Die Filmindustrie der ehemaligen Kronkolonie Hongkong ist eine der faszinierendsten der Welt. Denn auf dem kleinen Eiland war es möglich, Themen anzuschneiden, von denen die Festlandchinesen nur träumen konnten. Konsequenterweise hatte sich dort eine wahre Traube an chinesischen filmischen Querdenkern angesiedelt, die dem Medium Film ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken sollten. Das galt natürlich auch für das Genre des Sexfilms.
Einer der bekannteren Filme des Hongkonger Sexkinos ist der 1991 erschienene Streifen "Sex and Zen", der knapp 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung als "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" neu interpretiert wurde. Dieses "Remake" wurde mit riesigem Medienrummel - dank der Zeitung mit den vier großen Buchstaben auch hier in Deutschland - (fälschlicherweise) als erster Erotikfilm in echtem 3D gefeiert. Der Film erschien heuer neu auf DVD und Blu Ray von dem deutschen Anbieter Capelight Pictures. Wir stellen euch den Film vor, gehen auf die Geschichte des Hongkonger Sexfilms ein und verlosen zwei DVDs.
- Inhaltsverzeichnis
- Sex im Hongkonger Kino bis zum originalen "Sex and Zen" (1991)
- Der Erfolg setzt sich fort mit "Sex and Zen: Extreme Ecstasy"
- "Sex and Zen: Extreme Ecstasy 3D"
- Der Trailer zum 3D Eventfilm
- Von einem, der auszog, den Sex zu erlernen ...
- "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" zerfällt in zwei Hälften
- "Sex and Zen": Ein Farbenrausch sondergleichen
- Man muss sich auf "Sex and Zen" einlassen können
- Die digitalen Datenträger zum Film
- Gewinnspiel
- Kommentare
Sex im Hongkonger Kino bis zum originalen "Sex and Zen" (1991)

Das Hongkonger und Chinesische Kino waren von jeher ziemlich sittenstreng ausgerichtet. Ausnahmen von der Regel hatten meist mit ausländischen Beeinflussungen zu tun, griffen aber auch nicht immer. Während beispielsweise in den 1930er Jahren aufgrund starker westlicher Einflüssen auf China ausländische Magazine mit Aktfotos von europäischen, amerikanischen und chinesischen Frauen im Land kursierten und im Land infolgedessen eine eher freimütige Einstellung zum Sex erwuchs, hielten sich die chinesischen Filmdarstellerinnen vollkommen bedeckt.
Es galt schon als gewagt, wenn Schauspielerinnen auf der Leinwand mit Männern flirteten. Subtile Gesten, begehrliche Blicke und metaphorische Redewendungen transportierten die "Erotik" der Filme. Nackte Haut war die absolute Seltenheit …
Kommunisten verbannen den Sex aus den Kinos, doch Hongkong wehrt sich
Eine weitere freizügige Phase bildeten die 40er Jahre, was sich diesmal auch auf die Filmwirtschaft auswirkte. Denn während der japanischen Okkupation Chinas entstanden vor allem in Shanghai sexuell sehr freizügige Filme. Ende der 40er Jahre, mit der Machtübernahme der Kommunisten in China, verschwanden sexuelle Themen und Nacktheit vollkommen von den chinesischen Leinwänden. Hongkong, unter britischem Protektorat, wird nun zur "Brutstätte" des chinesischen Sexfilms, genießt man doch ganz andere Freiheiten als die Festlandchinesen.
Doch in der "Brutstätte" ging es vor allem in den 50er und 60er Jahren noch sehr züchtig zu! Zwar wurden hier und da schon einmal ganze Schulterpartien freigelegt, weiterreichende Nacktheit allerdings war absolut verpönt. Auch die Darstellung sexueller Beziehungen in Filmen aus Hongkong gestaltete sich extrem konservativ und puritanisch.

