Körperlich ne Frau, geistig ein Mann!

16. August 2011

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16. August 2011
Wie

ist denn ein "Mann" bitte geistig drauf im Unterschied zu einer Frau?
Ich denke da muss man schon ein ziemlich eingefahrenes Rollenverständnis haben um überhaupt auf so eine Idee zu kommen.
16. August 2011
Nö...

... das hat nichts mit irgendeinem eingefahrenen Rollenverständnis zu tun.
Man fühlt sich in seinem biologischen Körper nicht richtig. Für Nicht-Betroffene ist das schwer bis unmöglich zu verstehen, ich weiß. Vielleicht kennst Du ja sogar den ein oder anderen Mann, der sich nur nicht als Transmann zu erkennen gibt. Warum auch? Nach außen hin ist das nicht sichtbar, wenn man erst einmal angeglichen ist. Weder spiegelt es sich durch Meinung noch durch den Körper wieder. Also, nicht gleich faseln! *g*
16. August 2011

Hi Kissa,

ich fühle mich exakt genau so wie du. Körperlich bin ich eine Frau, aber geistig würde ich mich auch zu etwa 90% als männlich betiteln.
Anfangs dachte ich, dass es eventuell daran liegen könnte, dass sich meine Eltern immer einen Sohn gewünscht haben und ich ein Mädchen wurde. Die Enttäuschung konnte gerade auch mein Vater nicht immer verstecken.
Ich mag jetzt keine Klischees bedienen, aber ich spielte immer gern mit Autos und prügelte mich. Puppen waren mir ein Graus. Ich mag es nicht Kleider zu tragen und fühle mich unendlich wohl in Boxershorts und Jeans. Zwar gehe ich mit Männern ins Bett, fühle mich aber auch unendlich von frauen angezogen.
Mittlerweile akzeptiere ich mich diesbezüglich so wie ich bin. Für mich würde auch keine OP in Frage kommen.

Ich bin halt so wie ich bin und gut isses.

LG

Sam
16. August 2011
Aber

was meinst Du denn damit Du fühlst Dich in Deinem biologischen Körper nicht wohl?
Ich war zwar noch nie eine Frau, aber warum sollte sich die groß anders fühlen als ich? Oder nervt Dich die Mesntruation. Und wenn es das ist hat das auch ncihts mit einer Geschlechtsumwandlung zu tun.
Mal ganz ehrlich: Jemand der sich zu einem Mann operieren lassen will weiß doch genauso wenig wie es sich anfühlt ein "Mann" zu sein.
Also woher soll er wissen, dass es ihm nachher besser geht. Das ist doch wohl ein sehr abstrakter Wunsch der mit Körperlichkeiten nichts zu tun hat.
Ich spiele auch sehr gerne an Brüsten herum, aber da tun es die von (anderen) Frauen doch sehr gut.
17. August 2011
Aha...

Erstens heißt es Geschlechtsanpassung und nicht Umwandlung.
Zweitens wusste ich schon seit Kindesbeinen, dass ich ein Junge bin.
Drittens hat das vordergründig nichts mit Genervtsein von Menstruation oder Brüsten zu tun, das sind nur "Nebenwirkungen".
Viertens:
Ich bin ein Mann und fühle mich ausgezeichnet damit.
Zu Deinen Vorstellungen von OPs kann ich nur lachen.
Meine Umgebung nimmt mich durch und durch als Mann war und behandelt mich normal. Die, die mich früher nicht kannten, merken ohenhin nicht den einzigen Unterschied, dass ich halt "weniger in der Hose" habe.
Ich will Dich nicht angreifen, aber mit Deinem gelisteten Alter von 32 solltest Du vielleicht etwas über Deinen Horizont hinausschauen können.

Aus ehrlichem Interesse frage ich Dich: Wie fühlt es sich denn für Dich an, ein Mann zu sein? Oder was macht Deiner Meinung nach einen Mann aus?
19. August 2011
Hi

