Gegensätzliche Sexualität

15. September 2011
Gegensätzliche Sexualität

Hi Community,

vor einigen Monaten habe ich mein großes Problem hier geschildert. Ganz kurz gefasst ging es darum, dass meine Frau und ich unterschiedliche Vorstellungen von Sexualität haben und wir beide vor unserer Beziehung noch keine großartigen anderen sexuellen Erfahrungen gemacht haben. Ich hatte ein Verlangen nach fremder Haut, das mich bald aufgefressen hat.

(Der gesamte Beitrag: Gegensätzliche Sexualität zerstört langsam unsere Beziehung)

Seit dem ist sehr viel passiert. Wir haben erkannt, dass unsere Probleme im Bett mit vielen anderen Faktoren zusammenhängen und uns daran gemacht, diese positiv zu ändern. Wir gehen immer noch - wenn auch sehr sporadisch - zur Paartherapie, um uns in unserer Entwicklung weiter voranzubringen.

Ich selbst habe mich sehr weiterentwickelt. Ich hätte es vorher nie für möglich gehalten, aber die richtigen Denkanstösse vorausgesetzt kann da ganz schön was passieren. Ich habe sehr hart an meinen Schwächen gearbeitet (und bin immer noch dabei) und denke heute ganz anders wie noch vor einem halben Jahr. Geholfen haben mir dabei meine wunderbaren Frauen (Frau und Tochter), (so blöd es klingt) 3 Monate Krankheit, in denen ich viel Zeit zum nachdenken hatte, ein Sport, der mich körperlich, geistig und seelisch anspricht und nicht zuletzt die ganzen Denkanstösse aus meinem letzten Post hier. Ich denke ganz anders. Ich habe zwar noch das Verlangen nach fremder Haut, aber es ist nicht mehr so bohrend.

Vor allem habe ich erkannt, dass mein eigentliches Verlangen eher darin besteht, erfüllenden, leidenschaftlichen Sex zu haben. Ganz gleich, wie dieser aussehen mag.

Das hat dazu geführt, dass der Konflikt zwischen meiner Frau und mir, der uns einige Jahre mal mehr mal weniger stark heimgesucht hat, mittlerweile frei von jeglichen Schuldzuweisungen ist. Es lässt sich jetzt viel entspannter an unserem Problem arbeiten.

Nachdem wir die letzten Monate wegen Krankheit, Zeitmangel, etc. nicht systematisch unser Problem angehen konnten fangen wir jetzt damit an. Neben ausführlichen Gesprächen lesen wir beide parallel Schnarchs "Psychologie sexueller Leidenschaft" und reden ausführlich über das Gelesene.

Außerdem - und das ist das wunderbare - kommt meine Frau mir im Bett sehr entgegen und macht Sachen, von denen ich vor einem Jahr noch nicht einmal geträumt hätte. Mir geht es richtig gut.

Trotzdem ist da eine Sache, die ich mir nicht erklären kann und bei der ich hoffe, hier Tipps zu bekommen. Auch wenn ich unsere sexuelle Entwicklung sehr begrüße und genieße, der Sex selbst ist (noch) nicht erfüllend, nicht entspannend. Ich habe das Gefühl, dass ich mir selbst im Weg stehe. Ich kann dabei nicht sagen, ob ich während unserem Konflikt zu sehr emotional abgestumpft bin, ob ich im entscheidenden Moment (beim Sex) unseren Konflikt nicht aus dem Kopf bekomme oder was auch immer. Man sagt es ja Frauen nach, dass sie sich oft beim Sex nicht fallen lassen können, aber mir scheint, dass es mir gerade genau so geht.

Meine Frau und ich haben schon darüber gesprochen und sie meint, dass sich das wohl, wenn wir weiter an uns arbeiten, mit der Zeit von selbst gibt. Aber es wäre schön, wenn es sich schon vorher irgendwie beheben ließe. Für Tipps bin ich also außerordentlich dankbar.

Beste Grüße
Dan2011
15. September 2011
Hallo Dan2011

Ich hatte mich seinerzeit an Deinem Thread beteiligt.

Nun verstehe ich dein Problem wohl nicht ganz und muss nachfragen:
Was meinst Du mit nicht erfüllend, nicht entspannend?
Meinst Du damit den Umstand nicht zum Höhepunkt zu gelangen, - oder meinst Du damit was Anderes?

Lg
Freimut
15. September 2011
Hallo Freimut

Ich weiß noch, dass du dich seinerzeit an meinem Thema beteiligt hast. Du hattest eine geschickte Art in deinen Posts, meine Selbstreflexion zu aktivieren;-)

Ich kann mein Problem leider nicht vollkommen transparent auf den Punkt bringen. Ich komme sehr wohl zum Höhepunkt. Ich habe mal gelesen, dass man beim Mann zwischen einem Orgasmus und der reinen Ejakulation unterscheiden kann. Das trifft es in etwa.

