Im Osten nichts Neues?!

30. September 2011
Im Osten nichts Neues?!

Wahrscheinlich ist es wie bei allen Dingen so, dass besonders in Ballungszentren die Anhänger des SM häufiger auftreten, als auf dem Lande. Soweit so gut. Doch warum habe ich immer wieder das Gefühl, es gäbe im Osten deutlich weniger Menschen, die diese Leidenschaft ausleben oder sie wenigstens für sich erkannt haben? Täuscht mich mein Gefühl? Brauchen wir noch Nachhilfe? Fehlen uns jahrelange Erfahrungen? Woran mag es liegen?
30. September 2011

Daran, dass du vielleicht noch nicht so recht danach gesucht hast. *lach*

Zumindest Leipzig hat eine ziemlich große BDSM-Gemeinde. Merkst du spätestens dann wenn du mal diverse Gothicveranstaltungen ebendort besuchst, da lassen sich die Goths von den SMlern kaum auseinanderhalten ...
Zudem gibt es in Leipzig zahlreiche Möglichkeiten, "SMig" zu übernachten. Diese Örtlichkeiten werden ja wohl kaum Nicht-SMler veranstalten ...

In der Gegend um Schwerin herum sieht's nicht anders aus: Gibt zwar wenig konkrete Veranstaltungen, aber das liegt eher mangels Räume als mangels Interesse. Die "Szene" dort ist definitiv ebenfalls vorhanden.

Und last but not least: Mal die Mitgliedersuche bemüht? Wohl eher nicht *zwinker*
Alleine die "BDSM für Anfänger"-Gruppe birgt knapp 150 Mitglieder aus den neuen Bundesländern (Berlin nicht mal mitgezählt!) - und das ist mit Sicherheit nur die Spitze vom Eisberg.

Man darf ja auch nicht vergessen, dass BDSM in der ehemaligen DDR damals staatlicherseits stark unterbunden wurde. Dass dort noch nicht dieselben Strukturen wie im Westen existieren was den Grad der Organisiertheit angeht, ist da völlig klar.
Selbst im Westen ist es ja nicht soo organisiert: Ruhrgebiet, München, Hamburg, dann war's das auch fast schon. Vieles sprießt erst in den letzten Jahren andernorts auch.
30. September 2011

Auf die DDR würde ich es nicht unbedingt mehr schieben. Die neuere nichtkommerzielle Szene steckte auch im Westen Ende der 80er noch in den Kinderschuhen. Höchstens, daß für den einen oder anderen überregionalen Veranstalter der interessante Raum immer noch an der Elbe aufhört.
Vor allem in den Großstädten Leipzig/Halle und Dresden gibt es eine rege Szene, allerdings - wie schon von Hanjie gesagt - natürlich nicht einer mit Hamburg oder NRW vergleichbaren Veranstaltungsbreite. In den ländlicheren Gebieten wie Vorpommern oder Ostbrandenburg ist logischerweise weniger los, aber das ist sicher in entsprechenden Altgebieten ähnlich. Die Zeit, in der jede kleine Kreisstadt unbedingt ihren eigenen blühenden Stammtisch brauchte, scheint mir ohnehin vorbei.
30. September 2011

Ja warum ? Helmut Kohl hat uns halt belogen, als er uns in Kürze gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West versprochen hat.

Aber letztendlich liegt es an der Bevölkerungsdichte und dem geringen Anteil von Menschen mit sadomasochistischen Neigungen insgesamt.
Man kann daran nichts ändern. Entweder man ist bereit, weite Strecken zu fahren oder man lässt es bleiben.
Hier gibt es nichts, keine Lokalität, wo man abends mal hingehen und Gleichgesinnte treffen kann. Gemessen an der Einwohnerzahl von Thüringen, die bei etwa einer Mio. liegt, ist das auch nicht verwunderlich. In Berlin gibt es vielleicht 3 Lokalitäten, wenn überhaupt. Gemessen an der Einwohnerzahl von Berlin von etwa 4 Mio ist das wenig - d. h., eine Million Berliner SM'ler ginge leer aus, wenn Kreuzberg von Charlottenburg genauso weit entfernt läge wie Erfurt von Berlin.
Darüber weiter zu lamentieren hilft nichts.
Leipzig war schon immer ein heißes Pflaster, weil es ein Ballungsgebiet war und weil vielleicht dort ein bestimmter Menschenschlag lebt. Lpz. gab es beispielsweise schon zu DDR-Zeiten eine Schwulenszene - gehört nicht ganz hier her, aber es ist bezeichnend. Ich weiß gar nicht so genau, ob SM in der DDR verboten war. Es war vielmehr kein Thema. Viele im Westen bringen manches durcheinander und leiten aus dem generellen Pornografieverbot eine größere Prüdigkeit im Osten ab, was aber absolut nicht der Fall war. Zu mindestens wurde der Paragraf 175 abgeschafft, lange bevor es unter dem Justizminister Heinemann im Westen der Fall war. Was die Menschen in ihren vier Wänden trieben, hat die Partei- und Staatsführung nicht groß interessiert. So einen formalen Blödsinn, dass ein 16jähriger lt. Paragrafen belangt werden könnte, wenn er eine 14jährige bei sich übernachten lässt, gab es jedenfalls nicht
Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass BDSM eine typische Zivilisationserscheinung des Kapitalismus ist, wie überhaupt das gehäufte Auftreten von Perversionen, im Sinn von Moden, Kennzeichen später Gesellschaften ist.

