10.03.2011

Bedways

Ein Erotikfilm um Liebe, Sehnsucht und Voyeurismus

Ein heruntergekommenes, leeres Apartment in Berlin Mitte. Nina trifft sich mit Hans und Marie, zwei jungen Schauspielern, um Probeaufnahmen für einen Film mit echtem Sex zu drehen. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Spiel und Realität immer mehr und es entsteht eine aufregende und sinnliche "Versuchsanordnung", bei der jeder glaubt, die Fäden in der Hand zu halten... Wir stellen den Erotikfilm "Bedways", der mit echten Sexszenen für Aufsehen sorgte, genauer vor.

Bedways

Bedways - Copyright aller Bilder: KochMedia / Independent Partners Film
Bedways - Copyright aller Bilder: KochMedia / Independent Partners Film

Originaltitel: Bedways

Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2010

Regie: RP Kahl
Darsteller: Miriam Mayet, Lana Cooper, Matthias Faust u.a.

Freigabe: FSK 16

Laufzeit: 76 Minuten

Bild: 1,33:1 (4:3)
Ton: Deutsch in Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0
Extras: Kinotrailer, Musikvideo zu "Flesh ist the Law", Interview mit Regisseur und Hauptdarstellerin
Verpackung: Amaray mit Wendecover!

Verleih: KochMedia / Independent Partners Film

Der Trailer zu "Bedways"

http://www.youtube.com/v/AuLgqjs177s?hl=de_DE&version=3

Sex und Liebe: Wenn aus Spiel Ernst wird!

Nina, eine junge Berliner Regisseurin, möchte einen Film über Lust, Begehren und Liebe drehen und diesen mit echten Sexszenen anreichern. Abgesehen von dieser Idee fehlen ihr allerdings die wichtigsten Grundlagen wie Finanziers und ein Drehbuch. Dennoch konnte sie bereits zwei Schauspieler für ihr Projekt gewinnen.

Marie und Hans spielen Intimität
Marie und Hans spielen Intimität

Hans, der offensichtlich eine gemeinsame Vergangenheit mit Nina hat, und Marie, die sich allerdings nicht so wirklich mit den realen Sexszenen anzufreunden vermag, zumal sie ohne Drehbuch ihrer Meinung nach sehr gewollt wirken. Dennoch trifft man sich zu ersten Probeaufnahmen in einem heruntergekommenen Berliner Apartment und hofft, hier gemeinsam den Film entwickeln zu können.

Auch die Sexszenen sollen Hans und Marie bei diesen Proben einüben. Doch hierbei kommen allen Dreien die eigenen Gefühle in die Quere und vor allem Hans beginnt zu ahnen, dass es Nina im Grunde um weitaus mehr als den Film geht …

Bedways ist pures Independent Kino

"9 Songs", "Short Bus", "Brown Bunny", "Antichrist" oder "Ken Park" haben es vorexerziert und echten Sex in Filme transportiert, die von Journaille und Kritik nicht mehr als Pornos wahrgenommen werden. Was man meist auch an den erstaunlichen Altersfreigaben in Deutschland merkt. "Bedways" darf sich nun ebenfalls in diese Riege einordnen.

Dabei ist "Bedways" durch und durch Independent Kino. Das beginnt schon bei den Produktionsbedingungen. Mit den geringsten Mitteln und einem minimal kleinen Team wurde der Film in kurzer Zeit gedreht. Das Ergebnis ist eine sehr raue, unmittelbare, sehr direkte, extrem farbreduzierte Optik, die einige Ecken und Kanten aufweist und eine Story, bei der man sich recht lange auf verlorenem Posten wähnt, da man wirklich erst gegen Ende darauf gestoßen wird, worauf Bedways eigentlich hinaus will.

Nina arrangiert ihre Darsteller so, wie sie sich Intimität vorstellt.
Nina arrangiert ihre Darsteller so, wie sie sich Intimität vorstellt.

Die Figur des Hans bringt es irgendwann ganz treffend auf den Punkt. Zwar bezieht er sich auf das gemeinsame Filmprojekt mit Nina und Marie, doch das Zitat steht stellvertretend auch für Bedways: "Ich kann dir auch nicht sagen, worum es in dem Film geht, obwohl ich mitspiele!"

