![]() | 25. Juni 2011 Psychotherapie und Partnerschaft Menschen, die eine Psychotherapie machen, ob diese nun als Selbsterkenntniss-prozesse im Rahmen einer Ausbildung im sozialen oder therapeutischen Bereich geschieht oder als Behandlung aufgrund einer Krankheit geschieht…oder zur Verbesserung des Lebensgefühls entwickeln erfahrungsgemäß meist einen komplexeren Blick auf ihre eigene Dynamiken und Beziehungen, sowie Methoden im Umgang mit Konflikten, als das vielen anderen Menschen im Alltag möglich ist. Welche Dynamiken können sich ergeben, wenn Therapieerfahrene Menschen eine Partnerschaft eingehen, mit welchen, die keine solche Erfahrung haben? Habt ihr das erlebt...gibt es da bestimmte Muster? Wieviel von der Therapie tragt ihr in die Beziehung? Wie ist das wenn ein Partner seine Probleme mit einem professionellen Dritten bespricht? Und die Ergebnisse wieder in die Beziehung trägt? Oder sie verschliesst? Wieviel Offenheit gibt es da? Entstehen unterschiedliche Rollenverteilungen im Umgang mit Beziehungskonflikten? Entwickelt der therapieerfahrene Partner häufiger Lösungsstrategien? Oder eher nicht... Wenn beide Partner Psychotherapie sich unterzogen haben, welche Dynamiken tauchen dann auf…? Die Konstellation von Beziehungen wo ein Partner professionell als Therapeutin arbeitet, wär ja wahrlich einen andere Thread wert... |
![]() | 25. Juni 2011 Wie ist das wenn ein Partner seine Probleme mit einem professionellen Dritten bespricht? Und die Ergebnisse wieder in die Beziehung trägt? Oder sie verschliesst? "Mein Therapeut hat gesagt dass...." zeigt, dass die Therapie ihren Zweck nicht erreicht hat. Es geht darum, zu sich selbst zu finden, nicht Ratschläge von Gurus zu befolgen. Die Therapie ist ein geschützter Raum, in dem der "Patient" die Möglichkeit bekommt, sich über sich selbst und seine Verhaltensweisen klar zu werden. Es geht nicht drum, Beziehungsprobleme nach außen zu tragen, sondern seine eigenen Verhaltensmuster und die zugrundeliegenden Erfahrungen zu reflektieren, also ins Bewusstsein zu bringen ("sich selbst auf die Schliche kommen"). So dass man das nächste Mal in einer ähnlichen Situation eine neue Handlungsalternative zur Verfügung hat. Entstehen unterschiedliche Rollenverteilungen im Umgang mit Beziehungskonflikten? Fände ich fürchterlich. Das klingt nach einer Über-/Unterordnung, wie rum und aus welchen Gründen auch immer. Entweder ist der Therapierte so toll, denn er muss "es" ja wissen, oder er ist so hilflos, dass er eine Therapie braucht, so dass der Untherapierte in der Hierarchie oben steht. Beides hat mit einer Beziehung nichts zu tun. Entwickelt der therapieerfahrene Partner häufiger Lösungsstrategien? Oder eher nicht... Auch hier wieder: Das läuft auf ein "besser-schlechter" oder "mehr - weniger" hinaus. Egal welche Lebenswege bis jetzt genommen wurden: Gleichberechtigung, Gleichwertigkeit, Augenhöhe - das sind die Zauberworte. Nicht "ich bin therapiert, du nicht". Wenn beide Partner Psychotherapie sich unterzogen haben, welche Dynamiken tauchen dann auf…? Hoffentlich nur positive: Zwei Menschen auf Augenhöhe begegnen sich, die in der Lage sind, sich und ihr Verhalten zu reflektieren, achtsam miteinander umzugehen und ihr Leben in gegenseitiger Achtung miteinander zu verbringen. Ich halte wirklich nichts von Therapien, die in Wettkämpfe ausarten, oder die den Therapierten vom Therapeuten abhängig machen. Oder die bestehende Konflikte eher verfestigen als aufbrechen. