Hörbehindert

01. November 2011
Hörbehindert

Guten Abend liebe Joycluber;

Ich wollte gerne einmal einen Thread eröffnen zum Thema "Hörbehinderung" da mir auffiel, dass es dazu noch nichts gibt.

Wie ich zu diesem Thema komme.... ganz einfach: Ich selbst bin davon betroffen.

Ich würde gerne einmal wissen, ob ihr Betroffen seid, Betroffene kennt und wie ihr jemandem begegnen würdet der davon betroffen ist.

Ich selbst hatte 2 Hörstürze, einmal letztes Jahr im Oktober und einen dieses Jahr im Februar. Seitdem ist meine Hörkurve im Mittelhochton-Bereich stark gesunken. Was ein Problem darstellt, da in diesem Bereich die menschliche Sprache liegt.
Im Alltag merkt man es kaum, ich bin also nicht taub oder so, auch stelle ich den Fernseher nicht lauter als andere oder dergleichen. Allerdings merke ich es sehr wenn jemand flüstert, da muss ich fast immer nachfragen, was derjenige sagte.

Deswegen war ich bereits mehrmals beim Akustiker, hatte schon Hörgeräte zur Probe und nun ein Modell gefunden das ich auch behalten werde. Für mich ist das ein großer Schritt, wenn die Geräte auch eher dafür sind, meine Ohren quasi auf diesem level zu halten.
Ich bin einfach der Meinung, dass es etwas völlig anderes ist wie z.b. eine Brille.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass man gerade als junger Mensch schräg angesehen wird wenn es jemand mitbekommt. Eine Brille ist mittlerweile relativ weit verbreitet und im Gegensatz zu früher wird man auch wegen einer Brille nicht mehr als Außenseiter behandelt oder dergleichen. Mit Hörgeräten jedoch schon.
Viele fragen dann, wie man hört und interessieren sich dafür. Das finde ich auch positiv und antworte gerne. Aber leider hört man eben auch oft Dinge die verletzend sind und spürt eine Ablehnung sobald das Gegenüber diese Tatsache weiß. Oft höre ich auch Dinge wie "Hättest du halt deine Musik leiser gehört" oder "Dann geh halt nicht so viel auf Konzerte". Hier spürt man diese Vorurteile, denn wenn ich auf Konzerten war, was ohnehin selten ist, trug ich Gehörschutz und auch meine Musik ist nie übertrieben laut.

Mich würde es freuen vielleicht hier einen Austausch zu finden und auf das Thema aufmerksam machen.
Viele Grüße; hiddenPain
01. November 2011
Kein Problem...

...für mich denke ich. Ich höre auf dem linken Ohr auch keine 100% mehr weil das Mittelohr bei mir total vernarbt ist. Und wenn ein junger Mensch schon Hörgeräte tragen muss, sehe ich da kein Problem drin. Allerdings muss ich sagen, das ich ein (Lern)Problem hätte wenn die Person komplett taub wäre und ich Gebärdensprache lernen müsste.
Auf der anderen Seite wenn man das muss, wird man dann nicht umhin kommen.
02. November 2011

Ich oute mich jetzt mal! Ich bin seit 9 Jahren hochgradig schwerhörig und auf Hörgeräte angewiesen, da ich sonst nichts außer bestimmte Tonlagen hören würde. Bei mir entstand es leider durch einen Zeckenbiss (Borreliose), der die Hörnerven angriff. Inzwischen komme ich gut damit zu recht. Das Telefonieren bereitet mir ab und zu Schwierigkeiten, aber da hat man ja auch Hilfe! Die Technik ist auch nicht zu unterschätzen. Bisher bin ich damit akzeptiert wurden, manchmal kammen aber auch so ne Sprüche wie "Willste mich verarschen??" oder ähnliches. Aber davon lass ich mich nicht mehr fertig machen. Auch die Gebärdensprache hab ich gelernt, ist aber für mich kein Kommunikationsmittel für den Alltag, nur so abundzu mal zum Unterhalten mit Gehörlosen.