Dadurch erhält der Film eine recht sperrige Anmutung, die in letzter Konsequenz, wenn absehbar wird, worauf "Bedways" hinaus will, ihre Wirkung aber dennoch nicht verfehlt. Dabei - dank eines Interviews auf der DVD wird man offensiv darauf gestoßen - offenbart sich nämlich die Vorliebe des Regisseurs für die so genannte Systemtheorie nach Niklas Luhmann.

Liebe ist Kommunikation

Nina unterweist Hans und Marie hinsichtlich dessen, was sie in den nächsten Tagen erwartet.
Nina unterweist Hans und Marie hinsichtlich dessen, was sie in den nächsten Tagen erwartet.

Diese Systemtheorie ist im eigentlichen Sinne eine Kommunikationstheorie und beschreibt die Gesellschaft als komplexes System von Kommunikationen. Dabei konnte für Luhmann ALLES Kommunikation sein - auch die Liebe, die er gar zum Medium deklarierte. Dies übernahm RP Kahl für "Bedways" und versuchte zu erarbeiten, wie Begehren, Körperlichkeit, Intimität und Liebe zusammenhängen. Dazu präsentiert er Figuren, die zunächst nur Liebe spielen (den Akt als Schauspieler spielen, über Liebe und Sex reden), um sich aufgrund der intensiven Anwendung der Liebes-Kommunikationscodes plötzlich wirklich ineinander zu verlieben.

Um es allgemeingültiger und nicht gar so abgehoben auszudrücken: Im Grunde geht es in "Bedways" um Menschen, die auf der Suche sind nach Echtheit in der Liebe, der Intimität, der Körperlichkeit und über das gemeinsame "Spiel" dazu finden. Das wirkt im Großen und Ganzen teils sehr nüchtern und kühl und ist dem Umstand geschuldet, dass "Bedways" aufgrund seines etwas verkopften Ansatzes eher wie eine Versuchsanordnung und weniger wie ein Film wirkt. Zudem halten die Figuren einander sehr lange auf Distanz, um sich und ihre Gefühle nicht zu früh zu offenbaren.

Ein absolutes Highlight des Filmes: Seine Musik. Hier ein Auftritt der Band Sissimetall live im Film.
Ein absolutes Highlight des Filmes: Seine Musik. Hier ein Auftritt der Band Sissimetall live im Film.

Getragen wird dieser Ansatz und damit der gesamte Film von unglaublich energievoller, starker Musik diverser Berliner Künstler wie: "Sissimetall", "Die Haut", "MyPark" oder "Francis Bacon". Diese geben mit ihrer rohen und kraftvollen Musik den Ton für den ebenfalls sehr rau und ungeschliffen wirkenden Film vor. Dieser arbeitet vornehmlich mit langen, eher glanzlosen Einstellungen und dank der teils etwas hölzernen Dialogführung und den ebenso agierenden Darstellern mutet "Bedways" hier und da wie abgefilmtes Theater an. Auch die Erotikszenen in wirklich heftig abgerissenen Szenarien lassen eher weniger erotischen Kitzel aufkommen.

Kino für den Kopf

Aber das ist nun einmal Independentkino. "Bedways" will keine x-beliebige Hollywoodgeschichte erzählen und wählt dementsprechend auch ungeschliffener wirkende Mittel, um seine Botschaft zu transportieren. Und darin geht es nun einmal um wahre Liebe und wahre Intimität, weshalb es nur konsequent ist, dass "Bedways" echten Sex bebildert. Dass selbiger auch ein gutes Verkaufsargument ist, wird man bei der Produktion gerne in Kauf genommen haben.

Nina und Hans kommen sich wieder näher ...
Nina und Hans kommen sich wieder näher ...

Einen Porno sollte man sich allerdings nicht erwarten. Bei 76 Minuten Laufzeit gibt es zwar einiges an nackter Haut zu sehen, doch die expliziten Momente kann man an einer Hand abzählen. Und ebenjenen geht es auch nicht wirklich um den erotischen Kick. Dazu wirken diese Szenen zu kalt umgesetzt.

