![]() | 03. April 2010 Die Grenze zwischen Hingabe und Selbstaufgabe? Seit langem beschäftigt mich nun schon dieses Thema,leider mangelt es mir teilweise immer noch an den richtigen Worten.Dennoch versuchen ich jetzt zu beschreiben was ich meine.Ich hoffe das es halbwegs verständlich ist. Es wird soviel von Hingabe,Selbstlosigkeit und Unterwerfung an den dominanten Part gesprochen.Nun interessiert mich aber wo denn da für euch genau die Grenze ist zwischen der wirklichen Selbstaufgabe um seinetwillen und der Hingabe an ihn? Was bedeutet euch der Begriff "Hingabe",was versteht ihr darunter? Für mich selbst steht der Begriff nur zusammen mit dem echten und 100% Vertrauen in meinen Herrn.Wird dieses Vertrauen nur durch eine Kleinigkeit erschüttert hat das auch direkte Auswirkungen auf meine Hingabefähigkeit. Mich ihm hinzugeben hat für mich mehrere Bedeutungen.Angefangen mit dem Zulassen und Aufgeben meiner negativen Erfahrungen der Vergangenheit,also ihm den Teil von mir zu offenbaren den ich keinem anderen Menschen ausser mir selbst jemals zugänglich machen wollte. Weiterhin ihm so zu Willen zu sein,das meine Bedürfnisse nachrangig sind und ich ihm aus mir selbst-aus meinem eigenen Wunsch und Verlangen heraus diene...also selbstlos und in erster Linie um sein Wohlergehen bemüht. Die einzelnen Handlungen können vielfältiger Natur sein und haben nur das eine Ziel ihn glücklich zu machen und daraus selbst das Gefühl der Zufriedenheit zu erfahren.Hingabe erfolgt für mich stets freiwillig und ohne Zwang und aus dem Gefühl heraus ihm zu gehören.Erst dann kann ich mich hingeben. Und da fängt das Fragezeichen in meinem Kopf an.Wo ist die Grenze dabei.Wann ist es nicht mehr nur Hingabe sondern schon Selbstaufgabe wegen eines anderen Menschen. Ich selbst würde sagen an dem Punkt an dem ich bemerke das ich mich nicht mehr erfüllt dabei fühle,das es mir nicht mehr gut dabei geht. Da ich aber bemerkt habe das manchmal das eigene Empfinden getrübt sein kann durch die tiefen Gefühle denen man in einer D/s Beziehung unterworfen ist,kann auch das trügerisch sein und man merkt manchmal erst spät das man einem Irrtum aufgesessen ist. Meine Fragen nun dazu.Was versteht ein dom.Mensch unter Hingabe,wie zeigt sie sich für ihn und was versteht eine devote Person darunter?Und wo ist nun die Unterscheidung zwischen Hingabe und Selbstaufgabe? Wo ist eure Grenze um euch nicht selbst zu verlieren? VG Arion |
![]() | 04. April 2010 lesetipps zwar schon etwas älter - aber sehr wertvoll Hingabe. Eine Annäherung an einen Begriff? und: Eine Dom-Sub Beziehung bis zum Identitätsverlust?
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![]() | 04. April 2010 Kurz und bündig Hin-Gabe ist das, was DU schenkst! |
![]() | 04. April 2010 Zusatz ...zu schenken bereit bist |
![]() | 04. April 2010 Ich habe mal eine sehr schöne Definition gelesen, nach der Hingabe aus Selbstverleugnung, Geduld, Sich-selbst-zurückstellen, Disziplin und Belastbarkeit besteht. Für mich gilt das, aber nur während einer Session (ich bin kein großer Anhänger von 24/7, obwohl ich fast immer bereit bin, vom 'normalen', gleichberechtigten Leben mit meiner Partnerin in das Dom-Sub Verhältnis zu wechseln). Selbstaufgabe fängt für mich dann, wenn Sub ihre eine Persönlichkeit aufgibt und ihr hauptsächlicher und alles bestimmender Lebensinhalt darin besteht, sich ihrem Dom zu unterwerfen. |