Erst in der zweiten Hälfte der 60er Jahre wird man in Hongkong freizügiger. Grund dafür ist die in Europa und Amerika wogende Sexfilmwelle, von der Vertreter bis auf Hongkonger Leinwände schwappen. Der zunehmende Wohlstand der Kronkolonie ist ein weiterer Motor für das Interesse an erotischem Entertainment und da das Fernsehen sich des Themas recht schnell annimmt, ist die Kinoindustrie gezwungen, nachzuziehen, will sie den Anschluss nicht verlieren.
Allgemein werden in dieser Zeit die chinesischen Filminhalte deutlich aggressiver. Insbesondere die Martial Arts Epen strotzen nur so vor Gewalt. Bei dieser Entwicklung will das Sexfilmgenre nicht hinten anstehen, auch wenn das Mehr an Nacktheit auf der Leinwand ein wenig länger auf sich warten lässt. Gewalt, in welcher Ausprägung auch immer, erscheint den Zensoren anscheinend gesellschaftlich verträglicher als Nacktheit ...
Die Sexfilmwelle aus Hongkong rollt an ...
Doch die Macher weichten die Grenzen immer weiter auf und wurden in Dialogen und Kostümierungen immer frivoler. Und mehr und mehr zogen die Zensoren mit und verschlossen sich nicht weiter den Zeichen der Zeit. Sex wird zur verkaufsfördernden Zutat für Filme aus Hongkong. Und während Komödien und Actionfilme in dieser Zeit den Markt beherrschten, wurden die neuen Sexfilme als Sensation empfunden, hatten sie doch in ihrer unerhörten Nacktheit etwas Bahnbrechendes.
Das besondere Merkmal der Filme: Die Hongkonger Filmemacher kombinierten die Genres, die sie von jeher beherrschten, mit den Merkmalen des Sexfilms. Das hatte auch seine Gründe, denn die aktuellen Sexfilmer stammten häufig aus traditionellen Filmstudios, die ehedem mit Kung Fu und Wuxia (grob übersetzt geht es dabei um die meist martialischen Abenteuer fahrender Ritter) Filmen ihr Geld verdienten und nur zu gerne Charakteristika dieser Filme auf den Sexfilm übertrugen.

Die Folge waren außergewöhnliche Filme wie "Intimate Confessions Of A Chinese Courtesan" (1972), der Schwertkampffilm und Sexfilm einte und mit einer außergewöhnlichen Bildsprache und toller Ausstattung kombinierte. Derartige erotische Kostümfilme mit großer Ausstattung dominierten ab sofort den Kinomarkt. 1977 zeigt dann "Starlets for Sale" erstmals in der Filmgeschichte Hongkongs Schamhaare auf der Leinwand … die Sexfilmmaschinerie Hongkongs war offiziell angelaufen.
Doch dieses neue Bekenntnis zur Nacktheit/Sexualität im Kino war kein Zeichen einer Liberalisierung der Hongkonger Gesellschaft. Vielmehr diente sie ausschließlich der Befriedigung sexueller Gelüste eines ausgehungerten Publikums. Dementsprechend gestalteten sich die Frauenfiguren dieser Filme: Frauen waren in den 70er Jahre Sexfilmen gesellschaftlich geächtete Menschen: Prostituierte, Gangsterbräute, Ausländerinnen. Nacktheit war zwar kein Tabu mehr, ABER nach wie vor wurde Sex als schmutzig oder kriminell dargestellt.
Diese Einstellung sorgt auch in Zukunft dafür, dass Nacktszenen in Hongkonger Filmen meist von Ausländerinnen gespielt werden, sodass die Darstellerinnen aus Hongkong ihr Image nicht gefährden mussten/müssen. Weiterhin fällt auf, dass in 70er Jahre Sexfilmen kaum harmonische Liebesbeziehungen gezeichnet werden und die Sexszenen eher Hemmungslosigkeiten und Exzesse transportieren und weniger Gefühle.
In den 80ern wandelt sich der Hongkonger Sexfilm grundlegend
Die 80er bringen da eine Kehrtwende. Als eine wesentliche Zäsur gilt der New Wave Sexfilm "House Of The Lute", der sich 1979 differenzierter mit Leidenschaften und Begierden auseinandersetzt. Fortan orientierte man sich stark an den japanischen Erotikstreifen von vor 20 Jahren und befasste sich vermehrt mit den Problemen der heranwachsenden Generationen - zwar recht oberflächlich, aber eindeutig stärker an der Realität orientiert als in den Jahren zuvor. Sexy Kostümfilme sind kaum noch gefragt und auch der Filmsex verliert den Reiz des Neuen.
"Sex and Zen" – Das Original