Ich kann Dir darauf leider keine Antwort geben.
Ich habe keine Ahnung wie man sich als "Mann" oder als "Frau" fühlt.
Mal von den kleinen körperlichen Unterschieden abgesehen: wo soll da der Unterschied sein?
Du bist doch selbst das beste Beispiel dafür, dass eine Frau gerne ein Mann wäre und umgekehrt gibt es das sicher ebenso.
Wie soll denn also jemand, der ein bestimmtes Geschlecht hat dieses wechseln können wenn die Gedanken ja durch eben dieses determiniert sein sollen.
Oder anders gesagt: Wie kann sich eine Frau dazu entschließen ein Mann zu sein wo es doch auch Männer gibt die sich dazu entschließen Frauen zu sein? Vtl. wird sie ja dann ein Mann der gerne eine Frau sein will :-).
Na wie auch immer: Du bist bisher immer noch die Antwort schuldig was eine Frau bzw. einen Mann ausmacht. Ich kann Dir das nciht sagen, weil ich ja behaupte da gibt es keinen Unterschied (zumindest geistig).
Auf Begrifflichkeiten wie Umwandlung oder Anpassung herumzureiten ändert übrigens an der Sache auch nichts. Wir wissen ja beide was gemeint ist.
Wenn Du von Deiner Umwelt nun als "Mann" war genommen wirst ist das ja nicht verwunderlich, wenn Du wie einer aussiehst. Aber dennoch, sofern das Dein Grund für Deine "Anpassung" war, ist das ja eine gesellschaftliche Angelegenheit.
Angepasst trifft es aber vlt. in dem Sinne, dass Du gegen die durchgesetzte Rollenverteilung in dieser Gesellschaft ja anscheinend nichts einzuwenden hast sondern lieber Dein komplettes Äußeres entsprechend anpasst.
Ich will Dir aber auch nicht zu nahe treten. Wenn Du damit glücklich bist ist es ja OK.
19. August 2011

Ich denke auch, dass ein grosser Teil dieser "im falschen Körper geboren sein"-Gefühle über Umweg von aussen kommen, also von der Gesellschaft ausgelöst werden. Es gibt nunmal Rollenbilder und entsprechende Klischees, und man wird von frühester Kindheit an damit konfrontiert. Wenn das zugewiesene und das empfundene Geschlecht nicht zusammenpassen, dann merkt man das als erstes am Diktat seiner Umwelt.
Jungs spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen, Jungs wollen starke Männer sein, Mädchen Prinzessinnen. Man merkt also zB, ich bin aber ein "Junge" und will mit Puppen spielen - passt nicht, Mädchen spielen mit Puppen - also bin ich wohl eher ein Mädchen.
Dann kommen die körperlichen Indizien dazu: Männer haben Muskeln, Bart, tiefe Stimme, einen Penis.. Frauen haben Brüste, helle Stimmen, eine kurvige Figur.. Viele Mädchen freuen sich darauf, Brüste zu kriegen - aber wenn man stattdessen Bart kriegen möchte, passt das wieder nicht dazu.

Ich kann dein Problem absolut nachvollziehen, Sascha. Es klingt wirklich merkwürdig zu sagen "ich fühle mich wie eine Frau", wenn man gar nicht wissen kann, wie eine Frau sich fühlt. Und im Grunde ist ja jeder Mensch anders, man fühlt sich also eigentlich immer nur wie man selbst. Es ist nicht eine spezielle Art zu denken, die "Mann" oder "Frau" sein ausmacht. Das Ideal, nach dem ein Transidenter strebt, ist eine Mischung aus öffentlichem Klischee und eigener Wahrnehmung: Man möchte so "Frau" sein, wie man sein muss, damit andere einen als "Frau" wahrnehmen und man möchte so sein, dass man sich selbst "richtig" fühlt - an dem gemessen, was man von anderen "Frauen" kennt. Ob man die von der Gesellschaft durchgesetzte Rollenverteilung jetzt gut findet oder nicht: Man ist ihr nunmal tagtäglich ausgesetzt, und muss mit ihr zurechtkommen.

Ich kenne jemanden, der in einem gut bezahlten Bürojob fast verrückt geworden ist, weil er eigentlich seit Kindheit zur Feuerwehr wollte. Irgendwann hat er schliesslich gewechselt, ist anfangs fast krepiert weil er finanziell und körperlich nicht mit der Umstellung mithalten konnte, und lebt jetzt aber glücklich in dem Beruf den er liebt.
Wie fühlen sich Feuerwehrmänner und Büromenschen? Vermutlich nicht sehr unterschiedlich. Aber es ist eben ein definiertes Ziel, nach dem man streben kann, und bei dem man sagen kann "so will ich es" und "so will ich es nicht".
So wie manche Leute Feuerwehrmann werden wollen - und wissen, das ist das richtige für mich, so und nicht anders will ich sein, da gehöre ich hin! - möchten andere Menschen ein anderes Geschlecht haben. Leider ist es einfacher, den langweiligen Bürojob zu kündigen und sich bei der Feuerwehr zu bewerben, als das Geschlecht zu wechseln.. Aber der Drang und das innere Bedürfnis, das ist deswegen nicht weniger stark!