Auch wenn meine Frau und ich die im anderen Thread geschilderten Probleme hatten, so hatten wir doch hin und wieder so guten Sex, dass ich dabei und danach einen emotionalen Höhenflug hatte, und dieser stellt sich nun nicht mehr ein, warum auch immer.

Kurz nachdem mein Umdenken begann hatte ich ein paar sehr tolle Erlebnisse. Der Sex war so intensiv, weil er mich insgesamt berührte. Es war keine reine Erregung in der Körpermitte, sondern in etwa mit jeder Faser meines Körpers. Dementsprechend intensiv viel auch der Orgasmus aus: Erleichternd, befreiend, beglückend, intensiv. Und das, obwohl der Sex so war wie immer.

Ich denke also, dass ich es so intensiv erlebt habe, weil ich einfach anders an die Sache rangegangen bin. Befreiter, unbefanger. Und dieses Gefühl ist mir, warum auch immer, abhanden gekommen.

Momentan beschränkt sich mein Höhepunkt auf die rein körperlichen Prozesse, die Ejakulation, ohne dass ich dabei Entspannung bzw. Befriedigung empfinde.

Ich weiß nicht, ob dir das die Sache näher erklärt, kann es aber leider nicht anders beschreiben. Ich weiß nur, dass es eigentlich widersprüchlich ist: Ich fühle mich gut und genieße unseren Sex und unsere gesamte Zweisamkeit, mache aber auf der Ebene eher einen Rückschritt...

LG
Dan2011
15. September 2011

Dan2011:
Ich weiß nicht, ob dir das die Sache näher erklärt, kann es aber leider nicht anders beschreiben. Ich weiß nur, dass es eigentlich widersprüchlich ist: Ich fühle mich gut und genieße unseren Sex und unsere gesamte Zweisamkeit, mache aber auf der Ebene eher einen Rückschritt...

Die Frage ist ja, ob es ein Rückschritt ist oder nicht nur eine Veränderung. Das Leben ist ein Fluss, mit ruhigen, seichten Stellen und Stromschnellen, an deren Felsen man sich mitunter aufreibt. Von daher frage ich mich - und kann das für mich, mangelns entsprechender Eigenerfahrung nur bedingt beantworten - inwieweit die neue Erlebnisqualität ein Rückschritt/Untergang ist, oder nicht einfach nur das Ergebnis eines Wachstums oder zumindest einer voranschreitenden Veränderung und Entwicklung.

Falls du eher das "magische Gefühl", so würde ich es zumindest nennen, wiederhaben möchtest... ich denke, ich spare mir meine Überlegungen dazu erst einmal auf.
15. September 2011

Zu viel des Guten ist halt manchmal zuviel. Unzufrieden zu sein ist Teil der genetischen Ausstattung des Menschen. Es wird nie perfekt sein, aber wir hören nicht auf, danach zu streben.
15. September 2011
@Dan

Dein Thema wurde vor kurzem in dem unten stehenden Thread auch behandelt. Lies einfach mal ein wenig nach und die, die das auch so kennen wie du und auch noch ganz andere Orgasmen erfahren haben, werden wohl hier auch nicht lange auf sich warten lassen, um dir mit Rat und ihren Erfahrungen zur Seite zu stehen.

Ständige Ejakulationen ohne Orgasmus?!
15. September 2011

Ein Orgasmus ist eine Entladung, die zu einer gewissen Entspannung führen kann. Ein Orgasmus, auch wenn er noch so geil ist, muss deshalb noch lange nicht gleichzeitig erfüllend sein. Auch nach zwei, drei oder mehr Orgasmen kann frau/man sich manchmal immer noch seltsam "leer", irgendwie hohl und trotz aller Entspannung "unzufrieden" fühlen, wenn alles nur auf der körperlichen Ebene stattfindet.

Ich vergleiche das gerne mit dem Naseputzen: Man befreit die Nase, fühlt sich für den Moment erleichtert - aber der Schnupfen bleibt.

Die ersehnte Erfüllung hat ziemlich wenig mit dem Orgasmus zu tun, dafür umso mehr mit dem Weg dorthin, mit dem verspielten Sich-einander-Beschenken, mit Sex, der nicht nur körperlich stattfindet und körperlich geil ist, sondern auch die Seele berührt - und nährt (= erfüllt).

Ich vermute mal anhand Deiner Schilderung, lieber Dan, dass hier der Knackpunkt liegen könnte. Doch da ihr ja bereits das Buch von Schnarch durcharbeitet, werdet Ihr dort ohnehin ein paar Kapitel dazu finden.