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass zum Konflikte lösen - insbesondere bei lange schwelenden Konflikten - immer alle Beteiligten gehören. Der gute Wille von einem wird leicht als neuer Konfliktherd gesehen, wenn er einen solchen schwelenden Konflikt jetzt endlich offen anspricht. Ich halte auch nichts davon, wenn Menschen ihren Weg als den einzig wahren sehen und alles andere verdammen ("ich hab länger Therapie gemacht als du - also bin ich weiter als du..." oder "meine Therapie ist besser als deine..." oder "du hast ja keine Ahnung, du brauchst ja ne Therapie..."). Allerdings denke ich schon, dass die Therapie eines Partners ganz schön viel in der Partnerschaft verändern kann (wenn der Therapierte neue Sichtweisen für sich zulässt). Immerhin verändert man sich selbst, bekommt im besten Falle einen weiteren Horizont, geht achtsamer mit sich selbst um - und das strahlt aus. Bestimmte Knöpfe, die beim Drücken eine bestimmte Reaktion ausgelöst haben, funktionieren vielleicht nicht mehr. Das erzeugt erst mal Unsicherheit, die je nach beteiligten Persönlichkeitstypen, Intention der ursprünglich eingegangenen Beziehung und Weiterentwicklung der Persönlichkeiten entweder irgendwann zur Trennung oder zu einer weiteren Verbesserung der Partnerschaft führt. |
![]() | 25. Juni 2011 Welche Dynamiken können sich ergeben, wenn Therapieerfahrene Menschen eine Partnerschaft eingehen, mit welchen, die keine solche Erfahrung haben? Dazu kann ich nur sagen: Ideal ist in dem Fall, wenn derjenige der eine Therapie hat auf jemanden trifft, der keine Therapie (mehr) braucht. |
![]() | 25. Juni 2011 Naja, eine Therapie hinterfragt potenziell erstmal alles und macht da auch vor der Beziehung nicht halt - und zwar nicht selten in einem Ausmaß, dass die Beziehung in Frage gestellt wird. Nicht alle Beziehungen überleben das. Hatte ich schon öfter in meinem Bekanntenkreis, dass sich Paare im Verlauf einer Therapie getrennt haben. Aber auch den umgekehrten Fall, dass eine Therapie abgebrochen wurde, weil sie festgestellt hat, dass der Partner die nächste Bezugsperson für sie ist und sie letztlich keine neutrale Person von außen will und braucht. Also ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, jemand, der eine wirklich gut funktionierende Beziehung hat, braucht letztlich, wenn es sich nicht um eine richtig handfeste Psychose handelt, die medikamentös behandelt werden muss, keine Therapie. |
![]() | 11. Juli 2011 Nicht ganz leicht für den Partner also ich habe über dreizehn Jahre unterschiedlich intensive Therapien und Therapieformen, sogar Klinikaufenthalte hinter mir und kann nur sagen für den Partner/in ist das kein Zuckerschlecken. Es ist weniger die Therapie an sich, als viel mehr die Erkrankungen. Das ist schon ein ein Leid und der Partner muss da ganz schön viel aushalten. Für meine Partnerin - es war die ganze Zeit die gleiche - war die Therapie der Anker. Sie hat peinlich drauf geachtet, das ich das auf jeden Fall fortsetze und ein ganz wichtiges Signal, dass ich an mir arbeite. Dann fällt es einfach leichter die Krankheitsnebenwirkungen zu ertragen. Eine Weile war meine Frau in die Therapie integriert, aber das funktioniert nur bedingt. Ich habe auch nie so viel aus der Therapie berichtet und das ist auch richtig so. Es geht um das innere, um das eigene selbst, das hat ungefiltert nichts beim Partner zu suchen. So sah ich das, so sah das auch meine Frau. Die o.g. genannte Äußerung in einer funtionierenden Beziehung braucht man keine Therapie ist Käse. Wenn eine Erkrankung vorliegt, kann das wohl nur in den seltensten Fällen, - ich behaupte in keinem - eine Beziehung auflösen. Eine Beziehung kann helfen und stabilisieren, auch zuarbeiten, aber ersetzt keine Therapie. Das hat nichts miteinander zu tun. Lg |
![]() | 11. Juli 2011 Also ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, jemand, der eine wirklich gut funktionierende Beziehung hat, braucht letztlich, wenn es sich nicht um eine richtig handfeste Psychose handelt, die medikamentös behandelt werden muss, keine Therapie. wuha. damit drängst du aber den partner in eine rolle, die ziemlich heftig sein kann. ohne jemals eine handfeste oder streichelweiche pyschose gehabt zu haben - aus eigener erfahrung mit allerhand lebensproblematiken - die entwirrung von problemen dem partner aufzubürden ist, wenn´s nicht grade darum geht, wer den müll raus bringt, oftmals zuviel verlangt. manche dinge müssen außerhalb der paarbeziehung aufgedröselt oder besprochen werden. (das muss mit therapie noch gar nix zu tun haben. manche gespräche etwa führt man nur mit freunden, nicht mit dem partner.) |
