Im Alltag top, BDSM sub und umgekehrt

27. Juli 2011
Im Alltag top, BDSM sub und umgekehrt

Wir alle kennen die Klischees von den alltagsdominanten Menschen - Männern und Frauen -, die sich beim BDSM gern unterwerfen. Das ist komischerweise kein großes Problem, wird akzeptiert (zumindest unter BDSMlern).

Umgekehrt gibt es das natürlich auch: Leute, die im Alltagsleben eher unsicher, zurücksteckender sind, sich gern anlehnen und nicht so sehr die Richtung vorgeben - die aber in ihrem Sexleben gern dominieren. Und komischerweise habe ich da die Erfahrung gemacht, dass diese dann größere Schwierigkeiten haben, als Tops anerkannt zu werden. Man kauft ihnen nicht ab, dass sie sub und die Spielsituationen wirklich im Griff haben. Entweder können sie ihre Unsicherheit nicht völlig ablegen, oder aber sub kann nicht ganz vom einen Bild aufs andere umschalten.

Wie seht ihr das? Oder ist es einfach generell so, dass die sub-Seite die dominante beeinträchtigt, d.h. wenn der (Achtung, wieder Klischee!) Manager, der zur Domina geht, als solcher geoutet wird, dann ist er genauso erledigt, weil man ihn nicht mehr ernst nimmt?

Drachenliebe / Er
27. Juli 2011

wenn der (Achtung, wieder Klischee!) Manager, der zur Domina geht, als solcher geoutet wird, dann ist er genauso erledigt, weil man ihn nicht mehr ernst nimmt?

Nun, der Manager der zu einer Domina geht und dies wird geoutet - ist wohl ebenso im Spotlight wie der Manager der als Dauerpuffgänger geoutet wird. Einfach weil sich käufliche Dominas in der Nähe bzw. dirket im Rotlicht-Millieu befinden.

Der Manager der durchblicken lässt, dass er zuhause mit seiner Frau, Freundin, Affaire usw...gerne mal los lässt und passiv ist...ist sicher nicht "erledigt". Es würde kaum jemand interessieren. Herr Sauer, seines Zeichens Ehemann von Deutschlands Frontfrau Merkel, ist Professor an der berliner Humboldt Uni. Er steht öffentlich deutlich hinter seiner Frau - und das scheint heute kein Problem mehr zu sein. Und was jemand im Schlafzimmer anstellt kann anderen eh egal sein, und ist für niemand zur Bewertung frei.

Ich kenne Beziehungen mit deutlich dominanten Frauen und welche in denen der Mann zu führen scheint (um ehrlich zu sein, von außen betrachtet eher weniger). Wie auch immer die Verteilung ist - es scheint niemand zu stören.

und wie erwähnt - wie sich das dann nach innen darstellt, ist für andere m.E. von gar keiner Bedeutung.

Ebenso bedeutungslos ist es, ob z.B. ich einen Mann als dominant wahrnehme oder nicht. Seine Frau, Freundin, Spielparternin usw...ist die einzige Person die mit diesem Mann und seiner Art von Dominanz auskommen muss und mit der es klicken muss.
27. Juli 2011

Ich kenne weder Menschen, die im Alltag permanent "top", also stark, selbstbewusst, konsequent, zielstrebig und verantwortungsvoll sind, noch kenne ich Menschen, die im Alltag permanent das Gegenteil davon sind, also schwach, unsicher, wankelmütig, unsicher und hilfebedürftig. Ich kenne, völlig unabhängig vom BDSM, nur Menschen, die beides in sich tragen, in unterschiedlich starken und ausgeprägten Anteilen, die oft zusätzlich auch noch tagesform- und umfeldabhängig sind.

Aus meiner Beziehung kann ich zu dem Thema eh nichts sagen, da wir uns gegenseitig je nach Tagesform beieinander ankuscheln und "beschützen" lassen, auch wenn ich tendenziell eher die "Führungsfrau" bin und er tendenziell eher mein "loyaler Beistand" ist. Aber wir switchen. Das heißt, dass jeder die dominante Seite des anderen kennt und vor ihr auf die Knie fallen kann - auch, wenn wir den anderen im Alltag schwach, anlehnungsbedürftig und sogar sehr unterwürfig erlebt haben.

