![]() | 27. März 2010 Polyamorie, was ist das eigentlich II Polyamorie - was ist das eigentlich? hat seine maximale Länge, vielleicht aber noch nicht das Ende der Diskussion erreicht. Wir hängen bei " Gehört zu Polyamorie der Wille, so zu leben?" Tatsächlich frage ich mich, ob es wirklich ein Wille ist (ich halte es für möglich) oder letztlich doch Veranlagung. Wenn der Drang nach Polybeziehungs-Strukturen stark da ist, ist es dann willentlich so? Ich meine, ich kenne Polys, die wären ganz gerne mono - weil es leichter wäre. Sie lieben aber nunmal so. Ich halte auch die These, daß es keine Unterschiede in der Intensität sind, nur in der Form. So wie ein homosexueller Mann halt einen Mann liebt und nicht eine Frau - aber das hat ja mit der Intensität nichts zu tun. |
![]() | 28. März 2010 Der Wille? Ich würde es nicht als Wille bezeichnen, sondern als Offenheit dafür. Jeder von uns kann sich allem gegenüber verschließen oder öffnen. Und so kann man auch lernen, aufkommende Verliebtheitsgefühle gleich im Keim zu ersticken (so wie z. B. Shyila oder Lady Business es vermutlich tun würde, wenn ich beide richtig verstanden habe) - oder man kann dafür offen sein und alles, was da kommt, einfach mal zulassen, um zu sehen, was mit einem passiert. Die Entscheidung für oder gegen Offenheit für polyamores Fühlen muss jeder für sich selbst treffen. Wer das nicht will, muss es ja nicht. Mich beschäftigt eher die Frage, wie alle, die offenbar von ihren Gefühlen überflutet werden, so sicher sein können, dass gerade ihnen nicht auch mal passiert, dass sie plötzlich für zwei Menschen Liebe empfinden. Ich könnte dafür niemals garantieren - und schon gleich zweimal nicht, wenn ich mich meinen Gefühlen angeblich angeblich hilflos erliege und innerlich sie auch nicht loslassen kann. Müssen sie dann nicht auf einmal eben doch gegen ihre eigenen Gefühle ankämpfen, um keine zweite Liebe zuzulassen? Was, wenn es einfach mal geschieht? Wie geht Ihr damit um? Und könnt Ihr dann auf einmal wirklich die anscheinend völlig unkontrollierberen Gefühle sogar abstellen wie einen Fernseher? (Übrigens bin ich nicht der Meinung, dass man Gefühle kontrollieren kann, aber ich bin der Meinung, man kann auf verschiedene Arten mit ihnen umgehen und lernen, sich nicht von jedem Gefühl sofort total ergreifen zu lassen. Würden wir das nicht können, gäbe es wohl weit mehr Mord und Totschlag etc. in dieser Welt ...) (Der Antaghar) |
![]() | 28. März 2010 @Antaghar Mit Gefühlen umgehen, sie zu steuern und zu lenken, sozusagen keine extremen Reaktionen zulassen, die möglicherweise Schaden anrichten würden. Das verstehe ich unter Kontrolle. Emotionen sind gut und wichtig, aber sie können auch zu heftigen Überreaktionen führen. Gerade in der Liebe, oder im Hass, bei Eifersucht und Zorn. Und deshalb meine ich, dass wir einen Verstand besitzen und das Wort Vernunft kennen. Und es wäre fatal, wenn wir den Verstand nicht nutzen. Herz und Gefühl, aber eben auch Verstand und Vernunft. Sonst wären Beziehungen, ob Mono oder Poly sehr schwierig zu führen. Wir kennen doch genug Beispiele, wie negativ es sein kann, die Kontrolle völlig zu verlieren. Ich behaupte ja nicht, dass alles 100% unter Kontrolle sein muss. Aber zumindest soweit, dass keine extremen Situationen und schädliche Reaktionen eintstehen. lg Ralf |