1988 treten neue Zensurbestimmungen in Kraft und eine Flut an nicht jugendfreien Filmen (in Hongkong mit der Freigabekennzeichnung "Category III" gelabelt) überschwemmt den Markt. Als Megaerfolg entpuppt sich die "Erotic Ghost Story", die neben zwei Fortsetzungen immer neue Nachahmer nach sich zieht.
Als hochwertiges Beispiel dieser Phase gilt "Sex and Zen" (1991) aus der Hongkonger Großproduktionsschmiede "Golden Harvest". Als Vorlage dient der Romanklassiker "Jou pu tuan" von Autor Li Yu aus der Ming Dynastie.
Darin zieht ein eigentlich verheirateter Student aus, um die Damenwelt mit seiner Manneskraft zu beglücken. Leider ist sein Penis für das Vorhaben viel zu klein, weshalb er ihn durch einen Pferdepenis ersetzen lässt und damit Furore bei den Frauen macht...
Die ausgelassenen, teils übermotiviert markierten Sexdarstellungen dieses wahrhaft skurrilen Streifens, der unmittelbar durch die verschiedensten Filmgenres eilt, reizen eher die Lachmuskeln als alles andere. Dagegen stehen dann Szenen, in denen nach Herzenslust vergewaltigt und geschlagen wird, was deutlich macht, dass sich das Frauenbild in Hongkong über die Jahre eher wenig verändert hat.

Zu diesen immer wieder auftauchenden Brüchen im grundlegenden Ton des Filmes kommen ganze Wagenladungen an obszönen Anspielungen und infantilen Sprüchen. Pornographische Bilder gibt es auch … in Form von altchinesischen Zeichnungen, an denen sich die Zensoren generell nicht störten (da sie als antike Kulturzeugnisse anerkannt sind).
Rückblickend offenbart "Sex and Zen" eine erstaunlich pubertäre Einstellung zum Sexuellen, die aber wunderbar die damals noch immer vorherrschende Verklemmung der Hongkong-Chinesen in Sachen Sex widerspiegelt. Von den Darstellern ganz zu schweigen. So ließ sich selbst Sexstar Amy Yip - gefeiert für ihren für Asiatinnen ungewöhnlich großen Busen - immer dann ein Body Double kommen, sobald die Brustwarzen gefilmt werden sollten.
Die meisten Nacktszenen bestritten also wie gewohnt Ausländerinnen und auch diverse lustfeindliche Tendenzen - ein ewiges Thema im Hongkonger Sexfilm - findet man zuhauf. (meist, so auch hier, wird dieses Element durch Mönche verkörpert, die für Anstand und Moral kämpfen und Sex als Teufelswerk anprangern).
Quellen:
- Film ohne Grenzen - Das neue Hongkong Kino; von Ralph Umard; erschienen im Kerschensteiner Verlag (1996))
- https://www.adrenafilm.de/
- http://www.ofdb.de
- http://www.imdb.com
- http://asianfilmweb.de/index.php?site=filme&fid=sexandzen_hk_1991
- http://www.lovehkfilm.com
Der Erfolg setzt sich fort mit "Sex and Zen: Extreme Ecstasy"
Und genau diesen Klassiker des Hongkonger Sexfilms (der zwei Fortsetzungen nach sich zog) nahm man sich 19 Jahre später her und beschloss, eine Neuauflage des Filmes und der zugrunde liegenden literarischen Vorlage zu drehen. Die Folge ist ein recht freies Remake. So wurde die Handlung deutlich erweitert und umgearbeitet. Wichtige Figuren wurden zwar übernommen, teilweise aber stark umgedeutet. Einige Figuren erfand man gleich komplett neu dazu.
So manche Schlüsselszene wurde zwar beinahe originalgetreu aus "Sex and Zen" importiert, häufig aber in andere Lokalitäten oder gar in gänzlich andere Zusammenhänge verpflanzt. Und schlussendlich beschloss man die ganze Geschichte gleich noch um eine Dimension zu erweitern. Die Dritte nämlich. Das Ziel war der erste Erotikstreifen Asiens in echtem 3D. Zudem einer, der in die Kinos kommen sollte. Mit großem Erfolg! So ließ "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" in Hongkong sogar "Avatar" weit hinter sich.

