Die Stabilität von Ehen

02. Juni 2011
Die Stabilität von Ehen

Liebes Joyclub-Volk,

Ich hatte letztens wieder einmal eine interessante Diskussion, in der es darum ging, welche Faktoren die Stabilität einer Ehe (gemessen an deren Dauer) beeinflussen. Der Hauptdiskussionspunkt war, ob die Länge der Zeitspanne, die sich das Ehepaar VOR der Hochzeit kennt, mitentscheidend dafür ist, ob eine Ehe hält oder nicht.

Mein Standpunkt dabei war, dass Ehen, die nach kurzer Zeit geschlossen werden (kurze Zeit ist hier schwer zu definieren, auf jeden Fall alles bis zu 2 Jahren, würde ich sagen) instabiler sind als solche, bei denen sich das Ehepaar vor der Eheschließung bereits einige Jahre kennt und eine Beziehung führt. Die These lautet also, dass sich Paare nach einigen Jahren mehrheitlich um einiges besser kennen als bei "kurzfristig" geschlossenen Ehen und dass deshalb die Wahrscheinlichkeit, dass man sich in einer Ehe auseinanderentwickelt, geringer ist. Dass es Ausnahmen von dieser (von mir aufgestellten) Regel gibt - also dass kurzfristig geschlossene Ehen manchmal ein Leben lang halten, während Ehen trotz voriger langjähriger Beziehung geschieden werden-, steht für mich außer Frage. Jedoch denke ich schon, dass meine These im Allgemeinen Gültigkeit besitzen dürfte.

Da ich natürlich keine empirischen Beweise für meine Aussagen hatte, würde ich gerne eure Meinung zu dem Thema erfragen, vielleicht kann ich das ein oder andere Ergebnis ja in der nächsten Diskussion verwenden. Also hier nochmal in aller Kürze (aber hoffentlich ohne an Präzision zu verlieren) die Frage:

Werden mehr Ehen geschieden, bei denen sich das Paar vor der Hochzeit nur kurze Zeit kennt als solche, bei denen das Paar bereits eine langjährige Beziehung führte oder gibt es hier keinen Unterschied?

Mir geht es hierbei übrigens überhaupt nicht darum, wie gut (oder gar moralisch richtig) es ist, bereits nach kurzer Zeit zu heiraten, sondern eben nur darum, ob man sich nach einer langjährigen Beziehung bereits besser kennt und deshalb (statistisch) das Risiko einer Scheidung reduziert wird. Meine Diskussionspartnerin war eben der Ansicht, dass dies keine Rolle spielt.

Möge die Diskussion beginnen. Freue mich auf eure Antworten!
03. Juni 2011

Na dann will ich dir mal ein paar Beispiele aus meinem direkten Umfeld geben, vielleicht ändert es ja deine Meinung *g*

Meine Eltern feiern dieses Jahr ihren 36. Hochzeitstag, davor kannten sie sich 4 Monate. Soweit ich weiß, trifft dies auch auf ihre 3 Schwestern zu, keine war lange vorher mit ihrem Partner zusammen, bevor sie geheiratet haben. Durch ihre Erziehung wäre es auch eine Katastrophe gewesen, in "wilder Ehe" zu leben.

Mein Bruder, in zweiter Ehe verheiratet, kannte seine zweite Frau vorher auch nicht lange, bevor sie geheiratet haben und sind jetzt 7 Jahre. Seine erste Frau kannte er schon von der Schule, Ehe hat nicht lange gehalten.

Wir waren ein Jahr zusammen, bevor wir geheiratet haben und wir haben dieses Jahr unseren 6. Hochzeitstag.

Ich bin der persönlichen Meinung, es hat nichts damit zu tun, ob man sich schon lange vorher kennt oder nicht, es kommt einfach drauf an, wie man miteinander harmoniert und ob man bereit ist, ständig an der Beziehung zu arbeiten.

horny_chicks (Sie)
03. Juni 2011

Deine "These" zielt darauf ab, das man im Laufe der Zeit Dinge an seinem Partner entdeckt, die eine Fortführung der Ehe unmöglich machen....und irgendwie fehlt mir da ein entscheidender Faktor:

Die Liebe!

Man ist ja nun mal nicht mit einem Menschen zusammen, weil dieser immer brav die Zahnpastatube zuschraubt....
03. Juni 2011

Was genau meinst du mit "Stabilität" ? Meiner Erfahrung nach sagt die Länge einer Ehe absolut gar nichts darüber aus, wie groß die Liebe noch ist (leider).

LG
Ich
03. Juni 2011

Die Zeitspanne, die ein Paar sich vor der Heirat kannte sagt gar nichts aus, würde ich sagen.
Früher haben die Paare meist nicht lange mit der Hochzeit gewartet und die Ehen waren haltbarer als heute.....endeten i.d.R. erst mit dem Tod eines Partners.
03. Juni 2011
Diese Partner in älteren Ehepaaren

waren aber in aller Regel auch anders groß geworden. Denen war klar, dass man hin und wieder Kompromisse eingehen muss, dass man sich nicht immer nur ausleben kann und statt dessen immer wieder auch "den Hintern zusammenkneifen und zusammen stehen" muss, wenn es nicht so toll läuft.

