Till Schweiger mimt einen Behinderten...

11. November 2006
Till Schweiger mimt einen Behinderten...

Am gestrigen Abend habe ich, wenn auch nur teilweise, ein
Interview mit Til Schweiger in der NDR-Talkshow verfolgt.

Dort sprach er, wohl im Rahmen einer Promo-Tour, über seinen
neuen Film, in dem er einen scheinbar gehbehinderten (ich glaube
rollstuhlfahrenden) Mitmenschen spielt oder so ähnlich.

Das ist mir in diesem Falle nicht weiter wichtig. Letztlich drehte es
sich um die Frage nach "political correctness", also ob es denn wohl
in Ordnung sei, dass man einen Behinderten veralbert und dass die
Kinobesucher so herzhaft lachen. Die Antwort war sinngemäß die,
dass ja kein Behinderter parodiert würde, da er (Til Schweiger) ja im
Film nur einen Menschen darstellt, der einen "Rolli" simuliert.

Persönlich halte ich dieses nur für eine andere Art der "Ausgrenzung".

Warum soll denn alles und jeder durch den Kakao gezogen werden
dürfen, nur unsere lieben Behinderten nicht???

Diese Gruppe hat, wie jede andere auch, ihre Schwächen. Soll man
so tun als wären diese nicht vorhanden? Drüber hinweg sehen??

Ich denke, sie haben das Recht, karikiert zu werden!

Vor 25 Jahren hatte ich einen blinden, guten Freund, der fast täglich
mit neuen Witzen über Nichtsehende überraschen konnte.

Er hat sich jedesmal gefreut, wenn ich ihm auch einen erzählen konnte,
den er noch nicht kannte (was natürlich selten war).

Vor 4 Monaten hatte ich, wenn auch aus traurigem Anlass, einen Thread
über meinen verstorbenen, behinderten Bruder gestartet. Trotz starkem
Mangel an Intelligenz war er häufig zum Lachen zu bringen, wenn man
ihn, auf nette Art und Weise, mit dem einen oder anderen Handicap was
ihn zeichnete, aufzog. Das hing natürlich auch von seiner jeweiligen
Stimmung ab und war sensibel zu handhaben.

Wer nachlesen mag: Mein kleiner Bruder

Nun hoffe ich, dass unsere betroffenen und nicht betroffenen JC-User ihre
eigene Meinung haben und diesen Thread mit Antworten füllen.

[Die gestrige NDR-Talkshow wird im Laufe der kommenden Woche (im ARD-Digital?) wiederholt]

An dieser Stelle mal mein Kompliment an die JC-Macher für diese neue
Sparte im Forum. Auch wenn ich der Meinung bin, dass die bisherige
Platzierung unter >Sex und Erotik< vielleicht noch ergänzt werden
könnte...

Ein Slogan der "Aktion Mensch" lautete vor Jahren:
"Behindert ist man nicht - behindert wird man!"

Prinz_Valium
11. November 2006

Die Schwester von meiner Freundin hat Reuma und sitzt im Rollstuhl. Als ich meine Freundin einmal fragte, wie ihre Schwester denn, wenn sie mal zu Hause und nicht in der Schule war die Treppen in den 2. Stock hochkommt. Als meine Freundin dann mit einer Selbstverständlichkeit in der Stimme sagte: "Sie läuft!" Und ich fragte, wie das sein könne, da sie ja im Rollstuhl sitzt. Da erzählte meine Freundin mir über Reuma. Ich bin jetzt 2 Jahre mit meiner Freundin zusammen und habe auch ihre Schwester und deren Schulkameraden kennen gelernt. Natürlich alle auch irgendwie behindert. Ein Mädel von ihnen liegt mir besonders am Herzen. Sie wurde mir vorgestellt mit der Bemerkung, dass man sie bei einem Streit bitte nicht gegen die Wand werfen soll. Das ist auch so eins dieser Beispiele. Ich hatte vorher nie viel mit Behinderten zu tun. Es waren einfach keine in meinem Umfeld. Aber eine Abneigung hatte ich auch nie. Doch jetzt gehe ich gerne mit meiner Freundin und ihren Eltern die Schwester in der Schule besuchen. Es sind halt auch nur Menschen. Das ist einfach wie eine normale Schwester in einem normalen Internat, nur dass dort auch Behindertenwitze an der Tagesordnung sind und jeder mit einem Handicap rumläuft. Aber wie du schon gesagt hast, jeder hat seine Handicaps.
12. November 2006
Ein wahrhaft adeliger Thread...