![]() | 28. März 2010 @Antaghar Und so kann man auch lernen, aufkommende Verliebtheitsgefühle gleich im Keim zu ersticken (so wie z. B. Shyila oder Lady Business es vermutlich tun würde, wenn ich beide richtig verstanden habe) Sorry...für mich muss ich sagen, hast du das falsch verstanden. Ich wollte nicht sagen, dass ich mich für eine neue Liebe absichtlich verschließe. Für mich ist es einfach nur nicht MÖGLICH. Natürlich ist das rein subjektiv und es besteht eine theoretische Chance das mir das passiert. Aber in meiner jetzigen Situation halte ich das für ausgeschlosssen. Ich hatte ja auch geschrieben, dass ich noch 2 Männer kenne, die in mich verliebt sind (sagen sie zumindest). Ich kann mit denen Lachen, rumalbern und auch geilen Sex haben, aber ich würde niemals sagen das ich die liebe. Ich SPÜRE das dies nicht geht. |
![]() | 29. März 2010 @antagher ich frage mich ob es nicht müssig ist mit shylla oder sonst einem menschen über theoretische szenarien zu diskutieren, weil wir doch meist erst wenn wir uns in einer situation befinden wissen wie wir wirklich reagieren und auch das kann von mal zu mal wechseln. ich habe bei den ersten malen in denen ich in mehr als eine person zeitgleich verliebt war auch zu sortieren versucht, hier trennen und da annähern... hätte jemand mit mir beim ersten mal über polyamory geredet, dann weiß ich nicht ob ich es verstanden hätte und noch viel weniger ob ich es hätte für mich annehmen und leben können. und irgendwann war doch alles anders. @shylla soweit ich deine letzten beiträge verstehe schließt du lediglich für dich selbst aus mehr als einen menschen zu lieben. aber du hast keine einwände dagegen wenn es andere so leben, oder? bist du der meinung, dass jemand, der zwei menschen auf einmal lieben kann nicht mit derselben intensität liebt wie jemand der nur einen menschen lieben kann/ will? das wollte ich dich schon im letzten thread fragen... alles liebe, venuskind |
![]() | 29. März 2010 @ venuskind Im Prinzip hast Du natürlich recht. Ich kann ja auch einen Blinden nicht fragen, was wohl wäre, würde er auf einmal Farben sehen. Oder einen Tauben, ob er es rein theoretisch für möglich hält, mal Beethoven zu hören. Oder wie kann ich jemanden fragen, wie er sich fühlen könnte, würde er meditieren .... Aber da ich Shyila hier bisher als intellektuell fähig und flexibel einschätze, dachte ich, man könnte ja mal fragen, warum sie es für "nicht möglich" hält. Ich z. B. würde niemals etwas ausschließen, nicht mal, dass ich irgendwann mal etwas tue, das mir momentan unvorstellbar ist. Wie kann jemand, der auch noch behauptet, weitgehend von Gefühlen beherrscht zu werden, auf einmal bestimmte Gefühle einfach für sich selbst für unmöglich halten? Was gibt ihr diese "Sicherheit" und Bestimmtheit? Dieses kategorische Ausschließen erscheint mir wie: "Ich will das einfach nicht!" - aber es scheint ja etwas anderes zu sein. Und dem würde ich gerne, um es besser zu verstehen, auf die Spur kommen. (Der Antaghar) |
![]() | 29. März 2010 bist du der meinung, dass jemand, der zwei menschen auf einmal lieben kann nicht mit derselben intensität liebt wie jemand der nur einen menschen lieben kann/ will? Die Frage ist unbeantwortbar, da es niemanden gibt, der in anderer Leute Kopf gucken kann. Für sich selbst kann man diese Frage schon eher beantworten... |
![]() | 29. März 2010 @venuskind bist du der meinung, dass jemand, der zwei menschen auf einmal lieben kann nicht mit derselben intensität liebt wie jemand der nur einen menschen lieben kann/ will? Richtig. Genauso sehe ich das. Und gehe dabei von mir aus. Das kann ja falsch sein, aber ich glaube das es so ist. Letzlich lässt sich das nie klären, weil man die Intensität der Liebe ja nicht messen kann. Meine Meinung beruht auf rein intuitive Gefühle meinerseits. |