Prinzipiell bin ich aber auch der Meinung, dass man heute schon ne Zeit lang zusammen gelebt haben sollte. Nur im Alltag zeigt sich die wahre Persönlichkeit des Partners und nur so kann man prüfen, ob man mit ihm/ihr auch noch in zwanzig Jahren klar kommen wird.

Wir hatten unser verflixtes siebtes Jahr schon lange hinter uns, als wir geheiratet haben. Leben jetzt schon seit 21 Jahren zusammen und sind im elften Ehejahr. Und es sieht immer noch richtig gut aus zwischen uns. Klar, da kann immer noch etwas schief gehen. Aber das Risiko ist schon geringer als bei einer Ehe, die nur auf einer kurzzeitigen Fernbeziehung gründet und bei der die Partner zuvor nur das Sonntags- und Urlaubsgesicht des Partners kannten...
03. Juni 2011

Ich/wir haben nach 12 Jahren Zusammenleben geheiratet, die Ehe hielt dann 3 Jahre.

Eine Garantie hat man nie, und auch das gemeinsame "durch Dick und Dünn gehen" sagt nichts darüber aus wie lang eine Ehe hält oder wie stabil sie ist!
03. Juni 2011

Kennengelernt
nach drei Wochen zusammengezogen
nach einem Jahr geheiratet

und nunmehr seit 20 Jahren zusammen, inklusive der üblichen Höhen und Tiefen

Gruß vum Bersch
03. Juni 2011

Sowas ist echt selten, aber toll! *bravo*
03. Juni 2011

Wie immer würde ich sagen, es kommt drauf an. In meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere Paare, die vorher sehr lange zusammen waren, dann geheiratet haben und sich relativ kurz darauf getrennt haben. Bei denen war es aber entweder so, dass sie die Heirat als letzten Versuch benutzt haben, um ihre eigentlich marode Beziehung zu kitten, oder so, dass mit der Ehe Veränderungen im Alltag verbunden waren, die nicht funktioniert haben - ein Paar war z.B. 13 Jahre zusammen, aber in getrennten Wohnungen. Nach der Hochzeit sind sie zusammen gezogen, und zwei Jahre später war es aus.

Wenn man vorher schon lang zusammen war, erhöht das die Chance, dass die Ehe gut und dauerhaft wird, glaube ich nur dann, wenn auch die Beziehung gut war. Retten lässt sich eine kaputte Beziehung nämlich durch eine Hochzeit nicht. Und wenn die Beziehung nach der Hochzeit neu gestaltet wird, bringt langjähriges Zusammensein auch nicht immer unbedingt was, die Risiken, die mit jeder Veränderung einhergehen, werden dadurch nur bedingt reduziert.

Aber wenn die Beziehung gut ist und man sie nach der Hochzeit nicht völlig umgräbt und plötzlich alles anders macht als vorher, dann stehen die Chancen glaube ich gut. Ich war mit meinem Freund acht Jahre zusammen, bevor wir geheiratet haben, sechs Jahre davon haben wir zusammen gewohnt. Ok, verheiratet sind wir jetzt erst seit zwei Jahren, aber ich glaube, es sieht gar nicht schlecht aus...

Natürlich kann man auch jemanden heiraten, den man erst kurz kennt und mit dem man noch nicht zusammen gelebt hat. Auch das kann gut gehen. Hätte ich aber nie gemacht. Heiraten ist doch heutzutage sowieso keine Garantie mehr, dass man zusammen bleibt. Man muss eigentlich überhaupt nicht heiraten und kann trotzdem ein ganzes Leben miteinander verbringen. Deshalb sehe ich persönlich keinen Sinn drin, zu Anfang einer Beziehung zu heiraten. Wenn eine Beziehung so lang so gut ist, dass aus der Frage, wieso eigentlich heiraten dann irgendwann die Frage wieso eigentlich nicht heiraten wird, dann bin ich dafür, diesen Schritt zu gehen - eben so als Symbol, sich zu sagen, es war gut und wir glauben, es bleibt gut.
03. Juni 2011

Drum prüfe wer sich ewig bindet....

Ich war mit meiner Ex jetzt insgesamt 8 Jahre zusammen und davon 2 Verheiratet. Man kann meiner Meinung nach nicht danach gehen wie lange man schon zusammen war bevor man heiratet sondern wie sich die Menschen an sich entwickeln. Jeder Mensch entwickelt sich weiter und ich würd mal meinen das der springende Punkt ist, das man sich nicht zu weit von einander entfernt.

