![]() | 29. Oktober 2010 BDSM und Liebe Ich habe dieses Thema auch in einem andern Forum eröffnet, denke aber, auch hier werden die Antworten interessant sein... Sicherlich hat sich jeder hier irgendwann seinen inneren BDSM - Neigungen gestellt und sie einfach angenommen. Zuvor aber hat man wohl meist verschiedene Partner gehabt, war eventuell verheiratet, oder lebt in einer Beziehung bzw. Ehe.. Man hatte oder hat also einen Partner welchen man liebt, für den/die man tiefe Liebe empfindet oder empfunden hat. Dann „plötzlich“ kommt dieses Thema BDSM ins Leben… Um jetzt nicht alle Eventualitäten oder möglichen Konstellationen beschreiben zu müssen, nehme ich einfach unsere Konstellation als Beispiel: Wir haben uns kennen gelernt, haben uns verliebt, daraus wurde tiefe Liebe, Heirat…. Erst nach gut 1 ½ Jahren, hat das, was wir im Prinzip schon von Beginn an lebten einen Namen bekommen und BDSM fand Einzug in unser Leben. Wir konnten plötzlich beide unsere tiefsten Bedürfnisse… unsere Natur leben… Das BDSM die Beziehung beeinflusst, kann wohl jeder bestätigen, so war es auch bei uns! Es hat unsere Beziehung sehr positiv beeinflusst… Doch jetzt die eigentliche Frage: Hat BDSM auch eure Art zu lieben beeinflusst? Hat sich durch BDSM auch die Art wie ihr einen Menschen lieben könnt, was diese Liebe in euch verursacht hat und wie ihr sie wahrgenommen habt verändert??? Ich nenne mal ein kleines Beispiel: Zu Beginn liebte ich meine Frau „einfach“ so, wie es wohl jeder beschreiben würde, ich hatte Schmetterlinge im Bauch, konnte nur noch an sie denken, freute mich über jede Geste, jeden Blickkontakt, jede Möglichkeit der Nähe, jeden Wimpernschlag empfing ich wie ein Winken, die Zeit schien still zu stehen… Alles kam irgendwie aus dem Bauch oder aus der Brust heraus…es war einfach schön… Jetzt ist es anders! Es hat sich gewandelt! Es ist zum einen in den ganzen Körper gewandert und zum anderen eher tief im Kopf, in den tiefsten und ältesten Regionen meines Seins verwurzelt! Alles was vorher da war ist noch immer da, aber auch noch viel mehr! Ich nehme Dinge war, die ich vorher nicht wahrgenommen habe oder wahrnehmen konnte. Ich rieche sie nicht mehr, sondern „wittere“ sie. Ich spüre sie nicht nur wenn ich sie berühre, sondern habe das Gefühl, ich kann ihre Gedanken lesen und jedes Atom ihres Körpers spricht dabei mit mir. Das ist eine ganz andere Art der Liebe, viel ursprünglicher, viel tiefer und nicht nur punktuell sondern allgegenwärtig. Diese Liebe besteht jenseits von Gefühlen und Emotionen, jenseits der Zeit, jenseits der Gedanken. Die Zeit steht nicht mehr still, sondern scheint in einer endlosen Spirale langsam voran zu schreiten. Hat es sich bei euch auch verändert? Wenn ja, könnt ihr beschreiben wie??? Bin auf Eure Antworten gespannt.. LG Krolock |
![]() | 31. Oktober 2010 Kompliment Kompliment euch beiden. So wie ihr das lebt, auch wie das ganze hier geschrieben ist, zeigt eure tiefe Verbundenheit zueinander, aber auch zum Thema BDSM. Das nenne ich den IDEALZUSTAND. |
![]() | 31. Oktober 2010 Unsere... ... Beziehung hat sich nicht geändert. wir wussten vorher, dass wir beide auf SM stehen Ich denke nicht, dass sich unsere Liebe dadurch ändern würde, nur weil einiges einen Namen bekommt. Ich denke, dass die Liebe so intensiv ist, weil wir beide nichts verheimlichen müssen, so sein können, wie wir wirklich sind. Man muss seine Vorlieben nicht unterdrücken oder heimlich ausleben, sondern (er-)lebt es mit dem Partner. Diese Liebe ist daher intensiver. Auch können wir bestätigen, dass das Gefühl intensiver ist und es nicht nur eine reine Herzsache geblieben ist. Der Körper, Geist ist ständig auf Empfang und jeder kann in dem anderen lesen und seine Stimmung deuten. Wir müssen nichts groß an- oder aussprechen, wir sehen, wie es dem anderen geht und können dann darauf eingehen. Wir fühlen uns geborgen, sicher, einfach gut aufgehoben. Neue Ideen werden natürlich besprochen oder gerade ich, Kora, nutze gerne meine Schreibader, um neue Fantasien ihm nahe zu bringen. Begriffe wie Untreue, Scham oder Heimlichkeiten gibt es in dieser Beziehung nicht. Wir genießen also das gleiche Glück wie ihr |
