Bin ich oder bin ich nicht

30. Juni 2011

Na, das sind doch mal schön schnell beantwortbare Fragen. *g*

Na, ich denke das werden noch heiß diskutierte Fragen. *ggg*
30. Juni 2011

Zunächst mal Danke an Ronove und hanjie für Eure sachliche Antwort.

Woher meine Neugierde kommt? Ich würde mich als offenen, (soweit wie es geht) vorurteilsfreien und toleranten Kerl beschreiben. Zudem bin ich vielseitig interessiert, um nicht neugierig zu sagen (könnte man auch fälschlicherweise auf Schnüffler schließen, was mir völlig abgeht). Zudem habe ich hier im JC interessante Menschen kennengelernt (oder zumindest in Ihren Profilen gelesen), die dieser Spielart offensichtlich etwas abgewinnen. Ich würde mich gerne in diese Menschen hineinversetzen können, was mir aber schwer fällt.

Die Selbstbeschreibung von hanjie fand ich sehr interessant. Mir selbst ist es im RL immer sehr wichtig auf Augenhöhe zu kommunizieren. Gebe mir allergrößte Mühe niemals jemanden aufgrund seiner Stellung (gleich in welcher Form) zu schmeicheln. Ich denke auch nicht, dass man mir nachsagt ein "Weichei" zu sein (besser kann ich das i.d. Kürze nicht artikulieren). Umgekehrt gebe ich mir aber auch Mühe, Mitarbeiter, Jüngere usw. nicht von "oben herab" zu behandeln. Kurz gesagt: Mir macht es weder Spaß eine devotes noch ein dominantes Verhalten an den Tag zu legen. Im beruflichen Leben ist Macht m.E. schon wichtig, um Dinge voranzutreiben. Aber es ist für mich nur Mittel zum Zweck. Bin mir natürlich bewusst, dass es hier auch andere Einstellungen gibt.

Sexuell darf es (bei mir) auch gerne ab und an auch wenig "härter" zugehen - sowohl aktiv als auch passiv. Fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Ein gutes Beispiel ist vielleicht Bondage: durchaus reizvoll, aktiv wie passiv. Aber daraus ein dominantes oder devotes Verhalten abzuleiten???

Nun ja, wie auch immer: Eure Antworten fand ich sehr informativ!
30. Juni 2011

Ein gutes Beispiel ist vielleicht Bondage: durchaus reizvoll, aktiv wie passiv. Aber daraus ein dominantes oder devotes Verhalten abzuleiten???

Hast du denn speziell Bondage schon einmal ausprobiert?

Denn ich habe festgestellt, dass in einer face-to-face-Situation sehr schnell dominante respektive devote Elemente entstehen können, alleine durch die Situation selbst.

Die gefesselte Person ist ja wehrlos. Sobald die ungefesselte diesen Zustand genießt (oder auch "ausnutzt", indem sie Spaß daran hat, die gefesselte ein wenig zu trietzen, z.B. zu kitzeln etc.) kannst du schon von dominantem Verhalten sprechen, denn dem "Normalbürger" sind Fesseln üblicherweise eher etwas Unangenehmes.

Umgekehrt auch: Sobald die gefesselte Person sich in den Fesseln auch noch wohl fühlt, ist da das "devot" schon drin versteckt. Denn "normalerweise" müsste man sich ja beengt fühlen und beschränkt.
Oftmals ist aber eben das genaue Gegenteil der Fall: Endlich loslassen, endlich kein Alltag mehr, endlich nicht mehr "funktionieren" müssen, weil man ist ja gefesselt und kann eh nichts mehr tun.
Die einzige Person die in dem Augenblick dann nur noch wichtig ist, ist die andere.

Und so entsteht dann ein Machtgefälle, selbst wenn beide Personen die totaaaalen Teamplayer im Leben sind. Der Gefesselte hat die Macht abgegeben, der Fessler die Macht entgegengenommen.
Das Spannende und auch Schöne daran ist, dass man nichts davon - Machtgefälle, Dominanz, Devotion, etc. pp. - zu erwähnen braucht oder gar zu glauben dass es grade da ist. Es ist ein Gefühl. Eins das dir sagt: "Ja, ich finde diesen Augenblick gerade prickelnd und toll" oder eben "nee, das gibt mir grade gar nix".