Allgemein gilt tatsächlich in unserer Kultur, dass Stärke, egal wo, tendenziell mehr akzeptiert wird als Schwäche. Aber jemand, der permanent stark sein will, wirkt dadurch auch wieder nicht ausgewogen und strahlt weniger echte Autorität aus als jemand, der auch seine Schwächen kennt, akzeptiert und nach Möglichkeit auslebt. Und jemand, der selbstbewusst zu seiner Schwäche steht, wirkt dadurch auch in der Wahrnehmung seiner Umwelt auch wieder stark.
28. Juli 2011

Manager, der zur Domina geht, als solcher geoutet wird, dann ist er genauso erledigt, weil man ihn nicht mehr ernst nimmt?
naja, DSK hat letztlich seine """Dominanz""" erledigt *gg*

Ob man dir den Top/Sub im BDSM Kontext abnimmt, ist keine Frage von Alltagsdominanz oder Alltagsdevotheit, sondern von Hingabe, Authentizität und ... nicht zuletzt Erfahrung.
28. Juli 2011

Hmm, ich glaube, dass es ohnehin Vergleiche zwischen Äpfeln und Birnen sind.

Eindeutiger gesagt: Die Kommunikation zwischen zwei Partnern untereinander ist eben einfach eine andere als jene zwischen Arbeitskollegen, Freunden oder Nachbarn.

Da sollte es eigentlich auch nicht verwundern, dass das Auftreten und vor allem auch die Machtverhältnisse andere sind.

Ich bezeichne mich beispielsweise als 0% dominant, weil ich einfach diese dominante Ausstrahlung, dieses "wow, what a man!"- Aura schlichtweg nicht habe.
Dennoch bin ich öfters mal "oben", das auch sehr gerne, und habe immer wieder diverse Aha-Effekte seitens jener Damen die sich mir unterordnen, dass da das Feedback kommt "komisch, bisher konnte ich nie meinen Kopf ausschalten, aber bei dir war ich auf einmal in jener Situation sowas von devot, das war unglaublich!", dass ich mir irgendwann selbst glauben musste (und das ist beileibe nicht einfach *zwinker* ) dass neben dem kleinen Sadisten in mir wohl auch ein Dom drinsteckt - so es denn passt.

Auf den zweiten Blick ist das dann aber doch nicht so ungewöhnlich: In Gruppen zeigt sich eher der recht schüchterne hanjie, während der selbstbewusste in der face-to-face-Kommunikation anwesend ist. Also zeigt sich die "oben"-Seite ohnehin nur zu zweit und nicht in der Gruppe.

Ich glaube nicht, dass ich der einzige bin der so drauf ist. *zwinker*

Zudem ist das Arbeitsleben ohnehin eine sehr spezielle Situation: Aufgrund seiner Berufserfahrung/Ausbildung wird man i.d.R. dort eingesetzt, wo man aufgehoben ist. Und wenn das dann Hierarchie nahezu fast ganz unten ist, dann ist das eben so. Da kann jemand noch so dominant veranlagt sein, im Berufsleben zeigen wird er das garantiert nicht kommen, da haben jede Menge Vorgesetzte was gegen, aber sowas von *zwinker*

Auch heißt es nicht viel, wenn sich jemand beruflich gut verkaufen kann. Privat ist ja vielleicht das genaue Gegenteil der Fall.

Wie gesagt: Äpfel und Birnen.
28. Juli 2011
Viel differenzierter

Ich glaube, der Manager, der zur Domina geht, ist inzwischen so sehr Klischee, dass das kaum noch schädlich ist. Und was heisst Dominaz dadurch verlieren?
Wird der Mitarbeiter sagen: "Ich führe ihren Auftrag nicht aus, weil sie sich mit Hilfe einer Peitsche entspannen, sie Perversling"?
Dann wird er sehr schnell lernen, dass Naturdominanz gegen formale Befugnisse einfach verliert.

Auch ich bin im Alltag wenig dominant. Aber das hat ganz andere Gründe. Mit einem ultimativen Alphatier als Vater, hat sich bei mir Stärke eher im Verborgenen entwickelt, denn als Schale.

Und ähnlich wie bei Hanjie kommt die Dominanz ganz anders zum Vorschein.
28. Juli 2011

Liest man hier sehr oft, "da ich im Alltag..." usw. Das glaube ich grds. nicht. Es mag solche Leute geben, aber ich glaube es sind viel weniger, als die die es von sich behaupten. Etweder sie sind nicht wirklich dominant (Karriere bedeutet nicht Dominanz), od. nicht wirklich devot ("ich WILL jetzt meine Bestrafung").