"Bedways" ist letztendlich eine interessante Versuchsanordnung zu dem Thema Liebe, untermalt mit einem pulsierenden, den Rhythmus des Filmes vorgebenden Soundtrack, welcher in zwei Liveauftritten der Band "Sissimetall" im Film seinen Höhepunkt findet. Das Ergebnis ist interessantes Kino für den Kopf, das weniger als zunächst vermutet auf die Lendengegend abzielt.

"Bedways" auf DVD und Blu Ray

"Bedways" ist sowohl auf DVD als auch auf Blu Ray erschienen. Von beiden Medien sollte man aufgrund des rauen, deutlich farbreduzierten Videomaterials keine Meisterleistungen in Sachen Optik erwarten. Dafür pustet euch der teils sehr aggressiv abgemischte Undergroundsound des Filmes die Boxen mal wieder richtig durch! Bei den Extras kann das Gespräch zwischen Regisseur RP Kahl und Hauptdarstellerin Miriam Mayet rundweg empfohlen werden, liefert es doch einige Erklärungsansätze für das soeben Gesehene.

Die DVD kaufenDie Blu Ray kaufen

In diesem Sinne:
freeman

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Kommentare

Nee.

Wir haben uns den Film gekauft und finden ihn megaöde und würden ihn nicht weiterempfehlen. Qualität ist nicht gut, Handlungen sind ohne Spannung und einfach nur langweilig und stumpf. Die Zusammenhänge fehlen einfach.

Im Großen und Ganzen macht der Film einen Eindruck, als wäre er von irgendwelchen Studenten ohne Erfahrung, die so versucht haben, an Kohle zu kommen.
Zelebrieren substantieller Leere...

"Bedways" ist bei mir hängen geblieben als ein Film mit sehr hohem intellektuellen Anspruch (der wenig gelungen umgesetzt wurde) und null Unterhaltungswert.

Ich habe ihn vor einiger Zeit im Kino gesehen, in Anwesenheit des sympathischen und klugen Regisseurs, der anschließend ganz mitreißend und voller Begeisterung von seinen Absichten und Ideen erzählte (wäre von dieser Begeisterung auch nur ein Zehntel im Film sichtbar geworden, hätte das schon 'was retten können...).

Das milderte zwar meinen Ärger, den diese 75minütige Zelebrierung innerer wie äußerer Leere geweckt hatte, konnte mich aber mit dem Werk an sich nicht versöhnen. Ich hätte derart langatmiger, gänzlich artifizieller Hirnwichserei vielleicht in einem Soziologie-Seminar noch etwas abgewinnen können – auf einer Kinoleinwand und im Gewand einer Geschichte – die zudem keine ist – funktioniert das ganz und gar nicht.

Da treiben drei so gelangweilte wie langweilige Protagonisten ohne jedes spürbare Begehren auf der Suche nach irgendeinem (An-)Trieb durch ein völlig leidenschaftsloses Szenario. Sie spulen unglaubwürdig konstruierte Verhaltensweisen und hölzerne Dialoge ab und vereinen sich mit den stereotypen Ingredienzien des gerne so genannten Kunstfilms (endlos lange Einstellungen, nervenzehrende Lärm-Soundtracks, bedeutungsschwangere Schweigeminuten, spartanische und kaputte Settings in Berliner Altbauten und Abbruch-Ruinen etc.) zum öden Abbild einer emotionalen wie substantiellen Leere, von der ich nur wünschen kann, dass sie keinen lebenden Menschen entspricht.

Nur gegen Ende gibt es eine Szene, in der etwas Leben steckt und die ein wenig zu fesseln versteht...
Schade um die eigentlich guten und klugen Ideen.

Mir kam das Werk seltsam konstruiert vor. Als würde man primär auf einen PR-Effekt spekulieren (ohhh richtiger Sex). Inhaltlich eher auf dem Niveau eines guten Abschlussfilmes.


Im Übrigen: zur FSK Frage. Als Faustregel *zwinker*

FSK12 = Der Held bekommt das Mädchen
FSK16 = Der Brutale bekommt das Mädchen
FSK18 = Jeder bekommt das Mädchen
überinterpretiert?

