![]() | 17. Februar 2010 Kinder in die offene Beziehung einweihen? Liebe Joyclub-Gemeinde, wir würden uns über Meinungen und vor allem Erfahrungen von Eltern mit Teenager-Kindern freuen, die in einer offenen Beziehung leben. Es geht um die Frage, ab welchem Alter es sinnvoll ist, die Kinder in die offene Beziehung mit einzuweihen. Wir leben seit vielen Jahren in einer festen Beziehung und haben zwei Kinder, eines erwachsen und das andere 14 Jahre alt. Seit mehreren Jahren haben wir unsere Beziehung geöffnet und pflegen zunehmend weitere, auch länger dauernde, sexuelle Beziehungen. Unser erwachsenes "Kind" ist seit längerem eingeweiht. Wir diskutieren nun zwischen uns, ob wir das auch für das jüngere Kind tun sollen. Der Grund ist, dass wir unser liebevolles und offenes Verhältnis zu den Kindern nicht durch die Konstruktion von irgendwelchen "Geschichten", wo Mama oder Papa heute Nacht denn sind oder woher wir xy denn kennen, belasten wollen. Auf der anderen Seite wissen wir aus eigener Anschauung, wie schwierig für pubertierende Kinder in diesem Alter die ersten "Gehversuche" mit dem anderen Geschlecht sind. Da wollen wir nicht obendrein noch Verwirrung stiften und vielleicht auch Unsicherheiten auslösen, was unsere feste Beziehung anbelangt. Das ist also unser momentaner Zwiespalt. Ihr solltet vielleicht wissen, dass wir unser Beziehungsmodell selbstverständlich beide so wollen und eifersuchtsfrei leben. Auch stellen wir unsere feste Beziehung keinesfalls in Frage. Das ganze hat auch einen Umfang, der von unserem Familienleben wohl nicht mehr Zeit wegnimmt als es irgendwelche Hobbies tun würden. Bitte lasst uns Diskussionen über die Definition von "offener Beziehung" oder moralische Standpunkte, ob man das darf oder nicht, vermeiden. Wir wissen was wir tun und wie weit wir gehen wollen. Wenn, dann würden wir unserem Kind sagen wollen, dass es neben unserer Liebe eben noch weitere Menschen in unserem Leben gibt, mit denen wir Zeit verbringen. Danke vorab für Eure rege Beteiligung! |
![]() | 18. Februar 2010 Kinder in die offenen Beziehung einweihen? Vielen Dank für diesen Beitrag, den wir sehr interessiert verfolgen werden. Auch uns wird sich diese Frage über kurz oder lang noch stellen. Zwar sind die Kinder jetzt unter 7 Jahre alt, aber und das wissen wir alle, die Schnittstellen wie Internet, Telefongespräche bzw. abendliche Ausflüge sind für die beiden hoch interessant und werden immer gründlich hinterfragt. Auch wir leben im Zwiespalt, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zu predigen, selbst aber gelogene Konstrukte aufzustellen, die unsere Abwesenheit begründen. Das das vorerst nicht anders geht wissen wir, weil die Kinder noch zu klein sind, um die Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen. Da aber die sexuelle Reife und das Wissen darum immer zeitiger einsetzen, so zumindest unser Eindruck, wollen wir auch vorbereitet sein und überlegen jetzt schon, wann es Zeit sein könnte, uns zu offenbaren. LG appleitx |
![]() | 18. Februar 2010 Unser Kind weiß seit jeher, dass wir eine offene bzw. polyamore Beziehung leben - und hat damit keinerlei Probleme, hat auch noch niemals welche gehabt. Aber es gab natürlich Gespäche, Fragen, Diskussionen ... Und die meisten unserer Freunde handhaben das ähnlich: alle Kinder wissen und respektieren das. Doch in allen Fällen leben die Familien auch sonst sehr offen und ehrlich in dieser Hinsicht. Anders ist es uns nicht vorstellbar. Kinder ahnen bzw. "riechen" das weit mehr, als wir uns vorstellen können. Und wüssten sie, dass da etwas strikt verheimlicht wird, würde das die Beziehung zueinander ähnlich stören wie andersrum, wenn die Kinder ihren Eltern etwas Grundsätzliches zu verheimlichen versuchen (ich meine damit nicht Tagebücher und die üblichen kleinen Geheimnisse, die alle Teenies haben): Irgendwie ist dann nach unserer Erfahrung "der Wurm drin". (Der Antaghar) |