Ob das "Ja" oder das "nee" dran sein wird, lässt sich dann letztlich nur durch Ausprobieren herausfinden. *ja*
30. Juni 2011

Ich durfte erfreulicherweise schon einiges ausprobieren. *g* ...u.a. auch kleine Fesselspiele. Habe dabei sowohl die aktive als auch die passive Rolle genossen. War aber nur ein Beispiel. Ich verstehe (glaube ich) trotzdem , was Du mir sagen möchtest.

Gut, die Grenzen sind fließend. Aber ich denke, es ist schon ein recht großer Unterschied zwischen kleinen Fesselspielen und weitaus härteren Praktiken, von denen ich nichts verstehe und deshalb auf eine Exempel verzichten möchte.

Soweit ich mich in die Situation reinversetzen kann, denke ich, dass es sich schon um ein Spiel handelt, dass wesentlich im Kopf abläuft.

Was ich mir nur schwierig vorstelle sind die unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Der devote Part lässt sich fesseln in der Erwartung sich nun ein bisschen ausgeliefert zu fühlen, während der dominante Part derweil "härtere" Instrumente auspackt. Ich mache mich darüber nicht lustig und unterstelle auch kein perverses Verhalten, frage mich aber wie hier grobe Missverständnisse vermieden werden können.

So richtig nachfühlen werde ich es wohl nie können, und das ist auch nicht schlimm. Wie gesagt - ich war einfach nur neugierig und bin nun zumindest nicht unwissender als vorher.
01. Juli 2011

Was ich mir nur schwierig vorstelle sind die unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Der devote Part lässt sich fesseln in der Erwartung sich nun ein bisschen ausgeliefert zu fühlen, während der dominante Part derweil "härtere" Instrumente auspackt.

Naja, ist halt immer eine Sache der Kommunikation.
Wenn jemand auf "harten" Sex steht wird er es doch auch vorher erwähnen wenn es ziemlich harter Sex ist, oder nicht? *zwinker* Irgendwas der Sorte "du, mittendrin kann ich schon mal härter drauf sein, ist das ein Problem für dich?" oder ähnlich.

Erwartungshaltungen gehen beim Sex doch eh immer anders aus als man zuvor dachte. Mal wird's besser, mal schlechter, mal unterirdisch, mal magisch unglaublich toll. Also so what.
Beim SM ist's nix anderes. *zwinker*
01. Juli 2011
Zauberwort und Spiel

Das Zauberwort zur Vermeidung von Missverständnissen lautet Kommunikation.

Ob eine Begegnung unter dem Vorzeichen DSM nur ein Spiel ist, das wesentlich im Kopf abläuft, verneine ich ganz kategorisch. Es ist weit mehr als ein Spiel: eine umfassende gegenseitige Berührung auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene.
01. Juli 2011
bin ich oder nicht?

also ich muss hanjie völlig recht geben...!

Ich finde das Menschen egal ob Frauen oder Männer die wo neu in BDSM sind sowieso am Anfang fast erschlagen werden mit der Vielfalt und Facetten wo es da gibt!

Und da sind oft solche Beiträge oder viele Spinner daran schuld das manche sich fragen ob es nicht besser wäre seine Neigung zu unterdrücken....
02. Juli 2011

Ich möchte mal auf den Aspekt "Dominanz" und "Devotion" im Real Life und beim Sex eingehen, da germangeisha auf diese Begriffe im Berufsleben eingegangen ist und die Frage der TE woman73 ja auch in die Richtung zielte "Bin ich sub, und woran erkenne ich es?".