Mein Freund ist übrigens auch schwerhörig, hört aber noch besser als ich! Aber dadurch kann sie der eine gu in die Lage des anderen hineinversetzen...
03. November 2011
jenseits rein

praktischer erwägungen habe ich meine hörgeräte nie als soziales handicap empfunden. im gegenteil, sie sind eher ein interessantes conversation piece. (im-ohr-geräte)

ich finde es interessant, dass du anscheinend auch in deiner alterskohorte auf vorbehalte triffst. scheinen mir doch angehörige deiner generation ständig einen knopf im ohr, einen kopfhörer oder dergl. zu tragen *g* ernsthaft: auch durch die allgegenwärtigkeit von ipod & co. sollte sich eine gewöhnung ergeben haben.

allerdings spielt es wohl eine rolle, wie die geräte sich zum eigenen habitus verhalten. ich trete ziemlich gediegen auf, werde wohl auch gerne für etwas jünger gehalten als ich bin. da bilden die hörgeräte einen interessanten kontrast, und sind kein zeichen von kränklichkeit.

mit anderen worten: diese teile sind heute zwar noch immer stärker markiert als eine brille (so sie denn überhaupt bemerkt werden), das muss aber kein nachteil sein. und als technisches gerät/gadget im ohr stellen sie auch keine ästhetische herausforderung mehr dar.
03. November 2011

Durch Schwellungen im Kopf wurden die Gehörgänge bei mir gequetscht.... Ich bin nicht taub und so eher wie bei HiddenPain und ich habe große Probleme in lauter Umgebung.....
Hötgerät hab ich ehrlich gesagt noch nie versucht, vielleicht sagt mir wer was ich tun muss um eins zu bekommen und ob sowas dann auch in lauten Räumen funktionirert (Restaurant im Kellergewölbe)...

So ist es kein Problem, mit den Leuten mit denen ich mich unterhalten will kann ich das irgendwie gehts schon =)
03. November 2011

Du bekommst die Hörgeräte ganz normal durch Verschreibung. Allerdings ist das auch ein großer Markt, und je nach Ausstattung kann das schnell sehr ins Geld gehen. Da empfiehlt sich ein guter Akustiker, bei dem man im Vorfeld ausgiebig probieren kann. (Korruption und Kickback-Geschäfte zwischen Akustiker und HNO-Arzt sind in dem Bereich leider nicht ganz selten.)

Allerdings bedarf es schon einer gewissen Eingewöhnung. Zu Beginn denkt man, die Nebengeräusche seien so gar nicht handhabbar, aber dann legt sich das. Im Kellergewölbe tritt das Problem natürlich verschärft aus. Die Lösung heisst, testen.

herzlich, l.
04. November 2011

*top*

(Korruption und Kickback-Geschäfte zwischen Akustiker und HNO-Arzt sind in dem Bereich leider nicht ganz selten.)


Endlich spricht es mal Jemand aus.
04. November 2011
Häh????

Seit ich 20 bin trage ich Hörhilfen. Durch einen nicht reparablen Mittelohrschaden habe ich ein Hörvermögen, dass einem 8o-jährigen Menschen entspricht.
Seit vielen Jahren trage ich Im-Ohr-Geräte.

Im Geschäftsleben einfach nicht mehr wegzudenken. Aber ganz ehrlich muss ich gestehen, dass ich nie - niemals im Swingerclub oder bei einem privaten Treffen diese tragen würde.... Ist zwar total doof, aber so ist es halt!! Ich verstehe dann zwar viel Dirty-Talk gar nicht, versuche mir aber alles zusammen zu reimen...

Hat für mich persönlich halt - auch nach so langen Jahren - immer noch so ein ganz komisches Feeling...

Ich bin total glücklich, dass ich diese tollen Hilfen tragen darf.... aber nicht immer und nicht überall!!

Doof aber so isset eben!
04. November 2011

Ich bin nicht betroffen und man denkt da auch nicht drüber nach, bis man selbst betroffen sein könnte.
Ich hatte ein paar mal Tinnitus, meist ist es nach kurzer Zeit vorbeigegangen. Aber solange es etwas länger dauert fragt man sich schon, ob es jetzt für immer so bleibt.

Im Internet, speziell in Foren sieht man ja nicht, ob die anderen User schlecht oder gar nicht hören. In einem anderen Forum ist mir das erst klar geworden, als sich Leute beschwert haben, dass Videos ohne Beschreibung, Untertitel oder Transkription hineingestellt wurden.



