SM ohne Vertrauen?

23. November 2010
SM ohne Vertrauen?

Ich bin zumindest irritiert.
Vorausschicken möchte ich: Ich bin SM-unerfahren – jedenfalls was ritualisierte Spiele, Requisiten und Werkzeuge betrifft. Dominanz und Hingabe kenne ich, ebenso einen Zusammenhang zwischen Lust und Schmerz.
Ich habe bislang geglaubt, dass SM-Praktiken im Allgemeinen auf Vertrauen basieren – hingebungs- und vertrauensvolle Unterwerfung, liebevolle Dominanz.
Mir kommen Zweifel, angesichts einiger Worte, die ich zwischen den Zeilen mancher Profile und Kommentare lese.
Gehören Angst und Todesangst zu SM?
Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?
Die Lust, die der Aktive empfindet – wovor macht diese Freude Halt?
Bin ich der einzige, den die Nähe mancher Praktiken zu Massenvergewaltigungen, Folter und letztlich Krieg irritiert (und ehrlich gesagt: entsetzt)?
Rat suchend
Dunbard
23. November 2010
Viele Fragen

aber hoffentlich auch ein paar Antworten für dich.

Ich habe bislang geglaubt, dass SM-Praktiken im Allgemeinen auf Vertrauen basieren – hingebungs- und vertrauensvolle Unterwerfung, liebevolle Dominanz.

Pauschalisierungen haben selten Erkenntnisse zur Folge. Das obige ist eine Pauschalisierung, denn wie du schon selbst festgestellt hast, gilt das eben nicht für alle. Manche wollen ihre Unterwerfung "erzwungen" wissen, damit die Authentizität gewahrt bleibt. Andere haben an hingebungsvoller Unterwerfung nur dann Freude, wenn sie selbst dafür "gesorgt" haben. Wie alle Spiele hat auch BDSM keinen einzigen, allgemeingültigen Regelsatz, sondern eine Palette an Spielmöglichkeiten. Wie die nun wer ausschöpft, liegt im Verständnis der Partner selbst.

Gehören Angst und Todesangst zu SM?
Ersteres: ja. Angst ist ja nichts grundsätzlich negatives, sondern unterliegt wie alle anderen Empfindungen einer ganzen Bandbreite an Nivellierungen.
Beispiel: Schonmal lasse ich mir auch Schmerz zufügen. Eine gewisse Angst geht damit einher, fast schon wie eine Erwartung. Und das kommt eigentlich ganz gut.
Letzteres: eher nicht, wobei ich auch da nicht dem Empfinden mancher Leute vorgreifen würde. Wer darauf steht: Bitte.

Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?
Da, wo das Einverständnis der Partner aufhört. Strenggenommen ist schon das Peitschen Körperverletzung, das gefesselt-gevögelt-werden ist eigentlich Nötigung bzw. Vergewaltigung und die Liste ließe sich beliebig lange fortsetzen.

Die Lust, die der Aktive empfindet – wovor macht diese Freude Halt?
Vor den aufgestellten Spielregeln, seiner Empfindung von Recht oder Unrecht und natürlich nicht zu vergessen: Dem Safeword.

Bin ich der einzige, den die Nähe mancher Praktiken zu Massenvergewaltigungen, Folter und letztlich Krieg irritiert (und ehrlich gesagt: entsetzt)?
Nö, du bist da sicherlich nicht alleine. Aber auch hier gilt: Es muß nicht allen alles gleich gefallen. Sicher sind manche Praktiken merkwürdig, abstoßend oder moralisch verwerflich. Aber das kann nur subjektiv gesehen und empfunden werden. Niemand hat das Recht, sich in die Angelegenheiten anderer diesbezüglich mit dem moralischen Zeigefinger einzumischen. Solange es die Leute aus freien Stücken tun: Bitte, macht doch was ihr wollt. Wenn es auch manchmal nicht wirklich mein Ding ist, so zwingt mich die Toleranz dazu, den moralischen wieder einzupacken.

TiefImTraum
23. November 2010
...

Vorab: Khaos schreibt...




Ich habe bislang geglaubt, dass SM-Praktiken im Allgemeinen auf Vertrauen basieren – hingebungs- und vertrauensvolle Unterwerfung, liebevolle Dominanz.

liebevolle Dominanz... Öhm ja... Was auch immer das sein mag.

Vertrauen muss da sein.

Ohne einem Menschen zu vertrauen würde ich mich niemals auf ihn einlassen - egal ob sexuell oder BDSMig, und auch nicht als Domme.

Vertrauen zu empfangen wiegt m. M. n. auch mehr als geliebt zu werden.