Zumindest bislang... *zwinker*

Gehörst du, PrinzMorphium, doch dem Geschlecht der Opiate an,
während meine Zugehörigkeit der alten Adelsfamilie der Hypnotika
und Sedativa, mit dem englischen Zweig der "Downer", gilt.
*zwinker*
*haumichwech*

Aber du hast recht!

Behinderte Mitmenschen sind irgendwie nur "anders anders" als die
anderen. Es gibt keine rationalen Gründe für Berührungsängste.

Vor einigen Jahren war ich Angestellter einer Werkstatt für Behinderte
(WfB). Mit angeschlossenem Internat, integrativem Kindergarten sind
dort täglich hunderte Gehandicapter anzutreffen. Es war ein laaaanger
Weg, diese Menschen ins kleinstädtische Leben zu integrieren. Anno
Zwieback achtzehnhundert irgendwas gegründet und wahrlich von der
Außenwelt durch Mauern isoliert, die äußerst unrühmliche Zeit er NSDAP
mit "hohen Verlusten" überstanden, gehören sie mittlerweile mindestens
so zum Stadtbild wie die Kirche, der Polizist oder der Bäckerladen.

Besonders ans Herz gewachsen war mir Kalle, der wohl in einem, naja,
hundsmirablen Umfeld aufwuchs. Für ihn war es also "normal", Leute
mit "Komm her du Arschloch! Kriegst eins auf die Fresse!" anzusprechen,
auch wenn er sich sichtlich freute, sie zu sehen. Selber wohl noch nie
Alkohol getrunken, war sein Standardspruch morgens: "Heute Abend
saufen!" Immer wieder zum Schreien komisch, wenn ich ihn dann mittags
fragte: "Hey Kalle! Gehste mit, heute Abend einen saufen?" Schwupp!
Weg war er! Mehr Angst als Vaterlandsliebe.
"Kalle kannste mal die Paletten da wegfahren?" Vorher wissend, welche
Antwort ich erhalten würde: "NEIN! Du Sau!" und machte sich mit großem
Spaß an die Arbeit...

Ach ich könnte ja Geschichten erzählen... (wenn ich nur welche wüsste...)
*zwinker*

Prinz_Valium
13. November 2006

Jaja. Ich könnte auch Geschichten erzählen. *lol*
Mal schaun wie der Film wird. Geh vielleicht ins Kino, da ich finde, dass Til Schweiger ein sehr guter Schauspieler ist und ausserdem eben auchmal mir diesen oben angesprochenen moralischen Punkt betrachten.
13. November 2006
@prinz

kann dir nur voellig recht geben.

ich bin zwar nicht koerperbehindert und will es auch defintiv nie werden, aber es ist erstaunlich und teilweise beneidenswert welche willenskraft viele menschen mit koerperbehinderung an den tag legen und sie finden dafuer meinen hoechsten respekt.

allerdings sieht man immer nur diejenigen, die auch tatsaechlich positiv denken, die anderen verkruemeln sich und treten nicht vor die oeffentlichkeit.

jeder, der trotz behinderung tough ist, wird in den medien umjubelt und dadurch ensteht ein bild, das sicherlich nur verfaelscht widergibt, wie die gesamtheit der koerperlich behinderten menschen mit ihrem leben und ihrer umwelt klarkommt.