Interessant fand ich auch diese Geschichte


Taub auf Bestellung

Ein gehörloses lesbisches Paar bekam auf Wunsch taube Kinder – dank Samenspende

Der fünf Monate alte Gauvin McCullough ist taub, und das sei gut so, findet wenigstens seine Mutter Sharon Duchesneau. Nicht nur, weil sie selbst – wie auch ihre langjährige Lebensgefährtin Candace „Candy“ McCullough – gehörlos zur Welt gekommen ist, sondern vor allem, weil die beiden Frauen sich ausdrücklich ein taubes Kind wünschten. „Wenn das Baby hören könnte“, hatte Candy noch vor der Geburt einer Reporterin der „Washington Post“ erklärt, „dann wäre ich schockiert.“

Es war nicht das erste Mal, dass sich das Paar diesen für „normale“ Eltern eher bizarr anmutenden Wunsch erfüllt hatte: Auch die erste Tochter Jehanne, vor fünf Jahren geboren, wurde mit Hilfe eines Samenspenders gezeugt und ist absolut gehörlos. Um ihr Ziel zu erreichen, überließen die beiden Frauen nichts dem Zufall. Ihre Anfrage bei einer Samenbank nach einem gehörlosen Spender blieb erfolglos – genetisch bedingte Taubheit disqualifiziert potenzielle Samenspender. Ein gehörloser Freund mit fünf Generationen Taubheit in seiner Familie zeigte mehr Verständnis und stellte seinen Samen nun zum zweiten Mal zur Verfügung.

Links nur für Mitglieder
07. November 2011

Also mal ehrlich:

Ich find diese Geschichte sowas von daneben. Ich bin selber schwerhörig (und kenn die gehörlose Welt gut), würde dass aber nie meinen Kindern wünschen. Es ist doch egoistisch, wenn ich mir ein gehörloses Kind wünsche, nur weil ich nicht hören kann! Für einen Menschen ist es doch toll, mit 2 verschiedenen Sprachen und Welten aufzuwachsen. Ich frage mich bei sowas immer: Wurde an das Kind gedacht oder an die eigenen Wünsche?

Bei einer IVF dürfen die Embryonen auch nicht auf schwere Defekte untersucht und wenn einer vorliegt entsorgt werden. Dann können wir ja auch gleich mit Designerbabys a la blaue Augen und blondes Haar anfangen.
07. November 2011

Nun ja, ich hab mit 18 einen Silvesterunfall gehabt, seitdem fehlen mir rechts und links so pi mal Daumen 60% vom Hörvermögen.

Ohne Hörgeräte wäre ich in meinem Alltag echt aufgeschmissen.

Schwierig allerdings sind immer noch Orte, wo viele Leute quer durcheinander reden. Da hilft dann Lippenlesen weiter.

Grins und einen Vorteil hat die Geschichte ja: Will ich nicht mehr hören, dann stell ich die Hörgeräte aus oder nehm sie raus.

Schon hat mich meine erheblich stillere Welt wieder.
07. November 2011
wie

wahr *g*
13. November 2011
@ hiddenPain

schadenfreude ist die beste freude, sagt man und es stimmt wohl.
durch viele mittelohr entzündungen in meiner kindheit habe ich ca 60 % hörverlust auf dem linken ohr. trotz mehreren untersuchungen habe ich keine informationen über den hörverlust erhalten.
erst mit 53 jahren wurde mir empfohlen ein hörgerät zu benutzen.
jetzt trage ich seit 2 jahren ein hörgerät, und das ist gut so.
in kurzer zeit werden hörgeräte genau wie brillen in sein.
also lass es dir gut gehen damit.

lg
13. November 2011

Ich bin seit der Geburt an praktisch taub mit Restgehör (eher so fast gehörlos) Ich kann zwar mit Hörgeräten recht gut hören, aber längst verstehe ich auch nicht alles, was gesagt wurde oder so.

Telefonieren kann ich nur bei bestimmten Menschen. Fremde Menschen geht es in diesem Fall gar nicht.

Eigentlich sieht man die Hörgeräte nicht auf dem ersten Blick. Ich habe das schon von hörenden Menschen erzählt bekommen, dass sie meine Behinderung nicht bemerkt haben.

Hörgeräte, die meisten normal hörenden Menschen denken, dass Hörgeräte eher bei alten Menschen normal ist. Bei jungen Menschen nicht.
Es war mir auch passiert, dass manche Ärzte noch nie mit Schwerhörigen zu tun haben.
14. November 2011
Gehörlos, taub oder hörbehindert

ich bin seit Geburt taub und trage ein Hörgerät, aber höre nur Geräusche. Darum mehr mit den Augen hören, denn ich muss von den Lippen ablesen nur wenn jemand gut und deutlich spricht.
Es gibt leute, wenn sie die Gehörlosen sehen, wenn sie gebärden, dann sagen die leute .... aha die sind taubstumm. Ich fühle mich sehr beleidigt. Denn die gehörlosen können sprechen, aber nicht alle sprechen gut, denn sie können die Stimme nicht kontrollieren.
Wir Gehörlosen aktzeptieren nur das Wort gehörlos, taub oder hörbehindert..

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