![]() | 31. Oktober 2010 Mal kurz nach-gedacht... ...bis jetzt kann ich keinen wesentlichen Unterschied zu vorher feststellen, als SM und Konsorte noch keine Rolle spielten. Begriffe wie Untreue, Scham oder Heimlichkeiten gibt es in dieser Beziehung nicht. Dem allerdings kann ich - aufs Bett beschränkt - beistimmen. Es hat etwas an meinem Sexualleben geändert - nicht nur an den härteren Seiten, sondern auch am "normalen" Sex (ja, ich habe auch noch solchen und ich geniesse ihn sehr), nämlich dahingehend, dass Scham überhaupt kein Thema mehr ist. Das ermöglicht einen locker-frivol-heiteren Umgang mit der Materie, den ich als enormen Gewinn empfinde, auch wenn ich davor nicht explizit verklemmt war. Komisch - seit das Kind einen Namen und einen Platz in meinem Leben hat, schäme ich mich nicht mehr; allerdings funktioniert das so leicht nur mit meinem Partner. Fazit: Vielleicht kann ich doch einen Unterschied zu vorher feststellen, nämlich, dass ich mich nicht mehr verstecke, auch nicht im angezogenen Zustand? Salopp formuliert: Seit ich öfter mal unvorteilhaft zusammen- und angebunden geschlagen und erniedrigt werde, und darob höchstes Entzücken empfinde, ist mir nichts mehr wirklich peinlich*. So tiefgreifende Auswirkungen auf die Liebe, wie sie Krolock beschreibt, kann ich aber nicht feststellen, ich denke, diese wäre auch ohne SM ganz gross. Fazit II: In einem Gespräch wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Auswirkungen auf die Liebe für den dominanten Teil anders sein mögen, da dieser viel mehr Feingespür für die Situation braucht. Klingt logisch. ______________________________________________________ *ausser wenn ich im Bett pupse, das wird immer ein gewisses Unbehagen auslösen |
![]() | 31. Oktober 2010 Nachtrag Dieses Thema lässt mich nicht mehr los; ich muss mich korrigieren. Es ändert schon etwas, nämlich die Auseinandersetzung mit gegenseitigem Respekt, die viel wichtiger wird. Mehr Fussnoten in Arbeit, Denkprozess im Gange. |
![]() | 03. November 2010 Ich persönlich.... ...empfinde durch die Art und Intensität, die wir durch das BDSM erleben, doch eine andere Art der LIEBE füreinander empfinden! Mit jedem Mal, welches wir miteinander "umgehen", erscheint es mir, dass ich meinem Herrn und Partner und bald auch Ehemann gegenüber wesentlich mehr Hingabe und Vertrauen entgegen bringe... Von mal zu mal eben mehr! Meine bisherigen Vanilla-Beziehungen waren da anders! Der Sex war gut, das Kuscheln auch, allerdings gab es da nicht mehr wirklich viel, was unsere Gemeinsamkeiten hat wachsen lassen... Mit meinem Herrn empfinde ich das wesentlich anders! Und das hat durchaus mit dem gelebten BDSM zu tun! |
![]() | 03. November 2010 Ich rieche sie nicht mehr, sondern „wittere“ sie. Ich spüre sie nicht nur wenn ich sie berühre, sondern habe das Gefühl, ich kann ihre Gedanken lesen und jedes Atom ihres Körpers spricht dabei mit mir. Das ist eine ganz andere Art der Liebe, viel ursprünglicher, viel tiefer und nicht nur punktuell sondern allgegenwärtig. Diese Liebe besteht jenseits von Gefühlen und Emotionen, jenseits der Zeit, jenseits der Gedanken. Die Zeit steht nicht mehr still, sondern scheint in einer endlosen Spirale langsam voran zu schreiten. Ja! Ganz genau so würde ich auch unsere Beziehung beschreiben. Mir erscheint es, als wären wir verwachsen, selbst auf die Entfernung hin. Er spürt mich, ich spüre ihn. Während unserer räumlichen Trennung entsteht eine Unruhe im Körper, die ein Verlangen, eine Sehnsucht weckt, die nur noch durch ihn gestillt werden kann. Unser Beisammensein, wenn es zärtlich beginnt, endet es doch meist in animalischer Begierde. Ich trage Spuren seiner Gier, wenn er seine Lust entfesselt und mich mit in seine Ekstase reißt. Mich Schmerzen fühlen lässt, die er aus mir saugt in sein Empfinden und seine Lust daraus zieht. Zwei Körper