![]() | 19. November 2006 Ich möchte kurz dazu ein Statement aus meiner Sicht anführen. Grundprinzip des Christentums ist die "Liebe", dargelegt in der Bergpredigt. Durch die zentrale Stellung der Liebe unterscheidet sich das Christentum von den anderen religionen. Fasst man BDSM als besondere Form der Liebe auf, träte kein Widerspruch zur Bergpredigt auf, jedoch zu diversen Edikten, Postulaten etc. der offiziellen Kirche. Ich sehe den /die DOm nicht als Gottersatz oder gottähnliche Person im christlichen Sinne. Herren und Diener kennt auch die christliche Kirche, im Sinne eines hierarchischen Gefälles. So spräche auch nichts gegen BDSM als Spielart im Christentum. Auffällig sind auch die Geißler des Mittelalters, die ihren Masochismus entwickelten/auslebten in ihrer Liebe zu Gott...(und somit vielleicht den Grundstock zum BDSM legten???), wobsi ich auch die starke Ausprägung des BDSM im christlichen Raume beobachte (wie schon ein Vorredner geschrieben hat). Ich denke jedoch, wenn jemand das Neue Testament bzw. die Bergpredigt fundamentalistisch auslegt, ist kein Platz für BDSM (es sei denn , man fasst die Selbstbeschränkung z.B. der Amish-People als eine Art von Masochismus auf, wobei jedoch auch hier der Vergleich hinkt, da diese jedwede Gewalt verabscheuen.) Ich sehe zumindest den Gottbegriff mehr in Richtung einer satanistisch-freidenkerischen Art und Weise "als eine Wesenheit, die zwar für die Erschaffung der Welt etc. verantwortlich ist, sich aber von der Schöpfung so weit entfernt hat (im positiven Sinne), dass die Handlungen der Geschöpfe sie in keiner Weise tangiert und sicher nicht interesseiert", insofern ergäbe sich die Frage z.B. nach der Anbetung (=Hinknien) überhaupt nicht. zu Ghostface`s Auslaufmodell - ich glaube (leider) nicht an das Auslaufmodell; der Wunsch der Menschen nach dem Glauben an ein höheres Wesen ist ungebrochen, eher noch verstärkt; so wird es die Kirchen in der Form, wie wir sie kennen, immer weiter geben und auch die Restriktionen durch ihre Führer. Die Meinung, dass man religiös - ohne Kirche sein kann, möchte ich auch unterstützen, siehe die Naturreligionen. Aber auch diese haben viele Tabus und Vorschrfiten, die dann nur anders ausgelegt sind, eben den besonderen Raum betreffend. Ich persönlich siedle Glauben ohne Kirche eher in diese Richtung an. Auch mein Verständnis von Glauben, das rein philosophischer Natur ist, kennt genaue ethische Vorschriften und hat auch den Kant`schen Kathegorischen Imperativ als Basis...nur lässt mir dies die Möglichkeit mich auszuleben, da ich nur das "verlange", was ich mir selbst zumuten würde und was ich selbst als ethische Basis in mein Glaubenskonstrukt aufnehmen würde. Als Fazit möchte ich hier noch einmal sagen. ich denke, dass im Sinne der christlichen Kirche, BDSM sicher nicht genehm ist, für den christlichen Glauben alleine sehe ich diese Bedenken nicht so sehr (das C muss uneingeschränkt erfüllt sein)....wie schon ein Vorredner sehe ich aber andererseits eine sehr sterke Affinität der Kirche zu BDSM-Praktiken (z.B. Geißler, Inquisition, Calvin, Wiedrtäufer, 30-jähriger Krieg etc.). |