Ich hatte den Film neulich bei arte aufgenommen und habe ihn gestern endlich gesehen, hatte Lust auf einen Film mit Handlung und handfesten Sexszenen. In der Hinsicht wurde ich enttäuscht, aber trotzdem hat mir der Film recht gut gefallen. Die unterschiedlichen Wirklichkeits- oder Erzählebenen des Films so zu durchmischen, daß man als Zuschauer nicht mehr ganz genau weiß, was "wirklich" passiert und was nur eine Probe für Aufnahmen sein soll, hat funktioniert. Die teilweise recht gekünstelten Dialoge waren da sogar als Indikator für eine Probe hilfreich. Auch daß der Film selber unfertig wirkt ist eine Parallele zum Film im Film, der auch nicht fertig wird. Der Film im Film hatte möglicherweise seinen Reiz dadurch verloren, daß die vielleicht erhoffte Annäherung zweier Beteiligter wirklich stattgefunden hat. Vielleicht wurde ja deshalb auch der Film, den wir gesehen haben, nicht fertig. Und vielleicht hat er ja einen Zweck erfüllt, den wir nicht sehen... Lauter Spekulationen (vielleicht, vielleicht, vielleicht...) und deshalb wäre eine Unterhaltung mit RP Kahl über den Film bestimmt interessant.

... wer ihn noch nicht gesehen hat (und immer noch sehen will *g*), kann das demnächst im Fernsehen tun auf:

ARTE
Do. 15.09.11 um 23:25-00:45 Uhr
Wiederholung nochmal am 17.09.11 (genaue Uhrzeit weiß ich nicht)

Hab' ihn jetzt gesehen ... schmeckte stark nach Filmhochschule, die Dialoge klangen extrem auswendig gelernt und "aufgesagt" und den Faden habe ich nach der Hälfte verloren ... falls einer drin war.

Aber die beiden Frauen fand ich sehr sexy - hatten etwas Abgründiges, was genau zu den Rollen passte. Der Typ allerdings hat mir auch zuviel geraucht. *lach*

Erinnerte mich an das Spätwerk von Klaus Lemke, der improvisiert aber mehr - "Last Minute Jamaika" und vor allem "Finale", die sind auch viel direkter.

Und "Sissimetall" bei ihrem Kellerzimmer-Gig hatten was.
Auch gesehen

Meine Freundin und ich haben uns den Film auch einmal angeschaut und waren beide nicht so begeistert davon. Die Intention dieses Films wurde uns nicht so richtig klar, die episodenhaft dargestellt Handlung hat uns auch nicht gefallen. Für die 75 Minuten war er wirklich langatmig.

Vor allem ich hatte das Gefühl, dass da irgendwelche Filmstudenten am Werk waren, die gute Ideen nicht gut umgesetzt haben, auch wenn das vielleicht nicht der Wahrheit entspricht.

Gruß
Die Gewinner sind:

RP Kahl, der Regisseur von "Bedways", ist auch als Schauspieler tätig. So spielte er "Erbse" in dem Filmdebüt des deutschen House- und Electromusikers sowie Musikproduzenten Paul Kalkbrenner. Wie heißt der Film?

Gesucht war: "Berlin Calling"

Das wussten mehr als eine Handvoll und deshalb musste Fortuna entscheiden. Ihre "Wahl" fiel per Losentscheid auf:

BabeXX

uncouplejoueur

Herzlichen Glückwunsch und viel Spaß beim Filmgenuss ...

In diesem Sinne:
freeman

Die Musik war echt gut! aber das war das einzige.
Der Film naja FSK16 oder nicht kaufen würden wir ihn uns nicht mehr!
Test-DVD

Konnte mir schon denken, dass der Film super kontrovers aufgenommen wird... Hihi... Ich habe das für mich auch als "Casting"-Test übernommen für Dates: Wer mit mir den Film schaut und aufmerksam, tolerant und neugierig den Bildern, den Ideen, den sexy Momenten folgte, der schaffte es bisher dann auch zu mir ins Bett... Oder eben nicht... Kann ich nur empfehlen... Hehe...
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