Nach diversen provokanten Streifen und etlichen Weichspülerfilmen wollen wir die Filmecke diesmal um ein reines Powerhouse von einem Film bereichern, der wohl am besten als vollkommen überzogenes Testosteronspektakel umschrieben werden kann und sich auch vornehmlich an die Filmfans richtet, bei denen ein Film auch mal nur auf den Bauch und so gar nicht auf den Kopf abzielt.
Am 4. Juni 2010 kommt ein solcher Film auf DVD und Blu Ray in den Handel. Der Name: Gamer. Wir stellen den Film vor und haben zwei Fanpakete zur Verlosung für euch bereitliegen!
Gamer
Originaltitel: Gamer
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2009
Regie: Mark Neveldine / Brian Taylor
Darsteller: Gerard Butler, Milo Ventimiglia, Michael C. Hall, Amber Valletta, John Leguizamo, Alison Lohman, Aaron Yoo, Terry Crews, Ludacris, Kyra Sedgwick, Zoe Bell u.a.
Freigabe: FSK 18
Laufzeit: 88 Minuten
Bild: 1,77:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch jeweils Dolby Digital 5.1
Extras: Inside the Game: Controlling Gamer (Making Of), First Person Shooter: The Evolution of Red (Feature), The Doobie-ness Cut Trailer (Exklusiv), Kinotrailer, Interviews mit Gerard Butler, Michael C. Hall, Amber Valletta, Terry Crews, Chris "Ludacris" Bridges, Brian Taylor & Mark Neveldine
Verpackung: Amaray mit Wendecover!
Verleih: Universum Film GmbH
Der Facebook Auftritt zum Heimkinostart
Der Trailer
Intro
Die Crankmacher Neveldine/Taylor sind für mich die Renovatoren des "Dicke Hose Filmes"! Ihre Streifen präsentieren testosterongeladene Achterbahnfahrten mit maulfaulen Helden, knapp geschürzten Supergirls, dicken Wummen, ebensolchen Titten, knackigen One Linern, stumpfen Storys und Action satt als Ersatz für schlüssige Dramaturgien oder oscarverdächtige Charaktermomente.
Das Ergebnis daraus reichern die beiden Regisseure mit einem fürs Genre vollkommen neuartigen Optikwahnwitz an, der jedes Musikvideo wie einen gediegenen Heimatfilm anmuten lässt. Hinzu kommt ein unbändiger Wille, mit Ideen zu protzen. Seien es handlungstechnische Dumm Dumm Geschosse, die sie locker aus der Hüfte schießen und die jedem abgedrehten Comic alle Ehre machen würden, oder optische Schmankerl sondergleichen - man hat immer das Gefühl, die beiden müssen einfach unter Strom stehen.
Story
Und unter Strom steht in ihrem neuen Film Gamer auch Kable (welch Wortspiel). Eigentlich ist er ein verurteilter Mörder, der eine Chance ergriff. Denn in der nahen Zukunft dürfen zum Tode Verurteilte um ihr Leben kämpfen. Allerdings machen sie das nicht selbst! Vielmehr werden sie gesteuert von Gamern. Menschen, die einfach Bock auf Egoshooter der besonders realistischen Sorte haben. Denn wenn die Gefangenen im Spiel gefraggt werden, bleiben sie für immer liegen. Das Urteil wurde quasi vollstreckt ... der Delinquent ist tot.
Doch Kable hat Glück. Sein Gamer ist ein gewiefter Taktiker und obendrein hat er einen sehr lockeren Abzugsfinger. So hat Kable bereits 27 Runden des Todesspieles durchgehalten. Noch drei Runden und ihm winkt die Freilassung, denn dies ist der Hauptpreis im Spiel "Slayers".
Kritik
Neveldine/Taylor machen bei Gamer gar keinen sonderlichen Hehl daraus, woher ihre Ideen stammen. Man nehme ein wenig "Das Todesspiel" bzw. "Running Man", reichere es um Modernismen wie Virtualität und Online Gemeinschaften an und dann heißt es nur noch: Gib ihm! Wuchtig, brachial, brutal, energiegeladen und bar jedweder Mäßigung, was optische Spielereien angeht. Wenn Kable ins Gefecht zieht, gilt für das Heimkino wortwörtlich "Es IST Krieg!".