(Der Antaghar)
15. September 2011

Nach meiner Erfahrung hängt die Intensität des geliebten O. direkt mit der Erregung davor zusammen.
Ich halte es zumindest für möglich,daß eure neue Offenheit das ganze ein wenig "technisch" macht,wodurch Du nun zwar neue Dinge erlebst,der Kopf aber mit dem "wie" beschäftigt ist und Du so nicht komplett abschalten kannst.

Der "alte" Sex, nach eurer Krise war vermutlich vor allem geprägt von Leidenschaft (viel Bauch,wenig Kopf).
15. September 2011

Hallo Dan
Oh, schön von Dir zu lesen uns schön zu hören, dass Ihr so gut an Eurer Beziehung arbeitet. Eigentlich seid Ihr doch auf einem tollen Weg, Eure Sexualität ganz neu zu definieren. Bei den ganzen Eindrücken und neuen Erfahrungen ist es ja fast logisch, dass man sich da Gedanken macht. Und wann kommen diese Gedanken hoch? Genau, gerade dann, wenn es um das geht, worüber man sich diese ganzen Gedanken macht, also beim Sex.

Da kann ich eigentlich nur Deiner Frau recht geben, wenn sie sagt, dass es etwas mehr Zeit braucht, damit Körper und Geist wieder das gleiche Tempo haben. Überlege doch mal, was sich das letzte halbe Jahr bei Euch geändert hat. Da muss der Kopf, den kleinen Freund zwischen Deinen Beinen erstmal wieder einholen. Der "Kleine" Dan scheint sich ja in seiner neuen Rolle sehr wohl zu fühlen, jetzt muss er nur noch dem "Hinterstirnlappen" klar machen, dass es so ist, wie es ist. Da ja zwischen Gemächt und Gehirn viele Kilometer Nervenbahnen verlegt sind, kann es vielleicht mal etwas dauern, bis denn alle Gehirnzellen auf "Kurs" sind.

Also, lasst Euch bloß noch ein bisschen Zeit und versucht das Erreichte zu genießen. Eine gute Flasche Wein hat bei uns aber schon manchmal die Nervenbahnen so blockiert, dass Gehirn und Gemächt keine direkte Verbindung mehr hatten. Da konnte sich der "Kleine" mal so richtig austoben, ohne dass der "Hinterstirnlappen" Bedenken anmelden konnte. Der kann nämlich manchmal ganz schön nerven: Die Kinder könnten wach werden, der Boden ist zu hart, das Fenster ist noch auf, die Intimrasur ist schon eine Woche her...


Dreamteam66831 *zwinker*
Das Leben ist bunt
15. September 2011

Oder es macht einfach Spass dem Unereichbaren hinter her zu rennen.

Vielleicht will der Mensch immer das, was er nicht hat/haben kann.

Vielleicht ist auch die Erinnerung daran viel besser, als es tatsächlich war.

Vielleicht will man auch einfach nicht zufrieden sein.

Vielleicht fühlt man sich jetzt unter Druck gesetzt, wo die Ehefrau eventuell im Bett Ansprüche zu stellen beginnt. Und man fürchtet, den neu entdeckten Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Vielleicht ist die ganze Lust auch zu technisch geworden auf der Suche nach der sexuellen Perfektion.
15. September 2011

Hallo Dan,

ich hatte vor einiger Zeit eine Beziehung, in der ich irgendwie mit dem Sex unzufrieden war. Ich sprach meine Partnerin darauf an und konnte es nicht anders formulieren, als dass es mir zu wenig Sex war. Dabei schliefen wir so etwa einmal die Woche miteinander. Bei zwei erfüllenden, anstrengenden Jobs nicht ungewöhnlich.

Nach den ersten Gesprächen, begann ich Dinge zu ändern, probierte aus, mehr Fantasie hineinzubringen, eine Fotosession, sinnliche Spiele ohne Sex, nur Haut, Berührungen etc. dann auch mal gar kein Sex für drei, vier Wochen. Das machte ihr nur Druck!

Etwa ein, zwei Jahre nachdem wir diese Gespräche hatten, ging sie fremd. Sie. Nicht ich. Doof, ne?

Wir blieben zusammen, denn ich wollte daran wachsen. In den folgenden Wochen, in all meinem Schmerz, der Wut und der Trauer, klärt sich aber für mich das Gefühl, was ich gehabt hatte:

Ich fühlte mich nicht begehrt. Sie schlief mit mir, es machte ihr auch Spaß. Aber sie hatte keine Verlangen danach. Zärtlichkeit konnte sie geben und genießen. Aber das körperliche Verlangen war nicht da. Wir konnten vier Wochen ohne Sex sein, und alles, was sie daran erinnerte war ihr schlechtes Gewissen.