Aber in und um Dresden sieht doch so schlecht nicht aus, nur mal am Rande.

Generell kann man davon ausgehen, dass Menschen in Ballungsgebieten freizügiger leben. Ich bin kein Soziologe, aber dafür gibt m. E. Gründe.
30. September 2011

Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass BDSM eine typische Zivilisationserscheinung des Kapitalismus ist, wie überhaupt das gehäufte Auftreten von Perversionen, im Sinn von Moden, Kennzeichen später Gesellschaften ist.

Zumindest die hiesige Art und Weise, sich auszuleben und zu organisieren, dürfte nicht 1:1 auf andere Gesellschaften übertragbar sein. Die Neigung selber gibt es auch anderswo.
01. Oktober 2011

Zumindest die hiesige Art und Weise, sich auszuleben und zu organisieren, dürfte nicht 1:1 auf andere Gesellschaften übertragbar sein. Die Neigung selber gibt es auch anderswo.

Sie wird nur nicht immer als solche erkannt ;). Ich erinnere mich an eine Szene bei Agatha Christie, wo ein "Hausdrachen" einen Ehemann hat, der unter dem Pantoffel steht... Ständig ist ihr kalt, sie braucht noch dies, sie braucht noch das, sie erwähnt es lieb lächelnd, er läuft und bringt es ihr und ist noch glücklich dabei, ihr so dienen zu können... Das, was man heutzutage Femdom-24/7 nennen würde ^^.

Bei Agatha Christie gibt es allerdings keinerlei Verständnis dafür, der Mann wird als "schwach" gesehen, man hat Mitleid mit ihm, irgendjemand Wohlwollendes redet mit ihm darüber, dass er sich nicht immer so herumscheuchen lassen soll... Als schlimmster Beweis der "Unsympatischkeit" des Hausdrachens bzw. der FemDom wird dann noch ihre Eifersucht beschrieben, wenn er sich mit anderen Frauen unterhält.

Es gibt erotische BDSM-Geschichten mancher Männer (oder auch Frauen), die genau eine solche Herrin, die sich gerne bedienen lässt und eifersüchtig auf ihren Sklaven achtet, als höchstes Ideal preisen ^^.

Agatha Christie hätte so was nicht beschreiben können, wenn es solche Paarkonstellationen in ihrer Zeit nicht genauso gegeben hätte, sie war ja insgesamt eine sehr akribische Beobachterin der menschlichen Psyche und von Gesellschaftsstrukturen. Und wenn es das damals so geben konnte, ganz ohne Szene und "BDSM"-Etikett, dann gehe ich einfach mal davon aus, dass es bdsm-Elemente auch jenseits des Kapitalismus geben konnte, weil sie für eine bestimmte Prozentzahl an Menschen einfach "natürlich" sind.

Die heutigen Szenestrukturen allerdings konnten sich logischerweise auch erst in der heutigen Gesellschaftsstruktur entwickeln. Und je großstädtischer ein Milieu ist, desto leichter macht es die Anonymität und die räumliche Erreichbarkeit natürlich auch, Treffen mit Gleichgesinnten zu haben.