ein paralympics-medaillengewinner kann sicherlich ueber filme dieser art lachen, da er ueber den dingen steht und sein handycap als lebensherausforderung sieht, der er sich stellt. es gibt aber daneben auch diejenigen, die mit ihrem schicksal hadern und solche karikaturen ihrer selbst verabscheuen - die sehen wir aber nicht und ihre meinung hoeren wir hoechstens im bekanntenkreis.

aber generell denke ich, dass es eine vielzahl an menschen geben wird, die trotz ihrer koerperbehinderung in diesen film gehen werden und sich dort koestlich amuesieren.

es gibt eben menschen, die behalten ihren humor ein leben lang - auch wenn er auf sie selbst abzielt.

krasses gegenbeispiel: die ewig verbitterten juden, die in "borat" gleich wieder einen naziverharmloser sehen...
13. November 2006

Hab gerade den Trailer zu dem Film gesehen. Die Gags waren ja genial, werde mir den Film auf jeden Fall im Kino ansehen.

immernochlachendegrüße aus *nrw*

er von uns


Nachtrag: Trailer ist zu finden unter: woistfred-film.de
14. November 2006
Achtung! Jetzt kommt ein Karton!

Ja, der Film ist sicher lustig! Und mit A.M. Lara, J. Vogel und T. Schweiger auch bestens besetzt!

Gestern Vormittag habe ich mal eine email gestartet.
Um 19:28 Uhr hatte ich dann eine erfreuliche Antwort.

Die Mail war gerichtet an Philipp Hubbe, ein begnadeter
Künstler.

Das Wikipediabienchen schreibt:
Phil Hubbe (* 1966 in Haldensleben) ist ein deutscher Cartoonzeichner.

Der Magdeburger arbeitete nach einem abgebrochenen Mathematikstudium als Schichtarbeiter in einem Keramikwerk und als Wirtschaftskaufmann. 1985 erkrankte er an Multipler Sklerose; die richtige Diagnose wurde aber erst drei Jahre später gestellt. Seit 1992 hat er das Zeichnen zu seinem Hauptberuf gemacht und befasst sich dabei oft humorvoll mit dem Thema Behinderung. Mit seinen Zeichnungen war er ab 2001 an diversen Ausstellungen beteiligt; 2002 kam er beim Deutschen Preis für die politische Karikatur auf den dritten Platz. Er arbeitet für über 20 Tageszeitungen, Zeitschriften etc., ferner gestaltete er Postkarten und 2005 den Handicap-Kalender und hat bereits einen eigenen Cartoonband herausgebracht. Phil Hubbe ist verheiratet und hat eine Tochter.

Er gab mir die freundliche Genehmigung, HIER ein oder zwei seiner
Werke einzustellen. Mann! Was war und bin ich noch immer begeistert!!!

*freu4*

Bei diesem einen Bild werde ich es aber belassen. Kommentare von euch gerne erwünscht!

Bei (hoffentlich) gewonnenem Interesse schaut doch mal bei Links nur für Mitglieder vorbei!
(wenn nicht hier, wo sonst wäre ein Link angebracht?)

Der noch immer strahlende
Prinz_Valium
14. November 2006

Phil Hubbe kenn ich, hab seine Bücher. Einfach genial.

Habe auf meine privaten Homepage auch mit Genehmigung ein Bild von ihm. Wenn man ihn fragt sagt er eigentlich nicht nein.

Aber auch andere Künstler mit Behinderung (z.B. Kai Malte Fischer) geben auf Nachfrage eine Genehmigung für ihre Bilder.

Gruß

Er von uns
15. November 2006
@whitewolvesnrw

STIMMT!!

Kai Malte Fischer ist auch absolut genial!
*haumichwech*

Hat jemand von euch zufällig entdeckt, wann und wo die NDR-Talkshow vom 10.11. wiederholt wird? Ich bin danach gefragt worden und bislang noch nicht fündig geworden...