Einen solchen Erfolg wird der Streifen weltweit nicht verbuchen können. Dazu ist er in seiner ganzen Machart einfach ein wenig zu speziell und zu sehr auf die Sehgewohnheiten der eigenen Landsleute zugeschnitten. Folgerichtig bekommen wir Deutschen ihn auch nur auf DVD/Blu Ray zu Gesicht. Aber das ist ja immerhin schon etwas ...
"Sex and Zen: Extreme Ecstasy 3D"
Originaltitel: 3D rou pu tuan zhi ji le bao jian
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 2011
Regie: Christopher Sun Lap Key
Darsteller: Saori Hara, Vonnie Lui, Hiro Hayama, Yukiko Suô, Tony Ho, Leni Lan u.a.
Freigabe: FSK 18
Laufzeit: 123 Minuten
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Kantonesisch jeweils Dolby Digital 5.1., deutsche Untertitel
Extras: Kinotrailer, Making Of, Trailer aus dem Programm des Anbieters
Verpackung: Amaray mit Wendecover, Blu Ray im Steelbook!
Verleih: Capelight Pictures
Der Trailer zum 3D Eventfilm
Von einem, der auszog, den Sex zu erlernen ...
Der Gelehrte Wei Yangsheng begleitet seinen Freund zu dessen verabredeter Heirat mit der wunderschönen Tie Yuxiang. Bei einem ersten Aufeinandertreffen entbrennen Wei Yangsheng und Tie Yuxiang aber derart füreinander, dass Wei die Hochzeit seines Freundes mit Tie sabotiert und sie selbst zur Frau nimmt.
Die beiden sind derart verliebt ineinander, dass beide zunächst gar nicht stört, dass Wei eher sehr spärlich bestückt ist und dass er beim Liebesakt einen vorzeitigen Samenerguss auf den nächsten folgen lässt. Doch zunehmend wird Wei sexuell immer frustrierter und auch Tie wirkt alles andere als erfüllt von den gemeinsamen, zumindest sehr häufigen Schäferstündchen. Während sie den Fehler bei sich selbst sucht und sich Vorwürfe macht, findet Wei derweil anderweitig Zerstreuung.

Er schlüpft unter bei dem Prinzen von Ning, dessen höhlenartige Behausung einem Heim der Sinnesfreuden entspricht. Hier hält sich der Lebemann einen Harem und huldigt den schönen Künsten. Wei lernt hier erstmals, was es heißt, wirklich erfüllenden Sex zu haben, trotz kleinem Genital. Wieder daheim angelangt kommen seine sexuellen Eskapaden ans Licht und er lässt sich der Sitten und Gebräuche wegen von Tie scheiden. Doch beide verbindet nach wie vor eine starke Liebe.
Während Wei sich fortan bemüht, Höhepunkt auf Höhepunkt folgen zu lassen und sich dafür sogar das Genital eines Pferdes anstelle seines kleinen Penis verpflanzen lassen will, erfährt Tie ausgerechnet bei der Vergewaltigung durch einen Kohlenhändler erstmals, was erfüllender Sex wirklich ist. So entfernen sich die beiden scheinbar immer mehr voneinander. Doch ihre Wege sollen sich sehr bald wieder kreuzen, vor allem, weil der Prinz von Ning einen ziemlich hinterhältigen Plan verfolgt ...
"Sex and Zen: Extreme Ecstasy" zerfällt in zwei Hälften

Dieser Plan endet ausgesprochen blutig. Körperteile werden abgehackt, Menschen erdolcht, Köpfe abgeschlagen und man reibt sich als westlicher Zuschauer mehr als verwundert die Augen, wie ein zunächst so lockerleichter Spaß dermaßen ernst enden kann. Doch das "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" deutlich ernster enden würde, als er begonnen hat, spürt man ungefähr ab der Halbzeit des Filmes. Die Musik wird plötzlich deutlich düsterer, die Stimmung gedrückter, die Bilder atmen nicht mehr den Pomp der Einstiegsstunde und Themen wie Neid, Missgunst, Verrat und Rachegelüste übernehmen die Regie.
Die erste Stunde dagegen erinnert in ihrer Optik, ihrer Lebhaftigkeit, ihrem Farbenüberfluss und dem immer wieder abgefeierten, teils arg infantilen Humor an die frühen Hongkongfilme, die heute immer mal im Spätprogramm diverser Privatsender laufen. Die Figuren wirken durchweg überzeichnet und die Darsteller chargieren mit einer Spielfreude, die irgendwann einfach nur noch grotesk wirkt, aber zu diesem Zeitpunkt zum angeschlagenen Ton des Filmes durchweg passt.
Wie schon im Original werden auch die Sexszenen in diesem Abschnitt lustvoll übersteigert. Dabei gefällt vor allem die Montage der Zeit nach der Hochzeit von Tie und Wei, die die beiden hübschen Darsteller in ihrer ansehnlichen Nacktheit präsentiert und für einen Genrefilm sogar durchaus romantisch anmutet. Wie sich die Beziehung ganz allmählich verändert, weil Wei sexuell einfach zu unbedarft ist, ist richtig toll umgesetzt wurden.
Weis sexuelle Eskapaden beim Prinzen von Ning sind dann reich an Schenkelklopfhumor und stehen vollends im Zeichen des Originals, wo man bei den Sexszenen viel Humor einbaute, weil der von dem "Unerhörten" der Nacktheit ablenkte.

