Jungen in Mädchenkleidern? Wie halten wir´s mit unseren Ki

03. Juni 2007
Jungen in Mädchenkleidern? Wie halten wir´s mit unseren Ki

Hier möchte ich gern mal ein Thema zur Sprache bringen, das mich immer wieder umgetrieben hat.
Bei fast allen von uns hat die Entdeckung unserer femininen Seite in der Kindheit begonnen. Manch eine wird für sich in Anspruch nehmen, schon im falschen Körper geboren zu sein.
Für ein Mädchen, das gern Junge sein möchte, ist dies alles weniger kompliziert: Man kleidet sich jungenhaft, spielt mit Jungen-Spielzeug, interessiert sich für Autos, Technik, Fußball u.a.m. - Für die Jungen, die mit Puppen spielen wollen und sich gern mal in ein Mädchen verwandeln möchten, ist es ungleich schwieriger.
Ich habe in einer Reihe von anderen Foren dieses Problem verfolgt und mitdiskutiert. Da gibt es Mütter (meist alleinerziehende Mütter!), die ihren Jungen Röcke und Kleider kaufen. Oft ist es auch die Schwester, die da noch ein bißchen nachhilft. Und die Väter...? Die sind meistens nicht existent oder werden nicht erwähnt. - Einen Jungen als Mädchen in die Schule zu schicken, wird schon seltener gewagt. In den meisten Fällen beschränkt sich das Ausleben der Mädchen-Rolle, wenn überhaupt, auf die eigenen vier Wände zu Hause. Kein Wunder, denn die Reaktionen der Mitwelt, besonders unter Kindern, können grausam sein! Und die Kinder sind der gesellschaftlichen Ächtung, die zu befürchten wäre, am wenigsten gewachsen.
Was soll man tun mit Jungen, die gern ein Mädchen wären?
Wer hat Erfahrung damit? Und wie war das bei Euch zu Hause in der Kindheit mit dem Traum, ein Mädchen sein zu wollen? Verschwiegen, strikt abgelehnt, stirnrunzelnd zur Kenntnis genommen, mit Verständnis diskutiert, oder gar gefördert?
Ich selbst konnte mit meinen Eltern über diese Träume nie reden.
Aber wenn ich heute noch mal ein Kind hätte, das solche Wünsche hegt, dann würde ich wohl, zumindest in den eigenen vier Wänden, alles zulassen, was das Herz begehrt. Oder ist das verantwortungslos?

Liebe Grüße,
Petticoatfriend (Monika)
03. Juni 2007
@Monika

Liebste Monika,
deine Beiträge sind immer wunderschön und ich frage mich, ob du Schriftstellerin oder Journalistin bist.
Bei mir war es so, dass mein Vater sehr streng- und konservativ war.
„Das macht ein Junge nicht und Indianer weinen nicht“
Meine Mutter wäre da bestimmt toleranter gewesen, aber das sagen hatte der Vater und was er sagte, das wurde getan. So war das damals.
Wenn ich heute einen Sohn hätte, dann wäre ich, wegen meiner eigenen Erfahrungen, toleranter.
Einem Jungen jedoch zu erlauben, in der Wohnung Mädchenkleidung zu tragen und draußen nicht, halte ich für eine Gradwanderung. Wenn der Junge die Hintergründe versteht, dann ist das kein Problem. Auf jeden Fall würde ich die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen und ihm die Haare wachsen lassen. Wenn es dann so sein sollte, dass der Junge als Mädchen weiter leben soll/darf/muss, dann würde ich den Wohnbezirk wechseln und den Jungen als Mädchen anmelden.
Mit ärztlicher Hilfe ist das machbar, er würde ihn dann auch vom Sportunterricht befreien und alles andere in die Wege leiten.
Es ist und bleibt eine schwierige Entscheidung, aber ich würde niemals einen Menschen in eine Rolle drängen.