Allerdings mache ich mir auch nicht die Mühe, den Behauptungen auf den Grund zu gehen, da sowas für mich nichts wäre. Für mich ist das ganze Zusammensein "das Spiel".
28. Juli 2011

Diese "Alltagsdominanz" wird doch oft angeführt, weil man sonst Gefahr läuft, dass die sexuelle Devotheit automatisch auf alle Lebenslagen überschwappt. Dass man sich als Sub einem Dom unterwirft, weils einen erotischen/sexuellen Kick bringt und nicht weil man irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe hat. Ein Dom muss fähig sein mit mir im Alltag auf Augenhöhe zu funktionieren, damit ich ihn im Spiel für voll nehmen kann. Dominanz im Alltag heißt für mich im Grunde nur das nötige Maß an Selbstbewusstsein inne zu haben und die Fähigkeit mit anderen Menschen zwanglos umgehen zu können.
28. Juli 2011

[...]Fähigkeit mit anderen Menschen zwanglos umgehen zu können.
(Hervorhebung von mir)

Genau das meine ich, mit anderen Menschen hat das nichts zu tun. Natürlich soll sich eine Frau MIR unterordnen, nicht Gott (gut, das bin ich auch...) und der Welt!
28. Juli 2011

Dominanz im Alltag heißt für mich im Grunde nur das nötige Maß an Selbstbewusstsein inne zu haben und die Fähigkeit mit anderen Menschen zwanglos umgehen zu können.
Seltsame Definition von Dominanz *g*
oder:
Kein Wunder, dass es auf der Welt nicht noch schlimmer aussieht, wenn man zum zwanglosen Umgang miteinander schon dominant sein muss *zwinker*
28. Juli 2011
Im Alltag top, BDSM sub und umgekehrt

wie im Eingangstread von Drachenliebe angedeutet ist es meiner Meinung nach überwiegend so wie im Titel des Threads.

Wer im Alltag und insbesondere beruflich eh dauernd Top ist, findet sexuell oftmals den Reiz im Gegenteil, als sub (oder maso, bei mir ist das jedenfalls so).
Auch die umgekehrte Konstellation ist naheliegend, eben der psychologische Ausgleich, im sexuellen.

Mit "überwiegend" meine ich in mehr als 50% der Fälle (aber keine Ahnung ob 60%, 70% oder ...).

Ob jemand der im Alltagsleben und beruflich total schüchtern ist sexuell ein überzeugender Dom sein kann vermag ich nicht zu beurteilen.
Ich kann mir aber vorstellen dass das in einer Beziehung durchaus funktioniert !
29. Juli 2011
Beruflich dominant

Da kann ich Frank nur Recht geben. Bei mir ist es auch so, dass ich eine leitende Position habe und unter anderem den Betrieb steuern muss. Da tut es einfach nur gut, wenn man hin und wieder die Kontrolle abgeben kann und einfach nur noch funktionieren muss.

Danach fühlt man sich einfach nur gut.
29. Juli 2011

Na ja, manchmal ist für berulich dominant auch das privat dominante ein guter Ausgleich ;). Denn im Beruf muss man immer eine "gute" Führungskraft sein, ermutigen, den Leuten Kraft und klare Struktur geben und so. Für sadistische Ausbrüche, sei es physisch oder psychisch, ist da definitiv kein Platz, ebensowenig fürs "Kleinhalten" der Untergebenen.

Aber was, wenn man das neben seiner (verantwortungsvoll) dominanten Position im Alltag gerade dadurch auch mal ausleben will?

Wie gesagt, Switch ist für mich die beste Lösung, da kann ich mal einfach abschalten und loslassen und mal die im Alltag sorgfältig zum Wohl der Untergebenen im Zaum gehaltene "böse" Dominanz ausleben. (Seit ich das tue, kann ich übrigens meine Position viel besser und konstruktiver ausfüllen und viel mehr "gute" Dominanz ausleben, die Leute eben ermutigt, Bestleistungen zu bringen und beruflich zu wachsen).
29. Juli 2011

Das mache ich natürlich auch und wenn wir mal wieder mit anderen spielen oder eine Sklavin haben, bin ich auch mal ganz gerne der dominante aber eben dann nur da, denn in unserer eigenen Beziehung wenn es um das Spiel geht, dann sind die Rollen klar verteilt.
29. Juli 2011

@mondlicht

Nirgendwo sonst werden Begriffe wie Dominanz und Devotheit so oft benutzt, wie im BDSM-Bereich. Hab noch nie von einem Vanilla gehört, dass er/sie sich im Alltag als dominant oder devot aussprach.

Für mich ist jeder Mensch "alltagsdominant", der einfach ein gesundes Selbstbewusstsein hat. Mir egal, welche Stellung er/sie in Gesellschaft, Arbeit oder in der Familie annimmt. Bezüglich sexuellen Neigungen und Vorlieben hat das für mich keine Bedeutung.

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