![]() | 11. Juli 2011 Macht einer in der Partnerschaft eine Therapie und der andere nicht, kann durchaus eine Dynamik entstehen, die eine Partnerschaft in ein Ungleichgewicht bringt. Allerdings denke ich schon, dass die Therapie eines Partners ganz schön viel in der Partnerschaft verändern kann (wenn der Therapierte neue Sichtweisen für sich zulässt). Immerhin verändert man sich selbst, bekommt im besten Falle einen weiteren Horizont, geht achtsamer mit sich selbst um - und das strahlt aus. Bestimmte Knöpfe, die beim Drücken eine bestimmte Reaktion ausgelöst haben, funktionieren vielleicht nicht mehr. Das erzeugt erst mal Unsicherheit, die je nach beteiligten Persönlichkeitstypen, Intention der ursprünglich eingegangenen Beziehung und Weiterentwicklung der Persönlichkeiten entweder irgendwann zur Trennung oder zu einer weiteren Verbesserung der Partnerschaft führt. Es mag daher sicherlich nicht verkehrt sein, um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, wenn beide Partner in irgendeiner Form an der Weiterententwicklung ihrer Persönlichkeit arbeiten. |
![]() | 12. Juli 2011 Die o.g. genannte Äußerung in einer funtionierenden Beziehung braucht man keine Therapie ist Käse. Wenn eine Erkrankung vorliegt, kann das wohl nur in den seltensten Fällen, - ich behaupte in keinem - eine Beziehung auflösen. Ja, wenn tatsächlich eine richtige Erkrankung vorliegt, ist das Käse, da kann der aktuelle Zustand durch Medikamente stabilisiert werden, wobei ich es aber nicht für das Optimum halte, den Partner als stabilisierenden Faktor mit einzukalkulieren, das verschiebt die gleiche Augenhöhe und schafft Abhängigkeiten, die einer Partnerschaft nicht förderlich sind. Und selbstverständlich sollte man den Partner nicht zum Therapeuten umfunktionieren und ihm schon gar nicht die Verantwortung für das eigene Wohl und Wehe aufbürden, geht ja auch gar nicht. Aber jemand, der keine wirkliche Erkrankung hat, der soll doch dann auch seinen Kopf einschalten und sich selbst - gern im Austausch mit Partnern und Freunden - aus dem Sumpf ziehen, und nicht auf Kassenkosten, die ja durch die Allgemeinheit finanziert werden, wegen ganz normaler Lebensprobleme zum Therapeuten rennen. Letztlich kann einem nämlich auch der beste Therapeut nicht abnehmen, zu entscheiden, wo man in seinem Leben hin will, und die entsprechenden Schritte dazu zu gehen. |
![]() | 12. Juli 2011 @CJS kann ich total unterschreiben was Du da schreibst. Dummerweise tritt der Effekt, daß der Partner als stabilisierendes Element während einer Therapie funktioniert, fast zwangsläufig auf. Da kann man kaum etwas gegen machen. Höchstens, so gut es geht, den Partner aus der Therapie selbst raushalten, aus der Krankheit kann man ihn eh nicht raushalten. Dieses am eigenen Arm aus dem Sumpf rausziehen, auch da stimme ich Dir zu. Therapie ist eigentlich nur bei Krankheit oder professionellen Gründen angesagt. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, das oft die falschen zur Therapie gehen. Die die es am dringensten bräuchten tuen es ab - ein bekanntes Phänomen. Ich schweife allerdings jetzt ab. |
