Unterstützung bei Diplomarbeit: Sexuelles Rollenverhalten

23. Juli 2010

Ich frage mich grade: Wo bekommt ihr bloß Eure Kontrollgruppe her? Also jene, die mit BDSM mal so gar nix am Hut haben ...?
Ohne die wäre so ein Test ja nun wirklich nicht zielführend.

Ein Wust an Fragen, auch unterschiedlich gestellte, kann schon einen Sinn haben. Manchmal sind Fragen einfach nur da um herauszufinden, ob der Befragte flunkert oder nicht ... *zwinker*

Man sollte Wissenschaftler nicht unterschätzen. *ggg*
23. Juli 2010
Kontrollgruppe

@Hanjie:

Wer in der Kontrollgruppe ist entscheidet sich bei der Frage nach den sexuellen Neigungen. Die Versuchsgruppe sind diejenigen, die hier und/ oder Fetisch/ SM angeben. An dieser Stelle haben wir einen Filter entworfen, wobei die Kontrollgruppe Fragen bekommt, die auf die gleichen Dinge abzielen, wo jedoch zumeinst "Sexualität" an Stelle von "sexuelle Neigung/Rolle" steht. Zum Thema "Führungsposition" kann muss man ja z.B. nicht einmal etwas umformulieren:-)

Ich hoffe, dass die Frage damit beantwortet ist;-)... Wenn jemand noch was wissen möchte, einfach schreiben!

LG
23. Juli 2010

Ich habe den Fragebogen auch ausgefüllt. Waren keine Wiederholungen dabei. *g*

Ich wünsche euch Beiden viel Erfolg und bin auf die Ergebnisse gespannt.
15. November 2010
Ergebnisse!

Auch an dieser Stelle...

Hallo Zusammen!

Die Ergebnisse sind endlich da *g*
Anbei ein kurzer Auszug aus unserer Arbeit, der die Ergebnisse zusammenfasst.
Wer gerne über 300 Seiten lesen mag, kann uns einfach eine Mail schreiben

"Sexuelles Rollenverhalten: Untersuchung einer wechselseitigen Beeinflussung der sozial eingenommen und der sexuell ausgelebten Rolle praktizierender Sadomasochisten"
(Karoline Stritzelberger & Christiane Weigand, Neubiberg den 11.11.10)

Abstract

Die folgende Diplomarbeit vermittelt einen tieferen Einblick in die Vielschichtigkeit und die komplizierten Strukturen der SM- Subkultur. Aufgrund geringer empirischer Untersuchungen und vielen Vorurteilen, die auf Halbwissen aufbauen, wird ein Bereich vorgestellt, der bislang kaum Beachtung fand. Es wurde daher eine "Untersuchung einer wechselseitigen Beeinflussung der sozial eingenommenen und der ausgelebten sexuellen Rolle praktizierender Sadomasochisten" durchgeführt, um mögliche Zusammenhänge und Unterschiede aufzudecken. Zudem wurden dispositionale Persönlichkeitsmerkmale erhoben, die eine Vergleichbarkeit zwischen Sadomasochisten und Nicht- Sadomasochisten ermöglichte. Die Interpretation der, mittels Online- Fragebogen und Online- Interviews erhobenen, Daten zeigte, dass sowohl inter- als auch intragruppenspezifische Unterschiede vorherrschen.

