Am 10. September bringt der deutsche Filmverleiher MFA+ Filmdistribution mit dem Streifen Antichrist einen schon im Vorfeld heiß diskutierten Film in die deutschen Kinos, der die Grenzen des Mainstreams weithin sichtbar aufzusprengen versucht.
Und da es schon weit vor Antichrist interessante Filme fernab des allgemeinen Massengeschmacks gab, wollen wir sowohl den neuen Kinofilm als auch ein paar bereits auf DVD erschienene Perlen des kontroversen Kinos vorstellen. Und vielleicht geht dieser Artikel sogar in Serie ...
Antichrist
Originaltitel: Antichrist
Herstellungsland:
Deutschland,
Dänemark,
Frankreich,
Italien,
Polen,
Schweden
Erscheinungsjahr: 2009
Regie: Lars von Trier
Darsteller:
Willem Dafoe,
Charlotte Gainsbourg
Der englische Trailer
Zum Film
Ein trauerndes Paar zieht sich in die gemeinsame einsame Hütte, "Eden", in den Wäldern zurück. Sie kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr eine Depression hervorrufen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
"Lars von Triers Antichrist" ist ein zutiefst beunruhigender Trip in menschliche Abgründe und Ängste. Mit teils wunderschönen, surrealen, teils drastischen Bildern schafft es von Trier, den Zuschauer zu berühren und zu erschüttern. Für ihre mutige und aufwühlende Darstellung wurde Charlotte Gainsbourg beim Filmfestival in Cannes 2009 als Beste Schauspielerin ausgezeichnet. Flankiert wird sie in Antichrist von dem Ausnahmeschauspieler Willem Dafoe.
Regisseur Lars von Trier (Breaking the Waves, Idioten) meint zu seinem neuen Film, dessen Drehbuch er nach einer ausgewachsenen Depression geschrieben hatte: "Die Arbeit an dem Drehbuch folgte nicht meinem üblichen Modus Operandi. Szenen wurden ohne Grund hinzugefügt. Bilder wurden zusammengestellt, unabhängig von Logik oder dramatischem Denken.
Oft stammten sie aus Träumen, die ich zu der Zeit hatte, oder Träumen, die ich früher in meinem Leben hatte. Wieder einmal war das Thema "Natur", aber auf eine andere und direktere Weise als zuvor. Auf eine persönlichere Weise. Der Film enthält keinen bestimmten moralischen Code und beinhaltet nur das, was manche die "blanke Notwendigkeit" von einem Plot nennen würden."
Zu erwarten ist Ausnahmekino, das einige Kritiker bereits zu Begeisterungsstürmen hinriss und gleichzeitig äußerst kontrovers diskutiert wird.
Der Film läuft ab dem 10. September mit der Alterseinstufung "Keine Jugendfreigabe" in den deutschen Kinos an.
Next Door
Originaltitel: Naboer
Herstellungsland:
Dänemark,
Norwegen,
Schweden
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Pål Sletaune
Darsteller:
Kristoffer Joner,
Cecilie A. Mosli,
Julia Schacht,
Anna Bache-Wiig,
Michael Nyqvist,
Øystein Martinsen,
Odd Arno Midtsjø,
Magne Kipperrud u.a.
- Story
In Johns Nachbarwohnung ziehen zwei Schwestern ein. Die eine wirkt in ihrer besonnen und langweiligen Art beinahe wie die Mutter der lolitahaften, scheinbar deutlich jüngeren anderen Schwester. Beide verhalten sich sehr ungewöhnlich, tischen John Lügen auf, die er nicht verorten kann und dennoch landet er häufiger in der Wohnung der Beiden, als ihm selbst lieb ist.
Als er mit der jungen Schwester allein ist, spielt sie den Lolitafaktor voll aus und erzählt ihm von einer ihrer Fantasien, in der sie mit drei Männern den Beischlaf vollzieht. John nähert sich ihr und beginnt sie zu befummeln. Plötzlich verpasst sie ihm einen brachialen Schwinger ins Gesicht! Und noch einen! John kann sich nicht mehr beherrschen und schlägt zurück. Seltsamerweise ist sie davon nicht geschockt, sondern wird nur noch schärfer. Das Seltsamste aber ist: John geht es genauso. Es folgt ein Sexakt, der mehr einem Boxkampf ähnelt ... und der den Film vollkommen kippen lässt.