![]() | 18. Februar 2010 @Antaghar Ich bin ganz bei dir, keine Frage, dass haben wir ja auch schon im persönlichen Gespräch thematisiert. Aber und das wäre unsere Frage. Sollen wir unsere Kinder, die noch nicht sexuell aufgeklärt wurden, in diese Beziehungskonstellationen einweihen? Wir hätten große Angst, sie könnten mit diesem Wissen, das Mama mehrerer anderen Mann hat, nicht umgehen. Wir erleben gerade Diskussionen, unter den Kindern, die sich um andere Paare drehen, die sich in Trennung befinden oder bereits getrennt sind. Das ist ziemlich schlimm für die Kinder und sie beobachten uns daher ganz genau in unserem Tun und Handeln. Für unsere Kinder ist die Liebe untereinander und die Sicht auf unsere Liebe sehr elementar und bestimmend vordergründig. Das erleben wir fast täglich, wenn wir schmusen uns küssen oder miteinander reden. Wann ist denn ein Kind bereit dafür, zu verstehen, dass Mama oder Papa einen anderen Partner "liebt" bzw. mit ihm "sexuell verkehrt"? Doch sicher nur mit dem dafür nötigen Wissen über unsere Sexualität und den körperlichen Vorgängen und Abläufen, also nach der sexuellen Aufklärung und nur mit vorbereitenden Gesprächen zu Beziehung und Gesellschaft? Oder sehen wir das zu eng? LG appleitx |
![]() | 18. Februar 2010 Na mit dem Thema scheinen wir ja ins Schwarze getroffen zu haben. Übrigens haben wir "Polyamor" gedanklich mit eingeschlossen, als wir "offene Beziehung" schrieben, nur als Randbemerkung. @appleitx: Zum Glück sind wir nicht die einzigen sind, die sich in den Zwiespalt hineinmanövriert haben, den man wie Antaghar zeigt vielleicht auch gar nicht hätte entstehen lassen müssen. Aber wir sind da doch noch etwas vorsichtig, auch Freunden gegenüber. Sozusagen eine verborgene Offene Beziehung. @Antaghar: Ich hätte bei Euch mit nichts anderem gerechnet. Doch in allen Fällen leben die Familien auch sonst sehr offen und ehrlich in dieser Hinsicht. Meinst Du damit, dass Freunde, Verwandtschaft etc. also alle, die's wissen wollen, Euer Lebensmodell kennen? Mutig, mutig! Übrigens stimme ich Dir volkommen zu, was die feinen Antennen der Kinder anbelangt. Deswegen brennt's uns ja jetzt auch auf den Nägeln. Wir wollen ja nicht den Eindruck erwecken, wir gehen heimlich fremd. |
![]() | 18. Februar 2010 Welch eine Frage! *top* Da muss ich mich erst einmal setzen, denn ich gebe zu, dass ich mir über die Herausforderung, die eigenen Kinder in eine nicht "alltägliche" Beziehungsform einzuweihen, noch wenig Gedanken gemacht habe. Das liegt daran, dass das Kind, mit dem ich meinen Alltag teile, noch keine zwei Jahre alt ist und damit nun sicherlich unstrittig zu jung für Erklärungen jedwelcher Art ist. Es sind also quasi ungelegte Eier für mich ... Wann aber ist es Zeit, ehrlich zu sein und seinem Kind ein Konzept nahe zu bringen, das sexuelle Treue nicht als unmittelbare Voraussetzung einer intakten Familie sieht? Zunächst ist es sicherlich wichtig, ihm zu zeigen, dass seine Eltern sich lieben - noch nimmt er sie ja nicht unbedingt als zwei eigenständige Persönlichkeiten wahr. Sie existieren nicht in seiner Welt, sondern sie SIND schlichtweg seine Welt! Und ich denke, dass es auch in der frühen Pubertät und in der Zeit, in der sich erste Bande mit dem anderen Geschlecht ergeben, durchaus denken darf, dass Liebe und erste Küsse exklusiv vergeben werden Oder? Ich glaube, dass ich mich später dazu nochmal melden muss ... |