![]() | 04. April 2010 Gaben Sich hingeben kann man wollen. Sich aufgeben zu wollen ist schon schwieriger. Genau genommen geht das nur durch Selstmord. In der Regel wird sich niemand selbst aufgeben wollen, sondern die Selbstaufgabe geschieht mit ihm. Selbstaufgabe ist eigentlich nur ein Wort, um zu beschreiben, dass jemand seine eigenen Bedürfnisse nicht ernst genommen hat. Er hat seine Bedürfnisse zugunsten denjenigen eines anderen Menschen unterdrückt, und er tat das schätzungsweise aus Angst, dass der andere ihm seine Zuneigung und Aufmerksamkeit entziehen könnte. Die Grenze zwischen Hingabe und Selbstaufgabe ist natürlich nicht allgemein und theoretisch zu ziehen, denn die Bedürfnisse von uns Menschen sind ja höchst unterschiedlich, und jeder von uns hat auch seine eigenen Selbsttäuschungstricks, seine eigenen Bedürfnisse nicht Ernst zu nehmen. Strebt man selbst nach Bewusstheit, kann die Frage "Fühlt es sich gut an?" ein guter Leitfaden sein. Dennoch wäre es zu einfach.zu sagen, sobald es sich nicht mehr gut anfühlt, ist aus Hingabe Selbstaufgabe geworden. Denn Millionen Menschen tun täglich Dinge, die, genau betrachtet, sich für sie nicht gut anfühlen, und dennoch würden sie es nicht akzeptieren, würde man ihnen sagen, sie hätten sich selbst aufgegeben. Man nimmt etwas Unangenehmes in Kauf, weil man dafür vom anderen etwas bekommt, was einem mehr Lust verschafft als die Unlust, die das Unangenehme auslöst. Insofern könnte man weiter fragen: an welchem Punkt wird dieses "Es fühlt sich nicht gut an!" destruktiv? In einem der beiden von @schlagfertig angegebenen Threads wird von "Identitätsverlust" gesprochen und von "Hörigkeit", beides Worte, die im heutigen Denken negativ belegt sind. Doch auch diese Frage läßt sich nicht allgemeingültig beantworten, denn wer wüsste schon mit Sicherheit zu sagen, wann die Hingabe eines anderen an seinen geliebten Partner für ihn zerstörerisch wird? Es ist alles eine Frage des Massstabs. Letztlich kann jeder, der sich hingibt, nur versuchen, sich immer wieder und immer wieder neu bewusste Klarheit über sein eigenes Verhalten zu schaffen: "Bin ich mir im Klaren darüber, was ich gerade tue? Weiss ich, welche meiner Bedürfnisse ich zugunsten denjenigen meines Geliebten in mir unterdrücke? Frisst diese Unterdrückung an meiner Seele oder fühle ich mich wohl dabei, weil ich so viel Unschätzbares dafür zurückbekomme? Gebe ich mich hin für eine Hoffnung, also für etwas in der Zukunft, was ich jetzt noch gar nicht bekomme? Und wenn ich es je nicht bekäme, würde ich dann immer noch mit meiner gegenwärtigen Hingabe, im Nachhinein, klar kommen? Gebe ich mich freiwillig hin oder fordert der andere meine Hingabe ein? Kann ich meine Hingabe mit dem Bild, das ich von mir habe, vereinbaren? Treffen mich die blöden Bemerkungen meiner Freundinnen? Bin ich darauf vorbereitet, dass es mir im Augenblick leicht fällt, meine Bedürfnisse hintan zu stellen, aber dass das in einem halben Jahr vielleicht wieder ganz anders sein kann?" Du schreibst: "Da ich aber bemerkt habe das manchmal das eigene Empfinden getrübt sein kann durch die tiefen Gefühle denen man in einer D/s Beziehung unterworfen ist,kann auch das trügerisch sein und man merkt manchmal erst spät das man einem Irrtum aufgesessen ist." Durch die "tiefen Gefühle" kann man glauben, etwas fühle sich gut an, obwohl es gar nicht mehr gut ist. Das hat nichts mit dom/dev zu tun, das liegt in der Natur der menschlichen Psyche. Wir machen uns etwas "vor". Wir glauben, uns ginge es gut mit etwas, und später müssen wir erkennen, dass es nicht gut für uns war. Zumindest denken wir das dann im Nachhinein. Doch zu dem Zeitpunkt, als wir die "tiefen Gefühle" hatten, hat es sich ja noch gut angefühlt. Dass wir uns immer wieder selbst täuschen, gehört zu den elementaren Erfahrungen des Lebens. Uns davor bewahren zu wollen, uns zu täuschen, ginge nur so, dass wir uns auf nichts mehr einlassen. Leider nehmen wir uns damit gleichzeitig die Chance zu den "tiefen Gefühlen", und die machen das Leben ja erst lebenswert. stephensson art_of_pain |