Hat man dann Wei in einer grandios dämlichen Szenenfolge sein neues Genital verpflanzt, beginnt sich der Ton des Filmes deutlich zu verschieben. Auch die Sexszenen passen sich dem an. Vergewaltigungen, Würgesex, Orgien und auch BDSM-Einlagen halten Einzug in den Film, der mehr und mehr seine Unschuld verliert und vor allem wegen dem Handeln des Prinzen von Ning deutlich an Dramatik zulegt.
Zwar ist der Beweggrund für dessen Handeln nicht wirklich packend, doch die deutliche Dämonisierung seines Charakters funktioniert ziemlich gut. Des Weiteren nehmen sich die Darsteller ab sofort auch deutlich zurück und wirken vom Spiel her deutlich souveräner. Das Problem ist im Grunde nur, dass dieser Stimmungswechsel eher abrupt hergeleitet wird und sich nicht homogen entwickelt. Was sich dann freilich auch auf die Figurenzeichnung auswirkt und für eine etwas holprige Dramaturgie sorgt. Dranbleiben will man aber trotzdem ...
"Sex and Zen": Ein Farbenrausch sondergleichen

Großartig ist die Ausstattung des Filmes geraten. Wer sich die neueren Chinaböller a la "Hero", "House Of Flying Daggers" oder "Der Fluch der goldenen Blume" zu Gemüte geführt hat, der weiß ungefähr, was ihn hier für ein Farbenrausch erwartet. "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" schwelgt in Farben und wirklich fantasievollen Kostümen, die mit historisch überlieferter Kleidung nicht viel gemein haben. So geben die Macher freimütig zu Protokoll, dass sie sich bei der Ausstattung eher an zeitgenössischen Video- und Rollenspielen und weniger an historischen Überlieferungen orientiert haben. Auch die Kulissen wissen zu gefallen, auch wenn dem Palast des Prinzen von Ning ein etwas zu offensichtlicher Pappmachelook nicht abgesprochen werden kann.
Was erstaunt, ist die relativ ruhige Bebilderung des Ganzen. Gerade von den Filmern der ehemaligen Kronkolonie ist man doch etwas mehr Verve, abgefahrene Perspektiven und eigenwilligere Kamerawinkel gewohnt. Die Zurückhaltung könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass der Film noch mit 3D Kameras der ersten Generation gedreht wurde und die für großartige Kamerafahrten und Kamerakranspielereien zu schwer waren.
Dass "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" offensiv auf den 3D Effekt abgestellt wurde, merkt man auch in der 2D Fassung. Beständig fliegt etwas gen Kamera, werden verschiedene Ebenen aufgespannt, ragen schöne Brüste in die Kamera und schwappen sogar Wasserspritzer bei einer Sexszene im Badezuber in Richtung Zuschauer. Gegen Ende mischen sich da noch Blutfontänen unter und Kugeln rauschen in Zeitlupe aus der Leinwand heraus ...
Im Übrigen hat man es nicht geschafft, die erste asiatische Erotikproduktion in echtem 3D zu sein. Diese Ehre ging letztlich an den minimal früher erschienenen südkoreanischen "Natali" …