- Kritik
Bis zu diesem Moment bestand der Film nämlich nur aus edelsten, schleichenden Kamerafahrten und einer ruhigen, etwas seltsamen, aber niemals unheilschwangeren Atmosphäre. Doch nach diesem Akt ändert sich alles! Die schleichenden Kamerafahrten transportieren plötzlich Beunruhigung, Gestalten huschen vor der Kamera vorbei und John verirrt sich mehrmals in dem Labyrinth der für ihn fremden Wohnung der Schwestern. Oder ist sie gar nicht so fremd? Er kann es nicht sagen. Er dreht immer mehr ab und damit auch die Inszenierung.
Die Kamera stolpert, taumelt, zittert und die allmählich aufgebaute Atmosphäre der Verunsicherung mutiert zu Panik, Angst und Ausweglosigkeit. Die grandiose Musik tut ein Übriges und wie John weiß man gar nicht mehr, was man hier schaut: Eine Studie über die Verquickung von Sex und Gewalt? Ein Psychogramm kaputter Menschen? Mindfuck? Am Ende weiß man, es ist ein Mix aus allen drei Komponenten, gepaart mit einer kleinen Prise Nekrophilie.
Der skandinavische (Dänemark, Schweden, Norwegen) Streifen Next Door ist ein kleines Highlight in dem zumeist recht dünn besetzten Erotikthrillerbereich. Toll gespielt und inszeniert scheint sich der Film alle paar Augenblicke zu verwandeln und dem Zuschauer neue Einblicke hinter das große Ganze zu erlauben.
Und obwohl man dadurch Ahnungen von dem bekommt, wie hier alles zusammenhängen könnte, wird man auf die komplexe Auflösung nicht von alleine kommen, zumal diese auch noch Raum für eigene Interpretationen lässt - vor allem, was die beiden Schwestern angeht. Grandios, verwirrend, schwarzhumorig, in seinen besten Momenten verstörend, häufig beunruhigend und immer ein klein wenig rätselhaft. Das ist Next Door ...
Die deutsche DVD kommt von dem Label Legend Home Entertainment und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.
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Feed
Friss und stirb - der Fetisch-Thriller!
Originaltitel: Feed
Herstellungsland: Australien
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Brett Leonard
Darsteller:
Alex O'Loughlin,
Patrick Thompson,
Gabby Millgate,
Jack Thompson,
Rose Ashton,
Matthew Le Nevez,
David Field,
Sherly Sulaiman,
Marika Aubrey,
Adam Hunt u.a.
- Story
Der Australier Phillip arbeitet als Cybercrime-Ermittler und fahndet im Internet nach illegalen Pornos und Pädophilen. Diese Arbeit fordert ihn extrem und die bei seiner Arbeit angestaute Wut entlädt sich immer wieder in brutalen Gewaltausbrüchen Phillips gegenüber festgenommenen Internetverbrechern. Doch seine Bosse dulden dies, wissen sie doch, was sie an dem unnachgiebigen Phillip haben. Seine Freundin ist da allerdings ganz anderer Ansicht.
Da stößt Phillip über die Begriffe "Feeder" und "Gainer" auf die für Normalsterbliche abstoßende Welt der Fetterotik. Ein Fetischbereich, in dem dünne Männer, die Feeder, nach extrem übergewichtigen Frauen, den Gainers, lüstern. Nach kurzer Einarbeitungszeit in diese Subkultur des Sexes scheint es, als sei eine der Gainer verschwunden, nachdem sie live im Internet von ihrem Feeder auf über 300 Kilo gefüttert wurde.
Phillips Ermittlungen ergeben, dass die Frau an den Exzessen der letzten Wochen und Monate gestorben ist und ihr Feeder bereits eine neue Gainerin gefunden hat. Phillip will den Fett-Fetischisten stellen, bevor noch weitere Frauen sterben müssen.
- Kritik
Was mir nach Feed als erstes durch den Kopf ging, soll hier einmal relativ ungefiltert verdeutlichen, was Feed im Zuschauer auslösen kann, nicht muss!
Was für ein Trip. Der ultimative Film wider alle Konventionen. Konventionen im Bereich der Darstellung von Sex und Gewalt, der Bebilderung von Fetischen und dem Verhältnis Jäger und Gejagter ... Feed kümmert sich darum keinen Deut! Obendrauf dann wie die Nackte aus der Torte ein fast schon zu geniales Ende und die wohl hinterfotzigste Schauspielleistung eines scheinbar offensichtlichen Sonnyboytypen, der mit seiner punktgenauen Performance als böswilliger Feeder alles an die Wand rockt (Im Übrigen wird dieser widerwärtige Typ von dem bei Frauen ungemein beliebten Moonlight Vampir Alex O'Loughlin gegeben!).