(Manche Beispiele mögen unpassend erscheinen, klischeehaft sein und einfach "blöd" rüberkommen - bitte fasst das nicht als Affront auf, ich schreibe nur wie ich es aus meiner eigenen Position heraus empfinde..)
19. August 2011
@Sascha

Es ist absolut verständlich, dass für Dich solche Begrifflichkeiten keine Rolle spielen. Du musstest um Dein Mannsein nicht kämpfen.
Für mich ist das wichtig. Für viele ist das wichtig. Und wenn Du vielleicht mal einen Blick in die juristische Landschaft wirfst oder Dich je mit Gestzen befassen musst, wirst Du schnell merken, dass eben diese Begriffe wichtig sind. Es ist okay, was Du schreibst, keine Sorge, ich fühle mich davon nicht angegriffen.
Hm, was den Unterschied geistig ausmacht... ist eine interessante Frage. Ich weiß es freilich nicht wirklich. Dennoch will ich mein Gefühl mal so versuchen zu beschreiben: Ich habe mich selbst immer als Junge wahrgenommen. Von klein auf. Und nein, Sascha, ich bin keine Frau, die ein Mann sein will. Ich bin ein Mann, der biologisch weibliche Anlagen hat. Eine mögliche Erklärung ist die chromosomale Entwicklung im Mutterleib.
Desweiteren sind Unterschiede zwischen dem weiblichen und männlichen Gehirn messbar, ergo erwießen.
Es gibt immer Ausnahmen, jedoch haben Klischees auch ihren Ursprung.
Wenn ich ehrlich bin, würde ich mich an Deiner Stelle auch nicht verstehen. Und btw. meine Freundinnen nahmen mich bereits vor meiner Hormontherapie als Mann war... am bloßen Äußerlichen kann's also nicht liegen.
Desweiteren bezweifle ich stark, dass Trans ein gesellschaftsbedingtes Phänomen ist. Trans geht bis in die Anfänge der Geschichte zurück und nein, Transidentität hat nichts mit Travestie zu tun.
Ich weiß nicht, inwiefern Du Dich damit bereits befasst hast... doch jeder der sich mit der Thematik länger beschäftigt, wird früher oder später merken, dass es nichts gibt, das es nicht gibt. Da gibt es Theorien von anerkannten Wissenschaftlern, die Dir das Hirn 'rauspusten würden, wenn Dir schon Transsexualität schief vorkommt. Da schlucke ich manchmal sogar, wenn ich von lesbischen Männern höre und weitaus unbekannteres...
LG
23. August 2011

Also, ich bin vielleicht nicht die "Norm", aber ich empfinde beide Teile (männlich und weiblich) als gleich stark in mir -und ich versuche gar nicht erst, einen Teil zugunsten des anderen zu bekämpfen, sondern schätze beide und halte mich am liebsten in der Mitte auf.

Ich liebe meinen männlichen Körper, finde ihn ästhetisch und fühle mich wohl darin. Aber ich liebe es auch, meine weiblichen Attribute zu forcieren und auszuleben.

Und meine Freundinnen hatten bisher kein Problem damit. Im Gegenteil, für viele war das zwar zuerst ungewohnt, aber durchaus schön, einen Partner zu haben, der zwar "ganz Mann" ist, aber kein Problem damit hat, sich sehr feminin zu geben -und die Psyche einer Frau versteht.

Man muss also nicht in jedem Fall dagegen ankämpfen. Mann kann auch aus beiden Welten das beste ziehen, es auf elegante Weise miteinander kombinieren und verschmelzen, die Vorteile beider Welten geniessen, so das es sogar sehr natürlich wirkt.

Das mag nicht jedem gelingen, je nach seelischem Hintergrund, aber ich schreibe das, weil ich merke, das viele sich unter Druck setzen, entweder ganz Frau oder ganz Mann sein zu "müssen". Warum? Das muss man gar nicht. Wer sich in BEIDEN Welten ausleben kann, hat im Grunde die grösste Freiheit.

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