Mir selbst ist es im RL immer sehr wichtig auf Augenhöhe zu kommunizieren.
und
Gebe mir allergrößte Mühe niemals jemanden aufgrund seiner Stellung (gleich in welcher Form) zu schmeicheln.
und
Umgekehrt gebe ich mir aber auch Mühe, Mitarbeiter, Jüngere usw. nicht von "oben herab" zu behandeln.
Ich verstehe die Aussagen so, dass Du Dir im RL bzw. Berufsleben Mühe gibst, unabhängig von Deiner Stellung in der Hierarchie (= verliehene Macht), Dir untergebene Menschen weder über das notwendige Maß hinaus zu kontrollieren bzw. zu beherrschen und Du Dich selbst nicht in oben genannten Sinne sub-dominant bzw. unterwürfig / devot verhalten willst. Ich denke so geht es den meisten BDSMlern - unabhängig von ihrer (sexuellen) Rolle.

Auch wenn es im RL natürlich dominantes oder devotes Verhalten gibt bringt es Dir im RL zunächst einmal nichts Dir dieses "Etikett" anzuheften, da Du an Deinen Leistungen und Sozialverhalten gemessen wirst, die sich möglicherweise aus dem dominanten bzw. devoten Verhalten ergeben. Man würde jedoch niemanden einstellen oder befördern nur weil er/sie dominant oder devot ist.

Im Sexuellen Bereich, zumal auf einer Plattform, die mitunter dazu dient Kontakte jedweder Art anzubahnen, sind die Begriffe dominant oder devot bzw. Dom / sub hilfreich um mögliches (!) Verhalten im sexuellen bzw. BDSM-Bereich besser einschätzen zu können. Aber zunächst nicht mehr und nicht weniger. Ob Dominanz und Unterwerfung dann aber tatsächlich stattfinden hängt v.a. von der Chemie zwischen diesen zwei oder mehr Menschen ab. D.h. ob mir jemand devot gegenüber tritt hängt von seinen Wünschen und Erwartungen an mich, von meiner Haltung und Sicherheit (im RL würde man Kompetenz sagen) und nicht zuletzt davon ab, ob mir die betreffende Person Macht und Autorität zuspricht bzw. verleiht. Vor einer echten Begegnung läuft viel im Kopf ab, mit dem BDSM-Erlebnis wird es zu einer Begegnung...
auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene.

Ob man sich SELBST in sexueller Hinsicht bzw. im BDSM-Kontext als dominant, devot, Dom oder sub (oder der Begriffe mehr) bezeichnen möchte hängt m.E. von verschiedenen Aspekten ab:
  • Welche Wünsche und Erlebnisse verbinde ich mit diesen Begriffen?
  • Suche ich einen Partner / Partnerin mit der ich ganz bestimmtes Kopfkino ausleben möchte? d.h. Erleichtern mir diese Begriffe die Suche?
  • Decken sich diese Begriffe mit meiner eigenen Erfahrung und Selbstwahrnehmung?


Fast alle Menschen aus meinem Bekanntenkreis, mich selbst eingeschlossen ;-), haben durch TUN zu ihrer Rolle und Rollendefinition gefunden.

Die meisten Menschen aus meinem (BDSM-)Bekanntenkreis, mich selbst eingeschlossen, finden die Begriffe Dom (einfach) oder sub / devot (komplizierter) und andere Begriffe mehr, als zutreffend für ihre Rolle. Ich habe jedoch auch ein paar Menschen kennengelernt, die ihre Neigung als ziemlich abgespalten von ihrer sonstigen Selbstdefinition sehen. (z.B. nicht über ihre Sexualität kommunizieren können, von sich als "Sklave" in der dritten Person sprechen, etc.)

Manche Menschen aus meinem Bekanntenkreis, mich selbst eingeschlossen, haben bereits erlebt, dass die Begriffe, die für sexuelle Orientierung verwandt werden, so vielfältig gedeutet werden (können), dass nicht Lesen und Interpretieren sondern Kommunizieren und Ausprobieren das A und O sind. Wie weit man dabei gehen will entscheiden die jeweiligen Beteiligten und die Lust und Laune im Moment.

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