![]() | 18. Februar 2010 Und ich denke, dass es auch in der frühen Pubertät und in der Zeit, in der sich erste Bande mit dem anderen Geschlecht ergeben, durchaus denken darf, dass Liebe und erste Küsse exklusiv vergeben werden Oder? Genau das ist der Grund, warum wir es bisher nicht erzählt haben! Für uns ist das Modell "Offene Beziehung" etwas, das eine gewisse Reife und Erfahrung in Beziehungsdingen voraussetzt. Es war für uns als Erwachsene schon kein einfacher Prozess, dort zu landen. Es mag altmodisch klingen, aber für uns ist es irgendwie heilig, dass die ersten Schritte eines Kindes mit dem anderen Geschlecht die Intensität und Exklusivität haben, die wir von unserer Jugend kennen, und nicht wild in die Gegend verteilt sind, wie Du schreibst eben. |
![]() | 18. Februar 2010 Könnt Ihr Euren Kindern nicht noch Zeit geben? Ist es Euch so dringend, ihnen Euer Lebens- und Beziehungskonzept vorzustellen, vielleicht sogar überzustülpen? Das passt für mich ganz prima in den Überforderungstenor, der unsere Gesellschaft heute durchzieht. Englisch im Kindergarten, auf acht Jahre verkürztes Gymnasium ohne Abspecken der Lehrpläne, und kaum haben die Kinder Haare am Sack, sollen sie sich mit polyamoren Beziehungsformen auseinandersetzen. Und wo bleibt da die Zeit für eigenes Ausprobieren? "Papa, wie streichle ich Katis Busen, ohne dass sie immer zuckt? Und warum klemmt sie die Oberschenkel zusammen, wenn ich ihren Bauchnabel kraule?" Das sollte eher die Probleme eines Vierzehnjährigen beschreiben. Dass Ihr Euch ihm erklären wollt, könnte das vielleicht Euer eigener Rechtfertigungsdruck sein? Der fragt schon, wenn er da was genaueres wissen will. Schließlich leiden die Kids grade an der langen, schwer heilbaren Krankheit namens Pubertät und haben ganz viel anderes im Kopf. Lasst sie erstmal eine Zweierbeziehung leben, oder besser leben lernen. Für offene Beziehung ist in der Entwicklung erst Platz, wenn Zweierbeziehung langweilig geworden ist und es eines Inputs von aussen bedarf. Ihr habt doch vermutlich euer Sexualleben auch nicht gleich mit Sexspielzeugen und Overknees begonnen, die sind bestimmt (wie bei uns) erst dazugekommen, als der klassische Missionar mit seinen Varianten ein Gähnen hervorgerufen hat. Vielleicht erledigt sich Euer Ansatz ja auch von selbst ("Mama, lass mich mit Eurer Beziehungskacke in Ruhe!"). LG tempeltänzer |
![]() | 18. Februar 2010 Papa, wie streichle ich Katis Busen, ohne dass sie immer zuckt? Richtig muss es natürlich heissen: "... DAMIT sie immer zuckt" Aber Spaß beiseite, ich denke, dass es hier nicht um Rechtfertigung geht, sondern auch darum, dem Kind eigene Überzeugungen nahe zu bringen, bevor es selbst dahinter kommt, wie Mama&Papa ihre Beziehung leben. Grundsätzlich aber stimme ich Dir zu, @tempeltaenzer: Ein Kind sollte selbst ausprobieren können! Und dazu bedarf es eigener Erfahrungen, die nun einmal mit einer gewissen Exklusivität von Liebesbezeugungen beginnen, im Grunde so, wie wir alle es einmal gelernt haben. Oder die meisten. Wie aber lässt man das zu, ohne zu lügen, ohne zu erklären, warum und mit wem Papa (oder Mama) den Abend verbringt? Vielleicht melden sich ja einmal User, deren Eltern schon "offen", als "Swinger" oder polyamor gelebt haben und sagen uns, wie sie an dieses Thema herangeführt wurden? |
![]() | 18. Februar 2010 @tempeltaenzer Ich vermute, dass es auf "interessiert mich nicht wirklich, ist Euer Ding" als Antwort des Kindes hinausläuft, das kennen wir, das wäre doch prima! Du hast den Punkt nicht verstanden: Wir wollen dem Kind nicht irgendwas "nahe bringen", sondern vermeiden, dass aus dem, was es im täglichen Leben davon fast unweigerlich bemerkt und nicht in Einklang bringen kann dem was es weiss sich - Unehrlichkeit und Verlogenheit in das Verhältnis Eltern-Kind einschleicht, - und womöglich die Befürchtung aufkommt, wir wollten uns trennen. |