Viele sind ja mitlerweile der Meinung das je verschiedener die Partner sind um so besser die Beziehung läuft. Kann auch echt sein aber ich sehe einfach immer wieder das genau dies nicht der Fall ist.
03. Juni 2011

... ich habe auch alles durch die Bank weg schon kennen gelernt, sowohl im Freundeskreis als auch im Arbeitsumfeld.
Ich glaube mittlerweile auch, daß es kein Patentrezept gibt, aber die Chance sicherlich höher ist, wenn man sich vor der Ehe schon intensiver kennengelernt hat als erst während dessen und man auch nicht mehr ganz so jung heiratet *zwinker*.

Aber es ist immer so, daß sich beide Partner im Laufe der Zeit weiter entwickeln und das kann dann auch dazu führen, daß der Partner sich einfach so ändert, daß eine gemeinsame Zukunft nicht mehr gegeben ist.

Früher hat man dies ignoriert, weil die Gesellschaft Scheidungen nicht so toleriert hat wie heute. Heute sind wir weniger bereit, Kompromisse zu schließen sondern suchen nach der "perfekten" Partnerschaft .... was ich an sich aber gut heiße, denn wir haben nur dieses eine Leben. *ja*
03. Juni 2011

Heute sind wir weniger bereit, Kompromisse zu schließen sondern suchen nach der "perfekten" Partnerschaft .... was ich an sich aber gut heiße, denn wir haben nur dieses eine Leben.

Ich denke eben weil wir nur dieses eine Leben haben sollten wir nicht ewig auf der Suche nach der "perfekten" Partnerschaft sein, sondern die Dinge teilweise nehmen wie sie sind. Partnerschaft heißt eben auch Kompromisse eingehen und nicht direkt bei jedem Problem das Weite zu suchen und sich erneut in das gleiche Beziehungsmuster zu stürzen.

Im Allgemeinen denke ich aber, dass vermutlich doch eher Ehen halten in denen sich die Partner vorher intensiv kennengelernt haben, als solche in denen sie sich erst während der Ehe "wirklich" kennenlernen.
Meine Eltern kennen sich seit sie 13 und 15 sind und sind inzwischen seit 35 Jahren verheiratet. Eine Freundin von mir kommentierte das so: "Jetzt haben sies ja auch geschafft. Nach so langer Zeit trennt man sich ja eigentlich nicht mehr." Ich denke damit hat sie es doch recht gut getroffen. So viele Jahrzehnte harte Arbeit an sich und an der Partnerschaft gibt man wohl nicht mehr so schnell auf.
Es gibt immer Tiefs und Hochs, aber letzlich lohnt es sich meist, die Tiefphasen geduldig zu überstehen.
03. Juni 2011

Es kommt aber doch immer auch darauf an, WIE man miteinander lebt-ob einfach nur "nebeneinander her", oder doch gemeinsam....

Ich denke, dass das Patentrezept eine Mischung aus Ehrlichkeit, Liebe, Respekt und vor allem Toleranz ist...

Es ist eine Kunst, die Fehler des Partners zu kennen, zu erkennen-und damit leben zu können, ohne den Partner verbiegen oder verändern zu wollen.

Manches legen wir in einer Partnerschaft ab, anderes ändern wir-solange wir aber dabei noch wir selbst bleiben, bleiben wir auch die Person, die einst das Interesse des Partners geweckt hatte..

Und da ist es egal, ob man sich 1 Stunde oder 20 Jahre kennt...
03. Juni 2011

Irgendwie erinnert mich das Thema an den Parallel-Thread

?!... Definition "gefestigte Beziehung" ....?!

hier wie dort geht es um die Stabilität von Beziehungen, ob man nun geheiratet hat oder nicht sehe ich eher als nebensächlich an.

Und auch hier vertrete ich die These dass man sich selten wirklich kennt. Ganz unabhängig davon wie lange man zusammenlebt, zählen doch dafür nicht die schönen Stunden in denen eitel Sonnenschein herrscht, sondern die schwierigen Momente, extreme Situationen in denen jeder sich zeigen und beweisen muss, kein schauspielern mehr, kein rumdrucksen, denn dann gilt es.

Wieviele sagen dann "so kenne ich dich gar nicht" "das hätte ich nie von ihm/ihr gedacht"...??

Und hier setzt doch die Stabilität einer Ehe und Beziehung an, wenn es gilt zusammen zu halten oder zu sagen, so geht es nicht. Da man das selten vorher einschätzen kann, ist ein längeres Zusammenleben vorab vielleicht hilfreich aber ganz sicher kein Garant für die Stabilität.
Partner die nach 20Jahren Ehe nicht mehr vom Zigratten holen zurück kehren sind da so ein klassisches Beispiel (wenn auch Klischee)...

Man sollte mehr auf die Zwischentöne achten, kleine Zeichen zu deuten wissen und vielleicht auch mal etwas zu provozieren, dann spürt man viel eher ob der Andere wirklich passt und das ganze auch eine langfristige Chance hat. So schwierig das mit rosaroter Brille auch sein mag, sinnvoll wäre es...

Früher war unsere Gesellschaft, die Moral und das soziale Gefüge ein völlig anderes, das läßt sich nicht mit heute vergleichen.



el_don.

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