Gegen die hier lancierten Bilder muten die Unmittelbarkeitsversuche von "Saving Private Ryan" oder der "Jason Bourne Trilogie" an, als hätten sich Filmstudenten mal ausprobiert und jetzt zeigen die Profis einfach, wie es richtig geht. Die Kamera taumelt, dreht sich, überschlägt sich, fliegt durch die Gegend, wird von Druckwellen herumgeschleudert, wackelt, zittert, lässt Einzelbilder vermissen und lässt den Zuschauer in den druckvollsten Momenten jedwede Form von Orientierung komplett verlieren. Dazu kommt eine Schnittfrequenz, die man nur mit hysterisch umschreiben kann und in der Einstellungen von vier Sekunden Länge schon als Charaktermomente gewertet werden müssen.
Dazwischen bellt Gerard Butler als Kable coole One Liner, ächzt vor Schmerz oder blutet einfach vor sich hin, während der Zuschauer umtost wird von einem ungeheuer aggressiven Soundmix, der einem die Kriegsschauplätze in Gamer wortwörtlich um die Ohren pfeffert.
Freunde, was wir hier zu sehen bekommen, mutet an, wie eine Art Möglichkeit, einmal in die Zukunft des Actionkinos hineinzuschnuppern. Und erstaunt stellt man fest, dass das, was einem da gerade vor lauter Druck die Luft zum Atmen nahm, erstaunlich übersichtlich anmutet und man inmitten dieses vollkommen Stilmittelchaos wirklich noch Ansätze von Choreographien und purer Kraft zu sehen bekommt, die Menschen zerreißt, zerfetzt, halbiert und komplett zermantscht. Kurzum, wenn in Gamer die großen Actionsequenzen ausgestanden sind, hat man echt das Gefühl, einmal tief durchatmen zu müssen.
Doch auch abseits der Action haben Neveldine/Taylor keine Lust, ihr Adrenalinkino ad acta zu legen. Stattdessen gibt es immer mehr und mehr Augenfutter, selbst in Dialogszenen.
Leider kann die Story mit dieser Energie nicht wirklich mithalten. Zunächst einmal ist die Grundidee hinter Gamer großartig. Es werden zwei Realitäten aufgespannt. Eine Spielrealität und die "wahre" Realität. Vollkommen irritierenderweise bestehen die Spielrealitäten aber aus realen Menschen! Denn nicht jeder hat Zeit und Geld, um die Spiele zu zocken, also verdingt man sich durchaus auch als Spielfigur, deren eigener Wille für die Dauer des Spieles abgeschaltet und von anderen Spielern übernommen wird. Denn in Gamer wird nicht nur das Bestrafungsspiel "Slayers" gespielt, sondern auch ein Spiel namens "Society".
Eine vollkommen pervertierte Version des "Second Life" Spielprinzips, bei dem Neveldine/Taylor auch Internetmythen wie das Gender- und Ageswitching ins Groteske verzerren und zum Abschuss freigeben. Immer wenn es um "Society" und seine vor Fakes überfließende Umgebung geht, hat Gamer richtig geniale Momente und Einzelszenen. Von den knallbunten Bildern dieser überspannten und mit sexueller Prolligkeit protzenden Spielwelt ganz zu schweigen. Doch die um Kable aufgespannte Geschichte dagegen trägt nicht wirklich. Sie ist nicht mehr als Mittel zum Zweck, um von einem Actionhighlight zum nächsten zu gelangen.
Hier machen dann Neveldine/Taylor auch den Fehler, dass sie ihre Geschichte gerne mit etwas mehr Bedeutung aufladen würden wollen. Doch das, was ihnen auf der "Society" Ebene noch glänzend gelingt, geht in dem zynischen "Slayers" Massakerwust komplett verloren. Letztlich geht es hier nur um Gemetzel und niedere Instinkte.