![]() | 18. Februar 2010 absolute Zustimmung, @lebenstoll! Aber da ich ja vorher schon dem @tempeltaenzer weitgehend zugestimmt habe, scheint die Gretchenfrage ja zu sein, wie man selbst
und andererseits
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![]() | 18. Februar 2010 ich kann auch NOCH nicht wirklich mitreden.... im moment sind unsere beiden noch im grundschulalter. bisher wundern sie sich überhaupt nicht drüber, wenn mama oder papa zu einem freund oder einer freundin fahren. das ist eine selbstverständlichkeit, in ordnung, da werden keine großen fragen gestellt und ich hoffe, dass sie sich diesen unbefangenen umgang damit auch für später behalten können. ich habs immer so gehalten (in der familie und im pädagogischen bereich), dass ich kindern dann antworten gebe, wenn sie fragen. und tunlichst vermeide ihnen da vorher antworten zu geben, die sie vielleicht gar nicht haben möchten. wenn solche fragen dann kommen, sollte man halt nicht ins stottern geraten und auch nicht anfangen lügengeschichten zu erzählen. im mom denke ich mir, dass das kein großes problem wird - aber das wird sich zeigen. lg fishandchips |
![]() | 18. Februar 2010 @fishandchips ich habs immer so gehalten (in der familie und im pädagogischen bereich), dass ich kindern dann antworten gebe, wenn sie fragen. und tunlichst vermeide ihnen da vorher antworten zu geben, die sie vielleicht gar nicht haben möchten. Eigentlich klingt das gut. Nur glaubst Du, sie würden fragen, wenn sie heimliches Fremdgehen vermuten? Ich weiss nicht so recht.. |
![]() | 18. Februar 2010 Nur glaubst Du, sie würden fragen, wenn sie heimliches Fremdgehen vermuten? in unserem fall werden sie das ja nicht vermuten können. wenn ich sage "kinders, bis sonntag ! ich fahr zu nem freund" und der papa steht daneben... wie sollten sie da an heimlichkeiten denken können ? in vorleistung muss man als eltern sicher gehen. das meinte ich mit "selbstverständlichkeiten schaffen". gar keine situationen entstehen lassen, die irgendwie nach außen seltsam aussehen könnten. lg fishandchips |
![]() | 18. Februar 2010 Ab welchem Alter? In einer anderen Gesellschaft, in welcher sexuelle Offenheit herrscht, müsste diese Frage gar nicht gestellt werden. In unserer schon! Wir haben es so gehandhabt, dass wir auf die ersten Fragen offen und ehrlich eingegangen sind und auch darüber geredet haben, dass es da sehr viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Das begann so etwa mit 13 - 15 Jahren. (Vorher glaube auch ich, dass es sinnlos wäre oder vielleicht sogar nicht mal wirklich gut für die Kinder. Aber ich bin da unsicher.) Und er geht nun dennoch seinen eigenen Weg, probiert eigene Möglichkeiten aus, was ich gut und richtig finde - und wird vielleicht irgendwann ganz anders leben als wir. Andererseits kenne ich Gemeinschaften, in welchen die Kinder die sexuelle Offenheit ihrer Eltern von klein auf mitkriegen - und nicht nur keinerlei Schaden daran leiden, sondern auf mich freier, fröhlicher, ungezwungener wirken als andere. Ich denke, jeder sollte da individuell entscheiden - aber auf jeden Fall sein eigenes Lebensmodell dem Kind nicht als das einzig wahr eund richtige "verkaufen" (ähnlich wie bei Religionen) und stets im Gespräch mit den Kindern bleiben sowie wirklich offen sein für kritische Fragen. Dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es zu Schwierigkeiten führt, egal in welchem Alter. Und mir ist dergleichen auch noch nie zu Ohren gekommen. Die meisten Kinder sind da weit offener, neugieriger, unvoreingenommener und unbefangener, als wir Erwachsenen glauben - es sei denn, sie wurden bisher "verklemmt" erzogen, dann kann solch eine Öffnung unter Umständen auch für Kinder problematisch sein. Aber auch da bin ich mir gar nicht sicher. (Der Antaghar) |
