufrechten Amerikanern / "Ureinwohnern" unheimlich sind, ihnen die Jobs wegnehmen oder sich scheinbar gar nicht integrieren wollen.
Doch mehr noch als an Immigranten erinnern die Vampire, bzw. wie mit ihnen in der Serie umgegangen wird, an die homosexuelle Subkultur unserer Gesellschaft. So werden Menschen, die mit Vampiren sexuell verkehren, abschätzig als Fangbanger bezeichnet. Fangs, das Schimpfwort für Vampire in "True Blood", erinnert stark an das Schimpfwort für Schwule in den USA, wo man jene gerne als Fags betituliert. Zudem haben die Vampire in "True Blood" ihre eigenen Bars, ihre eigenen Szeneveranstaltungen und auch eine HIV ähnliche Erkrankung können sie beim Sex übertragen: Hepatitis D. Und wie in so vielen Ländern unserer Erde die Schwulenehe ist in "True Blood" die Vampirhochzeit illegal. Diese Thematiken sind in "True Blood" allgegenwärtig und heben die Serie schon im Alleingang aus dem Wust an aktuellen Realcrime-, Krankenhaus-, Mystery-, Fantasy- oder Vampirserien wie "Vampire Diaries" heraus.
Anna Paquin und Stephen Moyer lassen die Funken fliegen
Ein weiterer Pluspunkt sind die beiden grandiosen Hauptdarsteller. Anna Paquin als Sookie ist dabei Herz und Seele von "True Blood". Die junge Dame, die mit elf Jahren einen Oscar für ihre Kinderrolle in "Das Piano" abräumte und im Teenageralter der "X-Men" Trilogie ein Mehr an Erotik bescherte, spielt intensiv und absolut glaubwürdig ihre nicht leichte Rolle, in der sie sich nicht nur seelisch sondern auch und vor allem kleidungstechnisch mehr als einmal vor der Kamera entblößt.
An ihrer Seite agiert als Bill der Brite Stephen Moyer, der seinem Vampir eine absolut faszinierende Aura verleiht. Dass die Chemie zwischen ihm und Anna Paquin sehr gut funktioniert, belegt die Tatsache, dass beide seit den gemeinsamen "True Blood" Dreharbeiten liiert sind. Auch der Rest der Besetzung spielt gut auf, hat aber durchweg mit der schon angedeuteten Charakterzeichnungsschwäche in den Nebenrollen zu kämpfen. Dennoch sind es vor allem die Nebenfiguren, die dem Treiben auch den dringend benötigten Witz einimpfen. Dabei ragt vor allem Ryan Kwanten (Red Hill) als dauergeiler und alles beglückender Bruder von Sookie Steakhouse hervor.
True Blood: Frisches Blut im Serienkosmos
Was bleibt, ist ein gelungener Gegenentwurf zu den aktuell so verweichlicht wirkenden Vampirgenrearbeiten. Die Blutsauger erhalten in der Serie ihre mysteriöse, düstere und faszinierende Seite zurück, was "True Blood" eine unerhört dunkle, morbide und enorm erotische Atmosphäre verleiht. Doch auch der Humor kommt in der Serie nicht zu kurz. Von diversen intelligenten Seitenhieben in alle möglichen gesellschaftlich relevanten Richtungen ganz zu schweigen. Hochklassige TV Unterhaltung also, die in Deutschland lange keinen TV Sender gefunden hat, der sie ausstrahlt.
Doch endlich hat ein deutscher Sender zugegriffen und sich mit der sexy, romantisch, spannend und intelligent erzählten Serie ein echtes Serienhighlight gesichert. So wird endlich einer großen Anzahl von Zuschauern die Möglichkeit eingeräumt, sich in der Welt von Sookie und Co. zu verlieren … Fortsetzung folgt!
Und zwar auf RTL II, immer mittwochs, im Doppelpack ab 22:05 Uhr. Dabei hat sich RTL II vorgenommen, gleich die ersten drei Staffeln am Stück zu präsentieren.
True Blood auf DVD
Alle Folgen der ersten und zweiten Staffel erschienen unlängst von Warner Brothers Home Entertainment. Leider behandelt Warner die Hitserie sehr stiefmütterlich. So gibt es die Serie bisher nur auf DVD und nicht auf Blu Ray und obendrein haben sich keinerlei Extras auf die Silberscheiben verirrt. Dennoch ergeht hier eine Kaufempfehlung für den werbefreien Blutsaugergenuss.
In diesem Sinne:
freeman

