![]() | 16. Juli 2011 So gehts auch Meine Frau verfiel nach 5 Suicidversuchen ihrer Mutter, davon mindestens 2 in ihrem Beisein letztes Jahr einer Depression. Lange Zeit wurde von ihr trotz meiner Aufforderung eine Therapie abgelehnt. Ich versuchte, ich unserem Leben den stabilisierenden Faktor darzustellen, hörte sogar auf, zu arbeiten, um mich um unsere Partnerschaft zu kümmern. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass ich in den letzten Monaten des letzten Jahres in eine Abhängigkeit bzw. selbst in eine Depression fiel. Es gab für mich nur noch die Krankheit meiner Frau. Im Januar fing sie mit einer Therapie an, wurde auch medikamentös behandelt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch die Aussage, dass ich der einzige stabilisierende Faktor in ihrem Leben bin. Im Rahmen der Gespräche erkannte meine Frau, dass die Ursache ihrer Depressionen nicht ihre Mutter, sondern ich bin. Das Ergebnis ist, dass unsere Beziehung nicht mehr existiert, ich bin auf Aufforderung meiner Frau ausgezogen, sie hat sich einen völlig neuen Freundeskreis gesucht, neue Interessen entwickelt und ist eigentlich nur noch auf Achse. Aus meiner Sicht und mit meinen Erfahrungen aus der Partnerschaft ist sie nicht geheilt, sie ist vor sich selbst auf der Flucht. |
![]() | 16. Juli 2011 @CHHN jaja, so kann es gehen. Das tut mir leid und ist echt bitter für Dich, leider gar nicht so exotisch. Wie gesagt, für die Angehörigen ist es in der Regel kein Spaß und manchmal eben richtig gefährlich. Eine Beziehung ist ja ein System, und nicht selten wurden unterbewußt Partner ausgesucht die zur eigenen Psyche, und eben auch zu den eigenen Krankheiten, passen. Wenn dann auf einer Seite eine Veränderung eintritt wird es schwierig für beide Parteien. Es war allerdings mit Sicherheit ein Fehler von Dir Dich so dermaßen auf die Depression Deiner Partnerin einzulassen und sogar Job und was weiss ich auszusetzen. - Aber das ist leicht gesagt, ich weiß wie sehr man in einen Strudel gerät. Ob sie geheilt ist oder auf der Flucht - wer weiß das schon - manchmal liegt das Heil wirklich in der Flucht, manchmal nicht. Übrigens ist es kein Widerspruch, das sowohl Du wie auch Ihre Mutter die "Ursache" (Die echte Ursache ist ja in einem Selbst- mit Schuld hat das nix zu tun) für ihre Krankheit sind. Ebenso ist es kein Widerspruch, das sie Dich als Ursache und gleichzeitig als einzigen Halt angesehen hat. Das eine schließt das andere nicht aus. Wie auch immer, Du hast offensichtlich getan was Du konntest (eigentlich zuviel) und Dich trifft natürlich keine Schuld an ihrer Krankheit, lass Dir das blos nicht einreden. Ich weiß ja nicht wie Du das siehst, aber ich glaube das sie weg ist, ist das beste was Dir passieren konnte. Sowas reisst einen schnell mit in den Abgrund. (weiß natürlich zu wenig um ein echtes Bild zu haben) LG und Kopf hoch. |
![]() | 16. Juli 2011 Ein Partner kann nie den Therapeuten ersetzen. Wenn er sich den Anspruch stellt, wird er und die Beziehung daran zerbrechen. Zumindest so bei mir geschehen. Meine Frau wollte mir helfen, ohne dass ich in Therapie gegangen bin. Nun ist sie weg (was meinem psychischen Zustand noch mehr belastet) und ich geh in Therapie. Ich würd mir schon eine Partnerin wünschen, die mich jetzt bekleitet, aber vielleicht ist es auch gut so, dass ich mich da jetzt allein finden muss. Sie hat lang genug versucht mir zu helfen. |
![]() | 16. Juli 2011 Die Konstellation von Beziehungen wo ein Partner professionell als Therapeutin arbeitet, wär ja wahrlich einen andere Thread wert... dann warten wir mal auf diesen speziellen Thread hg D. |
![]() | 16. Juli 2011 könnte im Ergebnis ... Die Konstellation von Beziehungen wo ein Partner professionell als Therapeutin arbeitet, wär ja wahrlich einen andere Thread wert... so ähnlich aussehen Bücherecke: Meine Psychose, mein Fahrrad und ich bzw. Direkt-Link: Links nur für Mitglieder |
![]() | 18. Juli 2011 nicht einfach für den Partner wenn der Therapierte plötzlich in seiner Selbstfindungsphase nach Hause kommt und anfängt vieles in Frage zu stellen was anscheinend jahrelang funktionierte. Das sind zumindest meine Erfahrungen. Als ich anfing mein Leben neu zu betrachten und mich versuchsweise von schädlichen Einflüssen fern zu halten war das für meine damalige Partnerin nicht ganz einfach. |
