Ein heruntergekommenes, leeres Apartment in Berlin Mitte. Nina trifft sich mit Hans und Marie, zwei jungen Schauspielern, um Probeaufnahmen für einen Film mit echtem Sex zu drehen. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Spiel und Realität immer mehr und es entsteht eine aufregende und sinnliche "Versuchsanordnung", bei der jeder glaubt, die Fäden in der Hand zu halten... Wir stellen den Erotikfilm "Bedways", der mit echten Sexszenen für Aufsehen sorgte, genauer vor.
Bedways
Originaltitel: Bedways
Herstellungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2010
Regie: RP Kahl
Darsteller: Miriam Mayet, Lana Cooper, Matthias Faust u.a.
Freigabe: FSK 16
Laufzeit: 76 Minuten
Bild: 1,33:1 (4:3)
Ton: Deutsch in Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0
Extras: Kinotrailer, Musikvideo zu "Flesh ist the Law", Interview mit Regisseur und Hauptdarstellerin
Verpackung: Amaray mit Wendecover!
Verleih: KochMedia / Independent Partners Film
Der Trailer zu "Bedways"
Sex und Liebe: Wenn aus Spiel Ernst wird!
Nina, eine junge Berliner Regisseurin, möchte einen Film über Lust, Begehren und Liebe drehen und diesen mit echten Sexszenen anreichern. Abgesehen von dieser Idee fehlen ihr allerdings die wichtigsten Grundlagen wie Finanziers und ein Drehbuch. Dennoch konnte sie bereits zwei Schauspieler für ihr Projekt gewinnen.
Hans, der offensichtlich eine gemeinsame Vergangenheit mit Nina hat, und Marie, die sich allerdings nicht so wirklich mit den realen Sexszenen anzufreunden vermag, zumal sie ohne Drehbuch ihrer Meinung nach sehr gewollt wirken. Dennoch trifft man sich zu ersten Probeaufnahmen in einem heruntergekommenen Berliner Apartment und hofft, hier gemeinsam den Film entwickeln zu können.
Auch die Sexszenen sollen Hans und Marie bei diesen Proben einüben. Doch hierbei kommen allen Dreien die eigenen Gefühle in die Quere und vor allem Hans beginnt zu ahnen, dass es Nina im Grunde um weitaus mehr als den Film geht …
Bedways ist pures Independent Kino
"9 Songs", "Short Bus", "Brown Bunny", "Antichrist" oder "Ken Park" haben es vorexerziert und echten Sex in Filme transportiert, die von Journaille und Kritik nicht mehr als Pornos wahrgenommen werden. Was man meist auch an den erstaunlichen Altersfreigaben in Deutschland merkt. "Bedways" darf sich nun ebenfalls in diese Riege einordnen.
Dabei ist "Bedways" durch und durch Independent Kino. Das beginnt schon bei den Produktionsbedingungen. Mit den geringsten Mitteln und einem minimal kleinen Team wurde der Film in kurzer Zeit gedreht. Das Ergebnis ist eine sehr raue, unmittelbare, sehr direkte, extrem farbreduzierte Optik, die einige Ecken und Kanten aufweist und eine Story, bei der man sich recht lange auf verlorenem Posten wähnt, da man wirklich erst gegen Ende darauf gestoßen wird, worauf Bedways eigentlich hinaus will.
Die Figur des Hans bringt es irgendwann ganz treffend auf den Punkt. Zwar bezieht er sich auf das gemeinsame Filmprojekt mit Nina und Marie, doch das Zitat steht stellvertretend auch für Bedways: "Ich kann dir auch nicht sagen, worum es in dem Film geht, obwohl ich mitspiele!"
Dadurch erhält der Film eine recht sperrige Anmutung, die in letzter Konsequenz, wenn absehbar wird, worauf "Bedways" hinaus will, ihre Wirkung aber dennoch nicht verfehlt. Dabei - dank eines Interviews auf der DVD wird man offensiv darauf gestoßen - offenbart sich nämlich die Vorliebe des Regisseurs für die so genannte Systemtheorie nach Niklas Luhmann.