Mir kommen Zweifel, angesichts einiger Worte, die ich zwischen den Zeilen mancher Profile und Kommentare lese.

Mir auch.



Gehören Angst und Todesangst zu SM?

Angst kann zu BDSM dazugehören.

Es gibt BDSMer, die gerne mit Ängsten spielen.

Ich finde das Spiel mit der Angst auch reizvoll.

Ob das dann gleich Todesangst sein muss - mei, man kann alles irgendwo übertreiben...



Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?

Da, wo das Einvernehmen des devot/masochistischen Partes endet.



Die Lust, die der Aktive empfindet – wovor macht diese Freude Halt?

Vor den Tabus des devot/masochistischen Partes.



Bin ich der einzige, den die Nähe mancher Praktiken zu Massenvergewaltigungen, Folter und letztlich Krieg irritiert (und ehrlich gesagt: entsetzt)?

Mir ist in meinen 7 Jahren aktives BDSM ausleben und 4 Jahren aktiv in der Szene unterwegs sein noch nicht einmal eine Nähe zu Massenvergewaltigung, Folter oder Krieg untergekommen.



*my2cents*


Khaos von TerrorUndKhaos
23. November 2010

Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?
Die Lust, die der Aktive empfindet – wovor macht diese Freude Halt?

Die Abgrenzung ist einfach: der passive Part ist auf eigenen Wunsch passiv gegenüber dem (ausgewählten) aktiven Part. Das Vertrauen besteht dann mindestens darin, dass der aktive Part die (Belastungs-)Grenzen und Tabus nicht überschreitet, und der passive Part dann eben nicht hinterher mit der Anzeige kommt.
23. November 2010

Bin ich der einzige, den die Nähe mancher Praktiken zu Massenvergewaltigungen, Folter und letztlich Krieg irritiert (und ehrlich gesagt: entsetzt)?

Wie kommst du darauf? Woran machst du das fest, welche Verbindungen stellst du her?


Echte Angst hat mit SM für mich und für niemanden den ich kenne etwas zu tun, daraus resultierend muss jede Menge Vertrauen vorhanden sein.
23. November 2010

Schau es dir an. Die äußere Erscheinungsform. Dann sollte dir Ähnlichkeit auffallen. Folter z.B.
Echte Angst hat mit SM für mich und für niemanden den ich kenne etwas zu tun
Andere schreiben,
Es gibt BDSMer, die gerne mit Ängsten spielen
Oder:
Gehören Angst und Todesangst zu SM?
Ersteres: ja.
Das ist es ja: Es geht jedem anders.

Ich ging immer davon aus, dass der innere Zustand vertrauensvoll ist - Hingabe eben. Aber vielleicht habe ich mich - im Hinblick auf manche Menschen - geirrt.
Ich finde es etwas schade, dass diese Frage ins BDSM-Forum gestellt wurde (nicht von mir).
Da fast alle Frauen im JC sich als devot oder eher devot bezeichnen, die meisten Männer angeben, sie seien dominant, gibt es wohl auch außerhalb dieses Forums Meinungen darüber, die mich nicht weniger interessieren.
23. November 2010

Nun, ist die genannte Angst z.B. vor Schlägen im SM echte Angst?


Ich denke, da ist ein großer Unterschied zwischen der Angst vor einer von beiden gewollten Session... freudig-erregte Angst, Lampenfieber .... ganz andere Angst hingegen hat der arme Wicht, der allein vor einem Hooligan steht, der den Baseballschläger schwingt....
Und diese Todesangst kenne ich im SM nicht, keine wirklich begründete Angst.

Und daher kann ich im Gegensatz zu dir auch keine Verbindung zB zum Krieg ziehen.


Ähnlichkeiten... Angst ist Angst, ok. Aber deren Grundlage ist komplett eine andere ... für mich.
23. November 2010

mich entsetzt dass du bdsm, bzw. bdsm-praktiken in die nähe von massenvergewaltigungen, folter und krieg bringst.
bei bdsm haben alle spass!!!!!!
alle !!!! spass!!!!
(spass=lust)
zugegeben nicht immer und überall für jeden neuling, anfänger oder aussenstehenden gleich auf den ersten blick zu erkenen.
trotzdem ist es an sich eine bodenlose frechheit und unverschämtheit von dir uns in einem zug mit herrn bush, guantanmo und serbischen kriegsverbrechern zu nennen *g*
(du siehst wir nehmen das mit humor und dir nicht übel)
aber wenn du deine gedanken schon öffentlich machst, andere damit angreifst, selbst wenn es nicht deine absicht war, gehört sich verd... noch mal -sorry- das es auch begründest und konkretisierst.
schliesslich wollen gerne wissen ob sich deine meinung auf unwissenheit/ignoranz oder dem streben nach religösen, ethischen, moralischen idealvorstellungen, oder sonstwas beruht.