Alles Liebe

Julie

PS. Ich habe heute noch mein Rechtsesserbesteck. Damals war das so.
03. Juni 2007
Jungen in Mädchenklamotten

Julie, da werde ich ganz rot im Gesicht bei einem solch liebevoll gemachten Kompliment! Also, weder Schritstellerin noch Journalistin, sondern Lehrerin!
Ich denke schon, dass man den Kindern bis zu einem gewissen Grade klarmachen kann, dass draußen nicht geht, was man in den eigenen vier Wänden tun darf. Vielleicht fühlen Kinder diesen Unterschied sogar noch intensiver als wir Erwachsenen?
Ich habe mich immer gefragt, was passiert, wenn der Vater travestiert und dem Sohn dies auf Dauer vielleicht nicht verborgen bleiben kann.
Schon in meiner ersten Ehe bin ich zu Hause überwiegend in Röcken und Kleidern herumgelaufen, aber als mein Sohn geboren wurde, hatten wir, als er ungefähr ein Jahr alt war, eine ausgiebige Diskussion. Natürlich ging es darum, ob er den Vater in Röcken und Kleidern erleben sollte oder ob wir das nunmehr verstecken müßten, wo der Junge doch nun beginnen würde, die Eltern etwas differenzierter wahrzunehmen.
Wir waren damals befreundet mit einem Ehepaar in Nürnberg (Bio-Frau und TV). Deren vierjähriger Sohn hatte durchs Schlüsselloch geguckt und den Vater in Kleidern gesehen. Und dann kam, was kommen mußte: Kurze Zeit später quengelte er bei einem Kaufhausbesuch, die Mutter solle ihm ein Kleid kaufen. Meine Ex (damalige Frau) hat dies zum Anlaß genommen, dass wir eine solche Entwicklung auf jeden Fall vermeiden müßten.
An ihrer Entscheidung ,der ich mich schließlich beugen mußte, hatte ich lange zu knabbern. Vielleicht aber haben wir meinem Sohn, der inzwischen 30 ist und ein tüchtiger junger Mann geworden ist, einige Probleme erspart

Auf der anderen Seite beneide ich immer wieder Familien, in denen Männer und Söhne ihre feminine Seite voll ausleben können, unterstützt durch die Ehefrau oder auch durch Töchter bzw. Schwestern. In einigen englischsprachigen Foren wird viel berichtet über "totally feminized families". Nicht alle diese "Fälle" existieren real, aber einige davon wohl schon. Würde mir Spaß machen, in einer solchen Familie zu leben. Und ich glaube auch, es müßte gelingen, so etwas weitgehend im privaten Bereich zu halten.
Was Jungen in Mädchenkleidern betrifft, so habe ich in einem Forum mal eine etwas differenzierte Umfrage an Mädchen und Jungen platziert und hochinteressante Ergebnisse erhalten. Den Link kann ich hier bekanntlich nicht einstellen, aber man kann googeln unter dem Begriff "Jungen in Mädchenklamotten" (Nr.7 auf der ersten Seite). Die Mädchen gehen mit Jungen in Röcken und Kleidern sehr tolerant um! Und es ist unglaublich, wie vielen Jungen eine solche Verwandlung Spaß machen würde.
Manchmal kommen Hilferufe von 14- oder 15-Jährigen, und dann möchte man ihnen gerne helfen.

Liebe Grüße, Monika.
03. Juni 2007
sprachlos

Dieser Beitrag hat mich nun völlig sprachlos gemacht. Ich finde es umwerfend, wie du dich mit diesem Thema auseinandersetzt. Ich hoffe dass du vielen Jugendlichen helfen kannst. Mach bitte weiter so.
LG
03. Juni 2007
Re: @Julie, Jungen in Mädchenklamotten

Mach ich, versprochen ! Manchmal geht es dabei um Tipps, wie man ein Outing gegenüber den Eltern organisieren könnte. Manchmal geht es um ganz einfache Fragen, z.B.: Wie komme ich an Mädchensachen?
Es gibt auch 14- und 15-jährige Mädchen, die ihren Freund als Mädchen verkleiden und so mit ihm in die Disco gehen.
Manchmal denke ich, das hätte mir mal passieren sollen in meiner Jugendzeit!
Danke Dir für Deine Rück-Mail ! Dieses Forum ist ja schneller als die Buschtrommel!
Liebe Grüße, Monika.
03. Juni 2007
@Monika

Bei meinem Neffen hatte ich auch mal den Verdacht. Er verließ das Haus immer geschminkt, um mit seiner Freundin auf die Rolle zu gehen.
Er hat einen sehr konservativen Vater, der sich darüber lustig machte.
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich hoffe, dass er es mir mitteilt, wenn er Probleme bekommt.
Aber ich möchte da auch nicht zu viel hinein interpretieren.