Liebe ist Kommunikation
Diese Systemtheorie ist im eigentlichen Sinne eine Kommunikationstheorie und beschreibt die Gesellschaft als komplexes System von Kommunikationen. Dabei konnte für Luhmann ALLES Kommunikation sein - auch die Liebe, die er gar zum Medium deklarierte. Dies übernahm RP Kahl für "Bedways" und versuchte zu erarbeiten, wie Begehren, Körperlichkeit, Intimität und Liebe zusammenhängen. Dazu präsentiert er Figuren, die zunächst nur Liebe spielen (den Akt als Schauspieler spielen, über Liebe und Sex reden), um sich aufgrund der intensiven Anwendung der Liebes-Kommunikationscodes plötzlich wirklich ineinander zu verlieben.
Um es allgemeingültiger und nicht gar so abgehoben auszudrücken: Im Grunde geht es in "Bedways" um Menschen, die auf der Suche sind nach Echtheit in der Liebe, der Intimität, der Körperlichkeit und über das gemeinsame "Spiel" dazu finden. Das wirkt im Großen und Ganzen teils sehr nüchtern und kühl und ist dem Umstand geschuldet, dass "Bedways" aufgrund seines etwas verkopften Ansatzes eher wie eine Versuchsanordnung und weniger wie ein Film wirkt. Zudem halten die Figuren einander sehr lange auf Distanz, um sich und ihre Gefühle nicht zu früh zu offenbaren.
Getragen wird dieser Ansatz und damit der gesamte Film von unglaublich energievoller, starker Musik diverser Berliner Künstler wie: "Sissimetall", "Die Haut", "MyPark" oder "Francis Bacon". Diese geben mit ihrer rohen und kraftvollen Musik den Ton für den ebenfalls sehr rau und ungeschliffen wirkenden Film vor. Dieser arbeitet vornehmlich mit langen, eher glanzlosen Einstellungen und dank der teils etwas hölzernen Dialogführung und den ebenso agierenden Darstellern mutet "Bedways" hier und da wie abgefilmtes Theater an. Auch die Erotikszenen in wirklich heftig abgerissenen Szenarien lassen eher weniger erotischen Kitzel aufkommen.
Kino für den Kopf
Aber das ist nun einmal Independentkino. "Bedways" will keine x-beliebige Hollywoodgeschichte erzählen und wählt dementsprechend auch ungeschliffener wirkende Mittel, um seine Botschaft zu transportieren. Und darin geht es nun einmal um wahre Liebe und wahre Intimität, weshalb es nur konsequent ist, dass "Bedways" echten Sex bebildert. Dass selbiger auch ein gutes Verkaufsargument ist, wird man bei der Produktion gerne in Kauf genommen haben.
Einen Porno sollte man sich allerdings nicht erwarten. Bei 76 Minuten Laufzeit gibt es zwar einiges an nackter Haut zu sehen, doch die expliziten Momente kann man an einer Hand abzählen. Und ebenjenen geht es auch nicht wirklich um den erotischen Kick. Dazu wirken diese Szenen zu kalt umgesetzt.
"Bedways" ist letztendlich eine interessante Versuchsanordnung zu dem Thema Liebe, untermalt mit einem pulsierenden, den Rhythmus des Filmes vorgebenden Soundtrack, welcher in zwei Liveauftritten der Band "Sissimetall" im Film seinen Höhepunkt findet. Das Ergebnis ist interessantes Kino für den Kopf, das weniger als zunächst vermutet auf die Lendengegend abzielt.
"Bedways" auf DVD und Blu Ray
"Bedways" ist sowohl auf DVD als auch auf Blu Ray erschienen. Von beiden Medien sollte man aufgrund des rauen, deutlich farbreduzierten Videomaterials keine Meisterleistungen in Sachen Optik erwarten. Dafür pustet euch der teils sehr aggressiv abgemischte Undergroundsound des Filmes die Boxen mal wieder richtig durch! Bei den Extras kann das Gespräch zwischen Regisseur RP Kahl und Hauptdarstellerin Miriam Mayet rundweg empfohlen werden, liefert es doch einige Erklärungsansätze für das soeben Gesehene.
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In diesem Sinne:
freeman