übrigens: je mehr du bei praktiken an krieg und folter denkst, desto mehr vertrauen, hingabe und liebe steckt an, in und hinter diesen praktiken.
23. November 2010

SM hat mit Todesangst nichts tun. Wer mit Todesängsten spielt ist in meinen Augen ein Verbrecher und vielleicht Geisteskranker und wer sich Todesängste wünscht, gehört in die Hände eines Psychiaters.
Aber Angst gehört dazu. Die Angst und die über die Ungewissheit, was passieren wird, das Gefühl gänzlich einer Situation und einem Menschen ausgeliefert zu sein. Das funktioniert nur, wenn man diesem Menschen vertraut oder dem man vertrauen will, wobei letzteres ein gewisses Risiko in sich birgt, aber letztendlich auch ein Vertrauensbeweis gegenüber dem ist, dem man sich ausliefert, wenn es gut geht, was meistens der Fall ist.

Im Übrigen empfinde ich die Frage angesichts des Alters des TE als eine Provokation. Und ich ärgere mich ein wenig, dass ich auf solchen Kinderkram überhaupt antworte.
23. November 2010

Also das folgende sind unsere Antworten auf deine für uns teils sehr unverständliche Fragen.
Kein Vertrauen = kein Spiel *zwinker*

Gehören Angst und Todesangst zu SM?
Also man kann sicher ein schönes Spiel mit Angst und "Ahnungslosigkeit" durch Sinnesentzug spielen, aber Todesangst - NEIN!

Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?

Also diese Grenze zieht der Staatsanwalt ganz deutlich - wie kann man so etwas fragen?

Die Lust, die der Aktive empfindet – wovor macht diese Freude Halt?

Vor den Grenzen die den Staatsanwalt nicht gezogen hat, sondern die durch Tabus ganz klar und deutlich ist. Es gibt sicher Grenzen über die der aktive Teil den passiven Teil mal treibt, aber dann macht es auch beiden noch Freude. In dem Fall ist der passive Teil danach sogar von sich selbst überrascht und stolz, wie weit er für den aktiven Teil gegangen ist.

Bin ich der einzige, den die Nähe mancher Praktiken zu Massenvergewaltigungen, Folter und letztlich Krieg irritiert (und ehrlich gesagt: entsetzt)?

Hm wie formulieren wir es freundlich? - "Was hast du geraucht für diesen Vergleich?" diese Frage können wir beim besten Willen nicht verstehen. Wenn, um ein Beispiel zu finden, der passive Teil zu einem Gangbang zur Verfügung gestellt wird, so hat das nichts mit Massenvergewaltigung zu tun. - Falls es zwischen deinen Ohren immer noch nicht ankam, es geht bei SM immer um einvernehmliche Handlungen (sicher ist einvernehmlich ein weiter Begriff) ...aber Vergewaltigung, so impliziert es schon das Wort, ist etwas unfreiwilliges, da kann es keine Nähe geben.

...Folter, ja teilweise - wobei zwischen ein paar Peitschenhieben, diversen anderen sexuell angehauchen Quälereien und Waterboarding schon erhebliche Unterschiede bestehen.

...letztlich Krieg - WTF .. äh also wir sind zwar jetzt nicht die richtig erfahrenen alten Hasen, aber wir haben weder erlebt, noch davon gehört, dass auf irgendwen geschossen oder Bomben geworfen wurden *zwinker* ... klar haben wir Verstanden, dass du die Kombination meintest, aber da wir von den einzelnen Ansätzen schon nichts gehalten haben, gibt es für uns keinen Grund darauf einzugehen

LG
das Paar aus MTK
23. November 2010

Anscheinend hab ich manche Leute geärgert.
War nicht meine Absicht.
Ich habe auf einer anderen Seite eine ziemlich gute Antwort auf meine Fragen gefunden. Dort, wo ich sie gar nicht gestellt hab. Bin wohl doch nicht der einzige, der fragt.
(sicher ist einvernehmlich ein weiter Begriff)
So?
Ach.
Ich steige hier aus.
23. November 2010
...

Achso... Wir machen ein Thema auf und kriegen nicht das gehübschte Kopfkino geliefert also gehen wir...