![]() | 19. November 2006 ...nachdem ich mich so halbwegs durch alle Beiträge gekämpft habe, bin ich etwas enttäuscht, da nichts wirklich neues zu lesen war. 1. Die Christen unter euch reagieren auf Kritik mehr oder weniger mit der Standardantwort: "Das liegt nicht an der Religion, sondern an den Menschen" Aber wer, wenn nicht die Menschen sind die Religion- gibt es einen Ort außerhalb euer selbst, von dem ihr aus die Religion beurteilen könnt (es sei denn ihr seit Gott). 2. Die Nichtchristen unter euch behaupten nun widerum genau diese "mensch-externe" Perspektive in Ihrem Urteil zu haben und machen sich damit auch zu einem Gott. z.B.: @Ghostface: Du sagst du bist Buddhist, aber dafür hast du m.E. einen zu festen, vermeintlich objektiven Standpunkt - Buddhismus hat nichts mit überlegener (i.S: von außen beobachtender) Urteilskraft zu tun. Fakt für mich ist: Die biblischen Lebensreglen (auch 10 Gebote genannt) gehen nicht wirklich mit BDSM und offenen Sexualverhalten zusammen. Das liegt aber nicht an den Regeln oder etwa an uns Sündern, sondern daran, daß sich die Lebenssituation und die dafür erorderlichen Regeln seit 2000 Jahren (zumindest in Mitteleuropa) deutlich geändert haben. lg @all |
![]() | 19. November 2006 Die Grundlage des Christentums, eben die Bibel, unterliegt, ganz im Gegensatz zum Koran, einer ständigen Evaluierung und Revidierung. Es gibt neue Übersetzungen, neue Auslegungen..., nur die offizielle Kirche hat ein Interesse daran sexuelle Wünsche zu unterdrücken. Sie ist kaum modernisierbar, obwohl der Glauben sich der Gesellschaft anpassen kann. Legt jemand die Bibel fundamentalistisch aus oder hält sich an die Regeln und Gesetze der kirchenführung, so muss er auf hervordrängende Wünsche verzichten oder er zeigt sich ketzerisch und muss sich dem Gewissen unterwerfen oder sich gegen dieses auflehnen. Vielleicht gibt es deshalb auch soviel Gewalt im Christentum, weil verschüttete Wünsche sich irgendwo entladen müssen... |
![]() | 19. November 2006 Christentum und BDSM - Ja, warum auch nicht? Ich wüsste gern: wie geht es Euch mit BDSM und Christentum. Zwei unvereinbare Gegensätze oder zwei Lebensbereiche, die einander nicht ins Gehege kommen? Ist das Christentum ein Auslaufmodel, nur noch als Secondhand-Boutique für Symbole und Rituale zu gebrauchen, oder war christliche Moral gar die Hemmschwelle, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse auszuleben? Was ist die christliche Moral? Der eifersüchtige Gott des alten Testamentes hatte die 10 Gebote als normative Verhaltensregeln geschaffen - wer dagegen verstieß, der sündigte und wurde bestraft. - Gar nicht so selten mit dem Tode (die Gebote galten selbstredend nur für die Menschen - außer Gott forderte sie ausdrücklich z.B. zum Zwecke von Eroberungskriegen dazu auf). Die Sünde wurde mit Jesus Christus Tod getilgt - der Kampf gegen die Sünde (der Verstoß gegen die normativen Verhaltensregeln) wird überflüssig. Statt dessen hat der Mensch Jesus Christus versucht aufzuzeigen und in vielen Metaphern zu erklären versucht, wie Zwischenmenschlichkeit funktionieren kann. Er hat angeregt, das eigene Tun in Relation zu setzen (Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst/ Wer frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein). Dazu ist es auch notwendig, sich selbst zu reflektieren und in der Interaktion gleichzeitig authentisch und empathisch zu handeln. Für die BDSM-Beziehung/BDSM-Interaktion sind alle diese Aspekte notwendig, wenn sie bereichernd und erfüllend gelingen soll. Ich sehe keinen Wiederspruch zu dem, wie ich die Aussagen des Evangelium - der guten Nachricht/frohen Botschaft von Christus verstehe. Viele Grüße Angelika |