***

Genug mit offtopic, aber @ topic habe ich leider nicht allzuviel dazu beigetragen. Von drei Männern aus Ostdeutschland, mit denen ich je geflirtet habe, waren zwei auch BDSMer bzw. entdeckten irgendwann im Lauf ihrer Bekanntschaft mit mir diese Neigung *unschuldig guck*, aber diese beiden kamen auch aus Leipzig, und der eine ist inzwischen berufsbedingt nach Süddeutschland gezogen.
01. Oktober 2011

Hmm, ich weiß ja nicht ob Eifersucht ein wirklich positiv herauszuhebendes Merkmal einer Femdom ist ... *zwinker*

Zum Ostthema: Es fand selbstverständlich viel im Hintergrund statt. Anzunehmen dass nur deswegen weil der Organisationsgrad in Sachen BDSM dort nicht derselbe ist wie im Westen ist eine recht gefährliche Annahme. Demzufolge dürfte es im Osten auch nie Punks gegeben haben oder Schwule oder oder oder ... *zwinker*
01. Oktober 2011

Leipzig:
Wie Berlin als Hauptstadt der DDR ein besuchermagnet war (gemessen an DDR-Verhältnissen), so war Leipzig durch die Messen ein Tor zur Welt. Damit erklärt sich schon mal der "besondere Menschenschlag".

Und ansonsten: Wie schon geschrieben, ist das vielmehr ein Problem der "Flächenländer". Wenn man 50km weit fahren muß, um 3 Gleichgesinnte zu treffen....
Schon einmal nach einer BDSM-Gruppe in S-H gesucht? Hier im JC?
(Definitiv gibt es aber alleine in Lübeck aktive BDSMler)
01. Oktober 2011

Och, Lübeck und Kiel sind nicht sooo untätig. *cool*
Ich erinnere mich aber wie lange es gedauert hat in Baden-Württemberg etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe viele Bekannte dort und komme dort auch her, daher habe ich dort auch einen ganz guten Einblick: Wenn es da Mozart (Sänger von Umbra in Imago) in Karlsruhe nicht gegeben hätte, wäre BDSM offiziell noch seeehr lange ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen. *ja*
Inzwischen sieht es da aber dann doch auch recht anders aus. *g*
02. Oktober 2011

Ja warum ? Helmut Kohl hat uns halt belogen, als er uns in Kürze gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West versprochen hat.
na klar hat er das, vor allem weil wir im Westen 21 Jahre danach immer noch den blöden Soli zahlen müssen - und keiner weiss mehr , wofür ! *gr*
02. Oktober 2011

vor allem weil wir im Westen 21 Jahre danach immer noch den blöden Soli zahlen müssen - und keiner weiss mehr , wofür ! *gr*

Das stimmt nicht ganz, auch die im Osten müssen den bezahlen. Also wir alle.

Wir sollten endlich mal aufhören uns das gegenseitig immer vorzuwerfen, sein wir froh, dass wir endlich ein Volk sind.

Ja warum ? Helmut Kohl hat uns halt belogen

Viel schlimmer ist es, dass die meisten sie wieder gewählt haben und sich heute beschweren, was uns diese Regierung antut. Es wollte ja keiner hören, dass es genau so kommen wird.
02. Oktober 2011

ich wusste es schon immer und hab den/die noch nie gewählt !*stolzbin*
im übrigen hat Klaus Meine von den Scorpions die Mauer zum Stürzen gebracht, nicht Kohl *lol*und ich fand beide schon immer scheisse !*wuerg*
ok aber: *offtopic* sry...
02. Oktober 2011

ich wusste es schon immer und hab den/die noch nie gewählt !*stolzbin*

Glaubst Du den wirklich das die anderen zwei Parteien besser sind.

Alle vier hatten ihr Chance und haben gnadenlos versagt, auf ganzer Linie.

Es ging immer nur darum, dass es den oberen 10.000 besser geht.

Darum alle in einen Sack und drauf hauen, trifft mal nie den verkehrten.

Aber genau dem schließe ich mich jetzt auch an. *offtopic* sorry
02. Oktober 2011

Glaubst Du den wirklich das die anderen zwei Parteien besser sind.
nein sind sie mittlerweile nicht mehr, aber die ein oder anderen wären die Sache sicher etwas anders angegangen...
Dir ganze Euphorie hat sich mir damals schon nicht erschlossen...
Aber *zumthema*: "drüben" gings wohl sexuell etwas offener zu...seltsam, dass sich dieses nicht auf spezielle Ebenen ausgeweitet hat..*gruebel*
02. Oktober 2011

Sind wir hier in einem Erotikforum,oder an einem Stammtisch,wo die Suffköppe nach dem fünften Bier ihren Adolf,oder ihren Honnie wieder haben wollen ??? *fiesgrins*

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