Dazu eine geniale, hyperenergetische Optik garniert mit einem extrem reduzierten, sehr bedrückenden Musikscore und fertig ist ein toller Streifen, der das Prädikat unappetitlich verdient wie kein anderer Film zuvor. Mein einziger Kritikpunkt: Der Hauptdarsteller Patrick Thompson als Phillip ist das schwächste Glied in der Kette. Ansonsten ist Feed ein faszinierender, wenn nicht gar der ultimative Film zum Thema "Menschen" (besser wäre Zivilisationskrüppel) unserer Zeit...
Die deutsche DVD von dem Label Ascot Elite ist mit einer erstaunlich moderaten FSK 18 Freigabe ungeschnitten erhältlich.
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Irreversibel
Originaltitel: Irréversible
Herstellungsland: Frankreich
Erscheinungsjahr: 2002
Regie: Gaspar Noé
Darsteller:
Monica Bellucci,
Vincent Cassel,
Albert Dupontel,
Jo Prestia,
Philippe Nahon,
Stéphane Drouot,
Jean-Louis Costes,
Mourad Khima,
Hellal,
Nato,
Jara-Millo,
Adoum u.a.
- Story
Alex und ihr Partner Marcus wollten mit Alex Ex-Freund Pierre einen fröhlichen Abend verbringen, doch zufällige, grundlegend falsche Entscheidungen führen das Trio in eine ausweglose Situation. Alex wird brutal vergewaltigt und halbtot geschlagen. Marcus und Pierre reagieren auf ihre Weise und wollen den Täter zur Rechenschaft ziehen. Ein infernalischer Racheakt ist die Folge …
- Kritik
Der chronologisch rückwärts erzählte Streifen Irreversibel bebildert die Ereignisse einer einzigen verhängnisvollen Nacht und geriet vor allem aus zwei Gründen in den Fokus der Medienöffentlichkeit. Zum einen wegen seiner gnadenlos brutalen Gewaltdarstellung, die sich in zwei Momenten schonungslos entlädt und einen stabilen Magen beim Zuschauer erfordert. Zum anderen beinhaltet der Film eine schreckliche Vergewaltigungssequenz, in deren Verlauf eine Frau minutenlang von ihrem Peiniger anal missbraucht und im Anschluss verprügelt wird.
Regisseur Gaspar Noé inszenierte diese Szene aus einem starren Kamerawinkel heraus, setzt keinen einzigen Schnitt und macht so das Publikum zum ohnmächtigen Zeugen der verstörenden Szenerie. Je länger die Sequenz andauert, umso wütender wird man in seinem Fernsehsessel. Und Regisseur Noé liefert für die dabei angestaute Wut auch keinerlei Ventil dahingehend, dass der Vergewaltiger letztlich bekommen wird, was er verdient hat, denn der eigentliche Racheakt für diese Sequenz hat den Zuschauer schon Minuten vorher geplättet – nur schien hier die Eruption der Gewalt noch vollkommen grundlos.
Zudem entsteht das ungute Gefühl, dass sich der Racheakt am Falschen entladen haben könnte. Und genauso erschließt sich der gesamte Film dem Zuschauer nur ganz allmählich und liefert aufgrund seiner brillanten Erzähltechnik mehrere ähnlich fatale Wendungen, wie jene um das Schicksal des Vergewaltigers. Zumindest nimmt Irreversibel nach diesem brutalen Einstieg ein wenig den Fuß vom Gas.
Doch selbst wenn Irreversibel nach dem harten Einstieg immer offener und leichter wird, denn aufgrund der rückwärts laufenden Erzählzeit endet der Film mit dem jung verliebten Paar Marcus und Alex (brillant, eindringlich und intensiv gespielt von den verheirateten Darstellern Vincent Cassel und Monica Bellucci), die sich wie verliebte Turteltäubchen auf die kommende, äußerst fatale Nacht vorbereiten, hält er noch in der letzten Szene seines "luftigen" Endes eine Erkenntnis bereit, die den Zuschauer noch einmal mit voller Wucht in der Magengegend trifft.
Und so anstrengend, wie sich diese Anmerkungen bisher gelesen haben dürften, ist der ganze Film. Denn egal, wie luftig und leicht der Film zum Ende hin auch wird, der brutale Einstieg, der ja rein zeitlich gesehen erst noch folgen wird, schwebt über den Bildern und lässt keine gemütliche Fernsehstimmung aufkommen. Unbequem, sperrig, gewalttätig, emotional brutal, dabei intelligent erzählt, sehr provokativ in seinen Aussagen und vor allem zu Beginn schwindelerregend fiebrig erzählt und inszeniert, ist Irreversibel ein Film, den man nie wieder vergessen wird.
Die deutsche DVD ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten und kommt von dem DVD Label Legend Home Entertainment.
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In diesem Sinne:
freeman

