Zwar gibt es Seitenhiebe auf die Medienhörigkeit der Massen und die Pervertierung der Onlinewelt im Allgemeinen, gerade aber der wichtigste moralische Konflikt (Sind die Gamer, wenn sie ihre "Spielfiguren" in den Tod schicken, nicht auch Mörder?) wird vollkommen ausgeblendet. Zumindest aber funktioniert die Spannungskurve hinter Gamer ganz ordentlich und vielleicht beschränken sich Neveldine/Taylor beim nächsten Film wieder auf reines Anarchokino mit ohne Botschaftenmaschine ...
Die Darstellerriege zumindest macht eigentlich durchgehend Spaß. Wobei vor allem zwei Figuren wirklich im Gedächtnis verhaftet bleiben. Numero Uno ist "300" und Nackte Wahrheit Star Gerard Butler als Kable, der hier wieder einmal wuchtig und fleischig durch die Kulissen hetzt und einen gar formidablen, extrem maulfaulen Actionrecken abgibt. So wenig wie hier dürfte er bisher in noch keinem Film gesprochen haben. Zum Ausgleich gibt er Leonidas mit Riesenwumme, ist doch auch was.
Absoluter Showstealer ist aber Michael C. Hall, der aktuell als sympathischer Killer in dem TV Hit "Dexter" Zuschauer und Kritiker begeistert. Zwar betreibt er hier hemmungsloses Overacting, entwirft dabei aber ganz nebenbei einen wundervoll diabolischen Bösewicht der Generation 2.0, von dem immer eine enorm unterschwellige Bedrohung ausgeht. Obendrein ist seine offen zu Markte getragene Selbstsicherheit absolut gänsehauterregend. Der Hammer ist aber, wenn er zu "I’ve got you under my Skin" eine grandios abgefahrene Musicalnummer zum Besten gibt.
Im Übrigen ist die Musikauswahl zu Gamer durchgehend so gelungen ausgefallen. Denn freilich ist "I’ve got you under my Skin" ein herrliches Sinnbild für die Funktionsweise der Spiele in Gamer. (So eine Musicalnummer hätte "Avatar" gut getan
) Und zu Beginn, wenn uns die irreale Welt hinter Gamer vorgestellt wird, tönt "Sweet Dreams" aus den Lautsprechern – ein schönes Bild für die Gamerrealitäten. Vom energetischen Score unter den Actionszenen ganz zu schweigen.
Fazit
Was bleibt ist ein Actionstreifen, wie man ihn sich eigentlich vorstellt. Laut, schnell, knackig, aufs Wesentliche beschränkt, urstbrutal (und in Deutschland leider minimal geschnitten – 20 Sekunden fehlen), voll von Gewalt, Zynismus, nackten Ärschen und Titten, gesegnet mit einem charismatischen Helden, geadelt durch einen diabolischen Bad Ass und abgerundet durch ein Mehr an irren Stilmitteln.
"Auf die Fresse Kino" aus Point of View Perspektive, im Vergleich zum bisherigen Anarchokino der Marke Neveldine/Taylor leider ausgebremst durch den Anspruch, dem Treiben etwas mehr Tiefe zu verleihen. Kurzum: Brachiales Actionkino mit cooler Ausgangsidee.
In diesem Sinne:
freeman
Gewinnspiel
Gemeinsam mit PURE Online und Universum Film GmbH verlosen wir zwei kleine Fanpakete zum Film. Diese beinhalten die FSK 18 freigegebene DVD und ein Poster von Gamer. Alles was ihr dafür tun müsst, ist, die folgenden drei Fragen alle korrekt zu beantworten:
- Wer spielte die Hauptrolle in den Crank Filmen?
- Gegen welches ehemaliges Weltreich kämpfte Gerard Butler in seinem großem Hit "300"?
- In welcher Serie spielte Michael C. Hall einen Bestattungsunternehmer?
Eure Lösungen schickt ihr bitte per Clubmail mit dem Betreff "Gamer" an freeman.
Einsendeschluss ist Sonntag, der 6. Juni 2010 um 23:59 Uhr.
Bei mehr als zwei richtigen Einsendungen entscheidet das Los und der Rechtsweg ist wie gewohnt ausgeschlossen.
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