![]() | 04. April 2010 Ich danke euch für eure Beiträge und besonders art_of_pain hat sehr gut das erklären können,was mir ähnlich durch den Kopf ging. Durch die "tiefen Gefühle" kann man glauben, etwas fühle sich gut an, obwohl es gar nicht mehr gut ist. Das hat nichts mit dom/dev zu tun, das liegt in der Natur der menschlichen Psyche. Wir machen uns etwas "vor". Wir glauben, uns ginge es gut mit etwas, und später müssen wir erkennen, dass es nicht gut für uns war. Zumindest denken wir das dann im Nachhinein. Doch zu dem Zeitpunkt, als wir die "tiefen Gefühle" hatten, hat es sich ja noch gut angefühlt. Genau deshalb finde ich es so enorm schwierig zu wissen,wann etwas nicht mehr wirklich "gut" ist.Wie kann ich das in einer Situation entscheiden,in der mir ja gar nicht so bewusst ist das es eigentlich nicht mehr gut ist.Wie du schon sagst glaube ich auch das einem da die eigenen Wünsche und Sehnsüchte enorme Streiche spielen können. Ich glaube gefährlich wird es an dem Punkt an dem wir dieser Selbsttäuschung weiter erliegen und immer mehr Dinge zulassen obwohl wir vielleicht doch ganz tief innen verspüren das es nicht mehr richtig sein kann und wenn wir dann dieses Gefühl mißachten. Wenn man Mike_S Definition folgt wäre das auch der Fall wenn es zum alles bestimmenden Lebenszweck wird.Ich hoffe,ich habe ihn jetzt nicht falsch verstanden? Aber gibt es denn nicht auch Menschen,die gerade darin ihre Hingabe leben.Sich ununterbrochen und freiwillig seinem Willen zu beugen,weil sie es einfach als ihre Bestimmung ansehen?Wäre das schon ungesunde Hörigkeit oder einfach nur das Ausleben einer tiefen inneren Sehnsucht? Und bedeutet Hingabe nicht auch wirklich ein Stück Hörigkeit einer Person gegenüber,wobei ich diesen Begriff mittlerweile nicht mehr nur negativ belege.Für mich bedeutet es eben auch mich seinem Willen unterzuordnen und genau genommen könnte man das ja schon als Hörigkeit bezeichnen.Ich denke da scheiden sich die Geister. Identitätsverlust bringe ich dagegen nicht mit Hingabe in Verbindung,da ich mir ja gerade in meiner Hingabe an ihn meiner Identität mehr als bewusst bin,ich lebe das aus was ich normalerweise aus gesellschaftlichen Zwängen unterdrücken muss. LG Arion |
![]() | 04. April 2010 Der Übergang/die Grenze von Hingabe zu Selbstaufgabe/ Hörigkeit ist oft fliessend und wird einem selber oft garnicht bewusst. In meinen Augen und so wie ich es gelebt und erlebt habe..ist Hingabe etwas sehr Erfüllendes,was mich glücklich und zufrieden macht..aber Hörigkeit lässt mich verzweifeln und zerstört einen...hat nur etwas Destruktives. Hingabe und Demut,die aus einem selber kommt, erfordert sehr viel Stärke und Selbstbeswusstsein und auch den Mut und die Stärke zu haben sich aus einer Situation zu lösen,wenn sie einem nicht mehr gut tut... Hingabe heisst für mich ..mich freiwillig jemanden unterzuordnen und ihm dienen zu dürfen..seine Wünsche über meine zu stellen...aber dies alles mit einem Lächeln und Freude.. Selbstaufgabe/Hörigkeit hat für mich nichts freiwilliges mehr..es ist ein zerstörerisches Verhalten und führt nur in ein Tal von Tränen und Trauer.... |
![]() | 04. April 2010 Wenn man Mike_S Definition folgt wäre das auch der Fall wenn es zum alles bestimmenden Lebenszweck wird.Ich hoffe,ich habe ihn jetzt nicht falsch verstanden? Da hast du mich richtig verstanden. Identitätsverlust bringe ich dagegen nicht mit Hingabe in Verbindung,da ich mir ja gerade in meiner Hingabe an ihn meiner Identität mehr als bewusst bin,ich lebe das aus was ich normalerweise aus gesellschaftlichen Zwängen unterdrücken muss. Ich denke, da ist irgendwo die Grenze. Solange du dir bewusst bist, dass du dort etwas auslebst, solange du es freiwillig tust und solange du jederzeit in der Lage bist, damit aufzuhören, wenn du willst, ist alles o. K.. |