Resümee

Aufgrund des Umfangs und der hohen Seitenzahl sollen im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse der "Untersuchung einer wechselseitigen Beeinflussung der sozial eingenommen und der sexuell ausgelebten Rolle praktizierender Sadomasochisten" kurz und bündig dargestellt werden.
Erstens handelt es sich bei der Sexualität des Menschen um ein hochkomplexes, individuelles Konstrukt, das durch gesellschaftsbedingte Werte und Normen beeinflusst wird und so häufig Einschränkungen erfährt. Ebenso wie die Gesellschaft befindet sich auch der Blick auf die Sexualität in einem kontinuierlichen Wandel, weshalb Verschiebungen der gesellschaftlich anerkannten Sexualpraktiken stets möglich sind. Wurden Masturbation, Oralverkehr und Homosexualität lange Zeit als moralisch verwerflich und krankheitswertig eingestuft, so werden sie heutzutage nicht mehr tabuisiert, durch die geltende Rechtslage in Deutschland unterstützt und sollten, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, längst nicht mehr als Krankheit angesehen werden. Die Anpassung und Akzeptanz solcher "wissenschaftlicher Neuerungen" obliegt jedoch jedem Einzelnen.
Zweitens gibt es gerade in den letzten Jahren vermehrt Bemühungen durch einige Wissenschaftler und SM- Organisationen (z.B. BVSM Deutschland), dass BDSM- Handlungen, die dem inklinierenden Sadomasochismus nach Fiedler (2004) entsprechen, als "normale" sexuelle Vorlieben anerkannt werden.
Drittens, da ein besseres Verständnis zu einer zukünftig größeren Akzeptanz von SMlern führen könnte, sind Forschungsergebnisse von Nöten. Zwar wurden bereits einige Studien über SM durchgeführt, eine ausführliche Untersuchung einer "wechselseitigen Beeinflussung der sozial eingenommenen und der ausgelebten sexuellen Rolle praktizierender SMler" hat jedoch bislang nicht stattgefunden.
Viertens lebten die SMler der vorliegenden Untersuchung, die überwiegend in den Neuen Bundesländern aufgewachsen waren, ihre sexuelle Neigung aktiver aus als SMler der Alten Bundesländer.
Fünftens fiel bei der Betrachtung verschiedener Persönlichkeitsmerkmale auf, dass sich SMler und Nicht- SMler in vielen Punkten wahrscheinlich nicht unterscheiden. Allgemein lässt sich jedoch vermuten, dass SMler eine größere Empathiefähigkeit als Nicht- SMler besitzen. In Bezug auf die Einstellung zu Autoritäten in alltäglichen Situationen kann festgestellt werden, dass SMler ein geringeres Bedürfnis nach Führung und eine geringere Obrigkeitshörigkeit als Nicht- SMler an den Tag legen. Bei der Untersuchung des Selbstwerts konnte insgesamt ein hoher Mittelwert verzeichnet werden, jedoch keine
Unterschiede zwischen den sexuellen Neigungen. Zudem waren weder die Versuchs- noch die Kontrollgruppe narzisstisch veranlagt.
Sechstens liegen leichte Unterschiede zwischen den sexuellen Rollen hinsichtlich ihres Dominanzverhaltens oder ihrer Unterwürfigkeit in verschiedenen Interaktionsbereichen vor. Die Unterschiede fielen jedoch entgegen gängiger Klischees, sondern entsprechend der sexuellen Rolle aus, da Doms im Beruf einen größeren Führungswillen als Subs und Switches aufwiesen und zudem zu zwei Dritteln eine Führungsposition einnahmen. Hierdurch scheinen Klischees, wie der Manager, der sich im Privaten sexuell unterordnet, fragwürdig. Zudem können bei Subs, der sexuellen Rolle entsprechend, unterwürfige Tendenzen, einerseits in den nicht sexuellen Bereichen ihrer Beziehung und andererseits in beruflichen Kontexten, festgestellt werden. Die befragten Subs bevorzugten das nicht Einnehmen einer Führungsposition im Beruf und legten beruflich einen geringeren Führungswillen als Doms an den Tag. Die Switches liegen in ihren Ausprägungen, bei fast allen untersuchten Merkmalen, zwischen den Gegenpolen der Doms und Subs. Sowohl im familiären Umfeld als auch im Freundes- und Bekanntenkreis lassen sich kaum Unterschiede des Dominanzstrebens ausmachen. Bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten scheint Doms die Selbstbestimmtheit und der Dominanzanspruch wichtiger zu sein als Subs und Switches.
Siebtens kann somit von einer wechselseitigen Beeinflussung der sozial eingenommenen und der ausgelebten sexuellen Rolle bei SMlern gesprochen werden, auch wenn diese in verschiedenen Bereichen unterschiedlich stark ausfällt.
Achtens sollten weitere Überprüfungen zur Repräsentativität dieser Ergebnisse erfolgen, wobei die Fragen spezifiziert werden müssten. Es scheint sinnvoll, sich auf einen bestimmten Bereich zu beschränken, der somit intensiver beleuchtet werden könnte und hierzu auch qualitative Interviews zur Vertiefung heranzuziehen.
Neuntens soll erneut den Menschen gedankt werden, die Teil der Untersuchung waren oder uns anderweitig unterstützt haben. Es wurde sich im Zuge der Arbeit stets bemüht, eine neutrale Sicht auf die Thematik zu wahren und keine generalisierenden Schlüsse zu ziehen.
Zehntens: Was kann nun aus dieser Arbeit gefolgert werden? "SMer sind doch auch ganz normale Menschen, nur eben ein bisschen anders." (Online- Interview 1 D.: 80/ 81).

Nochmal vielen Dank und alles Gute!
Liebe Grüße,
Karo & Chrissy
15. November 2010

*spitze* dankeschön *blumenschenk*

also im westen nix neues - und im osten auch nicht *g*
dafür aber für viele sicher eine vortreffliche grundlage zur klischeemanifestierung *zwinker*




(*motz* auch in eine zusammenfassung gehört ein minimum an zahlenmaterial)
15. November 2010
Vielen Dank

und Glückwunsch zu der fertigen Arbeit.

Ich würde mich auch über einige zahlenmäßige Vergleiche freuen.