Prinz_Valium (GdB=50 *zwinker* )
18. November 2006
@prinz Diazepam

Ist ech nen super Cartoonist, vielen Dank für den Tip.

LG
paar25mw
20. November 2006
lachen

den film habe ich bereits vor gut einem halben jahr im probelauf gesehen.
an einigen stellen kam mir die frage auf, ob man diese witze machen darf?
es geht doch um menschen mit einem handicap.
die gags sind nicht sonderlich tiefgründig, aber sehr absurd.
man lacht nicht über behinderungen sondern über die unmöglichen situationen und mißverständnisse des alltags. die story ist auch völlig blöd.
ich habe spontan und sehr herzhaft gelacht und hoffe das können andere auch.


lg pierce
26. November 2006

Habe den Film letzte Woche gesehen.
Muss dazu sagen, das ich vorher sehr skeptisch war und nicht wusste ob ich mir wirklich den Film anschauen sollte. Denn ich halte nichts davon wenn über behinderte Menschen gelacht und sich witzig gemacht wird.
Mein Cousin ist geistig und körperlich behindert und ich arbeite in einer behinderten Einrichtung, so dass ich mein eigenes Bild von Behinderten habe und mich nicht über sie belustigen möchte und brauche.
Aber ich bin dann doch in den Film gegangen, dort habe ich festgestellt das sehr viele Rollstuhlfahrer auch im Kino waren, um sich diesen Film anzuschauen. Wärend dem Film gab es sehr viele Szenen wo man herzhaft lachen konnte, es waren aber auch die Szenen die Till Schweiger gespielt hatte und nicht diese in denen andere behinderte Menschen vorkamen.
Danach konnte man wieder feststellen das es Rollstuhlfahrer nicht immer leicht haben und viele Hindernisse überwinden müssen.
Mein resultat zu diesem Film....viel gelacht...keinen tiefgründigen Sinn gehabt...unterhaltsam *ggg*
27. November 2006

ich bin rollifahrerin und war gestern in dem film. und ich habe zwei stunden nur gelacht, so wie der gesamte kinosaal.

ich habe bisher noch kein so sehr öffentliches werk in deutschland gesehen, was sich derartig an dieses thema herantraut.
meiner meinung nach wurde es langsam zeit.
der film trägt dazu bei lockerer mit behinderungen umzugehen, und die allgemein leider immer noch vorhandene unsicherheit und übermäßige vorsicht etwas aufzulockern.

das der film teilweise sehr übertrieben ist, is tgeschmackssache, aber der aufmerksame zuschauer wird das schon richtig einordnen können.

also, fazit: unbedingt zu empfehlen!

übrigens war es doch ein kleineswenig seltsames gefühl, als einzige rollifahrerin das kino zu verlassen;-)
15. Februar 2007
Thema hochschieben

So eben habe ich das Thema gelesen und mich gewundert das so wenige hier mal was dazu schreiben. Ich selber habe den Film gesehen und kann nur sagen wenn er eine halbe Stunde länger gedauert hätte wäre ich vor lachen gestorben. Ich fand Ihn einfach Klasse. Ja ich finde es gut wenn man auch mal über das Thema herzhaft lachen kann. Warum muß man sich mit seinem Lachen denn verstecken nur weil es einen Rollifahre oder so passiert? Jeder sollte das Recht haben verarscht zu werden. Es wollen doch auch alle als "normale" behandelt werden und das gehört dazu. Ob man dazu Paralympicsieger sein muß um darüber zu lachen denke ich nicht. Warum auch. Ach nicht zu vergessen sitze selber im Rollstuhl und habe somit eine grobe Ahnung von dem Thema.
15. Februar 2007

habe den film schon gesehen, echt mega witzig und auf keinen fall


werde die rollis durch den dreck gezogen....

es lohnt sich den film an zu schauen

cu stupfel

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