Liebe Grüße

Julie
03. Juni 2007
nicht verstanden

Als Kind (Alter ?) bat ich meine Mutter,mir eine Strumpfhose zu kaufen. Damals kauften die Eltern halt die Kleidung der Kinder. Meine Mutter brachte mir dann auch eine Strumpfhose mit....,es war eine Strick-Strumpfhose für Jungen.Ich fühlte mich gründlich mißverstanden,wollte ich doch eine Damen-Feinstrumpfhose haben. Danach habe ich nicht mehr gefragt,ob ich weibliche Kleidung bekommen kann.Erst als ich nach der Bundeswehr-Zeit ein eigenes Zimmer und Geld hatte,kaufte ich mit selber meine Strumpfhosen und Slips,die ich als Kind gerne schon gehabt hätte.

Meine eigenen Kinder,sofern ich welche gehabt hätte,hätte ich heute freier erzogen und ihre Persönlichkeit nicht eingeschränkt.Sowohl ihre eigene Freiheit,als auch die der anderen,hätten sie schätzen gelernt.Ich hoffe,daß in einigen Jahren dieses schwarz-weiß , Mann-Frau aus den Köpfen der Menschen verschwindet und auch die bunter Farben,die das Leben lebenswert machen,akzeptiert werden.
LG,Gabi
10. Juni 2007

Nunja, meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt was meine TS angeht... kommt vielleicht durch das Geburtsland meiner Eltern: Thailand.
Ich hab mich mit 13 vor ihnen geoutet und seitdem jede Hilfe bekommen, die ich brauchte, sei es nun wenn ich Kleidung kaufen wollte oder als ich lernen wollte mich richtig zu schminken.
Ich mag meine Eltern *g*
11. Juni 2007
von den Eltern jede Unterstützung

Großartig, Soope ! Wir brauchen mehr solche Eltern, gerade hier in Deutschland.
Wie ich annehme, hast Du Deine "Karriere" als Mädchen hier in Deutschland erlebt, oder? Hat es denn da irgendwelche Schwierigkeiten mit Freunden, Nachbarn oder in der Schule gegeben? - Die Schule ist ja meistens das andere große Problem. Wenn man von den Eltern zu Hause unterstützt wird, so ist es ja doch meistens so, das man Probleme mit den Klassenkameraden bekommt. Ich kann mir vorstellen, vor allem wohl mit den Jungen. Welche Erfahrungen hast Du da gemacht? Konntest Du als Mädchen zur Schule gehen? Steht die OP noch bevor?

Liebe Grüße, Petticoatfriend (Monika).
17. Juni 2007

naja.. ich war nie wirklich in der schule.. hatte schon immer privatunterricht.. meine eltern reisen viel herum wegen der arbeit und da wollten sie es mir ersparen alle paar monate in eine neue klasse zu gehen und dort die gleiche ablehnung zu erfahren..

die op steht kurz bevor!
in 2 wochen ist es endlich soweit!
17. Juni 2007
@soope

Da kann man Dir nur gratulieren, soope ! Deine Geschichte ist ein Lichtblick für Andere. Schade, dass das, was Du in Deinem Profil über Dich persönlich schreiben wolltest, nicht eingestellt werden konnte. Vielleicht läßt sich das noch mal abändern ?
Für die OP drücke ich Dir die Daumen und wünsche Dir alles Gute.
Tolle Sache, endlich ein Mädchen zu sein, und noch so jung dazu, wo Du das ganze Leben als Frau noch vor Dir hast!
Mit der Schule hast Du ja Glück gehabt. Ich höre es immer wieder: In den meisten Fällen, wo gebürtige Jungen als Mädchen aufwachsen, haben sie Privatunterricht gehabt und keine öffentliche Schule besucht.
Ja, das brauchen wir: dass T-Girls als Mädchen ganz offen und unbehelligt in eine normale Schule gehen können. Manchmal habe ich schon gedacht, man müßte ein Internat gründen, in dem so etwas möglich ist. Als Lehrerin würde ich da gerne unterrichten. Aber ich glaube, ehe es so etwas gibt (wenn überhaupt jemals!), bin ich längst pensioniert.