Wie so oft, sind genau die offensichtlichsten und am Computer getricksten 3D Elemente eine echte Hürde für die PC-Künstler, denn gerade wenn man diese Szenen nicht in 3D sieht, werden sie doch arg durchsichtig und erkennt man überdeutlich, wenn ein Effekt noch etwas mehr Zuwendung hätte vertragen können. So auch hier. Im Actionteil verwässern dann noch einige miese CGI Bluteffekte den dramatischen Aspekt der Szenen und lassen sie unfreiwillig komisch wirken. Dafür weiß die aufgefahrene Musik rundweg zu gefallen.
Den Augen schmeicheln dann die Darstellerinnen im Film, hat man allerdings eine Schamhaarallergie, bekommt man hier echte Probleme. Aber es soll ja noch Menschen geben, für die Schamhaare noch nichts Unnatürliches darstellen. Wie gewohnt stammen die weiblichen Darstellerinnen aus anderen asiatischen Ländern (hier: Japan, Südkorea), denn wieder wollte kaum ein Hongkong-Starlet für den Film blankziehen.
Man muss sich auf "Sex and Zen" einlassen können
Und nicht nur dieser Fakt macht deutlich, dass man "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" am besten einfach als eine Hommage an eine Art Film sehen sollte, wie sie vor Jahrzehnten in ihrer Heimat mal Furore machte und die so heute eigentlich gar nicht mehr produziert wird.
Dementsprechend fuhr man viele Bausteine auf, die die Klassiker des Hongkong-Sexfilmgenres ausgemacht hatten: Infantiler Humor, groteske Charakterzeichnungen, eine detailverliebte und schwelgerische Ausstattung, die Kreuzung mit anderen Genres (hier treffen das Wuxia und Schwertkampffilmgenre auf den Sexfilm), die importierten leckeren Starlets, die überzogenen Sexszenen, die Lustfeindlichkeit (Ein Mönch entsagt auch in diesem Film allem Sexuellen) und die Präsentation pornographischer Bilder anhand von altchinesischen Zeichnungen. Wenn man sich auf dieses Konzept einlassen kann, sollte man an "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" durchaus seinen Spaß haben.

Auch wenn man offen ist für Filme, die sich abseits der üblichen Sehgewohnheiten bewegen, kann "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" ein vergnügliches Erlebnis werden. So beißt sich beispielsweise manche Slapstickszene so heftig mit dem später angeschlagenen Ton des Filmes, dass man hinterher gar nicht glauben kann, dass beide Elemente im gleichen Film stattfanden. Skurriler geht es teils gar nicht mehr.
Wer allerdings ein asiatisches Erotikmeisterwerk wie den japanischen Klassiker "Im Reich der Sinne" erwartet, der ist hier definitiv und absolut an der falschen Adresse. "Sex and Zen: Erotic Ecstasy" will keine Tabus mehr brechen, keine politischen Kommentare abgeben, ihm sind die Stellung des Mannes und der Frau vollends egal und auch eine spießige Gesellschaftsmoral gibt es nicht mehr zu attackieren. Auch wenn das in Gekreische und Blut endende Finale etwas anderes nahe legt, letztlich will "Sex and Zen: Extreme Ecstasy" einfach nur gut und oberflächlich unterhalten. Je nach persönlichem Geschmack schafft er das mehr oder weniger gut ...
Die digitalen Datenträger zum Film
Für den Test griffen wir auf die deutsche Blu Ray zurück. Diese enthält im Gegensatz zur DVD auch die 3D Fassung des Filmes, für die es aber freilich geeigneten Equipments bedarf. Überdies enthalten DVD und Blu Ray - was weltweit NOCH relativ selten ist - die im Vergleich zur originalen chinesischen Kinofassung um 15 Minuten erweiterte Langfassung des Filmes.
Sowohl DVD als auch Blu Ray enthalten als Extras mehrere Trailer zum Film, Trailer zum Gesamtprogramm des Anbieters Capelight und ein Making Of zum Film, das allerdings in recht kurze, arg oberflächliche Happen zerlegt wurde.
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Gewinnspiel
In Zusammenarbeit mit dem Verleih Capelight Pictures verlosen wir zwei DVDs des hier vorgestellten Filmes! Wer eine DVD gewinnen möchte, sollte uns folgende Fragen beantworten können:
- Welcher Hongkong Superstar wurde durch die "Police Story" Filme weltbekannt?
- Wer führte Regie bei der ultimativen Hommage an das Wuxia Genre: "Tiger & Dragon"?
Gesucht waren Jackie Chan und Ang Lee ...
In diesem Sinne:
freeman