die sich aneinander austoben, im Rauschzustand ineinander versinken. Er scheint meine Seele zu kennen, sie zu führen, zu halten. Ich fühle mich sicher und gebe mich daher ganz. Alle Sinne scheinen geschärft, sobald er vor mir steht. In meinem Hirn legt sich ein Schalter um, der mich ihm hingeben lässt. In keiner Vanillabeziehung empfand ich jemals diese Tiefe, dieses Vertrauen in einen Menschen. Seit wir uns ausleben, habe ich mich auch in meiner Persönlichkeit verändert. Positiv. Ich bin selbstbewusster geworden. Fühle meinen Körper anders, weiß was er mich spüren lassen kann, was er ertragen kann und wo meine Grenzen sind, die wir stets ein wenig erweitern. Meine Körperhaltung ist aufrechter geworden, seit ich meine Triebe ausleben kann, weiß, dass sie "normal" sind. Meine Lust auf Schmerz. Ich bin ein Instrument, das er perfekt beherrscht, auf ihm zu spielen weiß, es zum Klingen bringt. |
![]() | 03. November 2010 Nun, er hat wohl Seelen gesammelt.... und ist leider nicht mit allen so sorgsam umgegangen. |
![]() | 03. November 2010 Ja, es ändert sich! Einerseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass sobald Liebe ins Spiel kam, der dominante Part etwas vorsichtiger und zurückhaltender wurde, wahrscheinlich aus der unterschwelligen Angst heraus, mich tief zu treffen. Auf der anderen Seite habe ich Vertrautheit und Tiefe wahrgenommen; Momente, die sich wie magisch anfühlten. Im Grund hängt es wahrscheinlich davon ab, wie stark beide bereit sind, sich aufeinander einzulassen und den Mantel der Moral / Hemmungen abzulegen. |
![]() | 03. November 2010 Mir beweist es jedes mal wieder, wie sehr ich ihm vertrauen kann. Das tut unserer Beziehung sehr gut. |
![]() | 07. November 2010 Als ich meine Freundin kennengelernt habe, war klar, dass wir beide auf SM stehen. Wir lieben und leben mittlerweile zusammen. Dass es etwas sehr besonderes ist, ist uns beiden bewusst. Wir müssen zum Glück nichts verbergen voreinander oder uns anderswo ausleben und den anderen eventuell betrügen etc. etc. Das wissen wir sehr zu schätzen und können uns auf das WESENTLICHE konzentrieren. Das hat unser Leben sehr stark beeinflusst, weil wir einfach glücklich sind. |
![]() | 07. November 2010 ...deine gefühle, emutionen sehr gut beschrieben..... du umschreibst deine beziehung, wie ich sie nicht besser beschreiben könnte. ich finde, das zwei menschen, die sich lieber durch bdsm nur noch mehr zusemmen wechsen. weiterhin viel glück u. freude |
![]() | 09. November 2010 ... BDSM ist eine nette Sache. Genauso wie Ficken. Aber es beeinflusst nicht meine Liebe. Ich liebe einen Menschen um seinetwillen - so auch meine Frau. Nicht, weil ich BDSM mit ihr ausleben oder Sex mit ihr haben kann. Ich hatte vor meiner Frau BDSM-Beziehungen und Stinobeziehungen und in jeder war ich auf eine individuelle Art und Weise glücklich. Nur wenn es nicht die wahre Liebe ist, sind Beziehungen eben vergänglich. Egal, wie die Sexualität darin aussieht. In meiner Frau habe ich meine wahre Liebe gefunden, den Menschen, mit dem ich mir vorstellen kann, gemeinsam alt zu werden. Deswegen haben wir geheiratet. BDSM hin - BDSM her. Sex hin - Sex her. Das Herz ist "angekommen", "zu Hause". Das ist es, was unsere Liebe ausmacht. Eine Tiefe, die ich sonst noch nirgends fand. Khaos |
![]() | 20. November 2010 Ja? Nein? Vielleicht? Aus dominanter Sicht, ist es (zumindest für mich) doch etwas anders als bisher beschrieben. An das Thema BDSM und Liebe habe ich mich erst sehr spät im Leben gewagt, zumindest in der vollen Konsequenz. Vorher war es entweder klarer BDSM und die Beziehung eher freundschaftlich-nett – oder es war Liebe, aber BDSM war mehr verhüllt. Den Instinkt, das „wittern“*, das Gespür dafür wo sie gerade ist und wie es ihr geht – ich würde behaupten, dass ich den schon früher hatte, auch ohne dass es die große Liebe war. Ich würde mich gar nicht trauen, mit einem Menschen so weit zu gehen, wenn ich nicht sicher weiß, wie es ihr geht. Inzwischen sind meine Ansprüche