Liebe Grüße und alles Gute für Dich !
Petticoatfriend (Monika)
17. Juni 2007
Bin mit der Thematik...

...nur über eigenes Interesse vertraut, aber wollte mich trotzdem einbringen.
Bin grad am Thema hängengeblieben und hab das Bedürfnis noch kurz was einzuwerfen.
Das Problem mit der Ablehnung in der Schule ist ja generell sehr groß ( Mobbing etc.) und wird bei wirklicher Abweichung von der Norm ( Kindern ärgern ja gern jeden der auch nur geringfügig von ihrem Ideal abweicht) nur schlimmer.
Ich hatte das Problem in sexueller Hinsicht zum Glück nur in geringem Maße (bisexuelle Biofrau die ich auch bleiben möchte *smile*) , jedoch habe ich die Thematik bzgl. Ausgrenzung aufgrund sexueller Unterschiede bei meinem Cousin ganz deutlich mitbekommen.
Er ist schwul , neigt aber leicht zu TV.
Im schulischen Leben äußerte sich das nur durch Benutzung von Schminke und seine rasierten Beine - aber das reichte schon völlig aus.
Es ging soweit dass die anderen Jungen aus meinem Sportkurs ( 12. Klasse !!! - da müsste man doch zumindest ein bisschen Reife erwarten können o.0 ) ihn ernsthaft nicht in ihrer Umkleidekabine haben wollten .
Sie hatten Angst er könne sie anfassen etc. .
Also haben wir ihm den Rest des Jahres in die Mädchenumkleide aufgenommen.
Nach eigenen Angaben hätten ihm die anderen Jungs eh zu sehr gestunken - aber ich weiß dass es ihn getroffen hat - er hatte sowohl ein Ess- als auch ein Drogenproblem zeitweilig.

Lg

Sie 1 ( Diana)
17. Juni 2007
Diana: Mobbing in der Schule

Furchtbar, Diana ! Da bestätigt sich schmerzhaft, dass die Schule natürlich ein Abbild unserer Gesellschaft ist. Wie kann es auch anders sein? Nicht die Schule ist schuld, sondern die Gesellschaft.
Ich wünschte mir, dass ich als Lehrer(in) solche Fälle mal mitbekommen würde. Leider ist das nur selten der Fall. Sonst könnte man aufklärend wirken.
Wie Ihr Deinem Cousin geholfen habt, finde ich prima. Und prima finde ich im übrigen auch, wie Ihr beide Euer Leben einrichtet (siehe Profil!).

Liebe Grüße,
Petticoatfriend (Monika).
17. Juni 2007
Leider...

...ist das die Realität.
Letztens war im Radio ne Sondersendung mit nem Experten zum Thema Mobbing und der sagte , dass es sogar Lehrer gibt die das nicht nur ignorieren sondern auch noch fördern bzw. provozieren.
So etwas finde ich doppelt schlimm - Lehrer sind doch keine bloßen Dozenten sondern haben auch Pädagogik studiert .
Von daher finde ich es gut , dass es auch Lehrkräfte gibt - bist ja ein gutes Beispiel- die selber a) nicht der Norm entsprechen und somit b) Toleranz und sozial richtiges Verhalten nicht nur richtig sondern auch glaubhaft vermitteln.

Danke bzgl. unserem Profil ...

Lg
Diana
18. Juni 2007
Diana..

..echt beispielhaft,wie Ihr Deinem Cousin geholfen habt,das zeigt mal wieder:wahre Liebe gibt es nur unter Frauen!Es sollte mehr Menschen,wie Dich geben.
Liebe Grüße,
Gabi

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