LG
Peny
17. November 2010

Sechstens liegen leichte Unterschiede zwischen den sexuellen Rollen hinsichtlich ihres Dominanzverhaltens oder ihrer Unterwürfigkeit in verschiedenen Interaktionsbereichen vor. Die Unterschiede fielen jedoch entgegen gängiger Klischees, sondern entsprechend der sexuellen Rolle aus, da Doms im Beruf einen größeren Führungswillen als Subs und Switches aufwiesen und zudem zu zwei Dritteln eine Führungsposition einnahmen. Hierdurch scheinen Klischees, wie der Manager, der sich im Privaten sexuell unterordnet, fragwürdig. Zudem können bei Subs, der sexuellen Rolle entsprechend, unterwürfige Tendenzen, einerseits in den nicht sexuellen Bereichen ihrer Beziehung und andererseits in beruflichen Kontexten, festgestellt werden. Die befragten Subs bevorzugten das nicht Einnehmen einer Führungsposition im Beruf und legten beruflich einen geringeren Führungswillen als Doms an den Tag. Die Switches liegen in ihren Ausprägungen, bei fast allen untersuchten Merkmalen, zwischen den Gegenpolen der Doms und Subs. Sowohl im familiären Umfeld als auch im Freundes- und Bekanntenkreis lassen sich kaum Unterschiede des Dominanzstrebens ausmachen. Bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten scheint Doms die Selbstbestimmtheit und der Dominanzanspruch wichtiger zu sein als Subs und Switches.

In Unkenntnis des Fragebogens:
Ist dabei eigentlich berücksichtigt, daß DS nur einen Teil von BDSM ausmacht?

Das Klischee von Manager als Sub entstand mW vor allem daraus, daß der Blick der Öffentlichkeit auf BDSM früher eher von professionellen Studios bestimmt war und die Zusammensetzung der dortige Kundschaft nicht zuletzt von ihren finanziellen Möglichkeiten abhing.
Davon abgesehen natürlich, daß es - ernsthaft genug vorgetragen - genauso einleuchtend zu klingen scheint wie das pure Gegenteil. *zwinker*
17. November 2010

Das Klischee von Manager als Sub entstand mW vor allem daraus, daß der Blick der Öffentlichkeit auf BDSM früher eher von professionellen Studios bestimmt war und die Zusammensetzung der dortige Kundschaft nicht zuletzt von ihren finanziellen Möglichkeiten abhing.

Das Klischee von Manager als Sub …“ – Vielleicht ist die Ursache auch schlichterer Natur.

In unseren Breiten hegt und pflegt der gemeine neidische Buckelbürger immer gern alle Klischees, die Menschen, die mehr darstellen oder erreicht haben als er, auf ein für ihn erträgliches Maß herunterstutzen. – Oder anders gesagt, schon in der Schule wurde der Klassenprimus gern per übler Nachrede beworfen, um das eigene Wohlbefinden nebst Selbstwert wieder ins Lot zu bringen.
17. November 2010
@vanBruns

Stellt sich die Frage, ob SM heutzutage noch geeignet ist, um als üble Nachrede zu taugen.
17. November 2010

In dieser Größenordnung möglicherweise als Grund denkbar. Es geht ja, wenn ich vanBruns richtig verstehe, weniger darum, dem anderen aktiv eins auszuwischen, sondern um die befriedigende Kompensierung eigener "Minuspunkte" durch welche bei anderen Personen: Wer bessere Noten in Mathe hat, ist dann vielleicht eine Niete im Sport. Wer in der Firma kommandiert, steht möglicherweise anderswo unterm Pantoffel usw.

Und von Fall zu Fall ist es auch darüber hinaus so, daß Leute solche Vorlieben eher nicht zum Thema am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft gemacht sehen möchten. Ja, heutzutage immer noch.
17. November 2010
@Nirgal

Gut, da ist was dran. Ich geh halt immer davon aus, dass es wohl kaum jemanden interessieren wird, wie man es nun treibt. Ich möchte ja auch nicht wissen, wie es meine Nachbarn, Kollegen oder sonstwer treibt... aber gut, sowas kann natürlich für Tratsch sorgen, mit dem man dann auch wieder umgehen können muss...
17. November 2010

Wenn es nur der Tratsch ist, solange bis irgendetwas anderes Gesprächsthema in der Kantine wird, geht es ja noch.
Aber je nach Beruf mag dann schon die Angst dabei sein, daß jemand die Frage stellen könnte, ob man aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur als XY geeignet ist, wenn man "es geil findet, Frauen zu schlagen" oder andersherum "eigentlich gerne als Wurm behandelt wird". Und wenn ich mir die regelmäßigen Fragen hier im JC anschaue, ob irgendwelche Kleinigkeiten (auch außerhalb von BDSM) "noch normale Phantasien" sind, ist mein Zutrauen in das durchschnittliche Verständnis meiner Mitmenschen recht gering. Erst recht, wenn sowieso ein plausibler Mobbinggrund gesucht werden soll.
Was nicht gleichbedeutend mit dem Ratschlag sein soll, bloß keine Spuren zu hinterlassen oder Anhaltspunkte zu bieten.
19. November 2010

Die Unterschiede fielen jedoch entgegen gängiger Klischees, sondern entsprechend der sexuellen Rolle aus, da Doms im Beruf einen größeren Führungswillen als Subs und Switches aufwiesen und zudem zu zwei Dritteln eine Führungsposition einnahmen.

Das habe ich doch schon immer gewusst, dass das alles Quark oder ein Wunschtraum ist - die alltagsdominante devote Frau oder die Domse, die in der SZ oder sonst wo auf der Suche nach alltagsdominanten Subbies ist.
Und wie schaut es nun bei den Sadisten aus ? Sind das auch in der Mehrzahl Alltagssadisten ?

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