gewachsen. An das, was ich von einer Beziehung erwarte, aber auch ganz deutlich an mich selbst. Ich verlange von mir Aufrichtigkeit und den Mut, alles zu zeigen, was in mir vorgeht. Dominanz hat es dabei ein wenig einfacher. Man wird selbst nicht so sehr gefordert, alles in sich zu zeigen und rauszulassen. (Aber man ist oft Katalysator für Sub.) Doch BDSM mit Liebe zu kombinieren hat mich da schon an Grenzen gebracht. Mich gezwungen, mich auch mit Ängsten auseinanderzusetzen, die ich früher vermutlich nicht einmal als solche bemerkt, geschweige denn ausgesprochen hätte. Wenn der andere Mensch auf einmal sehr sehr wichtig für einen ist, dann mache ich mir zunächst mehr Sorgen, ob das was ich tue wirklich gut ist. Zum einen ein noch weiter erhöhtes Verantwortungsgefühl: Ist es wirklich gut für Sie? Wird es sie verschrecken? Gerade der Frau, die ich liebe, will ich keine Wunden schlagen. Dann die Sorge um Verlust: Setze ich die Beziehung aufs Spiel, nur weil ich noch irgendwelche vagen Ideen habe, die ich gerne mal erleben möchte? Sooo wichtig ist das ja doch nicht. Oder doch? Irgendwann kommt der Punkt, dass ich erkannte, dass ja auch sie den Wunsch (und m. E. das Recht) hat, alle Seiten an mir kennen zu lernen. Da etwas zu verstecken gilt nicht. Aber das wirklich umzusetzen kostet schon Nerven. Hinterher ist es dann eher erleichternd und „halb so wild“, aber vorher ist es schweißtreibend. Früher fand ich Dominanz vor allem gut ausgedrückt in kühler Überlegenheit. Inzwischen kann ich auch Teile von mir rauslassen, die ich früher nicht einmal kannte. Das ist manchmal etwas erschreckend, andererseits aber so authentisch und kraftvoll, dass ich schon verstehen kann, warum sie gerade diesen Teil von mir so reizvoll findet. Auch der Umgang mit Verantwortung wird ein anderer. Worte wie „anlehnen“ oder „gehören wollen“, die ganzen weiterreichenden Konsequenzen von D/s, waren früher eher Anlass zur Panik. Zumindest, wenn sie den Rahmen des Spiels verließen und in den Alltag eindrangen. OhmeinGottwiesollichdasdennleisten?!? Jetzt sehe ich das mehr als eine Herausforderung. Eine Einladung, sich mit den Befürchtungen, die sich da melden, auseinanderzusetzen, sich dem zu stellen. Ebenfalls ziemlich anstrengend, aber sehr befriedigend. Insofern hätte ich früher nicht gedacht, dass dominant zu sein eine solche Herausforderung sein kann. Und Liebe im BDSM ist ganz sicher eine Herausforderung, zumindest für mich. Aber es ist auch lohnend. Zum Beispiel gehe ich auch mit nicht-sexuellen Gefühlen deutlich offener um. Und ich habe so viel Spaß am Leben, es ist nicht zu fassen. (Das nur als Anmerkung, wenn das obige zu sehr nach Verinnerlichung, Meditation und verkopfter Analyse klingt. Es ist fabelhaft und sehr geil. Alles ist gut! * Das soll kein Vergleich mit den Worten Krolocks sein, möglicherweise sind unsere Erfahrung ganz unterschiedlich. |
![]() | 20. November 2010 Ein schönes Thema um in sich hinein zu hören! Also ich finde dieses ein schönes Thema und ich konnte auch nicht gleich Antworten, sondern mußte nachdenken. Einige der bisherigen Antworten treffen auch auf mich zu, so wie die von Witchbird. Ich bin für mich auch zu dem schluß gekommen, das es meine Liebe verändert hat, denn sie ist wesentlich größer, stärker und hingabevoller als in einer meiner vorherigen Beziehunge. Meine Seele und wurde durch meinen Dom von Problemen und Ängsten befreit und das läßt mich nun noch intensiver lieben. Ich kann mich immer mehr auf meine Liebe zu ihm konzentrieren, mich noch mehr hingeben. Und das kann ich alles, weil ich weiß, das ich immer mit Respekt behandelt werde und in jeder Situation aufgefangen und beruhigt werde. Alleine die Aussagen von Bekannten, Kollegen und meiner Töchter, das ich anders geworden bin und das zum Guten, erfüllt mich mit Glück und Dankbarkeit und läßt mich meinen Dom noch mehr lieben. Für mich trifft die Aussage zu, das sich meine Liebe geändert hat und wirft eher die Frage auf, WAR ES IN ANDEREN BEZIEHUNGEN ÜBERHAUPT LIEBE? |