![]() | 29. März 2010 "Gehört zu Polyamorie der Wille, so zu leben?" Bei und definitiv gehörte der Wille nicht dazu, nicht am Anfang. Auch den die Sichtweise einer genetischen Polyveranlagung kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Ich denke Polyamorie entsteht immer aus einer Situation heraus, aus der Notwendigkeit einer Entscheidung. Wir schreiben die ganze Zeit über individuelle Gefühle und eine individuelle Kontrolle von Emotionen. Was jedoch bisher außer acht gelassen wurde, sind die Konsequenzen dieser Gefühle und des Verstandes. Jedes Gefühl und jede Entscheidung ist eine Reaktion auf eine bestimmte Situation und eine Frau die sich nicht zu mehreren Männern gleichzeitig hingezogen fühlt, die braucht nun mal keine Entscheidung für oder gegen Polyamorie zu treffen. Nach meinem Empfinden ist die gezielte Suche nach einer polyamorösen Partnerschaft, kein wirklich sinnvolles Anliegen, da Beziehungen aus anderen Gründen aufgebaut werden sollten, als auf einer bevorzugten Beziehungsstruktur. So ist dann auch Polyamorie einfach eine Entscheidung, die einigen Menschen als Alternative in einer sehr häufigen auftretenden Situation. Fast alle Frauen die ich kennen gelernt habe, standen schon einmal an dem Punkt sich zwischen zwei Partnern entscheiden zu müssen. Alleine diese Situation ist schon polyamorös, auch wenn dieses so nicht erkannt und als alltäglich abgetan wird. Viele Menschen treffen an diesem Punkt die "normale" Wahl zwischen dem einen oder dem anderen, oder man trennt sich komplett. Polys haben an diesem Punkt, entweder nicht die Kraft sich zu entscheiden und sehen ein Zusammenleben als "vernünftiger" an, oder sie besitzen die Kraft sich direkt für eine Liebe x+1 zu entscheiden. Bei uns war es das sich nicht entscheiden Können in der Katastrophe, das Eingeständnis, dass jede Wahl zwischen dem Einen oder dem Anderen eine falsche Wahl wäre. LG Brian |
![]() | 29. März 2010 Respekt Ich bin ja bei 99% von Brians Postings versucht meinen Laptop in die Ecke zu feuern oder einfach den Kopf zu schütteln. Dieses Mal hast du allerdings wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen. Frage an die Mods: Können wir Brians Posting sticky machen und uns den 200sten Thread zu Poly sparen? |
![]() | 29. März 2010 @Antaghar Aber da ich Shyila hier bisher als intellektuell fähig und flexibel einschätze, dachte ich, man könnte ja mal fragen, warum sie es für "nicht möglich" hält. Ich z. B. würde niemals etwas ausschließen, nicht mal, dass ich irgendwann mal etwas tue, das mir momentan unvorstellbar ist. Wie kann jemand, der auch noch behauptet, weitgehend von Gefühlen beherrscht zu werden, auf einmal bestimmte Gefühle einfach für sich selbst für unmöglich halten? Was gibt ihr diese "Sicherheit" und Bestimmtheit? Das ist natürlich nicht leicht zu beantworten. Was gibt mir diese Sicherheit? Meine spontane Antwort ist erst mal: Meine Liebe. Die gibt mir die Sicherheit das sie einzigartig und unteilbar ist. Und schwupps...beißt sich die Katze in den Schwanz. Ich versuche mal was anderes: Ich habe bis jetzt mehrere Männer "geliebt". Ich weiß also wie sich das anfühlt. Ich kann also vergleichen. Wenn ich meine erste Liebe mit der 2. vergleiche, komme ich schon zu dem Schluss, dass die 1. keine Liebe war, obwohl ich das damals geglaubt habe. Die Vergleiche beruhen natürlich auf meinem inneren Erleben von Gefühlen. Aber auch im Verhalten. Was bin ich bereit für den Mann zu tun, wie selbstlos kann ich mich verhalten usw... Das heißt, für den 2. tat ich viel mehr als für den 1. Auch der Sex war intensiver, ich war mehr bereit mich fallen zu lassen. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich sage, dass ich vorher überhaupt noch nicht geliebt habe. Weder beim ersten, zweiten oder dritten Mal. Auch wenn ich das damals so bezeichnet habe. Denn damals habe ich immer noch Bedingungen im Kopf gehabt, war nicht bereit mich ganz und gar fallen zu lassen, wollte immer noch Kontrolle haben, über das was ich damals Liebe nannte. Heute weiß ich, dass alles NICHT bedingungslos war. Hier und Jetzt liebe ich bedingungslos. Ich habe keine Kontrolle mehr über dieses Gefühl. Es durchzieht meinen gesamten Körper, jede Zelle ist erüllt davon, der letzte Winkel meiner Seele schwingt in diesem so herrlichen Gefühl. Es ist mystisch und voller wohliger Energie. Es durchdringt mich in so einer Intensität, die ich NIE für möglich gehalten hätte (selbst jetzt, wenn ich dies schreibe, könnte ich zerspringen vor Glück, weil ich das Gefühl überall spüre). Von DIESER Liebe WEIß ich (weil sie es mich spüren lässt) das sie unteilbar ist. Und jetzt wo ich dies schreibe, merke ich wie schwer es ist, dies zu erklären. Ich hoffe ich konnte dir trotzdem bei deinen Fragen wenigstens etwas weiterhelfen. |
![]() | 29. März 2010 die Absolutheit der eigenen Gefühlswelt :) Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem ich sage, dass ich vorher überhaupt noch nicht geliebt habe. Weder beim ersten, zweiten oder dritten Mal. @shyila ist es für dich vorstellbar, dass sich das zB. für Menschen, die irgendwann polyamore Formen der Liebe erfahren/erleben, genau so, wie von dir beschrieben anfühlt, oder hältst du soetwas für ausgeschlossen ? Diese würden dann zwar eher formulieren: Von DIESER Liebe WISSEN sie, dass sie nicht beschränkt ist. |
![]() | 29. März 2010 Viele Menschen treffen an diesem Punkt die "normale" Wahl zwischen dem einen oder dem anderen, oder man trennt sich komplett. Polys haben an diesem Punkt, entweder nicht die Kraft sich zu entscheiden und sehen ein Zusammenleben als "vernünftiger" an, oder sie besitzen die Kraft sich direkt für eine Liebe x+1 zu entscheiden. Bei uns war es das sich nicht entscheiden Können in der Katastrophe, das Eingeständnis, dass jede Wahl zwischen dem Einen oder dem Anderen eine falsche Wahl wäre. Was mich an dieser Stelle interessiert: Wie nimmt man der Frau (in diesem Beispiel) ab, dass sie 'plötzlich' ihre Liebe teilen kann (und das auch noch gerecht)? Nach den bisher gelebten Mustern muss Mann doch dann annehmen, dass sie sich vor einer Entscheidung drückt und vielleicht nur 'aus Gefallen' oder schlechtem Gewissen bei ihm bleibt...oder auch wirtschaftlichen Gründen...whatever. Dann muss doch die eigene Liebe so stark sein (auch nach alle den Jahren) dass man ihr 'alles' einfach mal glaubt und an ihrer Authentizität null zweifelt... Sich nicht entscheiden zu können hat manchmal ganz praktische Gründe, hier klingt es irgendwie 'fremd' für mich... Sabdi (m) |
![]() | 29. März 2010 @ER_Win @shyila ist es für dich vorstellbar, dass sich das zB. für Menschen, die irgendwann polyamore Formen der Liebe erfahren/erleben, genau so, wie von dir beschrieben anfühlt, oder hältst du soetwas für ausgeschlossen ? Ich kann mir das nicht vorstellen. Deshalb hab ich ja so Probleme mit der Definintion bzw. Intensität der Liebe. ABER: Nur weil ich mir das nicht vorstellen kann, heißt das ja nicht das es das nicht vielleicht doch gibt. Aber ich glaub´s halt nicht. Das ist wie mit Gott...ich glaub nicht an ihn, was aber nicht heißt, dass es ihn nicht vielleicht doch gibt (könnt mir da schon mehr ne Göttin vorstellen |
![]() | 29. März 2010 @sabdi Wie nimmt man der Frau (in diesem Beispiel) ab, dass sie 'plötzlich' ihre Liebe teilen kann Genau da liegt der Hund begraben... Ich übertrage das nur auf alle, würde aber dann nicht sagen, dass ich ihnen nicht glaube, sondern das sie nicht lieben. Jedenfalls nicht beide, bzw. nicht in der Intensität, wie ich Liebe verstehe. |