*werderwachsen* *gehbuegeln*
23. November 2010

Ich habe bislang geglaubt, dass SM-Praktiken im Allgemeinen auf Vertrauen basieren
Stimmt. Absolute Grundvoraussetzung.



hingebungs- und [...] liebevolle
Nun ja. Ich für meinen Teil würde bei BDSM immer zwischen INNEREM Verhältnis und ÄUßERER Erscheinungsform unterscheiden. Ersteres ist immer geprägt von Vertrauen und Einvernehmlichkeit genauso wie von einem gewissen hingebungs- und liebevollem Miteinander. Man tut ja etwas für den jeweils Anderem, das dessen Lust und (in letzter Instanz auch) dessen Wohlbefinden dient. Und zwar sowohl der Devote für den Dominanten als auch umgekehrt und das unabhängig davon, ob es sich am Ende um eine Liebes- oder um eine reine Spielbeziehung ist. Es ist ein Geben und Nehmen, wenn auch von unterschiedlichen Dingen. Es ergänzt sich. Und all das setzt Mündigkeit bei allen Beteiligten voraus.

Das Ergebnis des Ganzen - also die konkreten Praktiken und alles was miteinander so getrieben wird - und wie es beim reinen Draufschauen von außen wirkt, ist eine ganz andere Geschichte. Das Spielbrett nach außen. Kann natürlich erschreckend wirken für die, die mit der Materie nichts anfangen können. Und könnte alle möglichen Straftatbestände erfüllen, Nötigung, Körperverletzung, Vergewaltigung und Missbrauch sind da nur einige wenige in der langen Liste. Könnte. Wenn dem das, was im INNEREN abläuft nicht entgegenstehen würde. Quasi das Innenleben der Spielfiguren.

Und genau da liegt der entscheidende Unterschied, womit auch die Grenze zu Sexualstraftaten geklärt sein dürfte.




Mir kommen Zweifel, angesichts einiger Worte, die ich zwischen den Zeilen mancher Profile und Kommentare lese.
Bei dem Satz schießen mir 2 Dinge durch den Kopf:

1.) Würde mich mal interessieren, wo du so etwas herausliest bzw. woran du es festmachst. Und in dem Zusammenhang stellt sich mir auch die frage, ob du nicht bissle (zu)viel meinst irgendwo zu lesen bzw. vielmehr hereinzuinterpretieren. Möglicherweise auch in schierer Unwissenheit.


2.) Willkommen im Club. In manchen Fällen geht mir das ähnlich.

Dazu kann ich nur sagen: a) Sind dummerweise nicht alle Menschen mündig. b) Gibt es überall schwarze Schafe, also auch im BDSM-Bereich.

Um dazu vllt. noch ein paar Worte mehr zu verlieren... Man kann soviele Dinge im Leben auf eine gesunde oder auch auf eine ungesunde Weise leben. So auch BDSM.

Und natürlich gibt es auch hier - ebenso wie überall - Menschen, die egoistisch sind, nur auf ihre eigene Befriedigung aus, nicht um das Wohl des anderen besorgt und verantwortungslos. Und ebenso gibt es Menschen, die sich selbst psychischen Schaden zufügen. SSV (Selbstverletzendes Verhalten) geht eben mit einer Rasierklinge als Werkzeug genauso, wie auch indem man sich eines anderen Menschen dafür bedient und den zum Werkzeug macht. Schädlich ist dann beides gleichermaßen.

Allerdings hat das dann nichts mehr es hat nichts mehr mit den Grundsätzen und Grundvoraussetzungen von SM zu tun, es fehlt entweder die besagte Mündigkeit oder aber Einvernehmlichkeit und Vertrauen oder alles zusammen. Es gibt solche Fälle, das lässt sich sicher nicht komplett verleugnen. Ich persönlich möchte mich aber strikt davon distanzieren und eine ähnliche Haltung wirst du wohl bei so ziemlich jedem ernsthaften SMer finden.



Auf derlei plakative Begriffe wie Todesangst, Massenvergewaltigung, Folter und Krieg möchte ich gar nicht näher eingehen. Die haben im entsprechenden Szenario nun wirklich keinen Platz.
23. November 2010

Mir kommen Zweifel, angesichts einiger Worte, die ich zwischen den Zeilen mancher Profile und Kommentare lese.
Gehören Angst und Todesangst zu SM?

Könntest Du da vielleicht mal ein paar konkrete Beispiele bringen wie Du auf so etwas kommst?
24. November 2010

Gehören Angst und Todesangst zu SM?

Nein, aber es kann. Z.B. Vergewaltigungsspiele (auch hier nur manche Formen).

Wo ist dann die Grenze zu Sexual-Straftaten?

Auf jeden Fall hier:

Links nur für Mitglieder

Sollte man wohl mal als Sticky setzen...

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