![]() | 04. April 2010 @TE Wird dieses Vertrauen nur durch eine Kleinigkeit erschüttert hat das auch direkte Auswirkungen auf meine Hingabefähigkeit. Das ist der Widerspruch in sich. Wenn du dich wirklich hingeben würdest, könnte dein Vertrauen gar nicht erschüttert werden. Hingabe ist Selbstverwirklichung. Hingabe braucht keine Rationalisierung. Sie existiert aus sich selbst heraus. Und wo ist nun die Unterscheidung zwischen Hingabe und Selbstaufgabe? Es ist das Gegenteil. Wenn du dich selbst aufgibst, ist da keine Selbstverwirklichung mehr. Und damit auch keine Hingabe. |
![]() | 04. April 2010 Das ist der Widerspruch in sich. Wenn du dich wirklich hingeben würdest, könnte dein Vertrauen gar nicht erschüttert werden. Im Gegensatz zu dir sehe ich da keinen Widerspruch,da ich mich über meinen Kopf,meinen Geist und mein Herz hingebe...und das jeden Tag auf`s neue,jeden Tag wieder freiwillig und aus vollem Bewusstsein heraus...Bedeutet Hingabe nach deinem Ermessen nicht mehr auf einen Vertrauensbruch zu reagieren und den Verstand aussen vorzulassen? Es ist das Gegenteil. Wenn du dich selbst aufgibst, ist da keine Selbstverwirklichung mehr. Und damit auch keine Hingabe. Also dient Hingabe der Selbstverwirklichung? |
![]() | 04. April 2010 Arionrhod Bedeutet Hingabe nach deinem Ermessen nicht mehr auf einen Vertrauensbruch zu reagieren und den Verstand aussen vorzulassen? Eher mich zu fragen, wieso ich etwas als Vertrauensbruch interpretiere. Wenn ich mich hingebe, KANN Vertrauen gar nicht gebrochen werden. Du kannst natürlich bestimmte Handlungen von ihm als Vertrauensbruch werten. Aber das heißt ja nicht, dass es einer ist. Also ist das mit dem Verstand so eine Sache. Wie du sagst: Besser vor die Tür schicken. Also dient Hingabe der Selbstverwirklichung? Für mich schon...ja. |
![]() | 05. April 2010 Eher mich zu fragen, wieso ich etwas als Vertrauensbruch interpretiere. Wenn ich mich hingebe, KANN Vertrauen gar nicht gebrochen werden. Ich denke eher wenn ich mich einer Sache hingebe,einer Aufgabe dann kann Vertrauen nicht gebrochen werden.Wenn ich mich einem Menschen hingebe sehr wohl.denn Menschen sind fehlbar...das sind wir alle und das haben (zumindest die meisten)schon erfahren. Daher spielt meiner Ansicht nach auch das Unterbewusstsein eine Rolle,in der diese Erfahrungen abgespeichert sind.Hingabe erfordert meiner Ansicht nach auch viel Hinterfragen und das würde mein Herr auch immer wieder von mir erwarten. Liesse ich dieses Hinterfragen nun aussen vor und würde mich nur noch auf ihn verlassen,das alles richtig ist was er macht,wäre das in seinen und in meinen Augen Selbstaufgabe und ich würde mich nicht mehr über meinen Kopf,meinen Geist heraus für meine Hingabe an ihn entscheiden. |
![]() | 05. April 2010 @Arion Liesse ich dieses Hinterfragen nun aussen vor und würde mich nur noch auf ihn verlassen,das alles richtig ist was er macht,wäre das in seinen und in meinen Augen Selbstaufgabe Wenn du/er das so sieht, ist das ok. Ich seh´es anders. Wenn du bei der Hingabe ständig irgendwelche Risiken abcheckst, ist es für mich keine Hingabe. Aber jeder so wie er will. |
![]() | 05. April 2010 Meinem Dom vertraue ich in dem Punkt in höchstem Masse und daher kann ich mich heute wieder so hingeben,wobei ich es dennoch sehr fürsorglich von ihm finde,das er darauf achtet,das ich mich eben immer mit meinem Kopf auf`s neue entscheide-auch immer wieder hinterfrage. Dennoch habe ich auch die andere Seite kennengelernt. Aber ich denke das wäre dir jetzt zu hoch und würde dir meine Sichtweise auch nicht näherbringen,wobei ich deine eben dadurch durchaus nachvollziehen kann. Ich wünsche dir von Herzen das dein Vertrauen nie erschüttert wird,denn wenn man sich so für einen Menschen aufgibt,sollte man sich seiner mehr als sicher sein. |