Lange Rede kurzer Sinn: Mir fiel in deinem Text, lieber Dan, auf, dass ihr euch sehr viel über den Kopf mit dem Problem beschäftigt habt. Begehrt ihr euch noch? Habt ihr das Verlangen nach einander?

Vielleicht hilft das Hinfühlen. Auch das "Ja, verdammt! Wir begehren einander!" kann schon viel auslösen!

In mir hat es das. Das Gefälle hielt ich nicht aus. Wir sind mittlerweile nicht mehr zusammen.

Ich wünsch dir alles Gute! Denn Euer Weg klingt toll!

Gruß,
TA
16. September 2011
Hallo Dan,

ich muss leider gestehen, dass ich Deinen Empfindungen nicht ganz folgen kann.
Ob eine Beziehung mich emotional erfüllt (oder nicht) ändert zumindest nichts an dem Gefühl beim Orgasmus.
Aber hier wurde schon etliches Sinnvolles gepostet.
Das Gefühl angenommen, geliebt und begehrt zu sein triggert womöglich andere Glücksregionen als die Freude am Liebesspiel.
Lg
Freimut
16. September 2011

@tigerauge:
Ich fühlte mich nicht begehrt. Sie schlief mit mir, es machte ihr auch Spaß. Aber sie hatte keine Verlangen danach. Zärtlichkeit konnte sie geben und genießen. Aber das körperliche Verlangen war nicht da. Wir konnten vier Wochen ohne Sex sein, und alles, was sie daran erinnerte war ihr schlechtes Gewissen.

Und das ist ein ganz wichtiger Punkt in einer Beziehung. Begehrt werden und das fühlen zu können, gezeigt bekommen ...

Ich kann gut verstehen, was du da empfunden hast. Noch versuch ich selbst es auszugleichen, weiß ich doch, dass er mich vor nicht langer Zeit sehr begehrt hat, aber jetzt? Es fehlt mir unglaublich.
16. September 2011

Ich fühlte mich nicht begehrt.
.

Genau das ist es worum es geht. Der Sex fängt im Kopf an und damit meine ich nicht die Stellungen, sondern das Verlangen.

Wenn Ihr das wieder findet, ist es fast egal was Ihr in Bett macht. Die Berührung und Intimität alleine wird euch dann schon flashen.

Klingt einfach aber wenn dieses Gefühl fehlt ist es nicht einfach wieder da. Da muss jeder für Sich prüfen wo er steht, seine Gefühle ehrlich und klar versuchen zu analysieren. Wie war es als das Begehren damals da war ( und das war es irgendwann) wann ist es verloren gegangen und warum? Können wir das wieder umkehren? Schwere Fragen die viel Schmerz erzeugen werden und viel Arbeit und Ehrlichkeit von den Partnern erforden.

Ich sehe aber leider keinen anderen Weg, wieder zu "gutem" Sex zu kommen.

viel Erfolg.
16. September 2011
Wenn man etwas arg verkopft angeht,

dann ist die Lösung oft nur eine technische. Ich denke - wie einige andere hier auch - dass jetzt vielleicht die Zeit gekommen ist, wieder mehr zu fühlen, sich weniger Gedanken um das Thema zu machen, sondern einfach Liebe zu machen.

Und die "Spezialitäten" dosieren! Man neigt dazu, abzustumpfen und Erregung ist ein kostbares Gut...
Konzentriere Dich vielleicht weniger auf die Fragestellung "muss das mir jetzt nicht brutal was geben, warum kickt mich das nicht enorm ect?" sondern sieh in Deiner Partnerin die hungrige Frau, die mit Dir wilde Dinge tun mag, weil es sie antörnt, Dir gut zu tun und weil sie es von Dir besorgt haben möchte. Und so fort...

Man kann sich gewisse Dinge auch kaputtlesen -denken -diskutieren. Du musst einfach den vernunftbegabten Menschen ab und an beiseite schieben und Dich der Vorstellung hingeben, dass Du das Bückstück zu Hause rannehmen wirst, dass sie morgen schon wieder um eine Wiederholung bettelt...
*zwinker*
Es gibt Momente, da kann der innere "Schweine-Hund" auch mal ganz nützlich sein. Lass es raushängen, wie sehr Du drauf abfährst, solch eine lüsterne Partnerin zu haben und dass sie Dich anmacht, wenn sie es wieder braucht. Sei einfach mal ein Ferkel. Dann haben die Barrieren in der Birne weniger Chancen, den Weg zu erfüllenden Gefühlswelten zu verstellen.

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